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Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere

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kritiken.de Redaktion 11.12.2014
Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere© Warner Bros. GmbH
A ca. 1628 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere: Epische Entgrenzung zwischen Mythos und Massenspektakel

Einleitung

Peter Jacksons Abschluss der Hobbit-Trilogie steht weniger für die Adaption eines Kinderbuchs als für das ambitionierte Bemühen, ein knappes literarisches Fragment in ein opernhaftes Kinoereignis zu verwandeln. Der Film ist relevant, weil er die fortdauernde Spannung zwischen erzählerischer Verdichtung und filmischem Ausweiten sichtbar macht: Wie weit darf eine Vorlage gedehnt werden, bevor sie sich in ihr eigenes Spektakel auflöst? In dieser Spannung liest sich Die Schlacht der Fünf Heere als Spiegel zeitgenössischer Franchise-Ästhetiken.

Im Werk des Regisseurs bildet der Film den finalen Schlusspunkt einer beinahe zwanzigjährigen Auseinandersetzung mit Tolkiens Welt. Jackson vollendet hier nicht nur eine narrative Trilogie, er konsolidiert damit auch die formalen und technologischen Strategien, die seine Mittelerde-Inszenierung geprägt haben: monumentale Bildkompositionen, dichte digitale Bildflächen und ein hybrides Verhältnis von Schauspiel und Performance-Capture. Diese Handschrift manifestiert sich in der Bildgewalt ebenso wie in der persistenten Sorge um die Verantwortung des Erzählers gegenüber dem Material.

Der gesellschaftliche Hintergrund, in dem der Film erschien, ist geprägt von zwei gegenläufigen Trends: einer fortschreitenden Professionalisierung des Blockbusterkinos und einer wachsenden Kritik an dessen Überproduktion. 2014 war das Jahr der großen Franchises, aber auch ein Moment, in dem Publikumserwartungen an Authentizität und filmische Materialität - etwa die Debatte um 48 Bilder pro Sekunde - lauter wurden. Jacksons Film zeigt die Ambivalenz dieser Ära: technische Kühnheit und die Frage nach der erzählerischen Notwendigkeit eines solchen Aufwands.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Peter Jackson, dessen Handschrift zwischen romantischer Bildpoesie und akribischer Weltbaubastelei oszilliert. Die Produktion entstand unter Beteiligung von WingNut Films, New Line Cinema und Metro-Goldwyn-Mayer und wurde mit dem üblichen Aufgebot moderner Blockbusterrealisation umgesetzt: umfangreiche Sets, ein Großaufgebot an Komparsen und eine tiefe Verzahnung mit Weta Digital, dessen visuelle Arbeit das Bild bis an die Grenze des Phantastischen dehnt. Die Dreharbeiten setzten auf eine Mischung aus traditioneller Kameraführung und fortgeschrittener Performance-Capture-Technik, nicht zuletzt um Figuren wie den Drachen und die dunkleren Mächte physisch in die Welt einzubetten.

Besonders prägnant war dabei die technische Entscheidung, mit einer höheren Bildrate zu arbeiten, was kontroverse Reaktionen nach sich zog und die Frage nach der medialen Wahrnehmung von Realität und Künstlichkeit neu aufwarf. Budgetär bewegt sich der Film im oberen Blockbustersegment, die Ressourcen dienten weniger einem intimen Charakterdrama als dem Erzeugen großflächiger, choreographierter Massenszenen. Innerhalb von Jacksons Gesamtwerk markiert Die Schlacht der Fünf Heere den Abschluss eines umfangreichen Projekts, das die filmische Interpretation von Mythos, Erinnerung und Krieg thematisch konsolidiert.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Martin Freeman als Bilbo Beutlin, dessen zurückhaltende Präsenz als moralischer und emotionaler Anker der Trilogie fungiert. Freeman, zuvor bekannt durch orchestrierte Alltagskomik in Serien wie Sherlock und der Draufgänger-Note in Komödien, zeigt hier eine gereifte, nachdenkliche Zurückhaltung, die dem narrativen Fokus auf Verlust und Verantwortung entspricht. Richard Armitage tritt als Thorin Eichenschild als tragische Führungsfigur in Erscheinung, eine Rolle, die seine Neigung zu intensiven, innerlich geladenen Charakteren unterstreicht.

