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Killer's Bodyguard

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kritiken.de Redaktion 31.08.2017
Killer's Bodyguard© Fox Deutschland
A ca. 1368 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Killer's Bodyguard: Popkulturelle Gewalt, rauhe Komik und das konstruierte Revival des Buddy-Action-Kinos

Einleitung

Killer's Bodyguard tritt in eine lange Traditionslinie des Buddy-Action-Films ein und behauptet sich durch eine bewusste Mischung aus lauter Geste und kalkulierter Emotionalität. Der Film operiert mit bekannten Genrecodes - der ungleichen Partnerschaft, der Konfrontation mit politischen Schurken und der Verknüpfung von Gewalt mit Slapstick - und macht diese Codes zugleich zur reflexiven Oberfläche seines Erzählens. In einem Kinojahr, das zwischen Superheldenepik und nostalgischen Genrerevivals oszillierte, markiert der Film einen Versuch, Blockbustermechanik und komödiantische Inszenierung zu koppeln.

Für die zeitgenössische Popkultur ist Killer's Bodyguard insofern relevant, als er zeigt, wie Mainstreamkino mit medialisierter Gewalt und medienkonformer Persona-Ökonomie umgeht. Stars als Marken - hier vor allem Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson - werden nicht nur gespielt, sondern in ihre Rolle als öffentliche Ikonen reinzitiert. Das macht den Film zu einem Untersuchungsfeld für Fragen nach Authentizität, Performance und der ökonomischen Logik von Starbesetzung.

Im Kontext der Filmwelt der 2010er Jahre spiegelt der Film auch einen Hang zur Neo-Genre-Hybridisierung wider. Actionsequenzen sind nicht ausschließlich spektakuläre Attraktionen, sie dienen zugleich als Bühnen für komödiantische Timings und rhetorische Konfrontationen. Das Ergebnis ist ein Werk, das nicht primär als ästhetische Neuvermessung verstanden werden muss, sondern als bewusste Montage etablierter Formen und Figuren im Dienst eines massenkompatiblen Erlebnisses.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Patrick Hughes, ein Filmemacher, der bereits mit früheren Arbeiten an der Schnittstelle von Ensembleaction und Genrereferenzienierten Stilen gearbeitet hat. Seine Handschrift zeichnet sich durch ein Gespür für dynamische Mise-en-scène und ein ausgeprägtes Tempo aus; Hughes nutzt Kamera und Montage, um komödiantische Pausen in actiongeladenen Set-pieces zu verankern. Das Werk reiht sich ein in seine Praxis, familiarisierte Action-Ikonographie mit modernen, oft ironischen Tonlagen zu überlagern.

Produziert wurde der Film als kommerzielle Großproduktion mit internationaler Ausrichtung. Für das Studio war die Rechnung simpel: eine moderate Produktion, die durch starbesetzte Leads und klar kalkulierte, internationale Schauplätze ein möglichst großes Publikum ansprechen sollte. Die Produktionsumstände spiegeln diese Zielrichtung wider - präzise choreografierte Actionszenen, internationale Drehorte und ein Augenmerk auf packende Montage statt auf kunstvoll-experimentelle Formalismen.

Innerhalb des Gesamtwerks von Hughes nimmt der Film eine Position als Pop-Statement ein: kein Wendepunkt in auteuristischer Hinsicht, wohl aber ein Beispiel dafür, wie gegenwärtiges Mainstreamkino Genre und Starimage miteinander verwebt. Als Produkt seiner Branche fungiert der Film weniger als persönliche Regiekonfession denn als orchestrierte Plattform für Schauspielpräsenz und kompositorische Effizienz.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Ryan Reynolds trägt die Rolle des professionellen Leibwächters und des neurotischen Antihelden. Bekannt geworden durch eine Bandbreite von Rollen, von romantischen Komödien bis hin zu Deadpool, bringt Reynolds ein spezifisches Timing mit, das die Figur als Mischung aus Selbstbehauptung und ironischer Distanz kodiert. Seine Performance operiert oft auf der Ebene von Replik und Mimik, auf der sich der Film komödiantische Energie verschafft.

