Buddy: Eine komödiantische Studie über Männlichkeit, Freundschaft und die Verluste des öffentlichen Lebens
Einleitung
Mit Buddy betritt ein populärer Vertreter des deutschen Komödienkinos einen Tonraum, der zwischen heiterer Folklore und nachdenklicher Alltagsbeobachtung changiert. Der Film, der gegen Ende 2013 in die Kinos kam, ist kein bloßes Gag-Feuerwerk, sondern versucht, in den konventionellen Strukturen des Buddy-Films subtile Risse freizulegen. Damit fordert er das Publikum heraus, das von seinem Autoren und Hauptdarsteller je nach Erwartungshaltung entweder leichte Unterhaltung oder pointierte Parodie erwartet.
Relevanz gewinnt Buddy nicht durch radikale Formexperimente, sondern durch die Zuspitzung alltäglicher Befindlichkeiten: Alter, Karriere, Nähe und Entfremdung in einer Mediengesellschaft, die private und öffentliche Rollen zunehmend vermischt. Gerade in einer Zeit, in der deutsche Unterhaltung oft zwischen ironischer Distanz und nostalgischer Verklärung oszilliert, setzt der Film auf die Begegnung zweier Figuren als Brennglas für zeitgenössische Fragen der Identität.
In seiner Tonalität bleibt der Film seriös genug, um melancholische Untertöne zu erlauben, ohne die komödiantische Ökonomie zu sprengen. Das ergibt ein ambivalentes Werk, das sich stilistisch im Repertoire seines Schöpfers verankert, zugleich aber nach einer persönlicheren, inneren Note verlangt. Diese Spannung zwischen Publikumserwartung und erzählerischer Zurückhaltung macht Buddy zu einem interessanten Gegenstand feuilletonistischer Betrachtung.
Kurzüberblick zur Produktion
Buddy entstand in einem Produktionsrahmen, der dem konventionellen deutschen Mainstream entspricht: zugängliche Besetzung, handwerklich saubere Umsetzung und eine klare Ausrichtung auf ein breites Kinopublikum. Die Veröffentlichung in der Vorweihnachtszeit signalisiert den Anspruch, sowohl die Fans des Hauptdarstellers als auch ein allgemeineres Publikum anzusprechen. Solche Plätze im Kalender sind bewusst gewählt und spiegeln die ökonomische Logik hinter modernen Komödien wider.
Inszeniert wurde der Film von einem Regisseur, der seine Karriere im Unterhaltungskino begründet hat und dessen Handschrift zwischen Parodie, großer Geste und pointierter Figurenzeichnung oszilliert. In Buddy sind diese Elemente spürbar, jedoch weniger überzeichnet als in den früheren, offensichtlicher genreparodistischen Arbeiten. Die Kameraarbeit folgt überwiegend einem klassischen Erzählkino, das Komik und Intimität gleichermaßen zulässt, während Schnitt und Rhythmus stark an sitcom- und varietéeinflüsse erinnern, ohne in flache Routine abzugleiten.
Im Gesamtwerk markiert Buddy eine Nuance der Verschiebung: weg vom kabarettistischen Großformat, hin zu einer kleineren, dialog- und beziehungsorientierten Erzählung. Diese Positionierung lässt den Film als wichtigen, wenn auch nicht revolutionären, Beitrag zur Entwicklung des deutschsprachigen Unterhaltungskinos erscheinen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum der Inszenierung steht ein erfahrener Entertainer, dessen öffentlicher Ruf und komödiantische Kompetenz das dramaturgische Kapital des Films bilden. Seine Darstellung trägt die Handschrift eines Performers, der bewusst mit seinem Image spielt und zugleich versucht, dessen Grenzen aufzuzeigen. Die Lebensnähe und das Selbstbewusstsein des Darstellers geben der Figur eine ambivalente Tiefe, die über reine Parodie hinausreicht.
Alexander Fehling bringt eine andere Energie in das Ensemble: bekannt geworden durch prägnante, teils dramatische Rollen, steht er für eine jüngere Generation von Schauspielern, die Zwischentöne und innere Brüche glaubwürdig verkörpern können. In Buddy fungiert seine Präsenz als Gegenpol zum erfahreneren Protagonisten und eröffnet so einen Raum für Generationenkonflikte und Lernprozesse.
Mina Tander vervollständigt das Dreieck als diejenige Figur, die emotionale Konturen und moralische Orientierung bietet. Ihre berufliche Herkunft in anspruchsvollen Film- und Fernsehprojekten ermöglicht ihr, der Rolle sowohl Wärme als auch Rationalität zu geben, ohne in Klischees zu verfallen. Das Ensemble profitiert von der Mischung aus komödiantischer Routine, dramatischer Sensibilität und einer klaren Ensemblechemie.
Handlung (spoilerfrei!)
Buddy erzählt von einer ungewohnten Begegnung, die zwei Leben in Bewegung setzt. Ausgangspunkt ist die Kollision zweier Lebensentwürfe: die routinierte Welt eines etablierten Entertainers und die ungestüme Ambition eines Jüngeren. Aus dieser Konstellation entwickelt sich ein dramatischer Konflikt, der weniger auf äußeren Hindernissen als auf inneren Bedürfnissen basiert.
Der filmische Ablauf setzt auf Begegnungen und Episoden, die den Wandel der Figuren in kleinen Gesten und Dialogen ausspielen. Zentrale Figuren sind der titelgebende Protagonist und seine unmittelbaren Bezugspersonen, deren Interaktionen zwischen Komik und Zärtlichkeit oszillieren. Der erzählerische Ton bleibt überwiegend heiter, trägt jedoch eine erkennbare Schicht von Melancholie, die das Publikum dazu einlädt, über die Bedingungen von Nähe und Verantwortung nachzudenken.
