Planes 2: Immer im Einsatz - Vom Rennoval in die Flammenzone als Fortführung eines Franchise
Einleitung
Planes 2: Immer im Einsatz tritt an, die erzählerische Formel des ersten Teils in eine andere Dienstbarkeit zu überführen: Aus der Lust am Wettbewerb wird eine Erzählung über Rettung, Verantwortung und kollektive Professionalität. Als Fortsetzung eines Spin-offs aus dem Cars-Universum steht der Film exemplarisch für den Umgang eines großen Studios mit Franchises - er verschiebt Ton und Zweck, ohne die visuelle Identität der Reihe aufzugeben.
Relevanz besitzt der Film nicht nur als Familienunterhaltung, sondern als kulturelles Dokument einer Phase, in der Animationsproduktionen ihr Interesse stärker auf serielle Verwertbarkeit und Diversifizierung von Zielgruppen richten. Er reflektiert die Konjunktur von heldenhaften Narrative, die sich in der populären Kultur um zivile Gefahren und Rettungsdienst gruppieren - ein Motiv, das im 21. Jahrhundert emotional besonders anschlussfähig ist.
Im Kontext der Filmgeschichte steht Planes 2 für eine Randerscheinung der großen Animationswelle: als Produkt eines Tochterstudios, das die Bildsprache der Pixar-Ära aufgriff und für ein klar kommerzielles, familienorientiertes Format ausformte. Der Film ist damit zunächst ein Beispiel für industrielle Formen der Animation - und zweitens ein Versuch, eine existierende Figur (den ambitionierten Piloten) in einen neuen narrativen Duktus zu überführen.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führte Bobs Gannaway, ein erfahrener Animationsregisseur und Produzent mit starkem Hintergrund im Bereich Serien- und Fernsehanimation. Seine Handschrift zeigt sich in stringenten, handwerklich sauberen Erzählstrukturen, die auf klare Figurenkonstellationen und leicht verständliche Spannungsbögen setzen. Gannaway arbeitet weniger am Rand experimenteller Animation als vielmehr im etablierten Rahmen großer Studios, wo Effizienz und Wiedererkennbarkeit zentrale Dimensionen sind.
Die Produktion entstand bei DisneyToon Studios und wurde von Walt Disney Pictures vertrieben - ein Umstand, der sowohl die Produktionsbedingungen als auch die ästhetischen Entscheidungen prägt. Statt riskanter ästhetischer Brüche setzt das Team auf polierte CGI, lebendige Farbgebung und präzise choreographierte Luftsequenzen. Der Film wurde im Sommer 2014 in die Kinos gebracht und markiert die Fortsetzung einer marktwirtschaftlichen Strategie: Franchise-Expansion durch Verlagerung von Motiv und Ton.
Innerhalb des Gesamtwerks Gannaways und der Disney-Tochterproduktionen nimmt Planes 2 eine typische Stellung ein - nicht als künstlerische Zäsur, sondern als Baustein einer medienindustriellen Erzählmaschinerie, die bekannte Figuren in veränderten Umfeldern auf die Probe stellt.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Dane Cook spricht erneut den Protagonisten Dusty, den ehrgeizigen Kleinflugzeughelden, dessen persönliche Entwicklung den narrativen Kern bildet. Cook bringt die komödiantische Tonlage und die schnelle Sprechmelodie mit, die Dusty als sympathischen, wenn auch fehlbaren Charakter zeichnen.
Julie Bowen ist in der Besetzung als Stimme einer zentralen Vertrauten zu hören und liefert eine nüchternere, sachliche Klangfarbe, die den Fokus auf Professionalität und Fürsorge unterstreicht. Ed Harris ist als erfahrener Feuerwehrpilot zu hören - seine sonore, autoritäre Stimme steht für die Kraft und Verantwortung der Rettungsmannschaft und bildet einen Kontrast zu Dustys jugendlicher Energie.
Regina King, Jerry Stiller, Fred Willard und Anne Meara ergänzen das Ensemble in prägnanten Nebenrollen; sie bringen unterschiedliche Register ein, von lakonischem Humor bis zu väterlicher Weisheit. Wes Studi, Erik Estrada, Kari Wahlgren sowie weitere Stimmen tragen zur Diversität der Figurenwelt bei - sei es durch kulturelle Färbung, komödiantische Nuancen oder militärisch geprägte Autorität. Zusammen formen die Stimmen ein Ensemble, das die Gemeinschaft der Rettungskräfte und die lokale Bevölkerung glaubwürdig macht.
Handlung (spoilerfrei!)
