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Burying the Ex

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kritiken.de Redaktion 23.07.2015
Burying the Ex
A ca. 1572 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Burying the Ex - Zwischen Liebesromanze und untoter Satire: Joe Dantes späte Groteske

Einleitung

Burying the Ex tritt an einem Schnittpunkt auf, an dem romantische Komödie, Horrorkino und dunkle Satire aufeinandertreffen. Der Film, in dem Anton Yelchin, Ashley Greene und Alexandra Daddario zentrale Figuren spielen, wirkt wie ein Versuch, klassische Genrekonventionen zu koppeln mit einer zeitgenössischen Beobachtung von Bindung, Kontrolle und Beziehungsdynamiken. Relevanz gewinnt der Film nicht nur durch seine handwerkliche Verbindung von Komik und Ekel, sondern auch durch die Art und Weise, wie er moderne Partnerschaftsangst in eine visuell spürbare Form übersetzt.

Für Joe Dante, dessen Karriere seit den 1970er Jahren das Genrekino wiederholt durch ironische Brechungen geprägt hat, stellt Burying the Ex keine Abkehr, sondern eine Fortführung dar: Hier bündelt sich die Vorliebe für das Genre-Mashup mit einer nostalgischen, aber beißenden Perspektive auf die Gegenwart. In einem Kinojahr, das offen ist für Tonwechsel zwischen Komödie und Horror, zeigt der Film, wie ein erfahrener Regisseur mit geringeren Mitteln sein vertrautes Repertoire erneut aktiviert.

Der gesellschaftliche Hintergrund macht den Film doppelt anschlussfähig. In einer Zeit, in der Datingkultur, Imagepflege und die Angst vor emotionaler Erstarrung kulturelle Schlagworte sind, fungiert das Motiv des Wiederkehrens als Metapher für ungelöste Bindungen und die Schwierigkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden. Burying the Ex richtet sich daher an ein Publikum, das sowohl Genrefreuden als auch sozialpsychologische Zuspitzung erwartet.

Kurzüberblick zur Produktion

Unter der Regie von Joe Dante setzt Burying the Ex auf die vertraute Handschrift des Regisseurs: eine Mischung aus popkultureller Referenzfreude, satirebasiertem Blick auf das Alltägliche und einem Gespür für das komisch Groteske. Dante, dessen filmische Signatur sich über Werke wie The Howling und Gremlins erstreckt, arbeitet auch hier mit einem Blick für die kleinen visuellen Details, die eine Szene zugleich charmant und unbehaglich machen.

Die Produktion wirkt bewusst kompakt und unabhängiger dimensioniert als große Studioproduktionen; das Ergebnis ist ein Werk, das mehr auf pointierte Setpieces und schauspielerische Nuancen als auf opulente Effekte setzt. Diese ökonomische Herangehensweise passt zur Intimität der Erzählung und lässt Dante Raum, mit praktischen Effekten und gezielter Inszenierung zu arbeiten. Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert der Film eine späte Rückkehr zu jener Mischung aus Herz und beißender Gesellschaftskritik, die seine populärsten Werke geprägt hat.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Anton Yelchin, der hier die zentrale Rolle des Max übernimmt, bringt eine Mischung aus verkörperter Sensibilität und physischer Präsenz ein, die für die Ambivalenz seines Charakters entscheidend ist. Bekannt geworden durch seine Rolle als Pavel Chekov in der Star Trek-Neuinterpretation, hat Yelchin die Fähigkeit, das Unsichere eines Mannes zu spielen, der zwischen Loyalität und dem Wunsch nach Befreiung hin- und hergerissen ist.

Ashley Greene, die breite Bekanntheit durch die Twilight-Saga erlangte, verkörpert die Figur Evelyn, eine Partnerin, deren Präsenz intensiv und fordernd ist. Greene nutzt ihr starres, zugleich verführerisches Profil, um das Spannungsverhältnis zwischen Attraktion und Kontrolle zu markieren. Alexandra Daddario tritt als Olivia auf, die neue Hoffnung und alternative Lebensperspektive repräsentiert; Daddario, die zuvor in Produktionen wie Percy Jackson und True Detective auffiel, spielt hier die Rolle des Kontrasts zur toxischen Verstrickung der Ex-Beziehung.

