Machete 2: Machete Kills - Postmoderner Exploitationfilm zwischen Satire, Stil und politischer Parodie
Einleitung
Machete 2: Machete Kills setzt die rauhe Mythologie um die titelgebende Figur fort und operiert bewusst an der Schnittstelle von Trashästhetik und zeitgenössischer Politkarikatur. Robert Rodriguez, der als Produzent, Autor und Regisseur die Tonalität der Reihe prägt, verschiebt die Grenzen des B-Movie-Genres in eine fast komische Überhöhung: Gewalt, Pathos und Promikitsch werden hier nicht nur als Mittel zum Zweck eingesetzt, sondern zum Kommentar auf mediale Überreizung und politische Theaterstücke.
Die Relevanz dieses Films liegt weniger in narrativer Innovation als in seiner Position als Spiegelbild eines bestimmten Popkulturmoments. Er reflektiert die Ängste und Grotesken einer Gesellschaft, die von Inszenierung, Gewalt und politischem Showkampf zugleich erschrocken und fasziniert ist. In dieser Hinsicht fungiert Machete Kills als ein bewusstes Artefakt des frühen 21. Jahrhunderts - eine Stilübung, die Formprinzipien des Exploitationkinos ins kalkulierte Mainstream-Kino überführt.
Innerhalb von Rodriguez' Werk nimmt die Fortsetzung eine besondere Stellung ein. Der Regisseur, bekannt geworden durch eine Mischung aus Low-Budget-Einfallsreichtum und Hollywood-kompatibler Genreflexion, intensiviert hier seine Markenzeichen: handwerklich sichtbare Tricks, eine Vorliebe für comic-hafte Figuren und die Verschränkung von Kino- mit Politästhetik. Machete Kills ist weniger ein Versuch, das Genre zu rehabilitieren, als vielmehr, es lautstark zur Debatte zu stellen.
Kurzüberblick zur Produktion
Robert Rodriguez steuert bei Machete Kills erneut seine charakteristische Handschrift: ein Allround-Einfluss als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, wie er sie seit seinen frühen Independent-Erfolgen pflegt. Die Produktion arbeitet mit einem bewusst sichtbaren Grenzgang zwischen Low-Budget-Ästhetik und den Mitteln des Studiofilms - eine kalkulierte Spannung, die das Werk als bewusste pastichehafte Konstruktion sichtbar macht.
Die Dreharbeiten und das Produktionsdesign spielen mit referenziellen Zitaten aus Exploitation, Spionagefilm und Superheldenkinematographie. Technisch setzt der Film auf eine Mischung aus praktischen Effekten und digitaler Unterstützung; die visuelle Sprache zielt auf plakative Farbgebung und inszenierte Übertreibung. Als Fortführung einer siegreichen Genremischung zementiert Machete Kills Rodriguez' Rolle als Geschichtenerzähler, der sich konsequent dem cinema of attractions verpflichtet fühlt - Filme, die Sehenswürdigkeiten liefern und zugleich eine Haltung formulieren.
Im Kanon des Regisseurs steht der Film zwischen seinen intimeren, genreübergreifenden Projekten und seinen mutwillig popkulturellen Statements. Er ist kein Rückgriff auf die frühen soziokulturellen Beobachtungen Rodriguez' ; vielmehr ist er eine explizite Ausformung der Idee, dass Kino selbst zur politischen Formsprache werden kann - laut, plakativ und provokativ.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Danny Trejo fungiert wieder als zentrales Identifikationszentrum: der wortkarge, kompromisslose Ex-Föderale Machete ist bei ihm weniger Figur als ikonischer Körper, ein Träger von Trauma und Rachewille. Trejos physische Präsenz und seine archetypische Stimmführung transformieren die Figur in eine Art amerikanischen Antihelden, dessen Ethos sich aus einer Mischung von Grenzmythos und individueller Moral speist.
Michelle Rodríguez bringt ihre bereits bekannte Leinwandenergie ein - tough, körperlich präsent und mit einer Ambivalenz zwischen Loyalität und Wildheit. Amber Heard, Sofía Vergara und Jessica Alba fügen dem Ensemble unterschiedliche Facetten der Femme Fatale und der glamourösen Begleitfigur hinzu; sie agieren weniger als psychologisch konzipierte Charaktere denn als mediale Signale und ikonografische Markierungen.
