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2 Guns

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kritiken.de Redaktion 26.09.2013
2 Guns© Sony Pictures Releasing GmbH
A ca. 1486 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

2 Guns - Buddy-Kino zwischen moralischer Ambivalenz, institutioneller Korruption und Hollywoods rationalisierter Gewaltästhetik

Einleitung

2 Guns erscheint im Kino als eine hybride Gattung: Actionkomödie, Kriminalthriller und Buddy-Drama zugleich, verpackt in das polierte Erzählschema des amerikanischen Studiosystems. Die Relevanz des Films liegt weniger in originären filmischen Neuerungen als in seiner Positionierung innerhalb eines populären Erzählkorridors, der moralische Grauzonen und institutionelle Unzuverlässigkeit zur Grundlage spannungsreicher Unterhaltung macht. In einer Zeit, in der Vertrauen in staatliche Institutionen wiederholt unter Beschuss steht, spiegelt 2 Guns ein kulturelles Bedürfnis wider, Zustände von Korruption und Intransparenz zugleich zu dramatisieren und zu domestizieren.

Im Werk des Regisseurs markiert der Film einen Schritt hin zur routinierten amerikanischen Genrearbeit nach einem früheren, oft raueren Arthouse-Start. Die filmische Anlage ist auf Effizienz und Massentauglichkeit ausgerichtet; sie sucht die Gratwanderung zwischen nervöser Beschleunigung und inszenatorischer Kontrolle. Diese Balance prägt das Verhältnis von Spannung und Humor, das das Narrativ trägt und die Figuren in Bewegung setzt.

Gesellschaftlich liest sich 2 Guns als Produkt eines Jahrzehnts, das den Diskurs über Geheimdienste, verdeckte Operationen und die mitunter autarken Praktiken exekutiver Gewalt in die Populärkultur überführt hat. Die filmische Sprache lädt dazu ein, die Mechanismen von Loyalität und Verrat als symptomatisch für ein Wirtschaftssystem zu begreifen, in dem Informelles und Illegales oft nebeneinander existieren. Der Film vermittelt so weniger eine moralische Maxime als ein Verfahren, mit der widersprüchlichen Realität zurechtzukommen.

Kurzüberblick zur Produktion

2 Guns wurde unter der Regie von Baltasar Kormákur realisiert, einem Regisseur, der aus dem isländischen Kino stammt und in den letzten Jahren verstärkt in internationalen, kommerzielleren Formaten arbeitet. Kormákur bringt eine Handschrift mit, die nüchterne Robustheit und ein Gespür für atmosphärische Dichte verbindet; seine Regie bevorzugt klares Storytelling, das soziale Härten und physische Präsenz nicht scheut.

Als Studiofilm angelegt, bewegt sich 2 Guns im mittleren Budgetbereich des Hollywood-Systems, mit der entsprechenden Produktionstüchtigkeit und dem Anspruch, breite Publikumsschichten anzusprechen. Die Adaption basiert auf einer gleichnamigen Comicvorlage und nutzt die komprimierten, plotgetriebenen Strukturen des Mediums zugunsten einer filmischen Dramaturgie, die Tempo und Figurenkonflikt in den Vordergrund stellt. Innerhalb des Oeuvres seines Regisseurs steht der Film für die konsequente Loslösung von regionalem Kino hin zu konventionellen Genreproduktionen, ohne jedoch die architektonische Präzision und die Tendenz zu ruppiger Realismusdarstellung aufzugeben.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung ist programmatisch: Denzel Washington bringt seine etablierte Autorität ein, die sich in zahlreichen Rollen als moralische Komplexität und situative Härte konstituiert hat. Seine Präsenz funktioniert hier als ein Anker, eine sekundäre Gewissheit in einem von Unsicherheit durchzogenen Plotgefüge. Mark Wahlberg verkörpert die energischere, impulsivere Seite des Buddy-Arrangements; seine Karriere, geprägt von Rollen, die Arbeiterethos und körperliche Robustheit ausspielen, macht ihn zur plausiblen Gegenfigur, die das rauere, dynamischere Element der Partnerschaft liefert.

