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The Pyramid - Grab des Grauens

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kritiken.de Redaktion 16.04.2015
The Pyramid - Grab des Grauens© Fox Deutschland
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The Pyramid - Grab des Grauens: Found-Footage als moderne Grabkammer und Archäologie der Angst

Einleitung

The Pyramid - Grab des Grauens positioniert sich nicht nur als weiterer Eintrag in der langen Liste von Tomb-Horrors, sondern als Versuch, die Mechanik des Found-Footage-Genres mit der Mythologie archäologischer Entdeckungen zu verschränken. Die Relevanz des Films liegt weniger in seiner Innovationskraft als in der Art und Weise, wie er zeitgenössische Ängste - von Kontrollverlust bis zur Instrumentalisierung der Vergangenheit - in ein klaustrophobisches Setting presst. In einer Ära, in der Dokumentationsästhetik als Authentizitätsgarantie gilt, nutzt The Pyramid die Form, um das Verhältnis von Sehen, Aufzeichnen und Überleben thematisch zu verdichten.

Als Regiedebüt von Grégory Levasseur markiert der Film eine Verschiebung in der Karriere eines Autors, der bislang vor allem als Coautor und enger Mitarbeiter von Alexandre Aja bekannt war. Levasseur bringt jene sensiblen, körperzentrierten Motivationen mit, die man aus der Aja-Schule kennt: ein Faible für klaustrophobische Räume, für das Körperliche als Träger von Schrecken und für eine handfeste, fast handwerkliche Horrorkinematographie. The Pyramid lässt sich somit als Neuanfang lesen, der die Handschrift seiner Entstehungsumgebung übernimmt und zugleich eigene filmische Fragen stellt.

Im gesellschaftlichen Kontext trifft der Film auf ein Publikum, das einerseits durch reale politische Konflikte um Kulturgüter sensibilisiert ist, andererseits eine anhaltende Sehnsucht nach unmittelbarer, "authentischer" Schauernarration pflegt. The Pyramid operationell zwischen diesen Polen: er bedient das Bedürfnis nach unmittelbarer Angstvermittlung und evoziert beiläufig Diskurse über Ausgrabungsethik, medial vermittelte Wahrheit und die Dynamik zwischen Entdeckerdrang und respektlosem Zugriff auf fremde Vergangenheiten.

Kurzüberblick zur Produktion

Grégory Levasseur, bis dato vornehmlich als Drehbuchautor und Produzent tätig, übernimmt bei The Pyramid erstmals die Regie. Seine Handschrift bleibt dem Genre verpflichtet: eine auf körperliche Intensität und Raumspannung ausgerichtete Bildsprache, die das Subjekt im Angesicht des Ursprünglichen testet. Der Film arbeitet mit den konventionellen Mitteln des Found-Footage, setzt aber zugleich auf inszenatorische Präzision, um aus der vermeintlichen Amateurästhetik eine durchkomponierte Horrorerfahrung zu machen.

Die Produktionsumstände folgen dem gängigen Schema moderner Genrefilme aus dem unteren bis mittleren Budgetbereich. Die Beschränkung auf wenige Hauptschauplätze - vornehmlich die labyrinthartige Innenstruktur einer Pyramide - ist ökonomisch motiviert und dramaturgisch virulent: Enge und Mangel an Fluchtoptionen werden zur Produktionsbedingung und zur erzählerischen Strategie zugleich. Technisch hält der Film an der Found-Footage-Tradition fest, variiert aber zwischen subjektiver Handkamera und klassischen Einstellungen, um Sichtachsen zu strukturieren und dramaturgische Spannung zu modulieren.