Die Geschichte verlagert den Schauplatz vom Wettkampf in die Gefahrenzone: Der zentrale Konflikt besteht nicht mehr primär im Sieg über Rivalen, sondern in der Bewältigung einer kollektiven Bedrohung. Der Ton wird pragmatischer; die Dramatik entsteht aus der Konfrontation mit Naturgewalten und aus der Notwendigkeit, persönliches Können in Dienst eines größeren Ganzen zu stellen.
Als zentrale Figuren fungieren der ambitionierte Protagonist, seine Mentorfigur aus dem Bereich der Rettung, sowie ein Ensemble von Spezialisten - jedes Mitglied bringt spezifische Kompetenzen und Ängste mit, die in den Ablauf von Einsätzen eingreifen. Die Spannung speist sich aus der Frage, wie sich individuelle Identität in Teamprozessen behauptet und wie professionelle Expertise in Extremsituationen funktioniert.
Der filmische Ton pendelt zwischen actionbetonter Spektakelästhetik und moments of quiet - leisen Sequenzen, die den emotionalen Kern der Figuren offenlegen. Die Atmosphäre ist sensorisch intensiv: dynamische Kameraarbeit, dichte Soundkulisse und ein Farbspektrum, das Hitze, Rauch und Kontrast verstärkt.
Zentrale Themen und Motive
Planes 2 stellt Fragen nach Verantwortung, Professionalität und Solidarität. Im Zentrum steht die Idee, dass individuelles Talent dann seine volle Bedeutung erhält, wenn es in funktionierende soziale Strukturen eingebettet ist. Dabei wird das Motiv der Reifung nicht allein als innerer Prozess inszeniert, sondern als Lernweg, der praktische Kompetenz, Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeit umfasst.
Die philosophische Dimension berührt das Verhältnis von Mensch und Natur - oder hier: Maschine und Umwelt. In der Darstellung von Feuer, Rauch und Rettungseinsätzen wird eine Ambivalenz sichtbar: Natur als Gefahr und zugleich als Prüfstein für menschliche Handlungsmacht. Psychologisch interessiert sich der Film für Mechanismen des Heldentums: Wann wird aus Mut Übermut, und wie verwandelt sich Angst in kontrolliertes Handeln?
Schließlich lässt sich eine gesellschaftliche Lesart anbringen: Die Fokussierung auf zivile Rettungsdienste reflektiert eine kulturelle Sehnsucht nach Vorbildern, die nicht im Wettbewerb, sondern im Dienst an der Gemeinschaft stehen. In einem kommerziellen Kontext fungiert Planes 2 damit zugleich als kulturelle Legitimation für die Expansion eines Franchises - die Figuren werden erweitert, ihr Zweck institutionalisiert und ihre Welt für weitere Geschichten vorbereitet.
Filmkritik von Christopher Diekhaus
„Planes 2“ auf durchschnittlicher Flughöhe
Das Erfolgsrezept der beiden „Cars“-Filme auf Flugzeuge übertragen, im Endeffekt aber weniger charmant und detailverliebt – so lässt sich der Animationsstreifen „Planes“ aus der Schmiede der DisneyToon Studios treffend beschreiben, der im Sommer 2013 über die Leinwände rauschte. Eine Produktion, die ursprünglich für den Heimkinomarkt konzipiert wurde, viele Kritiker nicht überzeugen konnte, an den Kassen aber immerhin mehr als das Vierfache ihrer Herstellungskosten einspielte und damit dem unbändigen Fortsetzungshunger Hollywoods Nahrung gab. Wirklich viel Zeit haben sich die Macher rund um Regisseur Roberts Gannaway (in Teil eins fiel diese Aufgabe Klay Hall zu) und den ausführenden Produzenten John Lasseter nicht gelassen, um das zweite Abenteuer nachzuschieben. Was dem Endprodukt phasenweise anzumerken ist, jedoch nicht zu einer kompletten Bruchlandung führt. Mit etwas Wohlwollen kann man „Planes 2 – Immer im Einsatz“ sogar als den besseren Film bezeichnen.
Da das eigentlich unbedeutende Sprühflugzeug Dusty Crophopper (Originalstimme: Dane Cook/Synchronstimme: Martin Halm) im Vorgänger zum Champion des berühmt-berüchtigten „Wings Around the Globe“-Rennens aufgestiegen ist, mussten sich die Verantwortlichen für die Geschichte des zweiten Teils eine andere Stoßrichtung einfallen lassen. Den kleinen Helden einfach in einen neuen Wettbewerb zu schicken, hätte nach purer Ideenlosigkeit gerochen und allen Sequel-Gegnern schlagende Argumente in die Hände gespielt.
