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Seventh Son

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kritiken.de Redaktion 05.03.2015
Seventh Son© Warner Bros. GmbH
A ca. 939 Worte Lesezeit ca. 3 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Seventh Son - Eine folklorisch-bombastische Annäherung an Mentorenschaft und Mythenmacht

Einleitung

Seventh Son, 2015 in den Kinos gestartet, präsentiert sich als Versuch, klassische europäische Volksmärchen mit dem Produktionsarsenal des modernen Hollywood-Fantasyspektakels zu verknüpfen. Relevanz beansprucht der Film weniger durch radikale Neuerfindung als durch seine Stellung als Knotenpunkt zwischen zwei Strömungen: der altmodischen Spuk- und Hexenüberlieferung einerseits und der industriellen Serien-Adaptionskultur des 21. Jahrhunderts andererseits. Gerade in einer Zeit, in der Fantasy nicht mehr nur Nischenpublikum erreicht, sondern als wirtschaftlich planbarer Stoff verstanden wird, zeigt Seventh Son, wie sich tradiertes Erzählgut in zeitgenössische Franchise-Logik einfügen soll.

Für das Publikum und die Kritik ist der Film deshalb interessant, weil er die Frage verhandelt, wie Mythos heute in Szene gesetzt wird - nicht nur narrativ, sondern auch ästhetisch. Dabei steht weniger die Originalität der Geschichte im Vordergrund als das Zusammenspiel von Autorenvorlage, Regiehandschrift und studioinduzierter Bildsprache. Seventh Son ist damit ein Dokument jener Phase, in der große Studios die populäre Kinder- und Jugendfantasie in ein erwachsenengerichtetes, visuell opulentes Format überführen wollten.

Regisseur Sergei Bodrov bringt diesen Stoff in ein Spannungsfeld: als internationaler Filmemacher mit Wurzeln in der russischen Kino- und Literaturtradition nähert er sich einem englischsprachigen Blockbuster-Setting, das nach anderen Regeln funktioniert als seine früheren, teils intimeren Werke. Die Ambition, ein mythologisch reiches Universum zu schaffen, trifft auf die Produktionszwänge eines globalen Marktes - ein Spannungsverhältnis, das den Film prägt und ihn zu einem lohnenden Gegenstand kritischer Betrachtung macht.

Kurzüberblick zur Produktion

Seventh Son basiert auf der Buchreihe von Joseph Delaney und wurde von einem Hollywood-Studiosystem produziert, das auf große visuelle Effekte und internationale Vermarktbarkeit setzt. Produziert wurde der Film unter Beteiligung der großen Genreproduzenten, mit einem Budget, das dem Anspruch an epische Szenerie und digitale Kreaturen Rechnung trägt. Die Produktion zeichnet sich durch intensive visuelle Effekte, aufwendiges Kostümbild und eine klare Ausrichtung auf Massentauglichkeit aus.

Sergei Bodrov, der Regisseur, ist zuvor für historisch-epische Stoffe und poetisch-realistische Regie bekannt geworden. Seine Handschrift - eine Vorliebe für weite Landschaftsbilder, eine ruhige, erzählerische Präzision und eine Sensibilität für mythische Wurzeln von Figuren - wird in Seventh Son auf das Format des großen Fantasy-Entertainment übertragen. Das Ergebnis ist eine Arbeit, die versucht, Bodrovs humanistische Perspektive mit den formalen Erfordernissen eines visuellen Spektakels zu verbinden.

Im Gesamtwerk des Regisseurs steht Seventh Son für eine Form der Genrekonvergenz: ein Film, der sein persönliches Interesse an Ursprungsmythen und Figurenporträts in ein Studio-Format gießt. Diese Synthese macht den Film zu einem interessanten Beispiel dafür, wie Autoren- und Systemkino in der Gegenwart interagieren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Jeff Bridges fungiert als veritabler Mentortypus - ein erfahrener, abgeklärter Spukjäger, dessen Präsenz die Filmhandlung trägt. Seine Darstellung positioniert die Figur als handfeste, weltgewandte Autorität, die das mythische Wissen der Welt verkörpert. Ben Barnes übernimmt die Rolle des jungen Helden, des namensgebenden siebten Sohnes, dessen Initiation in die Praxis des Spukbekämpfens den narrativen Kern bildet. Barnes steht hier für das klassische Entwicklungsbild des Zöglinge, der aus Unsicherheit zu Verantwortungsbewusstsein finden soll.

