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Terminator Genisys

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kritiken.de Redaktion 09.07.2015
Terminator Genisys© Paramount Pictures Germany
A ca. 1370 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Terminator Genisys und die Neuvermessung von Erinnerung, Technik und filmischer Kontinuität in der Gegenwart

Einleitung

Terminator Genisys tritt in eine lange Reihe filmischer Versuche, ein popkulturelles Erbe neu zu ordnen. Als Fortsetzung und gleichsam Re-Interpretation einer Ikone wie The Terminator aus dem Jahr 1984 konfrontiert der Film nicht nur seine eigene Mythologie, sondern auch die Erwartungen eines Publikums, das zwischen Nostalgie und dem Verlangen nach Aktualisierung laviert. Die Relevanz des Films liegt weniger in einer radikalen Erneuerung des Stoffes als in der exemplarischen Fragestellung, wie Blockbuster heute mit kollektiven Erinnerungen und technologischer Faszination hantieren.

Regisseur Alan Taylor, der aus dem prestigeträchtigen Seriengeschäft kommt und mit Arbeiten für The Sopranos, Boardwalk Empire und Game of Thrones Aufmerksamkeit erlangte, bringt eine spezifische Perspektive auf Genre und Erzähltempo mit. In der Verknüpfung von intimen Figurenkonstellationen und groß angelegten Actionszenen zeigt sich Taylors Handschrift: das Bedürfnis, Charakterrauhm in einem maschinell dominierten Narrativ zu verankern. Vor dem Hintergrund seiner bisherigen Arbeiten wird Genisys als Versuch lesbar, Fernsehenästhetik und Hollywood-Blockbuster miteinander zu versöhnen.

Zeitgeschichtlich spiegelt der Film die Ambivalenz der Mitte der 2010er Jahre: die Digitalisierung des Alltäglichen, das Ringen um Datenhoheit und die fortwährende Popularität von Reboots und Franchise-Restaurationen. In diesem Kontext ist Terminator Genisys weniger ein isoliertes Spektakel als ein symptomatisches Produkt seiner Zeit, das die technischen Möglichkeiten der Gegenwart mit einer Reflexion über Erinnerung und Identität koppelt.

Kurzüberblick zur Produktion

Terminator Genisys entstand als großes Studioprojekt mit internationaler Ausrichtung. Das Projekt wurde von Paramount Pictures und dem Produktionsunternehmen Skydance umgesetzt; die Berichterstattung zu Produktionskosten bewegt sich im Bereich hoher zweistelliger bis mittlerer dreistelliger Millionenbeträge in US-Dollar, was die Ausrichtung als globaler Sommerblockbuster markiert. Visuell und narrativ ist der Film stark auf aufwendige Effekte und zeitgemäße Postproduktion ausgerichtet; Tricktechnik und digitale Retusche spielen eine zentrale Rolle dabei, ikonische Figuren und Motive in eine neue Bildsprache zu übertragen.

Innerhalb des Terminator-Kanons nimmt Genisys eine Sonderstellung ein, weil es Elemente von Fortsetzung, Reboot und alternativer Timeline miteinander verwebt. Die Produktion setzte auf bewährte Franchise-Elemente und bekannte Gesichter, ohne sich ausschließlich auf die Legende der Vergangenheit zu verlassen. In Taylors filmischem Werk steht der Film für die Beschränkung und zugleich den Anspruch des Regisseurs, episodenhafte Fernseherfahrung in ein kinotaugliches Format zu überführen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Emilia Clarke, international bekannt geworden durch ihre Rolle als Daenerys Targaryen in Game of Thrones. Clarke bringt eine Mischung aus Verletzlichkeit und physischer Präsenz in die Rolle der Sarah Connor, eine Figur, die in der Franchise-Geschichte zwischen Opfer, Kämpferin und Mutter oszilliert. Jai Courtney, der als Kyle Reese fungiert, ist vor allem durch Actionfilme der 2010er Jahre bekannt; seine Verkörperung des Soldaten transportiert die ursprüngliche Prämisse des Zeitreisenden als entfremdeten Beschützer in die Gegenwart.

Arnold Schwarzenegger kehrt in seiner ikonischen physischen Aura zurück und fungiert hier als die bekannte Modellfigur des Terminators, deren symbolische Bedeutung weit über schlichte Maschinengewalt hinausreicht. Jason Clarke übernimmt die Rolle von John Connor und bringt Erfahrungen aus dramatischen Filmrollen in die Gestalt des zukünftigen Widerstandsführers ein. Matt Smith, dessen Karriere durch Fernsehserien wie Doctor Who geprägt wurde, ergänzt das Ensemble als jüngerer, markant körperlicher Mitspieler und steht für die Schnittstelle zwischen Menschlichem und Maschinellem. Byung-hun Lee tritt als ein fortschrittlich gestalteter Terminator auf und bringt internationale Genreerfahrung in die Actionsequenzen. J.K. Simmons erscheint in einer unterstützenden, zugleich präsenten Nebenrolle, die das Polizeialltagliche in das apokalyptische Szenario hineinverankert.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich die Handlung als erneute Auseinandersetzung mit dem Basisszenario der Reihe beschreiben: Ein Schicksal scheint sich in einer Schleife aus Zeit, Technik und Kampf um die Zukunft zu wiederholen. Die narrative Anlage kombiniert Zeitreise-Elemente mit Versuchen, Vergangenheit und Gegenwart voneinander zu unterscheiden, und operiert mit mehreren Handlungslinien, die immer wieder auf den Kernkonflikt zurückfallen - die Frage, ob die Menschheit ihrem vermeintlichen Schicksal entkommen kann.