Benedict Cumberbatch, dessen Stimme und Performance-Capture mehrere Gestalten formt, bringt eine doppelte Präsenz ein - vokal und digital - und symbolisiert die Schnittstelle von Schauspiel und Technologie. Luke Evans als Bard der Bogenschütze fungiert als Vertreter eines pragmatischen Heldentums, während Evangeline Lillys Tauriel die filmische Erweiterung des Kanons verkörpert - eine Figur, die emotionale Brücken zwischen den Bevölkerungsgruppen der erzählten Welt schlägt. Ian McKellen, Orlando Bloom und Hugo Weaving treten erneut in den bereits vertrauten Rollen auf und liefern die gewichtige, altvertraute Kontinuität, die Jacksons Universum stützt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet sich als die narrative Verdichtung eines Konflikts um Besitz, Macht und Vergeltung. Ausgangspunkt ist die Rückkehr an einen Ort, dessen Wiederaneignung unterschiedliche Ansprüche weckt und damit eine politisch-militärische Konstellation in Gang setzt. Diese Verteilungskämpfe eskalieren sukzessive und führen zu einer großangelegten militärischen Auseinandersetzung, die die Erzählzeit in eine Serie von taktischen Begegnungen und emotionalen Krisen transformiert.

Im Zentrum steht ein Ensemble verschiedener Akteure - Hobbits, Zwerge, Menschen und Elben -, deren lokale Interessen und alten Verpflichtungen einander überlagern. Der Film legt sein Gewicht nicht auf intimen Realismus, sondern auf die Koordination von Heldenmomenten, militärischen Set Pieces und Momenten individueller Entscheidung, die inmitten des Schlachtgetümmels moralische und persönliche Konsequenzen nach sich ziehen. Tonal bewegt sich der Film zwischen heroischer Schwere und dunklerer Nachdenklichkeit, wobei die Atmosphäre von einer beständigen Präsenz des Unabwendbaren geprägt ist.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum der thematischen Anlage steht die Frage nach den Kosten von Krieg - nicht nur ökonomisch oder militärisch, sondern als Zäsur für Gemeinschaften und Individuen. Der Film thematisiert Habgier und Besitzansprüche, die alte Loyalitäten bedrohen, und setzt ihnen die Idee von Pflicht und Opferbereitschaft entgegen. Dabei wird Mythosproduktion reflektiert: Wie werden Helden legitimiert, und welche Narrative über den Krieg werden zum Selbstschutz einer Gemeinschaft erzählt?

Eine wiederkehrende Motivausstattung ist die Ambivalenz von Führung; Figuren werden als tragische oder pragmatische Führer gezeichnet, deren Entscheidungen das Schicksal anderer bestimmen. Technologisch reflektiert der Film das Spannungsverhältnis zwischen handwerklichem Kino und digitaler Aufrüstung - Performance-Capture und digitale Figuren fungieren nicht nur als Mittel zur Erweiterung der Fantasie, sondern auch als Untersuchungsfeld für die Grenzen filmischer Präsenz. Schließlich artikuliert der Film eine philosophische Frage nach Erinnerung und Identität: Inwiefern formt die Geschichte einer Gemeinschaft ihr Selbstverständnis, und wie sehr wird dieses Selbst durch Gewalt verändert?

Filmkritik von Christopher Diekhaus

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ sorgt für einen gebührenden Abschluss

Nun ist es also so weit. Mit dem dritten Teil seiner Interpretation von J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“ geht auch das zweite Mammutprojekt des neuseeländischen Regie-Großmeisters Peter Jackson in die letzte Runde. Zu Beginn dieses Jahrtausends hatte er Tolkiens bekanntestes Werk, den unverfilmbar geltenden Fantasy-Klassiker „Der Herr der Ringe“, als imposante Trilogie auf die Leinwand gebracht und dabei optisch neue Maßstäbe gesetzt. Dass Jackson sich einige Zeit später den „Hobbit“, eine Art Vorgeschichte zur Ring-Erzählung, vornahm, war eigentlich nur die logische Konsequenz, obwohl es zunächst andere Regie-Pläne gab. Kritik mussten sich der Neuseeländer und seine Mitstreiter in der Folge vor allem deshalb gefallen lassen, weil sie beschlossen, den lediglich 300 Seiten starken Roman ebenfalls als gigantischen Dreiteiler zu konzipieren.

Verwundern muss es vor diesem Hintergrund nicht, dass die beiden Vorgängerfilme weder unter Kritikern noch auf Publikumsseite ungeteilte Zustimmung fanden. Erzählerische Schwächen und umfangreiche Ausschmückungen des Ursprungsmaterials ließen nach der großen Euphorie der ersten Tolkien-Trilogie so manchen Zuschauer mit eher gemischten Gefühlen zurück. Nichtsdestotrotz dürften zahlreiche Kinogänger dem finalen „Hobbit“-Teil wehmütig entgegenschauen, handelt es sich dabei doch um den vorerst letzten Ausflug nach Mittelerde.

