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Masterminds

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kritiken.de Redaktion 18.08.2017
Masterminds© Senator Filmverleih
A ca. 932 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Masterminds: Eine lakonische Studie über amateurhafte Kriminalität, Kapitalismuskomik und die Ästhetik des Scheiterns

Einleitung

Masterminds wartet nicht mit moralischer Entrüstung auf, sondern mit einer komödiantischen Neugier auf das Scheitern. In einer Zeit, in der True-Crime-Formate und die bedingungslose Verwertung realer Verbrechen als Unterhaltung omnipräsent sind, tritt Jared Hess' Film als eine Art lakonischer Kommentar auf: Er verhandelt Verbrechen nicht als heroische Tat oder soziale Krankheit, sondern als lächerlichen, fast banalen Akt einer kleinen, fehlgeleiteten Bürokultur.

Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner Aussagekraft über Kriminalität als in seiner Haltung zur Erzählung selbst. Während das Publikum zunehmend von auf Hochglanz polierten True-Crime-Mythen berauscht wird, nimmt Masterminds die Perspektive der Antihelden ein - verunsicherte, komisch überzeichnete Figuren, deren Mangel an Professionalität die Darstellung von Schuld und Verantwortung verschiebt. Dadurch wird der Film zu einem Spiegel zeitgenössischer Mediensensationen: Die Sensationslust bleibt, die Tragödie wird zur absurden Farce.

Im Kontext von Hess' Werk markiert Masterminds einen flankierenden, zugleich ambivalenten Schritt. Bekannt geworden als Autor und Regisseur eines eigenwilligen, minimalistisch-wunderlichen Humors, hier vor allem durch Napoleon Dynamite, verlegt Hess seinen Ton in ein größeres, studiogestütztes Setting. Sein Interesse an sozial unbeholfenen Charakteren und an statischen, tableauhaften Kompositionen bleibt erkennbar, doch die skurrile Intimität seiner frühen Arbeiten wird zugunsten eines ensemble-orientierten, narrativ beschleunigten Films neu akzentuiert.

Kurzüberblick zur Produktion

Masterminds wurde von Jared Hess inszeniert, dessen Handschrift durch eine Vorliebe für schlichte Bildaufteilungen, deadpan-Komik und eine leichte Schräglage des Realismus geprägt ist. Die filmische Welt, die Hess erschafft, ist oft nur einen Anflug von Surrealität von der Normalität entfernt; gerade dieses Spiel mit dem Alltäglichen macht seine Bilder so eigen. In Masterminds wird diese Handschrift in ein konventionelleres Heist-Gewand eingekleidet, das auf die klassischen Motive der Gaunerkomödie zurückgreift und sie gleichzeitig dekonstruiert.

Die Produktion des Films dürfte man als mittleren Studioaufwand bezeichnen: nicht die Intimität eines Low-Budget-Indieprojekts, aber auch nicht die opulente Breite großer Blockbuster. Kennzeichnend für die Entstehungsgeschichte ist die Tatsache, dass die Verwertung und der Release in einem unruhigen Marktumfeld stattfanden, in dem die Verfügbarkeit von mid-budget Komödien schwankte. Für Hess bedeutet Masterminds eine Arbeit in einem erweiterten Rahmen, mit erhöhter Starbesetzung und einer offensichtlichen Absicht, einen breiteren Kinopublikumskreis anzusprechen.

Innerhalb seines Gesamtwerks steht der Film als Experiment mit Form und Publikum: Er wahrt die kleinen, charakterbasierten Schrullen des Regisseurs, übersetzt sie jedoch in eine temporeichere, plotgetriebene Struktur. So entsteht ein Hybrid, der die Filmografie Hess' nicht bricht, aber neu ausrichtet.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Kristen Wiig tritt in der ihr eigenen, oft ambivalenten Komik auf: Sie ist geübt darin, verletzliche Überforderung und manipulative Schlagfertigkeit zugleich zu spielen. In Masterminds verkörpert sie eine Figur, die gleichsam Antrieb und moralischer Katalysator des Geschehens ist - eine Person, die Erwartungen schürt und zugleich die Unreife der Protagonisten offenlegt. Wiigs Hintergrund von SNL bis Bridesmaids verleiht der Rolle eine Mischung aus komödiantischer Präzision und tragikomischer Tiefe.