Stilistisch verbindet Buddy leichte, zugängliche Komödie mit Momenten ruhiger Beobachtung. Die Atmosphäre ist urban und alltäglich, die Situationskomik speist sich oft aus Charakterkontrasten statt aus überraschendem Plotmechanismus. Dadurch entsteht ein Film, der seine Spannung weniger aus spektakulären Wendungen als aus der sukzessiven Offenlegung von Charakterzügen gewinnt.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum des Films steht die Frage nach Identität in der Überschneidung von öffentlichem Auftritt und privater Bedürftigkeit. Wie verhält sich ein öffentlicher Künstler zu seinen eigenen Sehnsüchten, wenn die Kamera aus ist und die Lacher verstummen? Diese Problematik wird nicht theoretisch zerlegt, sondern praktisch ausgehandelt in Form von Beziehungsarbeit, Konflikten und einfachen Gesten des Sich-Öffnens.
Freundschaft und Loyalität fungieren als Leitmotive: Der Film lotet aus, wie Bindungen entstehen, wie sie geprüft werden und welche Kompromisse ihnen abverlangt werden. Zugleich thematisiert Buddy Generationendifferenzen und die Frage nach beruflicher Selbstverwirklichung versus persönlicher Erfüllung, ohne in moralisierende Belehrung zu verfallen. Die Konstruktion von Männlichkeit, insbesondere in einer Zeit, in der traditionelle Rollenbilder unter Druck geraten, ist eine wichtige, wenn auch nie explizit dogmatisch verhandelte Ebene.
Schließlich lässt sich eine kritische, aber milde Haltung gegenüber medialer Inszenierung erkennen. Der Film zeigt, wie Präsenz und Projektion Lebenswirklichkeiten überlagern und wie Menschen versuchen, Authentizität in einem Umfeld zu behaupten, das sie ständig beobachtet. Buddy bleibt dabei formal zugänglich und vermeidet pathosgeladene Zuspitzungen; gerade diese Zurückhaltung macht seine kulturelle Relevanz aus, weil sie den Blick auf die leisen, oft übersehenen Konflikte freigibt.
Filmkritik von Peter Osteried
Bully ist Buddy, benannt nach dem großen Bud Spencer
Nach Ausflügen ins rein schauspielerische Fach, bei denen Bully kein glückliches Händchen bewiesen und einen Flop nach dem anderen erlebt hat, hat er nun wieder nach eigenem Drehbuch selbst inszeniert – und sich natürlich auch eine passende Rolle auf den Leib geschneidert. Zugutehalten muss man Herbig, dass er sich zumindest nicht auf alten Erfolgen ausruht. Es wäre ein Leichtes gewesen, ein Sequel zu einem seiner Erfolgsfilme anzugehen. Stattdessen versucht er sich an einem für ihn gänzlich neuen Sujet: der romantischen Komödie.
Eddie (Alexander Fehling) weiß das Leben zu schätzen. Da er reich geerbt hat, muss er sich um fast nichts Sorgen machen. Selbst die Leitung der familieneigenen Firma ist ein Kinderspiel, denn mehr als Repräsentieren muss Eddie eh nicht. Die eigentliche Arbeit macht Dr. Küster (Christian Berkel). Aber dann ändert sich was in Eddies Leben. Nach feuchtfröhlichem Vergnügen steht urplötzlich sein Schutzengel Buddy (Michael Bully Herbig) vor ihm.
Natürlich kann nur Eddie den Schutzengel sehen, während seine Mitmenschen glauben, er würde langsam verrückt, so oft wie er mit sich selbst spricht. Aber Buddy ist gut für Eddie, denn er ermutigt ihn, der alleinerziehenden Mutter Lisa (Mina Tander) den Hof zu machen. Aber damit beginnt der Trubel erst, und das nicht nur, weil Lisa Eddie mit ihrem VW-Bus aufs Korn nimmt, sondern weil in der Firma gegen den Taugenichts intrigiert wird.
Herbig hat den Mumm, sich nicht ganz und gar auf die Formel dieses Genres zu kaprizieren. Er versucht, eigene Wege zu gehen, was aber auch nicht frei von Problemen ist. So ist seine Hauptfigur über weite Strecken ein unsympathischer Widerling, für den man keine Sympathie aufbringen kann, auch wenn sich Alexander Fehling in der zweiten Hälfte redlich müht, der Figur liebenswerte Züge abzugewinnen. Problematisch ist darüber hinaus, dass die Chemie zwischen Fehling und Tander praktisch nicht vorhanden ist. Man entwickelt kein Gefühl für diese beiden Figuren – und sie zueinander auch nicht! Die Romanze ist behauptet, aber niemals erlebbar. Es ist gerade so, als sei man im falschen Film gelandet. Dass Bully dann doch noch ein, zwei Szenen gelingen, in denen ein paar Funken sprühen, muss man schon fast als Zufall werten.
Die Problematik liegt vor allem in der Konzeption der Geschichte, die Schauspieler sind gut, auch wenn man sicher noch ein Duo gefunden hätte, das kompatibler erscheinen würde. Dass Buddy aber nicht gänzlich untergeht, liegt dann auch weniger an der Romcom, die sich unterm Strich zu sehr in klischierten Bahnen bewegt, sondern am Fantasy-Element. Die Einbeziehung des Schutzengels macht die Geschichte frischer als sie eigentlich ist. Und nicht nur das, mit seinen neckischen Sprüchen hat Bully auch die Lacher auf seiner Seite. Als Buddy ist er das Herz und die Seele dieses Films, der ansonsten in jeder Beziehung weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

