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Maze Runner 2 - Die Auserwählten in der Brandwüste

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kritiken.de Redaktion 24.09.2015
Maze Runner 2 - Die Auserwählten in der Brandwüste© Fox Deutschland
A ca. 1312 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Maze Runner 2 - Die Auserwählten in der Brandwüste: Dystopie, Kontrolle und die Ästhetik des Kollaps

Einleitung

Maze Runner 2 - Die Auserwählten in der Brandwüste tritt in eine Phase der Reihe, in der der enge Mythos des Labyrinths sich zu einem großmaßstäblichen Dystopiepanorama ausdehnt. Der Film verhält sich weniger wie eine reine Fortsetzung im narrativen Sinn als wie eine Verschiebung der Erzählachse: vom räumlich begrenzten Überlebensspiel hin zur Ära der Verfolgung, des Misstrauens und der institutionellen Manipulation. Sein Werden ist damit symptomatisch für die 2010er-Jahre, in denen junge Protagonisten aus Jugendromanen als Vehikel für komplexere Fragen der Verantwortung und Kontrolle fungieren.

Für den Regisseur Wes Ball markiert dieser zweite Band eine Herausforderung des Tons und der Skalierung. Während sein Debüt mit der klaustrophobischen Machart des Irrgartens die Kameraperspektiven und das Tempo definierte, muss nun eine filmische Syntax gefunden werden, die sowohl die Spannung von Verfolgungsjagden als auch die existentiale Schwere einer verödeten Welt tragen kann. Die Entscheidung, die Enge des Labyrinths zu verlassen, verschiebt die ästhetischen Voraussetzungen und verlangt nach einem neuen Balanceakt zwischen Blockbusterformat und charakterzentrierter Dramatik.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung spiegelt darüber hinaus einen gesellschaftlichen Nerv: 2015 stand im Zeichen einer popkulturellen Ästhetik, die von Misstrauen gegenüber großen Institutionen und von Klimaangst durchzogen war. Als Adaption eines populären Young-Adult-Romans lässt der Film diese Strömungen in ein actiongeladenes Bild- und Erzählregister übergehen, ohne sich in der bloßen Verfilmung zu verlieren. Er bietet damit einen Ankerpunkt, um über die politische Ökologie, die Ethik wissenschaftlicher Macht und die Konstruktion von Helden in der Gegenwart nachzudenken.

Kurzüberblick zur Produktion

Wes Ball, der bereits das erste Kapitel inszenierte, führt auch in diesem zweiten Teil Regie und vergrößert die filmische Skala. Seine Handschrift - präzise kinetische Kamerabewegungen, ein Hang zu klaustrophobischen Bildkompositionen und ein spürbarer Sinn für Ensemblechoreografien - bleibt erkennbar, wandelt sich jedoch, um offene Räume und zerstörte Urbanität überzeugend zu fassen. Die Produktion sitzt in einem kommerziellen Rahmen: ein studiogestütztes Franchiseprojekt, das sich die visuelle Ambition eines Mittelklasse-Blockbusters leistet und zugleich die Erfordernisse eines Massengeschäfts berücksichtigt.

Gedreht wurde mit einer Kombination aus realen Setaufbauten und digitaler Erweiterung, was dem Film eine Mischästhetik verleiht - teils rauh und körperlich, teils computergeneriert und weitläufig. Diese Produktionstechnik unterstreicht das thematische Gegeneinander von Menschlichem und Systemischem: Nahaufnahmen, in denen körperliche Ermattung sichtbar wird, treffen auf breit angelegte Landschaften, die das Ausmaß gesellschaftlichen Versagens suggerieren. Innerhalb des Werkes von Ball nimmt dieser Film die Rolle des Übergangs ein: Er ist weniger ein Abschluss als eine Konsolidierung einer visuellen Sprache, die im weiteren Verlauf der Trilogie weiter entfaltet wird.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Dylan O'Brien setzt die Rolle des Thomas fort und bleibt das emotionale Zentrum der Erzählung. Seine Darstellung versucht, die naïve Orientierungslosigkeit des Anfangs mit einer wachsenden Entschlossenheit zu verbinden, ohne die Figur zu simplifizieren. Kaya Scodelario kehrt als Teresa zurück und verkörpert die ambivalente Figur, deren Loyalitäten und moralische Spannungen im Mittelpunkt vieler Szenen stehen. Thomas Brodie-Sangster fungiert erneut als Newt, ein ruhiger Kontrapunkt innerhalb der Gruppe, dessen Präsenz häufig die moralische Kompassnadel markiert.

Ki Hong Lee als Minho behält die physische Präsenz und das taktische Gespür, das seine Figur auszeichnet, während Rosa Salazar in der Rolle der Brenda eine raue, pragmatische Energie beisteuert, die neue Koalitionen innerhalb der Gruppe ermöglicht. Patricia Clarkson tritt als Ava Paige auf und repräsentiert die kühle, institutionsgestützte Macht; ihr Auftritt markiert die Fortsetzung eines Motivs der bürokratischen Entmenschlichung. Giancarlo Esposito bringt als Jorge eine prinzipientreue, ambivalente Führungsfigur ein, die dem Ensemble moralische Komplexität hinzufügt. Aidan Gillen übernimmt den Part des Antagonisten Janson, dessen nüchterne Härte die organisatorische Gegenseite verkörpert.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film setzt unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils an und verlegt das Geschehen aus dem geordneten Chaos des Irrgartens in eine weit offenere, von Zerstörung gezeichnete Welt. Die Gruppe der Überlebenden sieht sich neuen Bedrohungen gegenüber: nicht nur physischer Natur, sondern vor allem institutionell organisiert. Der dramatische Konflikt entsteht aus der Spannung zwischen dem Drang nach Selbstbestimmung der Jugendlichen und den Versuchen mächtiger Akteure, ihr Schicksal zu instrumentalisieren.

