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The Flash

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kritiken.de Redaktion 16.06.2023
The Flash
A ca. 886 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten  📋 Inhalt

The Flash und das Spektakel der Erinnerung: Superheldenfilm als melancholische Zeitmaschine der Gegenwart

Einleitung

Mit The Flash tritt ein Film an, der weniger als bloßer Blockbuster denn als Knotenpunkt einer popkulturellen Debatte verstanden werden muss: um Franchise-Ökonomie, um nostalgische Verwertungsweisen und um die ästhetischen Grenzen des Superheldenkinos im Zeitalter des Multiversums. Die Bedeutung des Films liegt weniger in einer originellen Erzählung als in der Art und Weise, wie er historische Figuren des Genres rekonstruiert, paraphrasiert und in ein neues narrativ-ästhetisches Gefüge einfügt.

Regisseur Andy Muschietti, bekannt geworden durch das Horrorepos It, bringt eine visuelle Handschrift in das DCEU ein, die zwischen Intimität und bombastischer Bildgewalt oszilliert. The Flash setzt diese Pole auf ungewöhnliche Weise zusammen: Nahaufnahmen, die psychische Fragmente lesen wollen, treffen auf digitale Spektakel, die die Zeit als formbares Element behandeln. Daraus ergibt sich ein Film, der weniger linear ist als reflexiv über die Möglichkeiten und Risiken einer filmischen Reparatur der Vergangenheit.

Der Film ist zugleich ein Produkt seiner Produktionsgeschichte. In einer Phase, in der Studios die Grenzen zwischen Wiederholung und Innovation ausloten, fungiert The Flash als Versuch, Kontinuitäten zu wahren und zugleich narrative Korrekturen vorzunehmen. Für das Publikum steht deshalb nicht nur eine Figur im Mittelpunkt, sondern ein ganzer kultureller Apparat, der Fragen nach Verantwortung, Erinnerung und medialer Nostalgie verhandelt.

In der öffentlichen Wahrnehmung tritt der Film außerdem in einen komplexen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Diskussionen über Prominentenkultur, Verantwortung von Konzernen und die mediale Verarbeitung von Skandalen. Diese Rahmenbedingungen prägen die Lesart des Films und machen ihn zu einem Spiegel aktueller Erwartungen an das große Genre-Kino.

Kurzüberblick zur Produktion

The Flash entstand unter der Ägide von Warner Bros. Pictures und DC Films und ist Teil der langjährigen Bemühungen, ein zusammenhängendes Filmuniversum um die Figuren der Comicvorlage zu etablieren. Andy Muschietti, der Regie führte, überträgt Motive aus seinen früheren Arbeiten in ein anderes Genre: das formative Spiel mit Kindheitsbildern, die Kombination aus beklemmender Nähe und weiten, CGI-stützen Räumen.

Die Produktion war von umfangreichen Vorbereitungen und nachträglichen Eingriffen geprägt. Mit einem geschätzten Budget in der Größenordnung von rund 200 Millionen Dollar bewegt sich The Flash auf dem Niveau großer Franchise-Produktionen. Technisch stehen komplexe visuelle Effekte und aufwändige Nachdrehs im Vordergrund, die das Motiv der Temporalität nicht nur erzählerisch, sondern auch formal reflektieren. Solche Produktionsbedingungen führen zu einem Film, der seine Produktionsgeschichte sichtbar trägt und an der Schnittstelle zwischen Studioanspruch und persönlichem Autorenmoment operiert.

