Lee Daniels' The Butler als politisches Porträt der unsichtbaren Akteure amerikanischer Macht
Einleitung
Lee Daniels' The Butler rückt eine Figur in den Mittelpunkt, die in den großen Erzählungen der amerikanischen Politik sonst kaum vorkommt: den Black servant hinter den Kulissen. Als filmisches Projekt hat der Film Relevanz nicht allein durch seine thematische Anlage, sondern durch die zeitliche Lage seiner Veröffentlichung. Im Jahr 2013, mitten in einer erneuten öffentlichen Auseinandersetzung um Erinnerung, Rasse und Repräsentation, fungierte Daniels' Arbeit als Knotenpunkt zwischen populärem Historienkino und einem anhaltenden kulturellen Diskurs über die Präsenz schwarzer Stimmen in nationalen Narrativen.
Der Film steht damit auch exemplarisch für die Ambitionen eines Regisseurs, der sich von seinem Durchbruch mit dem radikalen Sozialdrama Precious in Richtung eines größeren, ensemblegetriebenen Erzähltons bewegte. Daniels sucht in The Butler weniger das rohe Pathos seiner früheren Arbeiten als die Möglichkeit, durch ein Panoramabild historischer Ereignisse Charaktere und Kontinuitäten sichtbar zu machen, die in offiziellen politischen Chroniken untergehen.
Wenngleich The Butler als historisierender Spielfilm inszeniert ist, liegt seine Bedeutung weniger in der Rekonstruktion einzelner Episoden als in der Frage, wie private Lebenswege und öffentliche Geschichte aufeinander prallen. Der Film beansprucht, ein nationales Gedächtnis zu befragen, und tut dies in einer Sprache des Kinos, die zwischen intimer Tableauxführung und großem, fast opernhaftem Zeitsprung oszilliert.
Kurzüberblick zur Produktion
Lee Daniels, der Regisseur, hat in seinem bisherigen Werk wiederholt soziale Ausschlüsse und existenzielle Grenzfragen thematisiert; The Butler markiert eine Produktion, die Daniels' Handschrift - die Betonung auf Figurenpsychologie, das Interesse an sozialem Druck und Moralität - in ein weitreichendes, historisches Format übersetzt. Produziert und vertrieben wurde der Film von größeren Studios, die ihm einen vergleichsweise großzügigen Rahmen erlaubten, sowohl in Bezug auf Kulissen als auch auf ein prominent besetztes Ensemble.
Die Entstehungsbedingungen portraitieren eine ambitionierte Studioproduktion mit Blick auf Massentauglichkeit und Festivalpräsenz zugleich. Die Entscheidung, eine biografisch inspirierte Geschichte über mehrere Dekaden zu erzählen, brachte Herausforderungen mit sich: Casting gegen prominente Vorbilder, Kostümdesign und ein bewusstes Spiel mit historischen Interieurs, um Epochenwechsel sichtbar zu machen. In Daniels’ Gesamtwerk nimmt The Butler eine Sonderstellung ein als sein weitestgehendest mainstreamorientiertes, zugleich politisch geladenes Projekt.
In seiner Produktionsästhetik verbindet der Film klassische Hollywoodkonventionen mit Elementen des modernen Sozialdramas. Diese Mischung erzeugt eine doppelte Perspektive: Die formale Sicherheit großer Erzählkinematographie dient als Vehikel für eine moralische und gesellschaftliche Fragestellung, die Daniel immer wieder sucht.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum des Films steht Forest Whitaker als die ruhende, aber innerlich komplexe Figur des Butlers, dessen Lebensweg die Klammer der Erzählung bildet. An seiner Seite ist Oprah Winfrey zu sehen, die die emotionale Konstante in der familiären Sphäre darstellt. Beide bringen ein Karrieregewicht mit, das die Intimität ihrer Figuren zugleich gegen die Größe des historischen Panoramas polt.
Das Ensemble um Whitaker und Winfrey umfasst eine Reihe etablierter Darsteller, die zum Teil reale historische Figuren verkörpern. Robin Williams tritt als Dwight D. Eisenhower auf, James Marsden als John F. Kennedy, Liev Schreiber als Lyndon B. Johnson, John Cusack in der Rolle von Richard Nixon und Alan Rickman als Ronald Reagan. Diese Besetzungspolitik führt das Private des Dienstes mit dem öffentlichen Antlitz der Macht zusammen und erlaubt es, Präsidenten nicht nur als politische Projektionsflächen, sondern als Teil der Lebenswelt der Hauptfigur zu zeigen.
