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Der Hobbit – Smaugs Einöde

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kritiken.de Redaktion 12.12.2013
Der Hobbit – Smaugs Einöde© Warner Bros. Pictures Germany
A ca. 1678 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Der Hobbit - Smaugs Einöde: Epische Rückkehr, technologische Wucht und narrativer Überdruss im Fantasykino

Einleitung

Der Hobbit - Smaugs Einöde tritt in eine kulturelle Nachbarschaft ein, die Peter Jackson und seine Adaption von J. R. R. Tolkiens Welt zuvor nachhaltig geprägt haben. Als zweite Etappe einer dreiteiligen Verarbeitung eines vergleichsweise kurzen Erzählstoffs steht der Film exemplarisch für die Ambivalenz großer Franchise-Ästhetik - er sucht nach epischer Ausdehnung dort, wo die literarische Vorlage häufig eine kompaktere Tonlage bewahrt. Gerade deshalb ist die Relevanz des Films nicht nur als Fortsetzung, sondern als Reflexionsfläche für gegenwärtige Hollywood-Praktiken zu lesen.

Im Umfeld eines Kinos, das sich technologisch rasant verändert - mit 3D, Performance-Capture und der umstrittenen High Frame Rate - fungiert Smaugs Einöde als Versuchsanordnung: Wie lässt sich mythologische Substanz auf die Anforderungen eines modernen Blockbusters übersetzen, ohne die erzählerische Logik zu zerreiben? Der Film antwortet nicht eindeutig, aber seine formalen Entscheidungen machen die Debatte sichtbar.

Auf der Ebene des Repertoires markiert dieses Kapitel eine Fortführung und zugleich eine Verschiebung. Jacksons Handschrift - handwerkliches Epos, kleinteilige Figurenregie und sympathische Überfülle an Details - bleibt erkennbar, wird jedoch experimentell aufgeladen und zugleich durch ökonomische und marketingstrategische Zwänge geformt. Der Film ist deshalb auch ein Dokument jener Zeit, in der Franchise-Exzesse und künstlerischer Anspruch in einem ambivalenten Verhältnis zueinander standen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Peter Jackson, dessen frühere Arbeit an Der Herr der Ringe die Blaupause für ein cineastisches Tolkien-Universum bildete. Jacksons Handschrift zeigt sich in der Vorliebe für große Landschaften und minutiöse Mise-en-scène, verbunden mit einer Vorliebe für umfassende Weltkonstruktion. Für Smaugs Einöde variierte er bekannte Mittel - vom Einsatz umfangreicher praktischer Modelle bis zur exzessiven digitalen Ausstaffierung - und brachte so handwerkliche und digitale Verfahren in eine produktive Spannung.

Die Produktion ist ein typisches Beispiel für zeitgenössische Großproduktionen: ein internationales Studio-Set-up, intensive Zusammenarbeit mit Weta Workshop und Weta Digital in Neuseeland und ein Budget im dreistelligen Millionenbereich. Besondere Kennzeichen der Dreharbeiten waren die erneute Verwendung von Performance-Capture-Techniken, die intensive Nutzung großformatiger Miniaturen - oft als "bigatures" bezeichnet - und die Auswertung in 3D sowie in der damals kontrovers diskutierten 48 Bilder pro Sekunde Projektion.

Innerhalb von Jacksons Oeuvre nimmt Smaugs Einöde eine doppelte Rolle ein: einerseits als Fortsetzung eines bereits etablierten mythischen Kosmos, andererseits als Versuch, die Grenzen des Blockbusterkinos weiter auszuloten. Die Tendenz zur Episierung eines kurzen Romans unter Verweis auf die Appendix-Texte Tolkiens spiegelt die Produktionslogik, die narrative Erweiterung an dramaturgische und kommerzielle Erfordernisse zu koppeln.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Martin Freeman führt die Besetzung als Bilbo Beutlin an und bringt eine präzise Mischung aus Understatement und latentem Mut in die Figur. Freeman, zuvor bekannt aus britischen Fernseharbeiten wie The Office UK und als markanter Sherlock-Holmes-Partner in der BBC-Serie, verkörpert hier die zögernde, aber wachsende Verantwortungsbereitschaft des Protagonisten.

Ian McKellen, Cate Blanchett und Christopher Lee kehren in vertrauten Rollen zurück und setzen die Brücke zum großen Rings-Zyklus. McKellens Gandalf bleibt der moralische und intellektuelle Anker, Blanchett artikuliert eine transzendente Eleganz als Galadriel, und Lee bringt die gravitätische Präsenz des alten Kriegsherren. Andy Serkis trägt mit seiner langjährigen Expertise im Performance-Capture die doppelte Last der Kontinuität und der technologischen Entwicklung - seine Gollum-Interpretation bleibt ein Bezugspunkt.

