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Professor Love

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kritiken.de Redaktion 09.06.2016
Professor Love© Wild Bunch Germany
A ca. 1292 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Professor Love - Die Lehrstunde der Leidenschaft zwischen Moral und Charisma

Einleitung

Professor Love tritt in eine Filmwelt, die seit den 2000er Jahren romantische Konventionen weniger reproduziert als seziert. Der Film, dessen Veröffentlichung am 09.06.2016 datiert ist, interessiert sich weniger für das banale Happy End als für die Mechanik von Verführung, die öffentlichen Rituale der Liebe und die Institutionen, die intime Beziehungen ordnen. In dieser Perspektive wird der Liebesfilm zu einer Bühne, auf der Autorität und Sehnsucht miteinander ringen.

Relevanz gewinnt der Film nicht allein durch seine prominent besetzte Versuchsanordnung mit Namen wie Pierce Brosnan, Salma Hayek oder Jessica Alba, sondern durch seine thematische Schnittmenge: Akademie, Medienpräsenz und heterogene Beziehungsformen kollidieren zu einem Bild moderner Intimität. Dass ein etabliertes Hollywoodgesicht die Rolle des titelgebenden Professors übernimmt, erlaubt dem Film zugleich eine Reflexion über Alter, Charisma und die Imagination männlicher Expertise in Liebesdingen.

Der Erscheinungszeitpunkt 2016 verortet Professor Love in einer Übergangsphase kultureller Auseinandersetzungen mit Machtverhältnissen in Beziehungen, noch vor der globalen Intensivierung bestimmter Debatten, aber bereits in einem Klima, in dem Öffentlichkeit, Online-Dating und die Professionalisierung von Beziehungswissen sichtbare Rollen spielen. Aus feuilletonistischer Sicht ist der Film deshalb ein Dokument seiner Zeit: ein Versuch, romantische Normen zu befragen, ohne sie vollständig aufzulösen.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Regie wird im Informationsmaterial nicht als alleiniger Name zum Hauptverkaufsargument stilisiert; stattdessen präsentiert sich das Projekt als Ensemblearbeit mit starker Gewichtung auf darstellerische Präsenz. Diese Produktionsweise ist symptomatisch für eine Reihe von amerikanischen Liebesfilmen, die sich jenseits des Großstudios bewegen und die Zugkraft bekannter Schauspieler nutzen, um anspruchsvollere, teils intellektuelle Fragestellungen an ein breiteres Publikum zu bringen.

An technischen Merkmalen fällt eine Tendenz zur polierten, atmosphärisch akzentuierten Inszenierung auf: Lichtsetzung und Raumkomposition betonen häufig die Bühnehaftigkeit akademischer Umgebungen und die Intimität privater Räume zugleich. Obgleich konkrete Budgetzahlen und Studiozuordnungen nicht im Zentrum der Kommunikation stehen, legt die Besetzungsdichte nahe, dass es sich um eine Produktion handelt, die auf erkennbaren Namen als Garant für internationale Auswertung setzt und damit die Grenze zwischen arthausigem Anspruch und mainstreamtauglicher Zugänglichkeit austariert.

Innerhalb des Gesamtwerks der beteiligten Hauptdarsteller markiert Professor Love eine Wendung hin zu reflexiven Rollen, die Erfahrung, Repräsentation und öffentliche Identität thematisieren. Der Film reiht sich damit in eine Serie von Produktionen ein, die Biografisches, Lehrhaftes und Romantisches in einer Melange zusammenführen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Pierce Brosnan, traditionell besetzt als charismatischer, leicht weltgewandter Protagonist, fungiert hier als Zentrum der Narration. In seiner Karriere stehen ikonische Rollen wie die des Bond in der Erinnerung des Publikums; seine Leinwandpersona trägt daher automatisch ein Gewicht an Selbstsicherheit und alternder Attraktivität, das der Figur des Professors eine doppelte Lesbarkeit verleiht: fachliche Autorität und latent romantische Verführbarkeit.

Salma Hayek bringt eine gebündelte Form von Emotionalität und Präsenz in das Gefüge, wie sie bereits in Rollen gezeigt wurde, die Sinnlichkeit mit politischer oder persönlicher Entschlossenheit verbinden. Jessica Alba, mit Erfahrungen in Mainstreamkomödie und dem dramatischen Feld, fungiert als Knotenpunkt zwischen Privatem und Performativem. Malcolm McDowell, als Veteran mit einer Ausstrahlung, die Intellekt und Ambivalenz verknüpft, übernimmt die Rolle desjenigen, der moralische oder institutionelle Gegenkräfte ins Spiel bringt.

Das übrige Ensemble, von Ben McKenzie über Fred Melamed bis Marlee Matlin, vervollständigt ein Panorama von Nebenfiguren, die als Kolleginnen, Vertraute, Kritikaster oder Katalysatoren der Hauptkonflikte arbeiten. Solche Besetzungen erlauben dem Film, feine Abstufungen sozialer und professioneller Beziehungen anzuzeigen, ohne die Narrative allein auf ein zentrales Liebespaar zu reduzieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Im Zentrum von Professor Love steht ein Universitätsdozent, dessen theoretische Arbeiten über Liebe öffentliche Aufmerksamkeit erregen und dessen Privatleben die messerscharfe Betrachtung seiner eigenen Thesen erfährt. Die Geschichte entfaltet sich entlang mehrerer Beziehungen: zwischen dem Professor und seinen Studentinnen und Kollegen, zwischen alten Freundschaften und neuen, beunruhigenden Verbindungen. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall von Theorie und Praxis: was gelehrt, vertreten oder gehandelt wird, trifft auf die Unberechenbarkeit menschlicher Gefühle und institutioneller Grenzen.

