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Auferstanden

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kritiken.de Redaktion 17.03.2016
Auferstanden© Sony Pictures Germany
A ca. 1397 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Auferstanden: Ein nüchterner Epos zwischen Beweiszwang, imperialer Macht und dem Keim des Glaubens

Einleitung

Auferstanden tritt in eine Traditionslinie zeitgenössischer historischer Filme, die sich nicht allein der religiösen Devotion, sondern dem analytischen Nachvollzug einer überraschenden Begebenheit widmen. Der Film interessiert sich weniger für theologische Dogmen als für die Mechanik des Zweifelns und das Gewicht von Zeugenschaft; damit verweist er auf eine moderne Lesart eines antiken Mythos, die sowohl säkulare Neugier als auch spirituelle Fragen bedient. Seine Relevanz liegt darin, dass er die Resurrectionserzählung in die Sprache eines Ermittlungsfilms übersetzt und so Fragen nach Beweis, Narration und Autorität öffnet.

In einem Kino, das in den letzten Jahren verstärkt auf Glaubenspublikum und historisch verankerte Stoffe zielt, fungiert Auferstanden als nüchterne, fast prosaische Version des Stoffes: kein Monumentalstil der plakativ-sakralen Bildersätze, sondern eine an methodischer Suche orientierte Erzählung. Dadurch verweigert der Film die eindeutige Vereinnahmung durch konfessionelle Rhetorik und fordert stattdessen das Publikum dazu auf, die Transformation einer Figur und die Folgen dieser Transformation für eine imperiale Ordnung zu bedenken.

Die Tonalität des Films ist seriös und kontemplativ; er arbeitet mit Zurückhaltung und einer insistierenden Beobachterperspektive. Das Ergebnis ist kein theologisch belehrender Kommentar, sondern eine filmische Untersuchung darüber, wie Geschichte und Glaube miteinander ringen, wenn Evidenz auf Deutung trifft. Diese Herangehensweise macht Auferstanden zu einem Stück Filmkultur, das sowohl Fragen nach historischer Verlässlichkeit als auch nach filmischer Vermittlung von Transzendenz stellt.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Kevin Reynolds, ein Filmemacher mit einer Affinität für Geschichte und erzählerische Weite. Seine Handschrift in Auferstanden zeigt sich weniger im grandiosen Spektakel als in der Balance zwischen großem Szenenraum und intimer Figurenarbeit: Reynolds interessiert die Binnenlogik von Macht und Glauben, und er übersetzt diese Neugier in einen visuellen Realismus, der Distanz und Nähe gleichzeitig erzeugt. Die Ausstattung, Lichtführung und Kameraführung lassen eine Produktion erkennen, die auf Authentizität und atmosphärische Glaubwürdigkeit setzt.

Die Dreharbeiten fanden an mediterranen Schauplätzen statt, die der Handlung glaubwürdige Topografien verleihen und das Spiel mit Licht und Schatten ermöglichen. Als Produktionsmodell fungiert hier ein mittleres Studiovorhaben, das traditionelle Erzählweisen des historischen Films mit einem auf internationalen Markt orientierten Vertrieb verknüpft. Besonderheiten der Produktionsumstände sind die Konzentration auf klares, funktionales Production Design und eine Kameraarbeit, die den Fokus auf Blickwechsel und Augenzeugenberichte legt.

Innerhalb seines Gesamtwerks positioniert sich Auferstanden als Versuch, historischen Stoff mit kriminalistischem Vorgehen zu verschränken. Es ist weniger ein Monumentalepos als ein Nachdenkstück, das Reynolds' Interesse an Figurenkonflikten in Zeiten politischer Umbrüche deutlich macht und zugleich auf eine Zuspitzung narrativer Fragen setzt: Wer erzählt die Geschichte, und welches Gewicht haben Zeugnis und Beweis in einem Klima der Machtinteressen?

