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The Gunman

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kritiken.de Redaktion 30.04.2015
The Gunman© StudioCanal Deutschland
A ca. 1276 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

The Gunman: Actionhandwerk und moralisches Unbehagen im Zeitalter des globalen privaten Krieges

Einleitung

Mit The Gunman, der am 30.04.2015 erschien, versucht ein modernes Agentendrama, die Konventionen des Actionkinos mit den Fragen eines politischen Thrillers zu verknüpfen. Auf den ersten Blick ist der Film ein Vehikel für knappe, physische Präsenz und internationale Verstrickungen; beim genaueren Hinsehen jedoch bemüht er sich, die Konsequenzen individueller Gewalt und die Verwischung von Verantwortung in einer Ära der privatisierten Konflikte sichtbar zu machen. In dieser Doppelperspektive liegt seine Relevanz: Der Film sitzt an der Schnittstelle zwischen populärer Entertainmentästhetik und zeitgenössischer Debatte über Körper, Schuld und institutionelle Verantwortung.

Regie führt Pierre Morel, dessen Name nach Filmen wie Taken für ein bestimmtes, markantes Actionrepertoire steht. The Gunman will weniger nostalgisch-episches Heldentum pflegen als das zermürbende Nachspiel militärischer Effizienz zeigen. In der Besetzung mit Idris Elba, Sean Penn und Javier Bardem trifft das Werk auf Schauspielerschichten, die jeweils eine andere kulturelle Erwartung an die Figur des Gewaltmonopolisten mitbringen - vom kühlen Vollstrecker zur zerrissenen Gewissensinstanz.

Angesichts der geopolitischen Entwicklungen der letzten Dekade - wachsende Einsätze privater Sicherheitsdienste, diskutierte Exekutivbefugnisse und eine Medienkultur, die Gewalt zugleich banalisierend und dramatisch auflädt - liest sich The Gunman als Produkt und Kommentar seiner Zeit. Er ist nicht ausschließlich ein Kommentar, aber ein Versuch, die Ästhetik des Thrillers zu nutzen, um Fragen nach Rückverfolgbarkeit, Vergeltung und dem Preis des Überlebens zu stellen.

Kurzüberblick zur Produktion

Pierre Morel bringt in The Gunman seine charakteristische Regiehandschrift ein: ein Interesse an unmittelbarer körperlicher Präsenz, präziser Actionchoreografie und einer Kamera, die Nähe erzeugt und dabei die Spannungen zwischen Jäger und Gejagtem betont. Die Produktion positioniert sich als internationaler Mainstreamthriller mit mittlerem bis gehobenem Budget und nutzt die Zugkraft eines breit gefächerten Ensembles, um eine Geschichte zu erzählen, die von privaten wie politischen Verflechtungen lebt.

Der Film beruht lose auf der literarischen Tradition des einsamen Killers, der mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, und adaptiert diese in einen zeitgenössischen Kontext. Produktionsseitig manifestiert sich dies in einer klaren Inszenierungslogik: urbane Kulissen, ein schneller Schnitt-Rhythmus in Aktionseinlagen und eine Montage, die zwischen Verfolgungsszenen und ruhigen Momenten der Selbstbefragung pendelt. In Morels Gesamtwerk bleibt The Gunman ein Versuch, die konventionellen Mechaniken des Genres um eine moralpsychologische Dimension zu erweitern.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Idris Elba fungiert als dramaturgischer Dreh- und Angelpunkt. Bekannt geworden durch Rollen, die eine Mischung aus physischer Präsenz und innerer Zerrissenheit verlangen - von Stringer Bell bis zum Ermittler Luther - bringt Elba hier eine souveräne, aber oft verletzliche Härte ein. Sein Typus des gestählten, reflektierenden Protagonisten trägt die Ambivalenz des Films: kompetent in der Kunst des Tötens, zugleich von Zweifeln gezeichnet.

Sean Penn, dessen Karriere ein Repertoire intensiver, moralisch komplexer Figuren umfasst, liefert in einer prominenten Neben- oder Gegenpartrolle jene gravitätische Energie, die politischen Intrigen Gewicht verleiht. Penns Präsenz verschiebt das Genre vom reinen Actionfeld hin zu einem Drama über Verantwortung und Macht. Javier Bardem, oft als Inbegriff charismatischer Antagonisten besetzt, rundet dieses Dreieck mit einer Aura der bedrohlichen Souveränität ab. Ergänzt wird das Ensemble durch routinierte Charakterdarsteller wie Ray Winstone und den zurückhaltenderen Mark Rylance, die dem Film unterschiedliche Tonlagen geben - vom rauen Realismus bis zur contemplativen Zurückhaltung.

Handlung (spoilerfrei!)

Im Kern handelt The Gunman von einem ehemaligen Operativen, der nach Jahren im Dienst in die Selbstbeobachtung zurückkehrt, nur um erneut ins Visier mächtiger Akteure zu geraten. Die Erzählung folgt einem einfachen, aber effektiven Spannungsbogen: die Konfrontation mit der Vergangenheit, die Suche nach Klarheit und die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen weit über das eigene Überleben hinausreichen. Zentrale Figuren sind der gejagte Protagonist, Akteure aus dem Umfeld seiner früheren Einsätze und Figurengestalten, deren Loyalitäten offen und wandelbar bleiben.

Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall von individueller Moral und institutioneller Logik. Atmosphärisch pendelt der Film zwischen klaustrophobischen Momenten innerer Bedrängnis und offenen, urbanen Jagdszenen, wobei er eine Tonalität wahrt, die gleichermaßen nüchtern und gelegentlich lakonisch ist. Handlungstechnisch bleibt The Gunman konsequent auf Spannung gesetzt, ohne zum reinen Actionparcours zu verkommen.

Zentrale Themen und Motive

The Gunman stellt Fragen nach Schuld, Verantwortung und der Vereinbarkeit von Profession und Gewissen. Er verhandelt die These, dass die Instrumentalisierung von Gewalt durch Staaten oder private Interessen persönliche Beziehungen, Identitäten und die Möglichkeit gesellschaftlicher Rechenschaft grundlegend verändert. Zentral ist die Idee, dass Gewalthandeln nicht an Einsatzorte oder Verträge gebunden bleibt, sondern zurückkehrt - in Form von Verdrängung, Trauma und einer Forderung nach Aufklärung.

Ästhetisch verbindet der Film körperliche Präsenz mit psychologischer Eindringlichkeit. Motive wie Verfolgung, Verbergen und die physische Alterung des Kämpfers werden benutzt, um einen breiteren Diskurs über die Kosten der Moderne zu führen - nicht nur wirtschaftlich oder politisch, sondern existenziell. The Gunman verweigert einfache Antworten; stattdessen bietet er ein Spannungsfeld, in dem Handlungskinetik und moralische Komplikation sich gegenseitig beleuchten.

Filmkritik von Peter Osteried

Sean Penn ist der Gunman!

Es hat den Anschein, als wolle Luc Besson als Produzent erneut einen Schauspieler, der normalerweise nicht mit Actionformaten in Verbindung gebracht wird, zum Actionstar machen. Das hat einmal mit Liam Neeson geklappt, der seit 96 Hoursseine späte Berufung als Haudegen gefunden hat. Nun könnte es auch mit Sean Penn funktionieren, wobei seine Rolle in The Gunman deutlich weniger serientauglich ist.

Vor acht Jahren in der Demokratischen Republik Kongo: Terry (Sean Penn) und seine Freunde sind als Schutzdienst für die Hilfseinsätze einiger NGOs eingesetzt, aber sie haben auch noch einen anderen Auftrag. Als der Bergbauminister unvorteilhafte Entscheidungen trifft, erhalten sie den Auftrag, ihn auszuschalten. Das Attentat gelingt, aber Terry muss danach das Land verlassen – und damit auch die von ihm geliebte Annie.

Jahre später arbeitet Terry als Entwicklungshelfer und wird von mehreren Männern angegriffen. Es ist klar, dass er gezielt getötet werden sollte – wegen dem, was damals im Kongo passiert ist. Terry macht sich auf die Suche nach den Drahtziehern und trifft dabei erneut auf Annie.

96 Hours-Regisseur Pierre Morel hat auf Basis des französischen Romans von Jean-Patrick Manchette einen geradlinigen Action-Thriller inszeniert, der vor allem deswegen erstaunt, weil er nicht durchgehend auf das Kampfgetümmel setzt, sondern auch eine Geschichte erzählen will. Der moralische Ansatz, der speziell am Anfang und Ende des Films in Form einer Nachrichtensendung, etwas arg überzogen daherkommt, hält zwar nicht viel aus, da er letzten Endes auch nur aus Allgemeinplätzen besteht, müht sich aber immerhin, der Geschichte ein bisschen Hintergrund zu verleihen.

Das nutzt The Gunman als Vehikel ganz gut, unterm Strich ist es aber natürlich ein nicht allzu origineller Film, dessen Geschichte man in variierender Form schon häufig gesehen hat – bis hin zum ehemaligen Auftragskiller, der gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe ist. Das spielt Sean Penn ziemlich gut. Er porträtiert den von Gewissensbissen getriebenen Terry als einen Mann, der versucht, für seine Taten Buße zu tun, der aber auch bereit ist, sich sofort wieder auf dieses Spiel einzulassen, wenn es darum geht, die Dame seines Herzens zu retten.

Das ist der Stoff eines B-Films, aber unter Morels routinierter Regie und mit einer Wagenladung erstklassiger Schauspieler wirkt er dann eben doch deutlich aufwendiger. Sicherlich, weder Idris Elba noch Ray Winstone haben wirklich etwas im Film zu tun, sie bereichern The Gunman aber auf jeden Fall – und harmonieren gut mit Penn, bei dem man anfangs das Gefühl hat, dass er ein paar Schwierigkeiten hat, sich auf die Rolle des Action-Helden einzulassen. Er meistert sie dann schon, ihm hilft aber ganz klar auch, dass Terry einen Hauch von Tiefgang besitzt und durch die gesundheitlichen Probleme angeschlagen ist.

Was die Geschichte selbst betrifft, so kann man natürlich erahnen, wer der Drahtzieher ist und warum nach so langer Zeit Jagd auf den Protagonisten gemacht wird. Es ist ein Standard-Plot, der hier zum Einsatz kommt, das aber routiniert, schön gefilmt und flott erzählt. Es gibt schlechtere Arten, knapp zwei Stunden zu verbringen.

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