Die zentralen Figuren agieren in Sphären, die sowohl akademisch aufgeladen als auch persönlich verwundet sind. Es geht um Eitelkeiten und Enttäuschungen, um Machtspiele, die sich als Fürsorge tarnen, und um die Schwierigkeit, Authentizität in einer medialisierten Umgebung zu bewahren. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen ironischer Distanz, elegischer Zartheit und momentscharfer Spannung; die filmische Sprache bevorzugt präzise Dialoge, stille Beobachtungen und gelegentliche, stärker choreografierte Szenen, die das filmische Thema visuell kommentieren.

Zentrale Themen und Motive

Professor Love stellt Fragen nach der Legitimität von Expertise in Gefühlen: Wer darf über Liebe sprechen, wer sie lehren und wer sie leben? Das Verhältnis von Autorität und Verletzlichkeit ist ein wiederkehrendes Motiv. Der Film denkt die Fähigkeit von Institutionen, intime Praxis zu kategorisieren und zu regulieren, ebenso mit wie die Tendenz populärer Kultur, Liebeswissen zur Ware zu machen.

Philosophisch schwebt ein Diskurs über Performativität mit: Liebe als Aufführung, als theoretisierbares Objekt, aber auch als Widerstand gegen jede Kategorisierung. Gesellschaftlich berührt der Film die Frage, wie Generationen unterschiedliche Formen der Nähe verhandeln, wie Machtasymmetrien in Bildungs- und Medienkontexten reproduziert werden und welche Verantwortung öffentlicher Intellektueller in privaten Angelegenheiten zukommt. Psychologisch interessiert sich Professor Love für die Spannungen zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung, zwischen dem Bedürfnis nach Kontrolle und dem Risiko des Verlusts.

In der Summe liest sich Professor Love als ein Liebesfilm, der nicht allein romantisiert, sondern analytisch entschärft: Er gibt die Lehrstunde über Leidenschaft nicht als Parabel aufs Glück, sondern als Spiegelung gesellschaftlicher Konflikte, in denen Intimität, Macht und Erzählung unauflöslich miteinander verbunden sind.

Filmkritik von Peter Osteried

Pierce Brosnan ist Professor Love

Den charmanten Witz des Originaltitels How to make Love like an Englishman transportiert der plumpe deutsche Ersatz nicht, an der Wirkung dieser ganz und gar untypischen Romcom ändert das jedoch nichts. Der Film fängt im Grunde dort an, wo andere aufhören. Mit einem Happy-End, das davon erzählt, dass ein Professor aus Cambridge mit der Studentin, die er liebt und die sein Kind erwartet, in die USA geht.

Was folgt, ist die eigentliche Geschichte. Denn der Mann, der keinen guten Job hat und sich damit auseinandersetzen muss, dass ihn die USA deportieren wollen, wird von seiner Frau betrogen und durch einen anderen ersetzt. Damit nicht genug, lebt man quasi immer noch miteinander: Sie und ihr Neuer im Haupthaus, er im Poolhaus. Aber dafür entwickelt der Professor ein Interesse an der Schwester seiner Ex-Frau.

Es ist eine amüsante, an klassische Screwball-Komödien erinnernde Geschichte, die hier erzählt wird, aber auch eine, die deutlich mehr zu bieten hat, als man mit einem Blick auf die pure Oberfläche erkennen würde. Denn einerseits lebt Professor Love auch davon, dass er eine ausgesprochen merkwürdige Patchwork-Familie zeigt, in der fast jeder jeden betrügt oder betrogen hat, andererseits zeichnet das Werk auch das Bild eines Mannes, der eigentlich nicht besonders sympathisch ist. Der Professor flirtet offen mit der Schwester seiner zukünftigen Frau, bevor er weiß, dass sie schwanger ist. Er ist ein Weiberheld, ein Trinker und ein grober Klotz, aber Brosnan spielt ihn auch unheimlich entwaffnend. Besonders gilt dies, wenn man den Umgang des Mannes mit seinem Sohn sieht. Das sind die Momente, in denen Brosnans Figur wirklich lebendig wird, weil hier die Maske fällt.

Der Humor ist eher leiser Natur, aber immer vorhanden. Er ergibt sich aus den Figuren und ihren Handlungen, insbesondere dann, wenn das Stück in vollem Gange ist und jeder den eigenen Liebschaften und Träumen folgt. Zugegeben, die Chemie zwischen Pierce Brosnan und Jessica Alba bzw. Salma Hayek ist nicht besonders groß, das gereicht dem Film aber auch zum Vorteil, weil es – quasi ungewollt – illustriert, dass der Professor Schwierigkeiten hat, sich wirklich an jemanden zu binden.

Dem wilden Treiben, das immer haarscharf daran vorbeischrammt, unglaubwürdig zu werden, wohnt man gerne bei. Das Ergebnis ist ein vergnüglicher, den Klischees typischer Romcoms einen Magenschwinger versetzender Streifen, der weit mehr zu bieten hat, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Großartig ist übrigens Malcolm McDowell als Brosnans Vater, der den Weiberhelden von einst spielt und sich auch heute noch ungebührlich verhält.

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