Neuere Ergänzungen und prominente Stimmen prägen das Ensemble: Luke Evans als Bard liefert eine erdverbundene Gegenfigur, Evangeline Lilly bringt als Tauriel eine dramaturgisch eingesetzte, jedoch nicht literarisch vorgegebene weibliche Perspektive, und Benedict Cumberbatch übernimmt in hör- und teilweise sichtbar gestalteter Form die Drachenstimme sowie zusätzliche Rollen. Elijah Wood erscheint als erzählerische Klammerfigur und markiert damit die Verbindung zu den vorherigen Filmen.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film setzt die Reise der kleinen Gruppe von Abenteurern fort und verlagert den Fokus vom Aufbruch zur Konfrontation mit einer größeren, unmittelbaren Bedrohung. Der dramatische Konflikt verlagert sich von einer Wanderung durch Landschaften zu einem Zusammentreffen mit einer intelligenten, übermächtigen Macht, die den Raum dominiert und die Figuren vor existenzielle und moralische Entscheidungen stellt.

Im Zentrum stehen Bilbo als unwilliger Held und seine Gefährten - Zwerge, Menschheitsvertreter und Zauberer - deren Handlungsstränge zwischen persönlicher Tapferkeit und kollektiver Verantwortung oszillieren. Ton und Atmosphäre des Films pendeln zwischen atmosphärischer Düsternis und visuell üppigem Abenteuer, wobei die Balance von intimen Charaktermomenten und spektakulären Set-Pieces das narrative Gefüge bestimmt.

Zentrale Themen und Motive

Der Hobbit - Smaugs Einöde stellt Fragen nach Habgier, Macht und der Verwundbarkeit von Gemeinschaft. Der Drache fungiert nicht nur als physische Herausforderung, sondern als Katalysator für moralische Prüfungen - er provoziert menschliche und nicht-menschliche Begierden und entblößt bestehende Spannungen innerhalb der Gruppe. Das Motiv des Schatzes wird so zur Folie für eine tiefere Untersuchung von Verwandlung und Verführung.

Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit Erzählbarkeit und Erinnerung: Jacksons Film arbeitet mit Rahmenerzählungen und Rückblicken, die den Mythos als etwas Verhandelbares erscheinen lassen - eine choreografierte Erinnerung, die je nach Perspektive an Bedeutung gewinnt oder verliert. Psychologisch betrachtet geht es um die Schwelle vom Unbehagen zur Verantwortung, um die Art und Weise, wie Rituale von Heldenmut und Loyalität in einer zunehmend unsicheren Welt verhandelt werden.

Schließlich sind da technische und ästhetische Motive: das Zusammenspiel von Handwerk und Digitalität thematisiert indirekt die Frage, wie mythische Imagination in der Gegenwart sichtbar gemacht werden kann. Die filmische Form selbst wird zum Gegenstand, wenn Licht, Frame-Rate und virtuelle Körper die Wahrnehmung dessen bestimmen, was als "episch" und als "authentisch" empfunden wird. In dieser Spannung zeigt Smaugs Einöde weniger eine endgültige Antwort als einen Möglichkeitsraum für die Diskussion über Kino im Zeitalter großer Mythen.

Filmkritik von Nino Klingler

Mit Teil zwei der „Hobbit“-Reihe respektive (in der Veröffentlichungsreihenfolge) Teil fünf der „Herr der Ringe“-Saga ist Peter Jacksons Fantasy-Orgie endgültig an dem Punkt angelangt, an dem keine großen Überraschungen mehr zu erwarten sind. Das allerdings ist nach dem bemüht lockeren und gerade deswegen endlos angestrengten Vorgänger „Eine unerwartete Reise“ beileibe keine Selbstverständlichkeit, sondern fast schon eine frohe Botschaft. Die harsche Kritik an dessen tumben Kalauern, dem fernsehfilmartigen Plaste-Look und der ausgewalzten, höhepunktarmen Erzählweise scheint gewirkt zu haben.

„Smaugs Einöde“ versucht erst gar nicht zu berücksichtigen, dass der „Hobbit“ von J.R.R. Tolkien in einem anderen Ton verfasst wurde als die nachfolgende „Ringe“-Trilogie (für Kinder nämlich), sondern orientiert sich vollkommen am eher wagnerianischen Look & Feel des weltweit erfolgreichen Dreiteilers. An einer derartigen nachträglichen, stimmungsmäßigen Anpassung seines Erstlings versuchte sich schon Tolkien selbst, gab das Projekt allerdings bald auf, weil er den „leichten Ton und das flotte Tempo“ des „Hobbit“ korrumpiert sah.

Nun gut, Literaturverfilmungen müssen nicht den Autorenvorstellungen entsprechen. Und immerhin setzt das Drehbuch von „Smaugs Einöde“ ein anderes Projekt Tolkiens fort, nämlich die nachträgliche Einpassung der Handlung in die zwischenzeitlich entstandene Historie der fiktionalen Welt Mittelerdes. Das wird im Film vor allem dadurch manifest, dass das Drehbuch sich immer wieder von den Geschehnissen des „Hobbit“ entfernt, um stattdessen in einem vornehmlich von Zauberer Gandalf (Ian McKellen) vorangetriebenen Seitenstrang verstärkt die in der Chronologie der Erzählung nachfolgenden Geschehnisse der „Ringe“-Story vorzubereiten. Man will den Fans, für die ja das genuines Neuland ist, hier nicht den Spaß verderben, daher nur so viel: Das große Böse erwacht hier wieder.