Samuel L. Jackson fungiert als Gegenpart, als hitziges, ungezügelt agierendes Pendant. Seine lange Karriere als Charakterdarsteller, geprägt von explosiven Monologen und unverkennbarer Bühnenpräsenz, gibt der Figur einen unvermittelten, fast theatralischen Anker. Jacksons Typus offeriert dem Film die Möglichkeit, Pathos und Aggression komödiantisch zu überhöhen, ohne sie zu neutralisieren.

Salma Hayek tritt in der Rolle einer ebenso gefährlichen wie verführerischen Begleiterin auf und leitet daraus eine physische und rhetorische Präsenz ab, die das Genre-üblichen Männerduo ad absurdum führt. Ihre Karriere, die sich zwischen ernsten Dramen und genreübergreifenden Auftritten bewegt, erlaubt ihr hier, eine Figur als Mischung aus Charme und Gewalt zu formen. Gary Oldman als politischer Antagonist rekurriert auf ein Repertoire an Rollen, das ihn als wandelbaren Charakterdarsteller etabliert hat; seine Präsenz dient als politischer Kontrapunkt zu den privaten Affären der Hauptfiguren.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Prämisse ist simpel und bewusst funktional: Ein professioneller Bodyguard wird wider Willen in die Pflicht genommen, einen berüchtigten Auftragskiller durch ein politisch geladenes Terrain zu eskortieren. Daraus entwickelt sich ein road-movie-ähnliches Arrangement, in dem Verfolgung, Konfrontationen und Dialog vor allem als Kulissen für die dynamische Beziehung der Protagonisten fungieren. Der dramatische Konflikt entsteht weniger aus einem komplexen moralischen Dilemma als aus der Spannung zwischen Kontrolle und Chaos - zwischen Professionalität und persönlicher Verletzlichkeit.

Zentrale Figuren sind der Körperwächter, der hitzige Killer und eine Reihe von Nebencharakteren, die Institutionen, Macht und Vergangenheiten repräsentieren. Die Erzählung bleibt in ihrem Kern auf den Rhythmus von Set-piece und Interaktion konzentriert; Schauwerte und Dialoge verschränken sich zu einem Tempo, das den Ton des Films bestimmt: zugleich hektisch und kalkuliert.

Die Atmosphäre oszilliert zwischen einer harten, manchmal fast nihilistischen Gewaltdarstellung und einer ironischen, lauten Komik. Dieser Ton ist nicht nahtlos - er lebt von Kontrasten, von der Spannung zwischen Brutalität und Witz, die der Film konstruiert und laufend moduliert.

Zentrale Themen und Motive

Killer's Bodyguard fragt weniger nach neuen ethischen Antworten als nach der Funktion von Gewaltinszenierung im Unterhaltungskino. Der Film thematisiert die Normalisierung von Gewalt als Kommunikationsform und untersucht zugleich, wie Humor diese Normalisierung reflektiert und verschiebt. Die Buddy-Struktur dient als Untersuchungsmethode für Männlichkeitsbilder in der Gegenwart, für Arbeitsteilung unter Extrembedingungen und für die Performativität beruflicher Identität.

Auf einer politischen Ebene evoziert der Film das Thema der Verantwortlichkeit - persönlicher wie institutioneller - ohne eine tiefenanalytische Auseinandersetzung zu erzwingen. Vielmehr liegt sein Interesse in der Offenlegung von Machtmechanismen als dramatischer Gegenpol zur privaten Praxis der Protagonisten. Psychologisch gesehen befragt der Film Loyalität, Trauma und die Möglichkeit von Veränderung binnen einer Konstellation, die für das Genre konstitutiv ist: zwei Menschen, die gezwungen sind, ihre Differenzen in eine funktionale Koalition zu überführen.