Paula Patton tritt in einer Rolle auf, die sowohl emotionalen Anker als auch narrativen Kompass sein kann. Bekannt durch frühere Auftritte in größeren Produktionen, wird ihre Figur hier als Gegenpol zu den dominanten, männlichen Actionfiguren angelegt und vermittelt jene privaten Betroffenheiten, die das Geschehen erden. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern operiert als Motor des Films: Vertrautheit und Misstrauen, spielerischer Schlagabtausch und existentielle Bedrohung werden zum Motor für Rhythmus und Emotion.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich die Handlung von 2 Guns als ein klassisches Ausgangsprinzip beschreiben: Zwei Männer mit unterschiedlichen Loyalitäten und unterschiedlichen Methoden geraten durch eine folgenschwere Aktion in ein Netzwerk aus Misstrauen, Doppelzüngigkeit und institutionellem Kalkül. Der dramatische Konflikt entsteht weniger aus einem äußeren Gegner allein als aus dem Auseinanderklaffen von Rollen und Wirklichkeit - wer ist Verbündeter, wer Gegner, und in welchem Ausmaß sind staatliche Mandate moralisch gedeckt?

Im Zentrum stehen die beiden Protagonisten und ihre Art, mit Enthüllungen, Verrat und eskalierender Gewalt umzugehen. Der Ton des Films schwankt zwischen lakonischem Humor, actiongetriebener Härte und sporadisch eingesetzter Spannung, was eine Atmosphäre erzeugt, die sowohl amüsant als auch beklemmend sein kann. Die Inszenierung bevorzugt eine stringente, zielorientierte Erzählweise, die den Zuschauer durch Verfolgungs- und Konfliktszenen trägt, ohne die psychologische Dimension der Figuren zu vernachlässigen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von 2 Guns stehen Fragen nach Loyalität, Identität und dem Verhältnis zwischen Individuum und Institution. Der Film lotet aus, wie weit Loyalitätsbündnisse reichen, wenn ökonomische und politische Interessen auf dem Spiel stehen, und er illustriert, wie sehr persönliche Bindungen durch professionelle Maskeraden untergraben werden können. Die wiederkehrende Ambivalenz gegenüber staatlicher Gewalt fungiert dabei als Leitmotiv: Staatliche Repräsentanten handeln nicht zwingend im öffentlichen Interesse, und die Grenze zwischen legaler Autorität und organisiertem Verbrechen wird bewusst unscharf gehalten.

Philosophisch berührt der Film Motive der moralischen Praxis: Wie rechtfertigen handelnde Figuren ihre Entscheidungen in Situationen, die zwischen Recht und Zweckdienlichkeit oszillieren? Psychologisch interessiert 2 Guns an der Anpassungsfähigkeit von Identitäten - wie Masken abgelegt oder neu angezogen werden, wenn die äußeren Bedingungen es erfordern. Ästhetisch setzt der Film auf eine Rationalisierung von Gewalt: Inszenierte Action erscheint kalkuliert, beinahe funktional, wodurch die Gewalt als Mittel zur Narration und Charakterisierung lesbar bleibt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 2 Guns weniger ein Manifest ist als eine Fallstudie: ein Hollywoodfreundliches Gerüst, in dem Fragen von Vertrauen, Verrat und institutioneller Korruption verhandelt werden, ohne dabei die Mechanik populärer Spannungserzählung aus den Augen zu verlieren. Der Film bietet damit Stoff für Betrachtungen über die Konvergenz von Genrehandwerk und zeitdiagnostischer Thematik.

Filmkritik von Lukas Foerster

Ein uneigentlicher Banküberfall: Der eine Gangster arbeitet undercover für die Polizei, der andere fürs Militär. Der eine ärgert sich darüber, dass sie nicht gleich nach Verlassen der Bank von seinen Kollegen gestellt werden – und dass sie statt der erwarteten drei gleich 42 Millionen Dollar erbeuten, ist auch für seinen Kumpanen kein Grund zur Freude. Denn beide wissen, dass 42 Millionen, wenn sie erst einmal in der Welt sind, alles Uneigentliche über kurz oder lang wieder in Eigentliches rückübersetzen.

