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Ice Age 5 - Kollision voraus!

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kritiken.de Redaktion 30.06.2016
Ice Age 5 - Kollision voraus!© Fox Deutschland
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Ice Age 5 - Kollision voraus! Animierte Kosmologie und die Neuvermessung familiärer Bindungen

Einleitung

Ice Age 5 - Kollision voraus! setzt die populäre Franchise als ein Spektakel fort, das mit der Sprache des Blockbusters erzählt und zugleich jene familiären Befindlichkeiten ins Zentrum rückt, die die Reihe seit ihrem Beginn tragen. In einer Zeit, in der Animationsfilme nicht mehr nur Kinderunterhaltung sind, sondern Plattformen für multigeschichtete Erzählungen und globale Vermarktung, fordert dieser fünfte Teil das Verhältnis von Naturkatastrophe und intimer Familiengeschichte neu heraus.

Der Film ist relevant, weil er zwei stabilisierte Sehgewohnheiten zusammenführt: die epische Katastropheninszenierung des Mainstreamkinos und die traditionell sentimentale Erzählung über Herkunft, Erwachsenwerden und Gemeinschaft, die im Animationskino nach wie vor funktioniert. Er operiert auf zwei Ebenen zugleich - auf der großen Leinwand der kosmischen Bedrohung und im engen, vertrauten Raum einer Tierfamilie, deren Konflikte als Spiegel menschlicher Befindlichkeiten fungieren.

Innerhalb des Werkkanons der Reihe markiert Ice Age 5 eine weitere Drehung um die immer gleichen Fixsterne: Scrat als physischer Gagträger, Manny als stoischer Familienpatriarch, Sid als komödiantisches Gewissen. Zugleich versucht der Film, sein erzählerisches Universum zu erweitern - mit neuen Nebenfiguren, prominenten Stimmen und einer visuellen Betonung des Weltalls. Diese Mischung aus Konservierung und Erweiterung macht den Film zu einem interessanten Fall für die Frage, wie langlebige Serien ihre Identität wahren und zugleich dem Zeitgeist anpassen.

Kurzüberblick zur Produktion

Ice Age 5 entstand bei Blue Sky Studios und wurde von 20th Century Fox in die internationale Auswertung geschickt. Regie führten Mike Thurmeier und Galen T. Chu, die bereits in vorangegangenen Teilen der Reihe an visuellen und erzählerischen Entscheidungen beteiligt waren. Die Handschrift beider Regisseure zeigt sich in einer Verknüpfung aus set-piece-orientierten Sequenzen und einer klaren Ausrichtung auf komödiantische Figurenführung, die das Tempo bestimmen.

Die Produktionsumstände spiegeln den industriellen Produktionsmodus großer Animationsfranchises: beträchtliches Budget, aufwändige VFX-Workflows und ein sorgfältig kalibriertes Ensemble von Stimmen, das internationale Vermarktung unterstützt. Auffällig ist die verstärkte Fokussierung auf spektakuläre Weltraum- und Himmelsbilder, die Blue Sky die Möglichkeit geben, seine Renderer und Keyframe-Animationen zu inszenieren. Innerhalb der Reihe nimmt dieser Teil somit eine Position ein, die auf visuelle Eskalation setzt, ohne die etablierten Figurenbeziehungen aufzugeben.

Im Gesamtwerk fungiert Ice Age 5 weniger als radikaler Neuanfang denn als Variationsstudie: Die bekannten Formeln werden gedehnt, neue Motive eingeführt und das erzählerische Vokabular um kosmologische Metaphern erweitert. So bleibt der Film ein Beispiel dafür, wie Kommerz und Kreativität in long-running-Animationen miteinander verhandelt werden.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Produktion stützt sich auf ein großes Ensemble namhafter Stimmen, die zum Teil seit Beginn der Reihe wiederkehren. Ray Romano gibt erneut Manny, den melancholischen Mammutvater, dessen stoische Präsenz das emotionale Zentrum bildet. John Leguizamo kehrt als Sid zurück, dessen physische Komik und verbale Exzesse das narrative Gewicht auflockern. Denis Leary spricht weiterhin Diego, den ehemaligen Raubtier, dessen Pragmatismus den moralischen Unterton der Gruppe stützt.

