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Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht

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kritiken.de Redaktion 17.12.2015
Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht© Walt Disney Germany
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Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht als Archiv der Sehnsüchte und Mythenwiederkehr

Einleitung

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht markiert mehr als nur die Fortsetzung einer Popkultur-Saga. Als erster Beitrag der neuen Trilogie nach der Übernahme von Lucasfilm durch Disney hat der Film die Aufgabe, Erinnerungen an ein kollektives filmisches Gedächtnis zu aktivieren und zugleich eine Geschichte für eine veränderte Gegenwart zu erzählen. Die Produktion tritt in ein Umfeld, in dem Nostalgie zur strategischen Kategorie geworden ist und filmische Ikonen erneut verhandelt werden müssen.

Regisseur J. J. Abrams übernahm die Regie mit dem expliziten Ziel, Brücken zu schlagen zwischen dem emotionalen Erbe der Originaltrilogie und dem Anspruch, neue Figuren und Themen zu etablieren. Das Ergebnis ist ein Werk, das seine Formwahl und Erzählstruktur doppelt liest: als Hommage an klassische Raumoper und als Versuch einer zeitgenössischen Adaption jener Narrative, die früher nationale Mythen prägten. Die filmische Sprache operiert dabei mit vertrauten Motiven, die bewusst Resonanz erzeugen.

Die Relevanz des Films liegt nicht allein in seiner ökonomischen Dimension, sondern in seiner Funktion als kulturelles Ereignis. Er fungiert als Messpunkt für gegenwärtige Erwartungen an Franchise-Kino, für die Ambivalenz zwischen Wiedererkennung und Innovation sowie für gesellschaftliche Debatten über Repräsentation und Erbe. In diesem Spannungsfeld lässt sich das Projekt als Symptom einer Ära lesen, in der kollektive Geschichten neu ausgehandelt werden.

Kurzüberblick zur Produktion

J. J. Abrams, der nach TV-Erfolgen wie Lost und Serien- sowie Kinoprojekten wie Star Trek zur zentralen Figur des modernen Blockbuster-Kinos geworden ist, bringt eine erkennbare Handschrift mit: eine Vorliebe für komprimierte, episodische Dramaturgie, ein Spiel mit Geheimnis mittels gezielt platzierter Andeutungen und eine visuelle Ästhetik, die klassische Kameraführung mit dynamischen Schnittfolgen verbindet. Abrams ist less ein Auteur im klassischen Sinn als vielmehr ein Kurator von Tonalität und Energiestrom.

Die Produktion wurde von Lucasfilm unter dem Dach der Walt Disney Company realisiert, ein Umstand, der dem Film ein hohes Maß an öffentlichem Interesse und wirtschaftlichem Druck bescherte. Technisch ist Das Erwachen der Macht geprägt von einem Mix aus praktischen Effekten und moderner CGI-Integration, eine bewusste Entscheidung, um die Haptik der Originalfilme zu bewahren. Zugleich sind lange Postproduktionsphasen und Nachdrehs Teil des Produktionsnarrativs, was die Ambitionen und die Komplexität solcher Großprojekte verdeutlicht.

Im Werk Abrams' nimmt der Film eine Schlüsselrolle ein: Er ist der Versuch, die Popularkultur wieder zu institutionalisieren, ohne die Verspieltheit der Vorlage aufzugeben. Als Auftakt einer neuen Trilogie steht er sowohl am Anfang eines narrativen Zyklus als auch an einem Punkt der filmgeschichtlichen Reflexion über Kontinuität und Wandel.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Casting verknüpft zwei Generationen: Die Rückkehr von Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher bringt die Originalfiguren als kulturelle Anker zurück und ordnet ihnen eine neue narrative Funktion zu. Ihre filmische Präsenz ist weniger als nostalgische Rückblende zu lesen, sondern als kulturelle Referenzgröße, die das Narrativ der Intrige und des Erbes mitträgt. Harrison Ford, seit seinen Rollen als Han Solo und Indiana Jones zur Verkörperung des rauen Abenteurers geworden, trifft hier auf eine Figur, deren Geschichte in direktem Dialog mit dem Franchise steht.