Julianne Moore ist als die zentrale Antagonistin besetzt - eine Hexenfigur, die archetypisch für die dunkle Gegenmacht zum ordnenden Spukjäger steht. Moore bringt der Rolle die konzise Kombination aus charisma-geleiteter Überzeugungskraft und dämonischer Präsenz, die in der Figur gefragt ist. Alicia Vikander spielt eine ambivalente junge Frau, deren Loyalitäten und moralische Lage ein Scharnier für die erzählerische Spannung bilden; ihre Figur fungiert als Schnittstelle zwischen Opfer- und Komplizenschaftsthematik.

Die übrigen Mitglieder des Ensembles - darunter Kit Harington, Antje Traue, Djimon Hounsou, Olivia Williams, Jason Scott Lee und Gerard Plunkett - übernehmen komplementäre Funktionen innerhalb des Geflechts von Allianzen und Gegnerschaften. Sie verkörpern eine Mischung aus Verbündeten, Autoritätspersonen und mythischen Bedrohungen, die das Setting bevölkern und die Hauptfiguren in ihren Entscheidungen spiegeln.

Handlung (spoilerfrei!)

Seventh Son erzählt in klassischer Coming-of-age-Anbindung von der Ausbildung eines jungen Mannes zum Schutzbewahrer einer vom Übernatürlichen bedrohten Ordnung. Der dramatische Konflikt entsteht aus der Kollision zweier Wissensordnungen: dem überlieferten Handwerk des Spukjägers und den destruktiven Kräften einer wiedererstarkten Hexenmacht. Aus dieser Konfrontation erwachsen sowohl äußere Gefahren in Form monströser Kreaturen als auch innere Prüfungen, in denen Vertrauen, Loyalität und Moral auf die Probe gestellt werden.

Die zentralen Figuren - der greise Meister, sein unerfahrener Lehrling und die ambivalente weibliche Gestalt in der Mitte - strukturieren die Handlung. Ihre Beziehungen sind weniger als lineares Gut-gegen-Böse-Drama angelegt denn als ein Geflecht von Abhängigkeiten und Zweifeln, in dem Identität und Verantwortung ausgehandelt werden. Tonal bleibt der Film dabei dicht am märchenhaften Spektakel - düster in Stimmung, aber auf visuelle Effekte und choreografierte Action ausgerichtet.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Autorität, Tradition und Initiation. Der Mythos des siebten Sohnes als Träger besonderer Gaben dient hier als Metapher für Begabung und Bürde zugleich - eine Reflexion darüber, wie Gesellschaften Individuen zu Hütern von Wissen machen. Dabei wird die Lehrer-Schüler-Beziehung nicht nur als Ausbildung, sondern als politisch-moralisches Ritual gezeigt: Wer hat das Recht, zu schützen, und auf welcher Basis wird dieses Recht ausgeübt?

Ein weiteres zentrales Motiv ist die Ambivalenz von Wissen: Magisches Können steht für Macht, aber auch für die Gefahr der Hybris. Die Hexe als Gegenfigur ist weniger Einfaltssymbol denn Projektionsfläche kollektiver Ängste - ein Bild für das Andere, das zugleich bedrohlich und verführerisch erscheint. Auf gesellschaftlicher Ebene lässt sich dies als Kommentar zur Art und Weise lesen, wie Gemeinschaften mit abweichenden Kräften umgehen - mit Ausgrenzung, Faszination und Repressionsmechanismen.

Schließlich spricht der Film über Erzähltraditionen selber - über die Konservierung von Mythen in einer Ära, die Mythen industriell reproduziert. Seventh Son reflektiert auf der Metaebene, wie Ursprungslegenden in die Mechanik des Popkulturmarktes eingespannt werden und welche kulturellen Funktionen ihnen heute noch zukommen - als Ordnungsinstanzen, als Projektionen kollektiver Sehnsüchte und als narrative Ressourcen für Identitätsstiftung.

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