Formal operiert Killer's Bodyguard mit Motiven von Rückkehr und Verfolgung, mit immer wiederkehrenden Reminiszenzen an mediale Ikonen des Actions- und Komödienkinos. Diese Zitate sind weniger nostalgischer Natur als konstruktive Bausteine eines Films, der seine eigene Künstlichkeit als Produktionsbedingung akzeptiert und daraus seine ästhetische Strategie ableitet.

Filmkritik von Peter Osteried

„Killer’s Bodyguard“: Ryan Reynolds muss auf Samuel L. Jackson aufpassen

Der Film erregte schon mit dem ersten Poster Aufmerksamkeit. Es war eine Parodie auf das Poster zum 1990er-Hit Bodyguard, in dem Kevin Costner Whitney Houston beschützen musste. Nun soll Ryan Reynolds auf Samuel L. Jackson aufpassen, aber der braucht keinen Beschützer, weil er selbst auch ein harter Hund ist. Willkommen auf dem Terrain einer konventionellen Buddy-Actionkomödie.

Der weißrussische Diktator Dukhovich (Gary Oldman) steht in Den Haag vor dem Internationalen Strafgerichtshof, doch man wird ihn nicht verurteilen können, wenn nicht ein Mann aussagt: Der in England einsitzende Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson). Die Interpol-Agentin Emilia (Elodie Yung) wird beauftragt, ihn mit einem Team nach Holland zu bringen, doch der Konvoi wird angegriffen. Emilia kann mit Darius fliehen und ruft ihren Ex-Freund, den 1A-Bodyguard Brice (Ryan Reynolds), zu Hilfe. Der setzt nun alles daran, Darius nach Den Haag zu bringen, aber das ungleiche Paar geht sich gegenseitig auf die Nerven, während Dukhovichs Killer hinter den beiden her ist.

Dieses Subgenre des Actionfilms und der Komödie war in den 1980er Jahren sehr beliebt, verlor dann jedoch sein Flair und wurde kaum noch genutzt. Insofern fühlt sich Killer’s Bodyguard frischer an als er es dürfte. Denn wenn man es ganz genau nimmt, dann ist es schon so, dass der Film nicht originell ist. Die Geschichte könnte simpler kaum sein, und wenn die Handlung mal ins Stocken gerät, dann wird der Zufall bemüht, um sie wieder in Gang zu bringen.

Aber das funktioniert. Und wichtiger noch: Es macht Spaß. Killer’s Bodyguard ist so amüsant wie er rasant ist. Die Action kann sich wirklich sehen lassen. Sowohl bei Handgreiflichkeiten als auch bei Schießereien, von denen es einige gibt. Dazu kommen Verfolgungsjagden, von denen die beeindruckendste die ist, die quer durch Amsterdam führt.

Vor allem punktet der Film aber, weil Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson eine sehr gute Chemie miteinander haben. Ihre Figuren mögen sich nicht, schreien einander an und sind nie um einen Spruch verlegen, wenn es heißt, den anderen runterzumachen. Das zu beobachten, sorgt nicht nur für Schmunzeln, ein paarmal muss man sogar herzhaft lachen. Hinzu kommt, dass die Action sehr dynamisch ist. Sie profitiert zudem von einem knackigen Soundtrack, denn die langen Kampfszenen sind mit knalligen Popsongs unterlegt, die das Ganze teils auch herrlich konterkarieren, auf jeden Fall aber helfen, den Puls zu beschleunigen.

Killer’s Bodyguard ist eine runde Angelegenheit. Kein Werk, das in die Annalen der Filmgeschichte eingehen würde, aber ein knackiger Actionspaß, der von der ersten bis zur letzten Minute unterhält und die Defizite der Geschichte durch gute Humor- und Actioneinlagen wettmacht.

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