Den Gegenpol bilden Neuzugänge wie Daisy Ridley, John Boyega und Adam Driver. Ridley, zuvor kaum in größeren internationalen Produktionen auffällig, übernimmt die Rolle der jungen Protagonistin und repräsentiert den Initiationsweg, der das Publikum in die neue Episode führt. John Boyega, bekannt aus Attack the Block, bringt eine physische Präsenz und eine soziale Eindeutigkeit, die sein Charakter als Stimme einer neuen Generation verankern. Adam Driver, aus dem Serienkontext und dem Theater kommend, fügt eine komplexe innerpsychologische Energie hinzu.

Supporting-Rollen werden von etablierten Darstellern wie Oscar Isaac, Lupita Nyong'o und Andy Serkis getragen, wobei Serkis' Beitrag die Debatte um Performance-Capture und Körperlichkeit im zeitgenössischen Schauspiel beleuchtet. Auch Nebenfiguren, besetzt mit Veteranen und Newcomern, dienen dazu, die Welt zu erweitern und unterschiedliche Erzählstränge zu vernetzen.

Handlung (spoilerfrei!)

Das Erwachen der Macht setzt auf die klassische Grundstruktur des Heldenwegs ohne an dieser Stelle auf überraschende Wendungen einzugehen. Im Zentrum steht die Begegnung zwischen einer jungen Protagonistin aus einfachen Verhältnissen und einer politischen Gewaltenkonstellation, die sich aus den Trümmern früherer Konflikte formiert hat. Der dramatische Konflikt artikuliert sich auf mehreren Ebenen: eine emergente militärische Bedrohung gegenüber einem schmalen Widerstand, die Suche nach einem vermissten Schlüsselcharakter und die innere Suche nach Identität und Zugehörigkeit.

Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen nostalgischer Wehmut und unmittelbarer Abenteuerlichkeit. Actionsequenzen und ruhigere Momente zur Charakterbildung wechseln sich ab, sodass das Erzähltempo den Eindruck von Kontinuität zur Originaltrilogie wahrt, zugleich aber die erzählerischen Prioritäten einer modernen Kinoproduktion widerspiegelt. Die Figurendynamik ermöglicht durch unterschiedliche Alters- und Erfahrungsstufen eine mehrschichtige Perspektive auf die zentralen Konflikte.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach Erbe und Verantwortung, nach der Möglichkeit, persönliche und kollektive Geschichte zu rekonstruieren oder neu zu interpretieren. In diesen Fragen spiegelt sich eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Kontinuität von Gewalt und der Schwierigkeit, Brüche endgültig zu schließen. Zugleich geht es um die Produktion von Legenden: Wie werden Heldenbilder erneut verhandelt, und welche Rolle spielen Erinnerung und Erzähltradition dabei?

Visuell und musikalisch arbeitet der Film mit Leitmotiven, die vertraute Symbolik - etwa Licht und Maske, Ödnis und Zuflucht - in neue Kontexte setzen. Philosophisch berührt er Themen wie Identität, Loyalität und moralische Orientierung in einer Welt, die weder eindeutig verloren noch vollständig wiederherstellbar ist. Gesellschaftlich ist die Neuerzählung auch ein Moment der Repräsentation: Die Besetzung und die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven signalisieren eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Publikum des 21. Jahrhunderts.

Als kulturelles Artefakt steht Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht für eine Phase filmischer Selbstbesinnung, in der Erzähltraditionen erneuert, kommerzielle Erwartungen bedient und gleichzeitig narrative Räume für neue Figuren geöffnet werden. Der Film bildet somit einen Knotenpunkt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mythospflege und narrativer Erneuerung.

Filmkritik von Peter Osteried

Die Macht erwacht – und das höchst imposant!

Die Erwartungen waren hoch. Nach der Prequel-Trilogie, die von vielen abgelehnt wird, versprach J.J. Abrams eine Rückkehr zu den Wurzeln. Seine Fortsetzung der beliebtesten Trilogie aller Zeiten unterscheidet sich schon in einem eklatanten Punkt von den Prequels: Die phantastischen Welten, die Abrams hier kreiert, stammen nicht aus dem Computer.