Queen Latifah bleibt die Stimme von Ellie, während Keke Palmer die heranwachsende Peaches verkörpert - Figuren, deren familiäre Konflikte zwischen Schutzbedürfnis und Autonomie die emotionale Spannung liefern. Simon Pegg setzt die Figur Buck als Exzentriker und Abenteurer fort, eine Art wildes Gegengewicht zur familientraditionellen Ordnung. Jennifer Lopez tritt erneut als Shira auf, eine Figur, die bereits zuvor die Reihe um eine fremde Perspektive erweiterte.

Das erweiterte Ensemble umfasst Stimmen wie Stephanie Beatriz, Melissa Rauch, Nick Offerman, Adam DeVine und Max Greenfield, die mit teils subtiler, teils stärker auf komödiantische Setups ausgerichteter Präsenz neue Nebenfiguren prägen. Besonderes Interesse weckt die Einbindung von Prominenten wie Neil deGrasse Tyson, dessen wissenschaftlicher Celebrity-Status ein Meta-Element in die Erzählung bringt, und Chris Wedge, dessen nonverbale Gestaltung von Scrat die Reihe seit ihren Anfängen visuell prägt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet eine Doppelstruktur: Auf der Makroebene steht eine himmlische Bedrohung, die das Schicksal der Welt in den Blick rückt. Auf der Mikroebene bleiben die vertrauten Figuren mit ihren alltäglichen Konflikten konfrontiert - von Eifersucht und Erziehungsfragen bis zu dem Versuch, eine Gemeinschaft zusammenzuhalten. Die narrative Dynamik entsteht aus dem Spannungsverhältnis von globaler Gefahr und privater Sorge.

Als dramatischer Konflikt fungiert das Zusammenspiel von Überlebenszwang und emotionaler Verantwortung. Die Zentralfiguren - Manny, Ellie, Peaches, Sid und Diego - reagieren unterschiedlich auf die Herausforderung, was die Geschichte in mehrere Stränge teilt: solidarische Handlung, komische Verirrungen und individuelle Prüfungen. Tonal bewegt sich der Film zwischen heiteren Einlagen, melodramatischen Momenten und actiongeladenen Szenen, die bewusst an die Konventionen großer Katastrophenfilme erinnern, jedoch ihre Bedrohung stets durch eine weichzeichnende Perspektive der Familienbindung lesen.

Zentrale Themen und Motive

Ice Age 5 stellt Fragen nach Kontinuität und Wandel. Wie bewahrt Gemeinschaft ihre Identität, wenn äußere Umstände radikal verändern? Die Begegnung von Naturkatastrophe und familiärem Alltag eröffnet eine Reflexion über Resilienz, Anpassungsfähigkeit und die Symbolkraft von Ritualen in unsicheren Zeiten. Zugleich spielt der Film mit der Idee von Kausalität - sichtbar vor allem in der wiederkehrenden Scrat-Handlung, die Metaphern von Kette-Reaktion und unbeabsichtigter Eskalation in komprimierter Form bietet.

Eine weitere Dimension ist die Balance von Wissenschaft und Mythos. Die Präsenz eines realen Wissenschaftsakteurs als Stimme deutet an, dass der Film die wissenschaftliche Erklärung nicht nur als Plotmechanik nutzt, sondern auch die Aushandlung zwischen rationaler Deutung und mythischer Sinnstiftung thematisiert. Psychologisch betrachtet geht es um Generationenkonflikte: Die Älteren vertreten Bewahrung, die Jüngeren Drang zur Selbstentfaltung - eine klassische Achse, die hier in animierter Verknappung emotional aufgeladen wird.

