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It Chapter Two

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kritiken.de Redaktion 06.09.2019
It Chapter Two
A ca. 994 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

It Chapter Two als Spiegel der Erinnerung: Horror, Nostalgie und kollektiv verdrängte Traumata

Einleitung

It Chapter Two tritt an als Fortsetzung eines modernen Popkulturereignisses und beansprucht zugleich den Status eines melancholischen Epen über das Erwachsenwerden. Der Film verläuft nicht nur entlang der bekannten Genreachsen von Angst und Schock, sondern fordert die Erinnerungskultur seiner Figuren heraus - und damit die des Publikums. Insofern ist er relevant als Beispiel dafür, wie kommerzielles Genrekino in den späten 2010er Jahren versucht, psychologische Tiefe mit spektakulärer Bildlichkeit zu verbinden.

Regisseur Andy Muschietti, dem mit der ersten Episode 2017 ein überraschender Hit gelang, nutzt die Fortsetzung, um die erzählerische Wette weiterzuspielen: Kann eine Blockbuster-Sequel die Ambivalenz einer literarischen Vorlage bewahren und zugleich eine filmische Sprache entwickeln, die über reine Referenz auf das Original hinausweist? It Chapter Two stellt sich dieser Frage, indem es den Kosmos der fiktiven Kleinstadt Derry als Speicher kollektiver Traumata inszeniert.

Im Zeitgeist der Veröffentlichung, in einer Ära intensiver Debatten über historische Aufarbeitung und die Sichtbarmachung von Missbrauch, resoniert das Motiv des Wiederkehrens auf mehreren Ebenen. Der Film operiert so an der Schnittstelle von persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Verantwortung: Er lässt erkennen, wie filmisches Horrorhandwerk gegenwärtige Diskurse über Erinnerung, Verdrängung und kollektive Schuld sichtbar macht, ohne dabei in einfache Parabeln zu verfallen.

Kurzüberblick zur Produktion

It Chapter Two wurde als großes Studioprojekt von New Line Cinema und Warner Bros. realisiert und setzt den Weg Muschiettis fort, der nach seinem Debüt mit dem klaustrophischen Horrorfilm Mama in ein weitaus größeres, narrativ anspruchsvolleres Terrain wechselte. Die Produktion folgte dem kommerziellen Erfolg des ersten Teils und brachte das kreative Team in eine Position, in der die Erwartung an visuelle Opulenz und narrative Abschließung gleichermaßen hoch war.

Auf produktioneller Ebene zeichnet sich der Film durch eine aufwendige Kombination aus praktischen Effekten, Make-up-Arbeit und digitaler Bildbearbeitung aus, die darauf abzielt, die Mehrschichtigkeit der Figurenaltersentwicklung zu vermitteln und die monströsen Gestalten mit einer physischen Präsenz auszustatten. Die Verpflichtung eines großen Schauspielensembles und die Inszenierung mehrerer Zeitebenen machten It Chapter Two zu einem logistischen wie ästhetischen Kraftakt innerhalb der zeitgenössischen Studioära.

Im Werk des Regisseurs markiert der Film den Übergang von spontanem Genrefilm zu orchestrierter Franchise-Erzählung. Muschietti bleibt seiner Vorliebe für klaustrophobische Bildfindungen treu, erweitert diese aber um eine vertrauliche, fast therapeutische Dimension, die das persönliche Innenleben der Figuren stärker in den Vordergrund rückt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Jessica Chastain, als eine der zentralen Figuren besetzt, bringt ihre Erfahrung als Intendantin psychologisch dichter Rollen in die Teile des Ensembles, die von emotionaler Komplexität geprägt sind. Bekannt geworden durch Filme wie Zero Dark Thirty und The Help, hat Chastain eine Filmkarriere aufgebaut, die von präziser Innerlichkeit und scharf konturierten Figurenzeichnung lebt. In It Chapter Two verkörpert sie eine erwachsene Variante einer Figur, deren Kindheitstrauma das narrative Rückgrat bildet.