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Joseph Fiennes nimmt die zentrale Rolle des römischen Offiziers ein, dessen pragmatischer Blick als Leitfaden für die Erzählung fungiert. Fiennes, einem breiteren Publikum bekannt durch seine Arbeit in literarisch-historischen Stoffen, bringt eine kontrollierte Präsenz und eine Neigung zur introspektiven Darstellung mit, die seine Figur als analytischen Gegenpol zur aufgeladenen religiösen Situation begreifbar macht.

Tom Felton tritt als junger Soldat an die Seite dieses Offiziers und bildet ein funktionales Gegengewicht: die jüngere Generation innerhalb der Legion, die zwischen autoritärer Disziplin und persönlicher Verwunderung schwankt. Feltons bisherige Bekanntheit aus anderen populären Franchises erlaubt ihm, eine Figur zu spielen, die durch Skepsis und stille Beobachtung geprägt ist.

Cliff Curtis, in der Rolle des als Yeshua adressierten Predigers, gibt dem Film einen stillen, körperlichen Kern. Curtis' Schauspiel ist oft von einer physischen Klarheit geprägt, die das Unverfügbare nicht theatralisiert, sondern leise verkörpert. Ergänzt wird das Ensemble durch erfahrene Charakterdarsteller wie Peter Firth, die in den Rändern des Narrativs die politischen und institutionellen Dimensionen der Ereignisse markieren. Die Besetzung setzt auf Verlässlichkeit und Nuanciertheit, weniger auf star-driven Showeffekte.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film setzt mit dem Verschwinden einer zentralen Leichnamsperson ein und begleitet die Versuche einer weltlichen Autorität, die Geschehnisse zu klären. Im Zentrum steht die Figur des römischen Offiziers, deren berufliche Pflicht, Ordnung und Kontrolle zu wahren, sie auf eine Suche schickt, die bald mehr ist als ein rein administrativer Auftrag. Anstelle eines konventionellen religiösen Dramas tritt ein strukturiertes Ermittlungsverfahren, das Augenzeugen befragt, Informationen sammelt und Hypothesen prüft.

Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus dem Widerstreit zweier Erkenntnisformen: der empirischen Logik des Offiziers und der autoritativen Kraft kollektiver Erfahrung und Erzählung. Die zentralen Figuren - der Ermittler, sein junger Weggefährte und die Personen, deren Schicksale ihm begegnen - sind Katalysatoren für die Frage, wie ein Einzelereignis in eine gesellschaftliche Wirklichkeit transformiert wird. Ton und Atmosphäre des Films sind geprägt von gedämpfter Spannung, kontemplativen Momenten und einem visuellen Realismus, der auf sozio-politische Hintergründe verweist.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt Auferstanden die Frage nach der Natur des Beweises und nach der Art und Weise, wie Erzählungen Wirklichkeit stiften. Der Film verhandelt, ob und wie ein empirisch geschulter Geist mit Phänomenen umgeht, die sich einer einfachen Klassifikation entziehen. Dabei werden Zeugenschaft und Erinnerung als epistemische Kategorien verhandelt - nicht nur als religiöse Optionen, sondern als soziale Praktiken, die Einfluss auf Ordnung und Herrschaft ausüben.

Eine zweite, ebenso wichtige Dimension betrifft Machtgefüge. Die Untersuchung des Verschwindens ist eingebettet in imperiale Interessen: Die Konfrontation zwischen römischer Bürokratie und lokaler religiöser Vitalität legt offen, wie politische Steuerung und kulturelle Sinnstiftung miteinander konkurrieren. Motive wie Augenzeugenbericht, Leerstelle im Dokumentarischen und die körperliche Präsenz des Geheilten oder Verschwundenen wiederholen sich und dienen als filmische Symbole für größere Fragen nach Wahrheit und Verantwortung.