Aus diesem Grund wird Dusty einige Zeit nach seinem Erfolg von einem herben Rückschlag eingeholt, der seiner Karriere ein jähes Ende setzt. Während er für weitere Flugwettkämpfe trainiert, meldet sich plötzlich das schwer beanspruchte Getriebe zu Wort, das leider irreparabel beschädigt ist. Sein volles Leistungsvermögen kann der ehrgeizige Flieger also nicht mehr abrufen und muss sich, tief enttäuscht, nach einer anderweitigen Beschäftigung umsehen. Glücklicherweise springt ihm dabei Kommissar Zufall zur Seite. Als Dusty in seiner Verärgerung mit einem Strommast kollidiert, löst er in seinem Heimatort Propwash Junction einen Brand aus, den der in die Jahre gekommene Feuerwehrwagen Mayday (Hal Holbrook/Erich Ludwig) nur mit Mühe unter Kontrolle bringen kann. Ein dramatisches Ereignis, das Dusty allerdings auf eine neue Idee bringt. Damit die Sicherheit in Zukunft wieder gegeben ist, will er sich zum Löschflugzeug umschulen lassen und macht sich schon bald auf den Weg zum Piston Peak National Park, wo der erfahrene Rettungshubschrauber Blade Ranger (Ed Harris/Henning Baum) mit seiner Crew Brände aus der Luft bekämpft.
War der kleine Protagonist in „Planes“ noch darum bemüht, seine Rolle als verlachter Außenseiter abzustreifen und seinen großen Traum vom erfolgreichen Rennflieger zu verwirklichen, stellt er sich nun in den Dienst der Gemeinschaft. Die aufopferungsvolle Note des zweiten Abenteuers klingt an, noch bevor die Geschichte überhaupt ins Rollen kommt. Schließlich informiert uns eine Texttafel ganz zu Anfang darüber, dass der Film den tapfer kämpfenden Feuerwehrleuten gewidmet ist, die tagtäglich ihr Leben aufs Spiel setzen. In emotionaler Hinsicht wirkt das Geschehen auf jeden Fall ausgereifter als noch im Vorgänger, durchbricht aber nach wie vor zu selten die Oberfläche. Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel der tragischen Backstory von Blade Ranger, die an einer Stelle besondere Erwähnung findet, nur um einige Zeit später vollkommen lieblos abgehandelt zu werden. Enttäuschend ist auch, dass Gannaway und seine Mitstreiter nicht den Mumm haben, Dusty mit einem kleinen Makel aus der Handlung zu entlassen. Stattdessen löst sich, wie es ein familientauglicher Film zu verlangen scheint, die anfangs etablierte Krise der Hauptfigur zum Ende hin ganz unvermittelt in Wohlgefallen auf. Eine herzerwärmende Geste, die sich jedoch schal und verlogen anfühlt.
Während der Einstieg noch reichlich schleppend gerät und mit zahlreichen Gags zu kämpfen hat, die partout nicht zünden wollen, wendet sich das Blatt, wenigstens zeitweise, nachdem Dusty bei der eifrigen Löschtruppe des Nationalparks aufgeschlagen hat. Auch wenn sich die hier anzutreffenden Figuren, ähnlich wie die Bewohner von Propwash Junction, zumeist nur durch eine Eigenschaft auszeichnen, lockern sie das Ganze, gerade in humortechnischer Hinsicht, entscheidend auf. Einen starken Eindruck hinterlassen vor allem die Löschfliegerdame Dipper (Julie Bowen/Kathrin Gaube), die den Flughelden Dusty fortlaufend anhimmelt, und der schweigsame Schwertransport-Hubschrauber Windlifter (Wes Studi/Thomas Albus), ein amerikanischer Ureinwohner, der, wenn er doch einmal das Wort ergreift, mysteriöse Weisheiten von sich gibt.
Dass der Film zumindest ein Kinderpublikum annehmbar unterhalten kann, liegt neben den überzeichneten, aber komischen Figuren auch an der recht ansprechenden Animationsarbeit. Die Landschaften – etwa der Piston Peak National Park – sind durchaus liebevoll gestaltet, wenngleich sie in puncto Detailreichtum keineswegs mit aktuellen Vorzeigearbeiten (beispielsweise „Drachenzähmen leicht gemacht 2“) mithalten können. Handlungstragende Elemente wie Wasser und Feuer wirken dennoch erstaunlich echt, und die rasanten Flugmanöver – mitunter aus der Cockpit-Perspektive gezeigt – sorgen für den nötigen Actionspaß. Pluspunkte, die erzählerische Schwächen aufwiegen, „Planes 2“ jedoch nicht zu einem starken Animationsbeitrag machen. Mehr als solide Kost für zwischendurch ist einfach nicht drin.