Gleich zu Beginn greift Jackson den Cliffhanger des zweiten Films auf und wirft uns ohne Vorwarnung in ein schaurig-düsteres Kampfgetümmel. Von Bilbo (Martin Freeman) und den Zwergen wachgerüttelt, fällt der rachsüchtige Drache Smaug (Stimme und Mimik: Benedict Cumberbatch) über Seestadt her, deren Bewohner panisch die Flucht ergreifen. Einzig der tapfere Bard (Luke Evans) stellt sich dem feuerspeienden Ungetüm entgegen und versucht, das Unheil abzuwenden. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Der Angriff des Drachen ist nur der Auftakt zu einer viel größeren Schlacht, die sich am Einsamen Berg zutragen wird. Geblendet von den Schätzen seiner Vorfahren, weist Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Richard Armitage) die Ansprüche der Seestädter und Elben zurück und sorgt so für verhärtete Fronten. Mit einer List will Bilbo die Parteien zu einem Friedensschluss bewegen, hat aber keinen durchschlagenden Erfolg. Denn plötzlich rückt nicht nur ein von Thorin herbeigerufenes Zwergenheer an. Auch mehrere Ork-Legionen marschieren direkt auf den Einsamen Berg zu. Im Auftrag des dunklen Herrschers Sauron, wie Gandalf (Ian McKellen) befürchtet.

Spätestens mit Teil drei ist die Leichtigkeit, die noch den Auftakt der Reihe gekennzeichnet hat, wie weggeblasen. Smaugs Angriff auf Seestadt findet vor einem nachtschwarzen Hintergrund statt, der bloß durch die todbringenden Feuerwalzen erhellt wird. Die Hölle ist losgebrochen, schreien die atemberaubenden Bilder dem Zuschauer entgegen und legen umgehend die Stimmung der folgenden 144 Minuten fest. Tolkiens „Hobbit“, ursprünglich für dessen Kinder geschrieben und eher beschwingt im Tonfall, kommt damit endgültig im finsteren, schicksalsträchtigen „Herr der Ringe“-Universum an. Freilich auch, weil Peter Jackson und seine Koautoren Fran Walsh, Philippa Boyens und Guillermo del Toro die Literaturvorlage einmal mehr inhaltlich ausschmücken und zahlreiche Querverbindungen zu den zeitlich später angesiedelten Ring-Ereignissen ziehen.

Einerseits hinterlässt die Aufblähung der „Hobbit“-Geschichte einen bitteren Beigeschmack, da stets der Verdacht mitschwingt, dass hier ein eher schlicht gehaltenes Kinderbuch möglichst gewinnbringend ausgeschlachtet werden soll. Andererseits bereiten die Eingriffe und Abwandlungen die Bühne für einen monumentalen Schlusspunkt, der dem „Herr der Ringe“-Finale zwar nicht das Wasser reichen kann, für sich genommen aber sehr wohl mitreißende Abenteuerunterhaltung bietet. Neben den bereits bekannten, allerdings noch immer faszinierenden Landschaftsaufnahmen wissen vor allem die ausgedehnten Kampfsequenzen zu überzeugen. Was zu erwarten war, trifft vollends ein. „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ liefert großes Actionkino auf allerhöchstem technischen Niveau und gleitet nur selten in unfreiwillig komische Gefilde ab.

Gezielte Humoreinsprengsel sind angesichts der grimmigen Grundstimmung eher rar gesät. Treten sie ab und an zu Tage, kreisen sie zumeist um Bilbo und seine unerwarteten Winkelzüge. Auffallend ist, dass der Titelheld mit zunehmender Dauer die Rolle eines staunenden Beobachters einnimmt. Eine erzählerische Notwendigkeit, da sich der Abschlussfilm intensiver als die vorherigen Werke mit der Figur des Zwergenkönigs befasst. Wenngleich ein komplexes Psychogramm ausbleibt, sind die Macher doch bemüht, Thorins Besessenheit facettenreich einzufangen, recht eindrücklich etwa in einer Sequenz, die eine Wahnvorstellung bebildert. Abgesehen von Kili, dessen Beziehung zur Elbin Tauriel (eine Figur, die im Roman nicht vorkommt) weiter verfolgt wird, sind die übrigen Zwerge häufig nur Stichwortgeber ohne nennenswerte Eigenschaften. Etwas mehr Profil gewinnt der Seestadt-Bewohner Bard, wobei auch er aus eher grobem Holz geschnitzt ist. Gerade hier, im Bereich der Figurenzeichnung, offenbart sich ein merklicher Unterschied zu den „Herr der Ringe“-Blockbustern, deren Schicksalsgemeinschaft dann doch um einiges vielschichtiger wirkt.

Gleichwohl: Wer Jacksons erste Tolkien-Trilogie liebt, wird auch den dritten Teil des „Hobbits“ in die Arme schließen, da er noch einmal vieles von dem aufleben lässt, was Mittelerde im Kino zu einem gern besuchten Ort gemacht hat.

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