Das Ensemble wird durch Darsteller wie Oliver Cooper ergänzt, der bereits in Project X Aufmerksamkeit erregte und hier als Teil des sozialen Umfelds dient, das Max umgibt. Insgesamt profitiert der Film von einer Besetzung, die sowohl kommerzielle Bekanntheit als auch die nötige Frische mitbringt, um die Tonalität zwischen Komödie und Horror glaubhaft zu tragen.

Handlung (spoilerfrei!)

Burying the Ex erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dessen scheinbar klare Lebensentscheidung ins Wanken gerät, als seine ehemalige Beziehung in ungewöhnlicher Form zurückkehrt. Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Loslösung und der Unfähigkeit, vergangene Bindungsschmerzen hinter sich zu lassen. Diese Konstellation wird in einem urbanen, oft sonnigen Umfeld verhandelt, das im Kontrast zur visuellen und thematischen Fäulnis der Rückkehr der Verflossenen steht.

Die zentralen Figuren bilden ein Dreieck: der Protagonist, die verstorbene beziehungsweise wiederkehrende Expartnerin und die neue Liebe, die als Chance auf Erneuerung erscheint. Aus diesem Geflecht entwickelt sich eine Tonalität, die zwischen leichter Romantik, sarkastischer Situationskomik und horrorhaften Zuspitzungen pendelt. Die Atmosphäre balanciert auf der schmalen Linie zwischen heiterem Spott und subversivem Unbehagen.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach dem Umgang mit Verlust und Nachwirkung. Was bedeutet es, eine Beziehung endgültig zu beenden, wenn Erinnerungen, Schuldgefühle oder soziale Erwartungen den Übergang verhindern? Die Wiedergängerfigur dient hier als Materialisierung vergangener Bande, die nicht nur romantische Verstrickung, sondern auch Selbstwahrnehmung und Identitätsbildung infrage stellen.

Auf einer philosophischen Ebene thematisiert Burying the Ex das Spannungsverhältnis zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung in Beziehungen. Psychologisch liest sich der Film als Studie über Bindungsdynamiken und die Angst vor Veränderung. Gesellschaftlich wird die Erzählung konturiert durch eine Ästhetik des Hedonismus und der Oberflächlichkeit, die moderne Paarbilder prägt: Imagepflege, performative Loyalität und das Bedürfnis, jede Form von Unbequemlichkeit zu konsumieren und zugleich zu verdrängen.

Formal knüpft das Werk an Dantes Motive an, die Monster nicht nur als pure Bedrohung, sondern als Spiegel gesellschaftlicher und psychischer Zustände begreifen. Die Mischung aus Humor und Ekel erlaubt es, scharfe Beobachtungen zu transportieren, ohne ins didaktische zu kippen. So bleibt Burying the Ex weniger eine einfache Genrekopie als eine reflexive Auseinandersetzung mit dem, was uns an Beziehungen festhält - und was uns schließlich wieder freigibt.

Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Dass sich die vermeintliche perfekte Freundin urplötzlich als personifizierter Albtraum erweist, ist ein ziemlich alter Hut im Romantic Comedy Genre. „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ ist da nur eines von zahllosen Beispielen. Einerseits ist es nicht ganz fair solch eindimensionales Unterhaltungskino mit Kultregisseur Joe Dante zu vergleichen, doch andererseits hat er sich diese unvorteilhafte Assoziation ganz allein selbst zuzuschreiben.

Denn wie man es auch dreht und wendet: In „Burying the Ex“ geht es genau um diese Prämisse. Horrorfilmfan Max (Anton Yelchin) glaubt mit Evelyn (Ashley Green) die Frau seiner Träume gefunden zu haben. Denn sie besitzt neben Schönheit und Intellekt auch einen ausgeprägten Sexualtrieb. Doch kaum ist Evelyn in Max’ Junggesellenbude eingezogen, tun sich erste Probleme auf. Die überzeugte Veganerin und Öko-Aktivistin gestaltet unter Eigenregie das Wohnzimmer um, nervt mit nahezu paranoiden Eifersuchtsschüben und wirkt zunehmend psychisch labil. Max sieht keinen anderen Ausweg, als seiner Freundin den Laufpass zu geben. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn auf dem Weg zur entscheidenden Unterredung wird Evelyn von einem Bus überfahren.