Stilistisch lässt sich der Film als Meilenstein in Muschiettis Entwicklung lesen: von Horror-Inszenierungen hin zu einem Hybrid aus Melodram und Hochglanz-Action. In der Chronologie des Studios markiert The Flash einen Versuch, alte Kontinuitäten nostalgisch aufzurufen und zugleich neue Wege der Franchise-Führung auszuprobieren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Ezra Miller als Barry Allen, dessen Darstellung die psychische Zerrissenheit des Helden in den Vordergrund rückt. Miller hat in früheren Rollen immer wieder mit exzentrischen, ambivalenten Figuren gearbeitet; hier bleibt ihre Performance ein Knotenpunkt zwischen verletzlicher Menschlichkeit und comic-hafter Überzeichnung. Die Figur des Barry verlangt eine Balance zwischen jugendlicher Ungeduld und existentiellem Gewicht, die Miller zur Voraussetzung macht, ohne jedoch alle Konflikte zu lösen.

Daneben fungieren etablierte Namen wie Michael Keaton und Ben Affleck als gewichtige Bezugspunkte. Keatons Rückkehr als ikonischer Batman bringt gezielt ein Gefühl kollektiver Erinnerung in den Film, eine nostalgische Resonanz, die das Narrativ speist, ohne es allein zu tragen. Afflecks Präsenz artikuliert eine andere Kontinuitätsebene innerhalb des selben Universums und zeigt, wie verschiedene kulturelle Schichten miteinander verschränkbar sind.

Ergänzt wird das Ensemble durch jüngere Gesichter wie Sasha Calle, die die Rolle einer kryptonischen Figur übernimmt, und Kiersey Clemons, die Barry Allen emotional und narrativ stützt. Die Zusammensetzung des Casts zielt darauf ab, Legacy-Elemente zu reintegrieren und gleichzeitig neue Identifikationsfiguren zu etablieren, wodurch die Rollen über bloße Archetypen hinaus aufgeladen werden.

Handlung (spoilerfrei!)

The Flash verfolgt die Grundprämisse eines Helden, der Geschwindigkeit nicht nur als physische Fähigkeit, sondern als Mittel zur Manipulation temporaler Abläufe versteht. Im Zentrum steht ein dramatischer Konflikt zwischen dem Verlangen, Vergangenes zu retten, und den unvermeidlichen Konsequenzen dieser Eingriffe. Der narrative Motor ist die Suche nach einer Lösung für einen persönlichen Verlust, die das Genremotiv Zeitreise zum Prüfstand macht.

Die zentralen Figuren agieren in einem Geflecht aus familiären Bindungen, moralischen Dilemmata und institutionellen Erwartungen. Der Film balanciert dabei zwischen Momenten leiser Intimität und ausufernden Actionsequenzen; Ton und Atmosphäre wechseln zwischen melancholischer Nachdenklichkeit und dem visuellen Rausch großer Setpieces. Dabei bleibt die Struktur so angelegt, dass dramatische Fragen mehr gewichtet sind als überraschende Plotwendungen.

Zentrale Themen und Motive

Im Mittelpunkt von The Flash steht die Frage nach Erinnerung versus Reparatur. Der Film erkundet, ob und inwieweit die Vergangenheit eine Ressource oder eine Falle ist. Diese thematische Schwerpunktsetzung macht The Flash zu einer Reflexion über Verantwortung: nicht nur die Verantwortung des Helden gegenüber Einzelnen, sondern die Verantwortung eines Mediums gegenüber kollektiven Erinnerungen.

Darüber hinaus verhandelt der Film das Motiv der Identität in medialen Kulturen. Multiversale Verflechtungen fungieren hier weniger als bloßes erzählerisches Gimmick denn als Metaebene, auf der Varianten von Identität und Authentizität gegeneinander abgewogen werden. Das führt zu Fragen nach der Autorenschaft von Figuren, nach der Legitimität von Wiederverwendung und nach dem Preis, den Nostalgie fordert.

Schließlich hat The Flash eine psychologische Dimension: Er stellt die Ambivalenz menschlicher Trauerarbeit ins Zentrum und zeigt, wie technische Möglichkeiten ethisch herausgefordert werden. Der Film fragt, ob technisches Können moralische Klugheit ersetzen kann, und setzt damit ein philosophisches Motiv neben seine spektakulären Bilder.

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