Auf der Gegenseite positionieren sich prominente Namen in klar gezeichneten Karikaturen: Mel Gibson als megalomanischer Antagonist, der die Rolle des überzeichneten Waffenmagnaten ausfüllt; Charlie Sheen in einer überraschend politischen Nebenrolle als Staatsrepräsentant; Lady Gaga, Antonio Banderas, Demián Bichir, Cuba Gooding Jr. und Edward James Olmos treten in kurzen, aber prägnanten Cameo- und Nebenparts auf, die den Film als starbesetztes Spektakel konzipieren. Die Besetzung fungiert insgesamt wie ein Register menschlicher Typen - mehr Ikone als Innenleben.
Handlung (spoilerfrei!)
Machete Kills führt seine Handlung in Modulen und set-piece-episoden zusammen: der titelgebende Protagonist wird in eine Kette aus Auftrag, Verfolgung und politischer Verwicklung gezogen. Der dramatische Konflikt entspinnt sich zwischen persönlichen Rachemotiven eines Einzelnen und kollektiven Machtinteressen von Staaten, Konzernen und kriminellen Netzwerken. Diese Konstellation erzeugt ein permanentes Gefälle zwischen individuellem Gerechtigkeitssinn und systemischer Instrumentalisierung.
Als Struktur dient dem Film ein Episodenrythmus, der schnelle Ortswechsel, orchestrierte Actionsequenzen und bewusste Brüche in Tonfall und Tempo erlaubt. Die zentralen Figuren agieren dabei eher als Bewegungsagenten innerhalb eines größeren Mechanismus, der aus Politthesen und Showelementen besteht. Der Ton pendelt zwischen bitterer Satire und cineastischer Überdrehtheit, die Atmosphäre ist von einer permanenten Überstimulation geprägt - Licht, Sound und Schnitt arbeiten auf maximale Reizüberflutung hin.
Zentrale Themen und Motive
Der Film stellt Fragen nach der Instrumentalisierung von Gewalt in Politik und Medien - wie wird Heldentum konstruiert, und wer profitiert von Inszenierungen des Schreckens. Eine wiederkehrende Motivebene ist die Borderline-Existenz zwischen Gesetz und Selbstjustiz; Machete als Figur ist zugleich Gesetzesbrecher und moralischer Kompass, und darin liegt die provokative Spannung des Films. Rodriguez nutzt diese Ambivalenz, um die Risse in politischen Narrativen offenzulegen.
Darüber hinaus handelt Machete Kills von der Kultur der Sensation: Prominenz, Medienimage und politische Performance verschmelzen zu einem Spiel, in dem Authentizität zur Mangelware wird. Das Werk fragt implizit nach dem Verhältnis von Repräsentation und Realität - nach der Art und Weise, wie Bilder und Inszenierungen Entscheidungen prägen. Psychologisch rührt die Erzählung an Fragen von Trauma, Loyalität und Identität, bleibt dabei aber bewusst im Modus der Allegorie. Filmisch manifestiert sich diese thematischen Anlage in der ästhetischen Überhöhung und der ironischen Brechung klassischer Genreerwartungen.
Filmkritik von Martin Beck
Hat eigentlich irgendwer auf eine Fortsetzung zu „Machete“ gewartet? So manch einer dürfte sich bei dem Film veralbert gefühlt haben, weil der über die Trailer und die grundsätzlich putzige Idee, Danny Trejo eine Hauptrolle anzuvertrauen, versprochene Spaß in ein schlampig inszeniertes Durcheinander mündete. Das weder genügend Hirn noch Coolness noch formale Fertigkeiten besaß, um irgendwann mehr zu sein als eine überkandidelte Nummernrevue.
Was Robert Rodriguez, dem Regisseur von „Machete“ und auch „Machete Kills“, wahrscheinlich egal sein dürfte, denn seiner Ansicht nach sind ja schludrige Schnitte, eine aus einer Abfolge absurder Gags bestehende Dramaturgie und überdrehte Comic-Grimassen ein Stilmittel namens Grindhouse. Das eigentlich jede Form von Kritik aushebelt, weil das alles natürlich so sein muss und ständig die „schlechter Geschmack ist doch cool“-Karte gezogen wird. Wer hier nicht schallend mitlacht, hat es einfach nicht kapiert.
Oder aber holt einfach nur gerade Luft, um Robert Rodriguez freundlich mitzuteilen, dass Grindhouse nicht automatisch dumm sein muss. Und dass der holprige Stil vieler Grindhouse-Filme vor allem daher rührt, dass die hier aktiven Leute keine richtige Ausbildung oder kein richtiges Equipment besitzen. Was alles absolut legitim ist, nur halt nicht einfach nachgeäfft werden kann, am besten noch durch eine nachträgliche Verschlimmbesserung formaler Sauberkeit. Ganz so, als würden sich Hollywood-Millionäre als Penner verkleiden, um auch mal den Geruch der Straße zu schmecken.