Im Gesamtwerk Levasseurs stellt The Pyramid eine Art Visitenkarte des Regisseurs dar: Er demonstriert seine Fähigkeit, Genreästhetik zu nutzen und zugleich Formfragen zu stellen. Dass der Film sich stark an bekannten Konventionen orientiert, ist kein Makel im Produktionskontext, sondern Teil einer bewussten Positionierung innerhalb eines Marktes, der zwischen Reminiszenz und Innovation oszilliert.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung kombiniert junge, relative Neulinge mit erfahrenen Charakterdarstellern. Ashley Hinshaw übernimmt die zentrale Rolle und fungiert als emotionaler Anker des Ensembles; ihre bisherige Karriere ist geprägt von unabhängigen Produktionen und ersten Genreerfahrungen, die sie für die körperliche und nervliche Belastung solcher Filme prädestinieren. Denis O'Hare bringt als routinierter Charakterdarsteller eine stabilisierende Präsenz ein; seine Arbeit in Fernseh- und Filmprojekten hat ihn als verlässlichen Tragpfeiler im Beziehungsgefüge kleiner Ensembles etabliert, was hier als dramaturgischer Gegenpol zu Hysterie und Panik dient.

James Buckley, bekannt aus komödiantischen Kontexten, wird in The Pyramid in einer Rolle eingesetzt, die seine unterschwellige Ironie in einen ernsthafteren Ton überführt und so die Gruppendynamik verschiebt. Die übrigen Darsteller, darunter Daniel Amerman und Amir K, bilden gemeinsam ein Team, dessen interne Spannungen und unterschiedlichen Motivationen den Motor des Films darstellen. Die Leistung des Ensembles ist darauf ausgerichtet, die Glaubwürdigkeit einer dokumentarischen Situation zu erzeugen und zugleich die psychologische Eskalation der Figuren nachvollziehbar zu machen.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich der dramatische Kern des Films knapp fassen: Eine Expeditionsteamsicht, motiviert durch wissenschaftliche Neugier und mediale Aufmerksamkeit, dringt in eine bislang unerforschte Grabkammer ein und gerät in eine Eskalation von Raumverlust, Orientierungslosigkeit und existenzieller Bedrohung. Der filmische Blick bleibt häufig subjektiv, die Kamera ist Zeuge und Instrument zugleich, wodurch Zuschauende in die Perspektive der Akteurinnen und Akteure eingebunden werden.

Der Konflikt entfaltet sich weniger durch äußere Politiken als durch die Konfrontation mit dem Unbekannten und die Zerbrechlichkeit menschlicher Kooperationsformen unter Stress. Die zentralen Figuren sind keine archetypisch klärbaren Helden; ihre Entscheidungen, Wissensstände und moralischen Dilemmata sind getrieben von Panik, Entschlossenheit und dem Versuch, Kontrolle in einer zunehmend kontrolllosen Umgebung zurückzugewinnen. Ton und Atmosphäre des Films sind geprägt von Düsternis, Hall und einem permanenten Eindruck der Bedrohung - die Pyramide wird zur präzisen, dennoch unberechenbaren Bühne für existenzielle Prüfungen.

Zentrale Themen und Motive

The Pyramid verhandelt eine Reihe von Themen, die über die Oberfläche des Genrefilms hinausweisen. Zunächst stellt er Fragen nach der Grenze zwischen wissenschaftlicher Neugier und rücksichtsloser Instrumentalisierung fremder Kulturen: Wer hat das Recht zu graben, zu dokumentieren, zu sammeln? Eng damit verknüpft ist die Kritik an einem medialen Imperativ, der Aufzeichnung über Respekt setzt. Die Found-Footage-Form fungiert hier als Metapher für die Hybris, alles Sichtbare der Kontrolle durch Bildaufzeichnung zu unterwerfen.

Auf einer philosophischeren Ebene thematisiert der Film das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, die Unbekanntheit des Vergangenen als Projektionsfläche für zeitgenössische Ängste. Die Pyramide wird zur Chiffre für das Unzugängliche, das nicht vollständig eingesehen oder verstanden werden will - ein Ort, der Ordnung und Bedeutung in Frage stellt. Psychologisch arbeitet der Film mit Motiven wie dem Verlust von Orientierung, dem Zusammenbruch kollektiver Rationalität und der Rückkehr des Archaischen in Form von Körperlichkeit und unmittelbarer Gefahr.