„2 Guns“ basiert, wie gefühlt jeder zweite Film derzeit, auf einer Graphic Novel, die Geschichte fühlt sich jedoch eher an wie ein Kurzgeschichtenversuch, der bei einem ambitionierten Pulp-Schriftsteller wie zum Beispiel dem kürzlich verstorbenen Elmore Leonard in der Schublade liegengeblieben ist und dort auf Verfeinerungen wartet. Das Problem an der Sache: Gerade auf die Verfeinerungen, auf die Feinmechanik der Narration kommt es an bei Geschichten, die in ihren Grundzügen schon tausendundeinmal erzählt worden sind. Der Beginn mit dem gefälschten Banküberfall, der nicht zu wenig, sondern zu viel Geld in Umlauf bringt, ist noch leidlich originell, legt auch gekonnt die eine oder andere falsche Fährte. Danach macht es sich der Film immer ein wenig zu leicht: Natürlich sind den beiden unfreiwilligen Verbündeten bald jede Menge bad guys auf den Fersen; jede Interessengruppe in „2 Guns“ – Militärs, Drogenkartell, CIA – besteht aus einem, gerne narbenübersäten, Anführer und zahlreichen gesichtslosen Fußsoldaten. Und die beiden free agents, die zwischen die Fronten geraten sind, werden zur Zusammenarbeit regelrecht geprügelt. Was dabei zwischen ihnen entsteht, sieht von weitem wie Freundschaft aus, ist aber nur deren derzeit im (Männer-)Kino allgegenwärtige Schwundstufe, jenes „Buddytum“, bei dem es im Kern nicht darum geht, den anderen in der eigenen Welt zuzulassen, sondern das sich darin genügt, das ewige Machtgehabe (zwei Kanonen…) irgendwann in Äquivalenzen stillzustellen: Du hast mir in den Arm geschossen, ich jage dir dafür eine Kugel ins Bein.

Eine einfache Rechnung aufgemacht haben die Produzenten von „2 Guns“: Denzel Washington und Mark Wahlberg gehören in Hollywood zu den wenigen verbliebenen Stars, deren bloße Präsenz in einem Film für eine gewisse Anzahl verkaufter Kinokarten gut ist. Ein Film, in dem beide zusammen agieren, sollte erst recht zum Selbstläufer werden. Dieses inzwischen fast schon altmodische Konzept ist in den USA halbwegs aufgegangen. Allerdings ist kaum zu übersehen, dass die Art von halbironischer Actionkomödie, auf die „2 Guns“ herausläuft, dem sich unreflektiert durch die Welt witzelnden und das rote Monster-Truck-T-Shirt wie eine zweite Haut durch den Film tragenden Wahlberg weit mehr liegt als Washington, der seinerseits einen einfach nur lächerlich anmutenden Strohhut tragen muss und dessen zurückgenommenes Spiel ohne eine gewisse tragische Fallhöhe einfach nicht funktioniert.

Der zur Zeit vielbeschäftigte, zwischen amerikanischen und europäischen Produktionen hin und her wechselnde isländische Regisseur Baltasar Kormákur (der zuletzt schon bei „Contraband“ mit Wahlberg zusammengearbeitet hatte) gibt sich alle Mühe, das Formelhafte der Geschichte in immerhin dynamische Bilder zu gießen. Gleich in der ersten Einstellung lässt er die Kamera von einem Zug überrollen, später explodiert und staubt es immer wieder effektvoll in Richtung Zuschauer. Insgesamt ist die Regie allerdings höchstens kompetent, führt zwar nicht hektisch, aber allzu indifferent, ohne Gespür für manchmal notwendige Entschleunigungen und Tempoverschärfungen, durch den allzu breit ausgewalzten Plot. Auch die eleganteren Momente sind stets nur Hinführung zum nächsten halbgaren Oneliner. Wahlbergs Westentaschen-Machismo hat einen gewissen Reiz, aber eigentlich gibt es nur eine wirklich gute Szene: Washington mit der ansonsten weitgehend unterbeschäftigten Paula Patton im abgedunkelten Schlafzimmer, er entspannt auf dem Rücken liegend, während sie versucht, seine Coolness herauszufordern.

Was dann am Ende übrig bleibt, ist leider nur eine weitere uninspiriert heruntererzählte Groteske um einen Haufen Zyniker, die im staubigen Niemandsland nahe und jenseits der mexikanischen Grenze einem x-beliebigen Schatz hinterherjagen und sich gegenseitig, mehr oder weniger coole Sprüche auf den Lippen, an die Gurgel gehen.

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