„Machete“ war Straßengeruch, okay, und zwar der einer großzügigen Pappelallee zu einer mondänen Hollywood-Villa, die Robert Rodriguez mit der erklecklichen Gewinnspanne zwischen einer Low-Budget-Produktion und der mäßig erfolgreichen Auswertung des Films finanzieren konnte. Dass nun bei „Machete Kills“ viele Neugierige, die Teil 1 noch reflexartig abgenickt haben, nicht mehr an Bord sind, hat natürlich erneut nichts mit dem erneut anstrengenden Film zu tun, sondern ist ausschließlich dem Sequel-Gesetz abnehmender Einnahmen zu schulden. So lange irgendwann unterm Strich nur eine schwarze Zahl steht, kann die Machete“-Party gerne weiterlaufen.
Und eine Party war der Dreh des Films ganz sicher, so viele Stars wie sich hier in dramatische Posen schmeißen und gleich nach dem „Cut“-Ruf die rausgepressten Dialoge in schallendes Lachen verwandeln. Machete zerrt z.B. an den Gedärmen eines Widersachers (eine famose Hommage an Teil 1) und schmeißt sie dann in die rotierenden Blätter eines Mettwurst-Helikopters. Eine Sexszene zwischen Danny Trejo und Amber Heard wechselt unverhofft in „klassisches“ 3D – für das dann natürlich die Brille fehlt. Und Sofia Vergara gibt eine hochgetunete Superkillerin, die einst die Eier ihres Vaters aß und nun einen MG-BH sprechen lässt, gefolgt von einem MG-Penis.
Szenen wie diese gibt es eigentlich ständig in „Machete Kills“ und auch wenn sich das jetzt durchaus lustig liest, bleibt auf ganzer Länge kaum etwas hängen. Weil der Film viel zu hysterisch auf die Exploitation-Tube drückt, weil die Geschichte, die Machete auf einen irren Mexikaner mit Atomrakete ansetzt, heillos zerfaserter Quatsch bleibt und weil das gleichförmig laute Bombardement mit Splatter, rassistischen/misogynistischen Witzen und jede Form von Gefahr eliminierender „over the top“-Action den gleichen Effekt wie ein typischer Michael-Bay-Film hat: Man wird im Sitz so lange zurechtgeprügelt, bis einem die Sinne schwirren. „Shut up and eat your awesome.“
Wem das immer noch alles appetitlich vorkommt, bitte: auf zu „Machete Kills“ – der in Häppchen ganz sicher wensentlich mehr Spaß macht als auf verflucht langen 100 Minuten und somit sein wahres Publikum sowieso erst im Heimkino finden wird. Wo sich dann 15jährige Jungs vor Lachen auf die Schenkel klopfen werden, die aberwitzigen Blutfontänen nochmal zurückgespult werden und ungläubig große Augen auf Charlie Sheen als rassistischen US-Präsidenten gerichtet sein werden. Oder auf Mel Gibson, der hier einen irren Waffendealer gibt und als einziger die an das Herz von Demian Bichir angeschlossene Bombe deaktivieren kann. Oder auf all die oberheißen Mädels, zu denen auch Michelle Rodriguez und Alexa Vega gehören und die allesamt die Rollenbezeichnung „Wichsvorlage“ tragen.
Die Besetzung von „Machete Kills“, die weiterhin noch Lady Gaga, Cuba Gooding Jr. und Antonio Banderas umfasst, ist wirklich unglaublich, so dass man irgendwann tatsächlich glauben könnte, hier einen richtigen Film vor sich zu haben...und eben keinen Nerdgeburtstag eines inzwischen nur noch mittelmäßig begabten Filmemachers, der diese Grindhouse-Idee geradewegs zu Tode reitet und auf jeden gelungenen Gag, wie z.B. die Besetzung des Auftragskillers Chamäleon mit vier verschiedenen Schauspielern, infantile Tabu-Gags oder die nächsten 10 Enthauptungen folgen lässt. „Machete Kills“ tischt von allem zu viel auf, inklusive dem grundsätzlichen Gag mit Danny Trejo. Vielleicht müsste ja einfach mal jemand Robert Rodriguez sagen, dass Grindhouse ein geduldetes, aber kein geliebtes Stilmittel ist.