Schließlich lässt sich eine meta-kulturelle Reflexion über das Genre selbst beobachten: Found-Footage als Form des Beobachtens, aber auch des Voyeurismus, stellt die Frage nach der Verantwortung des Zuschauers. Indem der Film den Akt des Sehens in den Mittelpunkt rückt, fordert er ein Nachdenken über die Grenze zwischen partizipativer Anteilnahme und voyeuristischer Satisfaktion heraus.

Filmkritik von Peter Osteried

Die Tiefe dieser Pyramide wird für einige Forscher zum Grab des Grauens

Bei einer Produktion von Alexandre Aja erwartet man eigentlich Blut, das in Strömen fließt, The Pyramid gestaltet sich aber eher zahm und setzt auf Stimmung. Da gleicht er dem ebenfalls von Grégory Levasseur inszenierten P2. Noch eine andere Ähnlichkeit gibt es: Man erzählt eine altbekannte Geschichte recht schnörkellos, aber dafür effektiv neu.

In Ägypten wurde eine Pyramide entdeckt, die unter dem Sand begraben ist. Nur die Spitze der dreiseitigen Pyramide wurde schon freigelegt, das allein lässt aber Expeditionsleiter Holden (Denis O’Hare) und seine Tochter Nora (Ashley Hinshaw) in Verzückung geraten, denn eine solche Pyramide gibt es in ganz Ägypten nicht. Sie ist auch älter als alle anderen Bauwerke, was nur eines bedeuten kann: Die Geschichtsschreibung muss neu geschrieben werden!

Eigentlich möchte man behutsam vorgehen, aber die Umstände zwingen Holden, mit seiner Tochter und drei Begleitern recht unvorbereitet in die Pyramide vorzustoßen. Eigentlich soll es nur ein kleiner Erkundungstrip sein, doch dann verirren sie sich im unterirdischen Labyrinth. Die Suche nach einem Ausweg wird jedoch nicht nur durch allerhand Fallen erschwert, nein, auch etwas Böses hat die Zeit im Inneren der Pyramide überdauert. Und es ist hungrig.

Auf den ersten Blick erscheint The Pyramid wie ein typischer Found-Footage-Film. Er ist es jedoch nicht. Zwar nutzt Levasseur die zwei Kameras, die Nora und der Kameramann des Teams mit sich tragen, aber er lässt sich immer wieder die Freiheit, davon abzuweichen. Damit verhindert er, dass seine Geschichte im irrlichternden Gewackel untergeht, sorgt aber zugleich auch dafür, dass ein deutlich stärkerer narrativer Ansatz möglich ist. Als Zuschauer kann man sich auf die groß angelegte Geschichte einlassen, statt ständig mit dem Schwindelgefühl kämpfen zu müssen.

Die Geschichte wiederum mag nicht besonders originell sein, die beiden Autoren erlauben sich jedoch, groß zu denken und dabei tief in die ägyptische Mythologie einzutauchen. Was hier in den dunklen Tunneln lauert, ist keine Mumie, sondern eine weit beängstigendere Kreatur. Die ist per CGI effektiv umgesetzt und kommt Dank des Verzichts auf hysterische Kamerabewegungen auch gut zur Geltung.

Normalerweise ist das Problem dieser Art Film, dass das wirklich Interessante erst in den letzten Minuten passiert. Durch den Ansatz, zwei Filmstile zu mixen, gewinnt auch die Geschichte selbst, da man sich eingehend mit den mythologischen Aspekten beschäftigt, dabei aber keineswegs den Gruselfaktor außer Acht lässt. Bemerkenswert ist, dass auf exzessive Splattereffekte verzichtet wird, auch wenn es ein paar Momente gibt, in denen die Unglücklichen in der Pyramide ein Ende finden, das sicherlich nicht schön ist.

The Pyramid folgt bekannten Erzählmustern. Genrekennern wird hier dementsprechend nicht viel Neues geboten, die Umsetzung ist jedoch gefällig. Dies ist eben die Art Film, mit der sich angenehm ein Abend totschlagen lässt. Ob dafür allerdings wirklich ein Kinobesuch nötig ist oder man nicht einfach besser auf den DVD-Start wartet, ist eine Frage, die der geneigte Interessant dann doch selbst entscheiden muss.

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