Zentrale Figuren sind die junge Gemeinschaft um Thomas, deren interne Dynamiken und Loyalitätsfragen den emotionalen Kern des Films bilden, sowie die Vertreter der Organisation, die hinter dem Experiment zu stehen scheint. Ton und Atmosphäre wechseln beständig zwischen Action-getriebenen Sequenzen - Flucht, Verfolgung, Kämpfe in urbanen Ruinen und Wüstenlandschaften - und passagen, die auf psychologische Belastung und Misstrauen setzen. Der Film nutzt dieses Wechselspiel, um den Zuschauer in ein Gefühl permanenter Bedrohung zu versetzen, ohne auf reine Schockeffekte zu reduzieren.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Verantwortlichkeit, Kontrolle und der Instrumentalisierung von Jugendlichen durch mächtige Institutionen. Die narrativen Linien verhandeln, wie wissenschaftlicher Fortschritt zur Rechtfertigung illiberaler Maßnahmen dienen kann und welche moralischen Kosten solche Strategien nach sich ziehen. Dabei erscheint die Brandwüste weniger als reiner Schauplatz der Verwüstung denn als Metapher für gesellschaftlichen Kollaps und die Verwundbarkeit sozialer Ordnungen.

Philosophisch tritt die Problematik von Freiheit gegen Sicherheit hervor: Wer entscheidet, welche Opfer akzeptabel sind, um eine vermeintlich größere Ordnung zu bewahren? Psychologisch interessiert der Film an den Mechanismen von Gruppenbildung, Loyalität und Verrat unter Druck. Visuell und thematisch korreliert die Ästhetik des Verfalls mit der Frage nach Erneuerung - nicht als naive Hoffnung, sondern als schwieriger, oft schmerzhafter Prozess, der kollektive Handlung und moralische Klarheit verlangt. In dieser Verbindung aus Aktion und Reflexion liegt die ambivalente Stärke des Films: er ist Unterhaltung und Diskussionsangebot zugleich, ohne einfache Antworten vorzugeben.

Filmkritik von Peter Osteried

Wo lebt sich’s nun besser, im Labyrinth oder in der Brandwüste?

Im Gegensatz zu Die Tribute von Panem oder Divergent sind die Maze Runner-Filme so etwas wie die kleinen, schäbigen Verwandten, geringer im Aufwand, fahriger in der Erzählweise und so wenig von der Vorlage überzeugt, dass kräftig geändert wurde.

Thomas (Dylan O’Brien) und die anderen Jugendlichen wurden aus dem Labyrinth gerettet. Sie befinden sich nun in einer Anlage, in der es ihnen scheinbar gut geht, aber da Teresa (Kaya Scodelario) von ihnen abgesondert wird, ist Thomas misstrauisch. Und das zu Recht, wie er bald feststellt. Mit seinen Freunden flieht er, macht damit aber im Grunde auch nur, was von ihm erwartet wird. Die Freunde gehen hinaus in die Brandwüste und laufen die Ruinen einer alten Großstadt zu. Doch ob sie dort ein sicherer Hafen erwartet?

Während sich der Vorgänger noch sehr nahe ans Original gehalten hat, erlaubt sich Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste reichlich Freiheiten. Das geht soweit, dass ganze Handlungsstränge verändert, Teile des dritten Buchs eingebracht und die Geschichte stark vereinfacht wird. Es ist fast so, als hätte man nicht das Vertrauen darauf, dass die Roman-Geschichte einen Film trägt. Vielleicht kam diese Unsicherheit aber auch daher, dass der dritte Roman all die offenen Fragen nur unbefriedigend klärt. Insofern kann man hoffen: Wenn es einen dritten Film geben sollte, findet dieser vielleicht seine eigenen, von der Vorlage unabhängigen Antworten.

Als Film selbst funktioniert das Gebotene mal mehr, mal weniger. Mehr auf Action und weniger auf Mystery setzend, gibt es einige spannende Sequenzen, die Dramatik wird aber im Grunde nie gänzlich ausgereizt. Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen, schon allein durch die Einführung einer neuen weiblichen Hauptfigur, womit sich dann auch ein klassisches Jugendbuch-Element ergibt: Eine Figur ist zwischen zwei anderen hin und her gerissen. Das ist zwar klischiert und alles andere als neu, kann aber im Grunde effektiv genutzt werden. Nur eben nicht in diesem Film, der wie schon sein Vorgänger Potenzial sträflich brach liegen lässt.

Neu sind die zombieähnlichen Cranks. Das sind Menschen, die von der Krankheit, dem Brand, verändert wurden. Eingesetzt werden sie wie handelsübliche Zombies, was etwas unspektakulär erscheint, insbesondere dann, wenn man an die gelungenen Labyrinth-Monster des ersten Teils denkt. Für oberflächliche Spannungsgenerierung reichen zwar auch die Cranks aus, es wäre nur einfach mehr drin gewesen.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste ist ein passabler, leider sehr durchschnittlicher SF-Action-Film, der zwar nicht langweilt, aber auch nicht verleugnen kann, dass es an Ideen fehlt.

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