Owen Wilson bringt seine patinierte Lässigkeit und sein entwaffnendes Charisma in eine Rolle, die zwischen charmantem Opportunismus und scheiternder Selbstüberschätzung oszilliert. Sein Typus als routinierter Hollywood-Charakter funktioniert hier als Kontrapunkt zur nervösen Energie der übrigen Figuren. Jason Sudeikis fügt die Erfahrung als Ensemblespieler hinzu; seine komödiantische Bandbreite bewegt sich oft im Bereich des scheinbar Normalen, das durch kleine Ticks ins Groteske kippt.

Zach Galifianakis ist prädestiniert für die Rolle des verunsicherten Antihelden: Seine Präsenz lebt von einer Mischung aus diffusem Leid und stoischer Unbeholfenheit. In Masterminds spielt er das Zentrum eines chaotischen Unternehmens, das mehr von fehlender Kompetenz als von krimineller Raffinesse geprägt ist. Ergänzt wird das Hauptensemble durch bekannte Gesichter wie Kate McKinnon, Leslie Jones und Mary Elizabeth Ellis, die jeweils kurze, prägnante Figuren zeichnen und den filmischen Raum mit explosiver Energie oder lakonischer Schärfe füllen.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne die Details vorwegzunehmen, lässt sich sagen: Masterminds folgt dem Verlauf eines improvisierten Coups, dessen Ausgang weniger von planvoller Raffinesse als von menschlicher Unzulänglichkeit bestimmt wird. Die Handlung beginnt in einer banalen Arbeitswelt; die Protagonisten sind keine Profis, sondern Angestellte und Verliebte, die in einem Moment der Verzweiflung oder Verblendung eine Entscheidung treffen, die sie in Bewegung setzt.

Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen Wunsch und Fähigkeit: die Gier nach einem Ausweg aus der eigenen Tristesse trifft auf die Realität fehlender Vorbereitung und moralischer Komplexität. Die zentralen Figuren sind dabei nicht archetypische Schurken, sondern Alltagsmenschen, deren Entscheidungen komische wie tragische Konsequenzen nach sich ziehen. Die Erzählhaltung bleibt dabei meist lakonisch, mit Momenten skurriler Überhöhung, und die Tonalität schwankt zwischen heiterer Farce und leisem Unbehagen.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen zur Verführbarkeit durch schnellen Gewinn und zur Leere, die diesen Wunsch antreibt. Er fragt nach der Grenze zwischen gesellschaftlicher Normalität und krimineller Ausnahmehandlung, nicht als juristische Kategorie, sondern als Ausdruck psychologischer und sozialer Befindlichkeiten. In dieser Perspektive wird Kriminalität weniger als Böse verstanden denn als Symptom eines Mangels - an Perspektive, an Gemeinsinn, an Selbstachtung.

Philosophisch gelesen, lotet Masterminds die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wirklichkeit aus: Die Figuren erfinden eine größere Version ihrer selbst, die der Alltag nicht gestattet, und kollidieren damit auf komische Weise mit ihren tatsächlichen Fähigkeiten. Gesellschaftlich reflektiert der Film die Ironie eines Kapitalismus, der Erfolg und Reichtum als zentralen Maßstab ausweist, während die Wege dahin zunehmend ins Surreale abrutschen. Psychologisch interessiert er sich für Gruppendynamiken, Loyalität unter fehlerhaften Bedingungen und die Mechanik von Schuldgefühlen, die weniger durch Schuld als durch Scham genährt werden.

Formal wiederholt und variiert Hess seine Motive: die isolierte Kamera, die Minimalität der Gesten, die komische Physikalität des Versagens. Diese Mittel sorgen dafür, dass Masterminds weniger eine spektakuläre Heist-Oper ist als eine nüchterne, bisweilen bitter-komische Beobachtung über das, was passiert, wenn Menschen glauben, sie könnten das System mit einem cleveren Streich überlisten.

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