Der dramatische Konflikt verläuft auf zwei Ebenen. Auf der einen steht der unmittelbare körperliche Kampf um Leben und Tod, der durch choreografierte Actionszenen vermittelt wird. Auf der anderen spielt sich ein Konflikt um Vertrauen, Erinnerung und Identität ab, der die Figuren dazu zwingt, ihre Loyalitäten und Selbstbilder neu zu verhandeln. Die zentralen Figuren sind dabei klar konturiert: die Frau, deren Zukunft entscheidend ist, der Soldat aus der Zukunft, der Beschützer in Maschinenform, und die Figur, deren Zukunftsrolle ambivalent bleibt. Tonalität und Atmosphäre wechseln zwischen pulpiger Härte, nostalgischer Reminiszenz und moments of melancholic reflection.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von Terminator Genisys stehen Fragen der Erinnerung und der narrativen Kontinuität. Der Film macht Erinnerung nicht nur zum persönlichen, sondern zum technologischen Problem: Erinnern heißt Rekonstruieren, und Rekonstruieren ist immer auch eine Form der Manipulation. Diese Beobachtung wird durch das Motiv der Maschine, die Menschliches imitiert und zugleich ersetzt, verdichtet. Die philosophische Dimension betrifft die Debatte um Determinismus und Handlungsfähigkeit - inwieweit sind Schicksal und Technik austauschbar, und welche Rolle spielt menschliche Entscheidungskraft in einem System, das sich selbst zu übersteuern scheint?

Gesellschaftlich eröffnet der Film eine Reflexion über Kontrolle und Vernetzung. Der titelgebende Begriff verweist auf Systeme, die Alltagsprozesse durchdringen; damit verhandelt der Film die Befürchtungen und Hoffnungen einer Ära, in der Algorithmen sichtbar und unsichtbar unser Leben strukturieren. Zugleich ist die Auseinandersetzung mit ikonischen Filmfiguren auch eine Reflexion über das Medium Kino selbst: Wie kann ein Franchise seine Vergangenheit produktiv einbeziehen, ohne in reiner Nostalgie zu erstarren? Terminator Genisys liest sich als Versuch, die Mechanik des Erzählens zu thematisieren, während es dieselbe Mechanik weiterverwendet.

Filmkritik von Peter Osteried

Terminator: Genisys verbeugt sich vor der Vergangenheit und weist in die Zukunft

„I’ll be back“ – das sagt Arnold Schwarzenegger seit mehr als 30 Jahren. Es ist sein Markenzeichen geworden. Niemals hat es besser gepasst als bei „Terminator: Genisys“, der die beiden direkten Vorgänger ignoriert und sich als der dritte Teil bewährt, den man schon vor vielen Jahren hätte sehen wollen. Aber vielleicht brauchte es die lange Durststrecke auch, immerhin musste Arnie für diese Rolle erst das richtige Alter erreichen.

In der Zukunft wird Skynet besiegt, doch es gelingt der künstlichen Intelligenz, einen Terminator ins Jahr 1984 zurückzusenden. John Connor schickt Kyle Reese hinterher, der Sarah Connor retten soll. Doch als er im Jahr 1984 ankommt, ist nichts so, wie er es erwartet hätte. Ein T-1000 erwartet ihn und Sarah Connor muss ihn retten. Wie sich herausstellt, existiert die Zeitlinie, die Kyle eigentlich erwartet hatte, nicht mehr. Schon in den 1970er Jahren tauchte ein T-800 auf, um das Mädchen Sarah Connor vor einem T-1000 zu retten. Und nun will man zurückschlagen. Sarah, der T-800 und Kyle wollen Skynets Geburt verhindern, doch dafür müssen sie in die Zukunft reisen.

Die ganz großen Überraschungen hat Terminator: Genisys nicht parat, die Geschichte ist für einen modernen Action-Blockbuster aber angenehm komplex, wird doch gleich auf mehreren Zeitebenen operiert. Die damit einhergehenden Paradoxa hat der Film einigermaßen gut im Griff, ein paar Fragen werden zudem auch offen gelassen. Sie sollen wohl der Nährboden der Fortsetzung sein.

Es ist faszinierend, wie Alan Taylor den Look des Originalfilms aus dem Jahr 1984 wiederholt hat. Nicht nur technisch ist die Erschaffung des jungen Arnie-Terminators weit gelungener als noch in Terminator: Salvation, auch inhaltlich ist hier mehr geboten. Wenn der junge T-800 gegen den alten T-800 kämpft, dann ist das ein Anblick den man nie zu sehen erwartet hätte. Terminator: Genisys zitiert die ersten beiden Teile, steht aber auf eigenen Beinen. Er verlässt sich nicht allein auf das Variieren bekannter Momente, er treibt die Geschichte folgerichtig auf ein Finale zu, das sich von seinen Vorgängern freimacht, aber auch Raum zur Interpretation lässt.

Schwarzenegger ist ganz und gar in seinem Metier. Er funktioniert als eine Maschine, die einen Hauch von Menschlichkeit erlangt hat. Solche Momente gibt es nicht oft, aber ein paar emotionale Beats sind vorhanden, die zeigen, wie dieser T-800 sich im Lauf der Jahrzehnte entwickelt hat. Darüber hinaus gibt es Humor, der in der Figur, aber auch der Situation begründet ist, sich jedoch weit homogener als Teil der Geschichte begreift als das etwa bei Terminator 3 der Fall gewesen ist.

In erster Linie ist Terminator: Genisys natürlich ein Action-Film, der zwar nicht an die bahnbrechenden beiden ersten Teile heranreichen kann, aber eine mehr als würdige Fortsetzung darstellt, die mit gewagten Ideen einen Reboot vollzieht, der einerseits als idealer Abschluss zu den Cameron-Filmen fungiert, aber auch der perfekte Startpunkt für weitere Abenteuer ist.

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