In ihrer Gesamtheit zeigt die Produktion, wie ein kommerzielles Animationsformat größere kulturelle Fragen aufnehmen kann, ohne seine Popularform zu verleugnen. Ice Age 5 lädt damit weniger zur moralisierenden Lesart denn zur Beobachtung ein - einer Beobachtung, die das Zusammenspiel von Bildgewalt und Gefühlsökonomie als zeitgenössische Ausdrucksform des Animationskinos freilegt.

Filmkritik von Peter Osteried

Kollision voraus im Ice Age – und Scrat ist im Weltall!

Das fünfte Abenteuer von Ice Age bietet nicht mehr viel Variation. Die Formel ist bekannt und erprobt. Dazu ist der Stamm an Figuren so sehr angewachsen, dass man es mittlerweile mit einem ganzen Haufen zu tun hat. Einige treten in den Hintergrund, zugegen sind sie aber alle. Im Grunde ist das so etwa, als würde man alte Freunde wiedersehen. Es ist einfach eine gewisse Vertrautheit vorhanden.

Scrat ist immer noch auf der Jagd nach seiner Eichel – und landet mitten in einem Ufo, mit dem er ins All geschleudert wird und den Verlauf des Universums beeinflusst. So sehr, dass auf die Erde ein Asteroid zurast, der alles Leben vernichten könnte. Das hat auch das Wiesel Buck erkannt, das nun mit Manny und seinen Freunden alles daransetzt, diese Katastrophe abzuwenden. Aber wie wendet man einen Asteroiden von seinem Kurs ab?

Die Hauptgeschichte ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber ohnehin hat man das Gefühl, dass die Geschichte nur noch ein Vehikel ist, um das Familien- und Freundesleben von Manny, Diego, Sid und all den anderen weiter auszubauen. So geht es hier auch darum, dass Mannys Tochter Peaches heiraten will und ihr Erwählter in den Augen des Vaters nicht unbedingt der ideale Mann ist. Wobei keiner ideal wäre, da er ja das Töchterchen aus dem Schoss der Familie reißt. Da ist eine Botschaft enthalten, mit der Ice Age – Kollision voraus! auch hantiert. Irgendwann werden die Kinder flügge und verlassen das Haus, irgendwann ändert sich einfach alles, aber so ist das Leben. Ohne Veränderung wäre es doch auch reichlich langweilig.

Echte Veränderung würde aber auch diesem Franchise mal ganz gut tun. Denn im Grunde geht man nur auf Nummer Sicher und folgt der ewig gleichen Formel. Da muss man es schon fast als erfrischend ansehen, dass Scrat diesmal mit einem Raumschiff unterwegs ist. Das ist zumindest die Basis für einige reichlich surreale Momente, die an den Zeichentrick-Wahnsinn eines Tex Avery erinnern. Für sich betrachtet, ist das alles auch wirklich witzig, weil Scrat von einer Katastrophe in die nächste schlittert, mittlerweile ist es aber natürlich schon auch so, dass man das in vier anderen Filmen (und ein paar Kurzfilmen) schon gesehen hat. Es ist repetitiv – und wird nicht besser, je häufiger man den Eicheljäger im aktuellen Film einsetzt.

Ice Age – Kollision voraus! ist ein durchaus amüsanter, schön gemachter Film, dessen beste Momente immer dann kommen, wenn er abseits der Norm agiert. Etwa dann, wenn die Säugetiere auf Geotopia treffen – und die Wesen, die dort leben. Davon abgesehen gibt es einiges zu lachen, zu Herzen gehende Momente, viel Action und Krawall und nicht zuletzt eine Erklärung dafür, was mit dem Mars passiert ist.

Schön ist übrigens der Anfang, der mit der musikalischen Untermalung an Star Trek erinnert. Interessant für Synchronfans: Thomas Nero Wolff spricht nach dem Ableben von Arne Elsholtz das Mammut Manny. Ein Unterschied ist aber kaum zu hören, weil Wolff tatsächlich sehr gut darin ist, Elsholtz‘ Stimmlage nachzuahmen.

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