Das Ensemble ergänzt sie mit Schauspielern wie James McAvoy, Bill Hader, James Ransone, Jay Ryan, Andy Bean, Isaiah Mustafa und weiteren, die jeweils aus sehr unterschiedlichen Genres und Karrierewegen stammen - vom dramatischen Arthouse-Schauspiel bis zur Comedy. Diese Diversität der Herkunft trägt dazu bei, die individuellen Affekte der Figuren unterschiedlich zu modulieren und so die Ensemblechemie als dramatischen Motor zu nutzen. Bill Skarsgård kehrt in der Rolle der gestaltwandlerischen Bedrohung zurück und fungiert als ikonischer Punktschurke, dessen Präsenz den filmischen Raum immer wieder destabilisiert.

Die Besetzungspolitik folgt einem doppelten Prinzip: Sie setzt auf vertraute Stars, die erwachsene Schichten einer schon bekannten Geschichte glaubhaft tragen können, und auf die Herausforderung, Erinnerungen zu verkörpern, die zugleich persönlich und kollektiv sind. Dadurch verschiebt sich die Performance vom reinen Schreckmoment hin zu einer Arbeit am Gedächtnis der Figuren.

Handlung (spoilerfrei!)

It Chapter Two erzählt von einer Rückkehr: Nach Jahren kehren die Protagonisten in ihre Heimatstadt zurück, weil die Bedrohung, die ihre Jugend prägte, wiederkehrt. Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen der kollektiven Hoffnung auf Vergessen und dem Unwillen des Traumas, sich dauerhaft verflüchtigen zu lassen. Die Spannung entsteht aus dem Zusammentreffen von äußeren Gefahren und innerer Konfrontation, aus dem Versuch, alte Versprechen zu halten und alte Schuld zu benennen.

Die zentralen Figuren bilden ein Ensemble erwachsener Menschen, deren Lebenswege unterschiedlich verlaufen sind, die jedoch durch gemeinsame Ereignisse verbunden bleiben. Ihre Beziehungen zueinander, die immer wieder in Rückblenden oder durch Andeutungen beleuchtet werden, treiben das Narrative voran und machen den Film mehr zur Studie über Nachleben als zur reinen Monsterjagd.

Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen großen, spektakulären Sequenzen und intimen, fast schmerzhaften Momenten des Erinnerns. Die Bildsprache nutzt Kontraste von greller Zirkusästhetik und trübem Kleinstadtrealismus, um die ständige Unterwanderung des Alltäglichen durch das Unheimliche zu visualisieren.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach der Natur des Erinnerns und nach der Art und Weise, wie Gemeinschaften mit vergangenem Leid umgehen. Kann Erinnerung heilen, oder reaktiviert sie vielmehr das, was man zu überwinden hoffte? Diese Dialektik zwischen Heilung und Re-Traumatisierung bildet den Kern der philosophischen Dimension des Films.

Psychologisch interessiert sich It Chapter Two für die Persistenz des Kindlichen im Erwachsenenleben: für Schuld, Scham und die Mechanismen, mit denen Menschen ihr Erleben neu verhandeln. Die Figuren tragen eine emotionale Last, die sich in Symbolen und wiederkehrenden Bildern materialisiert - dem kleinen Ort Derry als uneinlösbarer Archivraum von Geschichten, die niemals ganz vergehen.

Gesellschaftlich berührt der Film Themen wie kollektive Verdrängung und die Schwierigkeit, systemische Gewalt sichtbar zu machen. In der Inszenierung wird das Monströse nicht nur als äußere Bedrohung angelegt, sondern als Manifestation gesamtgesellschaftlicher Unsauberkeiten, die immer wieder in Erscheinung treten, wenn das öffentliche Gedächtnis schläfrig wird. Ästhetisch arbeitet der Film mit Motiven der Verwandlung, der Maskerade und der Zirkusmetapher, um die Vielgestaltigkeit von Angst und die performative Seite des Erinnerns zu betonen.

It Chapter Two beansprucht damit nicht allein, ein Horrorfilm zu sein, sondern ein filmisches Nachdenken über die Bedingungen, unter denen wir mit unserer Vergangenheit leben. In der Begegnung von Genrearchitektur und psychologischer Anlagen bietet der Film ein reiches Feld für die Frage, wie Kino Trauma darstellen kann, ohne es zu trivialisieren - und wie kollektive Geschichten wieder und wieder verhandelt werden müssen, weil sie niemals endgültig abgeschlossen sind.

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