Schließlich interessiert sich der Film für Transformationen auf individueller Ebene. Die Suche nach einer Erklärung wird zur Prüfung persönlicher Überzeugungen; die Begegnung mit dem Unfassbaren hat die Macht, Identitäten zu verschieben und Handlungsräume neu zu ordnen. Auferstanden bleibt dabei analytisch offen: Es fragt nach den Mitteln des Erkennens und nach den Folgen, wenn historische Narrative sich in kollektive Gewissheiten verwandeln.

Filmkritik von Peter Osteried

Cliff Curtis ist auferstanden und Joseph Fiennes perplex

Sogenannte Faith-Movies – Glaubensfilme – sind in den USA recht populär. Jahr für Jahr werden sie für ein Publikum produziert, das strenggläubig ist und vornehmlich im Mittelwesten, dem Bible Belt, anzutreffen ist. Es gibt Schauspieler und Filmemacher, die leben sehr gut von dieser Art Film. Die wenigsten schaffen es nur nach Deutschland, wo man religiös deutlich weniger fundamentalistisch aufgestellt ist. Auferstanden kommt nun aber doch in die Kinos. Wohl wegen der guten Besetzung und weil er sich für die Oster-Feiertage anbietet.

Der Tribun Clavius (Joseph Fiennes) beobachtet Yeshua, den Messias, wie er am Kreuz stirbt. Er hat von Pilatus den Auftrag erhalten, das Leiden des Mannes abzukürzen. Danach wird die Leiche seiner Familie übergeben, aber die radikalen jüdischen Glaubensführer fordern, dass der Leichnam bewacht wird, da es hieß, er würde drei Tage nach seinem Tod wiederauferstehen. Nun will man verhindern, dass Yeshuas Jünger die Leiche stehlen und so einen Mythos begründen. Doch es kommt, wie es kommen muss. Die Leiche verschwindet, man munkelt von der Wiederauferstehung und Clavius wird befohlen, den Körper des Nazareners zu suchen. Doch was er findet, ist sein eigener Glaube.

Auferstanden ist die Art schwer erträglicher Film, der keinerlei Ambivalenz zulässt, sondern mit salbungsvoller Bedeutungsschwere davon erzählt, wie ein Ungläubiger das Licht sieht und fortan zu dem einen wahren Gott betet. Das schreit geradezu nach einer ironischen Brechung, aber die gibt es natürlich nicht. Denn Auferstanden ist ernsthaft gemeint und soll auch genauso verstanden werden, selbst wenn es Momente gibt, die unfreiwillig komisch sind. Das gilt besonders für die Szenen mit Bartholomäus, der wirkt, als würde er nicht diesem Film, sondern dem Monty-Python-Werk Das Leben des Brian zugehörig sein. Generell wirkt das Miteinander der Jünger aber sehr befremdlich, während Joseph Fiennes mit traurigem Dackelblick nie so recht zu verstehen scheint, was er nun eigentlich glauben soll. Man bedenke: Clavius hat die Gelegenheit, dem Wiederauferstanden Fragen zu stellen, aber ihm fällt nichts ein.

Rein technisch gesehen ist Auferstanden durchaus hübsch anzusehen, nur mit dem Inhalt muss man hadern, weil hier im Grunde Propaganda verbreitet wird, deren Zweck es ist, Gläubige zu bestärken und im Idealfall Unentschlossene einzusammeln. Perfide daran ist, dass sich die erste Hälfte des Films wie eine Art Antik-Krimi ausnimmt, bis die Wiederauferstehung dann das Pendel ganz stark in Richtung religiöser Lehre schwenken lässt.

Das ist umso bedauerlicher, weil der Ansatz, zu erzählen, was nach der Kreuzigung passiert ist, viel origineller ist als die x-te Verfilmung von Jesus‘ Leben. Nur hätte man daraus auch einen Film machen können, der nicht nur Gläubige anspricht – aber dafür wäre auch der Mut vonnöten gewesen, ambivalenter zu erzählen. Das hätte der amerikanischen Klientel dieser Art von Faith-Movie aber ganz sicherlich nicht gefallen.

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