Es wurde an Originalschauplätzen gedreht, wodurch eine visuelle Verwandtschaft zu den Episoden IV bis VI hergestellt wird. Aber nicht nur das, auch inhaltlich fühlt man sich an die klassischen Filme erinnert. Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht ist all das, was die Fans sich erhofft hatten – und mehr.

Luke Skywalker ist verschwunden, doch in dem kleinen Droiden BB-8 befindet sich eine Karte, die zum Aufenthaltsort des letzten Jedi führen soll. Nicht nur die Rebellen, auch die Erste Ordnung, die die Nachfolge des Imperiums angetreten hat, ist hinter dieser Karte her. Während Kylo Ren im Auftrag des Obersten Führers danach trachtet, den letzten Jedi zu vernichten, schützen der abtrünnige Stormtrooper Finn und die auf dem Wüstenplaneten Jakku lebende Rey den Droiden und treffen auf jemanden, der früher schon dem Imperium reichlich Ärger gemacht hat.

Dem Vernehmen nach soll George Lucas, der hier keine Funktion mehr bekleidete und wohl wenig erfreut war, dass seine Vorarbeiten für Episode VII allesamt über Bord geworfen wurden, von diesem Werk nicht besonders angetan gewesen sein. Man kann es verstehen. Nicht, weil der Film schlecht wäre, sondern weil er auf eine Art erzählt ist, die Lucas mittlerweile fremd zu sein scheint. Der heutige Lucas ist der Macher der Prequels, Abrams ist jedoch im Grunde das, was Lucas zu Beginn der Sternensaga war.

Ihm gelingt der Spagat, nicht nur den alten Figuren gerecht zu werden – und damit die Herzen der altgedienten Fans höherschlagen zu lassen –, sondern auch neue Figuren einzuführen, die sich sofort ins Herz des Publikums spielen. Daisy Ridley sieht nicht nur in Action gut aus, sie harmoniert auch sehr gut mit John Boyega. Und nicht nur das, die Chemie zu Han Solo und Chewbacca funktioniert auch einwandfrei.

Überhaupt gilt zu vermelden: Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht ist vor allem ein Han-Solo-Film. Harrison Ford hat schon lange nicht mehr so gut wie hier ausgesehen. Er geht in der Rolle, mit der er berühmt wurde auf. Es ist fast so als wären nicht mehr als 30 Jahre vergangen, seit er zum letzten Mal am Steuer des Rasenden Falken saß. Der Humor sitzt – bei Han Solo ist er so trocken wie eh und je. Aber auch ansonsten versteht es das Drehbuch immer wieder, für ein klein wenig Humor zu sorgen, der die emotional erschöpfende Wirkung des Films durchaus auflockert.

Denn auch das ist diese siebte Episode: Ein hochdramatischer Film, der verschiedene Figuren und Handlungsebenen jongliert, ohne je aus dem Rhythmus zu kommen. Er schafft es sogar, mit dem Opfern einer liebgewonnenen Figur dem Zuschauer nicht nur einen Kloss im Hals zu bescheren, sondern einer anderen Figur eine ambivalente Tiefe zu verleihen, die elektrisierend ist. Denn obschon es hier den Anschein hat, dass die Rollen und auch die Seiten verteilt sind, ist tatsächlich alles möglich.

Das ergibt sich auch aus dem Umstand, dass dieser siebte Film so etwas wie der Übergang ist. In gewisser Weise ein Abschied von der vorherigen Trilogie, aber auch ein Neuanfang, der so klar auf Fortsetzung hin ausgerichtet ist, dass hier vieles angerissen, aber eben nicht zum Abschluss geführt wird. Das gilt insbesondere für die neuen Figuren, deren Entwicklung man zwar erahnen, die aber tatsächlich in jede Richtung stattfinden kann. Es ist ein in sich durchaus stimmiges und befriedigendes Erlebnis, diesen Film zu sehen, vor allem heizt er aber die Vorfreude auf das in zwei Jahren startende Sequel an.

Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht ist der Film, den sich die Fans erträumt und den sie verdient haben. Er ist dramatisch, episch, emotional, phantasievoll und der alten Trilogie gegenüber so verbunden und treu, dass es die reinste Freude ist. Star Wars ist zurück – und das mächtiger als je zuvor!

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