Der arme Max plagt sich nun mit Schuldgefühlen, hat ihn doch Evelyn schon zu Lebzeiten mit Hilfe emotionaler Erpressung stets für ihre Stimmungstiefs verantwortlich gemacht. In dieser ungesunden Beziehungsstruktur steckt durchaus ein Fünkchen Glaubwürdigkeit, doch jenseits dessen handelt es sich bei „Burying the Ex“ durch und durch um eine Komödie, die großzügig mit Slapstick und Übertreibungen arbeitet. Die zunehmend hysterische Ashley erscheint dabei als klischeehafter Männeralbtraum: Sie zwingt den armen Max zu gesunder Ernährung und Mülltrennung, reagiert auf seine Leidenschaft für Horrorfilme mit Unverständnis und engt ihren Partner Verlustängsten und übertriebener Eifersucht zunehmend ein. Ihr gegenüber steht die deutlich weniger mädchenhafte Eisverkäuferin Olivia (Alexandra Daddario), selbst Fan von Genrefilmen, die frühzeitig als das eigentliche Love Interest in die Geschichte eingeführt wird.

Die recht sexistisch anmutende Aufstellung wird jedoch als solche durch den ersten großen Wendepunkt der Geschichte in Frage gestellt, denn auf Grund eines teuflischen Fluches kehrt Evelyn aus dem Reich der Toten zurück. Und während Max zuvor lediglich das Rückgrat für den Schlussstrich fehlte, steht er mit seiner tollwütigen Zombie-Exfreundin nun vor einem echten Problem. Nun wird offenbar, dass es hier im Grunde nicht die Frau ist, die für ihre Verschrobenheiten an den Pranger gestellt wird, sondern der männliche Held. Es ist Max’ unüberlegter Wunsch nach ewiger Liebe, den der Teufel da erhört hat. Und es ist seine Unfähigkeit, mit der Trauer seiner Freundin auch die Konsequenzen einer Trennungsentscheidung zu tragen, die den Stein ins Rollen bringt. Vor allem aber verbirgt sich unter der Oberfläche der nun übermäßig starken und noch immer sexhungrigen Frau die männliche Angst der Überforderung.

Dass es in „Burying the Ex“ eigentlich um Sex geht, ist nicht schwer zu erraten. Die Sexszenen des Films sind zwar über die Maßen verklemmt, doch der ungewöhnlich starke Trieb der weiblichen Hauptfigur ist dafür umso präsenter. Die Parallelmontage einer Sexszene mit Evelyns plötzlichem Appetit für menschliches Gehirn lässt schließlich keine Zweifel mehr daran offen, dass der weibliche Zombie hier eine ähnliche Funktion übernimmt wie einst der männliche Vampir. Evelyn ist eine sexuelle Bedrohung, die unmittelbar mit den Versagensängsten ihres männlichen Gegenübers verknüpft ist.

Joe Dante erzählt in „Burying the Ex“ also eigentlich von einer Männlichkeitskrise, wie sie im zeitgenössischen Unterhaltungskino alles andere als selten ist, tut dies jedoch in einem bedauerlich einfallslosen Gewand. Gute Gags sind durchaus vorhanden. Das Drehbuch von Alan Trezza verliert nie den Kontakt mit der Wirklichkeit und generiert den Humor geschickt aus pointierten Überzeichnungen realer Typen und Gegebenheiten. Zahlreiche filmische Zitate und ein überraschender Cameo bieten insbesondere eingefleischten Genre- und Dante-Fans solide Unterhaltung. Doch so richtig originell ist das alles leider nicht. Zu ausgetreten sind die Pfade, auf denen sich Joe Dante hier bewegt. Auch bleibt die Hauptfigur enttäuschend blass, bietet dem Shooting-Star Anton Yelchin so gar keine Gelegenheit, sein Schauspieltalent unter Beweis zu stellen. Der Held, mit dem sich der Zuschauer doch eigentlich identifizieren sollte, bleibt letztlich die uninteressanteste Figur von allen. Der Handlungsverlauf wiederum folgt brav den Regeln der Romantic Comedy. Auch das ist freilich ein Genre, aber nicht unbedingt jenes, das sich die Fans von Joe Dantes neuestem Film erhofft haben. Insgesamt bleibt „Burying the Ex“ in jeglicher Hinsicht enttäuschend brav. Dem Film fehlt – auch im wahrsten Sinne des Wortes - der Biss. Und damit der Kultfaktor.

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