Während also allerlei undurchsichtige und dunkle Machenschaften Mittelerde auf die bevorstehende Kriegssause hintreiben, hetzt unsere Zwergenschar plus Hobbit (Martin Freeman) von Mutprobe zu Mutprobe. „Smaugs Einöde“ ist noch mehr Stationenabgeklappere als alle anderen Serienteile: eine verwinkelte Elbensiedlung hier, eine schimmelzerfressene Kanalstadt da, zwischendrin natürlich die unumgänglichen Hochebenen und Gebirgskämme der neuseeländischen Landschaften. Die müssen sein, denn Regisseur Jackson hat der Regierung seines Heimatlandes ja vertraglich versprochen, mit seinen Filmen und einigen Werbeclips die Tourismusindustrie mitanzukurbeln.

Aber ein modulares Erzählgerüst steht einem Abenteuerfilm, bei dem sich computerspielartig Aufgabe an Aufgabe reiht, prinzipiell gut zu Gesicht. Wenn denn die einzelnen Lokalitäten samt ihrer meist eher unliebsamen Bewohner wenigstens Charakter haben. Und das ist in „Smaugs Einöde“ glücklicherweise der Fall. Der Ton ist beißender geworden, die Figurenzeichnung ist schärfer und produziert mehr Reibung. Das krass rassistische Verhältnis zwischen den Fantasievölkern, besonders zwischen Elben und Zwergen, zeigt hier in Gestalt eines narzisstischen und erbarmungslosen Elbenkönigs ziemlich unverstellt seine Fratze. Sätze wie „Ich hasse Zwerge. Aber Orks hasse ich noch mehr“ klingen nicht lustig, sondern grausam.

Aber allzu tief wird natürlich nicht geschürft, dafür hechelt die Erzählung zu unerbittlich von Ort zu Ort. Mal stolpern die Gefährten auf dem Weg zu den Zwergenschätzen durch einen spinnenverseuchten Wald, wobei sie von umherfliegenden Sporen in einen drogentrippigen Zustand versetzt werden, mal gibt es rasantes Wildwasserrafting in Weinfässern, während Orks und Elben drumherum ein wirklich fein choreografiertes Gemetzel veranstalten.

Gerade letztere Szene, die schon in der Buchvorlage zu den mitreißendsten Stellen gehörte, wird auch in der Filmreihe als eine der besten Actionsequenzen in Erinnerung bleiben. Hier bekommen die CGI-Monster und -Welten einmal echten physischen Wumms. In einer fast einminütigen, vollkommen debil umherwirbelnden Kamerafahrt rollt da der in seinem Eichenfass eingezwängte (dicke) Zwerg Bombur (Stephen Hunter) blutrünstige Orks um wie Bowlingpins. Und hier hat Jackson auch endlich einen guten Regieeinfall, weil er in seine computertechnisch glattpolierten Bilder ganz unerwartet zuckende, verpixelte Action-Cam-Aufnahmen einstreut, in denen man nur Gischt und Blubbern sieht.

Ansonsten ist die mal wieder über zweieinhalbstündige Inszenierung, weil sie sich nur unerheblich von den 726 Minuten „Herr der Ringe“ (in der Special Extended Edition) unterscheidet, der große Lieferant für Langeweile. Wie oft hat man das schon gesehen und gehört, dass per CGI bombastisch aufgehübschte Panoramaansichten der bevorstehenden Schauplätze von einer Studiokulisse derselben abgelöst werden, während dieser Wechsel von Digital-Fake zu Analog-Fake mit orchestralen Weihen übertönt wurde?

Am stärksten ist der „Hobbit“ dann eben doch in den Momenten, wo seine Vorlage hinter den „Herr der Ringe“-Oberflächen durchschimmert. Das ist vor allem beim Drachen Smaug der Fall, der wie schon in Tolkiens Kinderbuch eine ziemlich lustige Mischung aus furchteinflößend und vertrottelt ist. Mit seinem Hang zum Labern und zum großen, opernhaften Abgang ist er Oberbösewicht und größte Witzfigur zugleich. Ähnlich wie bei der Gollum-Interpretation des Vorgängers geht hier die Kombination aus Tolkiens manchmal verschmitzten Einfällen und der groben filmischen Gigantomanie Jacksons wirklich auf, ist mehr als die Summe ihrer Teile. Schwer, keinen Spaß zu haben, wenn ein dandyhaft selbstverliebter Drache seinen die Cinemascope-Leinwand sprengenden Amphibienkörper über Goldberge schlängeln lässt.

Bleibt zu bilanzieren: Alles beim Alten, wieder. Was für manche eine gute Nachricht, für andere jedoch nicht mehr der Rede wert sein mag.

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