Neben den historischen Repräsentationen geben Darsteller wie Cuba Gooding Jr., Terrence Howard, Nelsan Ellis, Jesse Williams, Minka Kelly und Alex Pettyfer dem Film zusätzliche soziale und generationelle Gewichtung. Einige übernehmen Rollen innerhalb der Familienkonstellation, andere treten als Gegenfiguren auf, die die Spannungen zwischen Anpassung und Widerstand, Tradition und Aufbegehren spiegeln. Die Besetzung liest sich als bewusstes Statement: Hollywood-Gesichter werden hier zur moralischen und historischen Bezugnahme eingesetzt.
Handlung (spoilerfrei!)
The Butler erzählt die Lebensgeschichte eines afroamerikanischen Butlers, dessen beruflicher Alltag ihn über Jahrzehnte hinweg in die privaten Räume der amerikanischen Macht führt. Die narrative Struktur arbeitet mit Zeitsprüngen, die es erlauben, Epochenwechsel zu markieren, ohne die Kontinuität der Hauptfigur zu verlieren. Im Mittelpunkt steht der Spannungsbogen zwischen Pflichtbewusstsein, persönlicher Würde und den Erwartungen einer Familie, die sich in Zeiten politischer Polarisierung unterschiedlich positioniert.
Der dramatische Konflikt entfaltet sich weniger aus einem einzelnen Ereignis als aus der Konfrontation zweier Logiken: der Logik des stillen Dienstes und der Logik aktiven Protestes. Während die Hauptfigur die Unsichtbarkeit ihres Berufs auskostet und als stille Konstante fungiert, drohen familiäre und gesellschaftliche Umbrüche diese Ordnung zu destabilisieren. Zentrale Figuren neben dem Protagonisten sind dessen Lebenspartnerin, mehrere heranwachsende Söhne, deren politische Wege unterschiedlich verlaufen, und die Repräsentanten des Establishments, denen der Butler dient.
Ton und Atmosphäre pendeln zwischen einem leisen, kontemplativen Familienfilm und einem groß angelegten historischen Tableau. Daniels nutzt diese Doppeldeutigkeit, um Nähe und Distanz zugleich zu erzeugen: Szenen der häuslichen Intimität stehen neben sequenziellen, fast dokumentarisch wirkenden Einblendungen politischer Ereignisse.
Zentrale Themen und Motive
Der Film fragt nach der Sichtbarkeit der Subalternen in nationalen Narrativen. Wer hat das Recht, Amerika zu erzählen, und wie ordnen sich private Biographien in die nationale Erinnerung ein? Diese Fragen treten als leitende Motive auf und verknüpfen persönliche Ehre mit kollektiver Geschichte. Das wiederkehrende Motiv der Türschwelle, des Servierens und Wegtretens illustriert den Grenzraum, in dem die Hauptfigur operiert: stets anwesend, selten anerkannt, Zeuge und zugleich Teil der Macht.
Weitere philosophische und gesellschaftliche Dimensionen betreffen die Spannung zwischen Loyalität und moralischer Verantwortung, die Komplexität von Anpassung als Überlebensstrategie und die intergenerationelle Dialektik von Protest und Konvention. Psychologisch gesehen interessiert der Film die Mechanik des Sich-Zurücknehmens, die Selbstreduktion als Form der Autonomie und die Frage, wie individuelle Würde innerhalb hierarchischer Strukturen erhalten werden kann.
Kinematografisch arbeitet Daniels mit einem Wechsel aus Nahaufnahme und weitem Tableau, um die Diskrepanz zwischen Intimität und öffentlicher Bühne zu betonen. Musik, Kostüm und Szenenbild markieren die Dekadenwechsel nicht nur chronologisch, sondern als kulturelle Vibrationen, die den inneren Takt der Figuren mitbestimmen. In der Summe bietet The Butler einen Zugang zur amerikanischen Geschichte von unten, indem er den Blick auf jene richtet, die physisch nahe bei den Mächtigen stehen, deren Stimmen jedoch historisch marginalisiert wurden.
Filmkritik von Orlindo Frick
Nach der Sichtung des Films stellt sich eigentlich nur eine Frage: Ist Hollywood noch im Stande, Neues zu erzählen? Und falls ja, auch in unverbrauchten Worten? „Der Butler“ bietet US-amerikanische Zeitgeschichte im Schnellkochtopf. Eine schön bebilderte Geschichtsstunde über afroamerikanische Emanzipation voller Ikonen der Zeitgeschichte, die jedoch unlängst auf bereits alle erdenklichen Arten behandelt worden sind. Von „Malcolm X“ bis „JFK – Tatort Dallas“, von „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ bis „Nixon“, von „Die Farbe Lila“ bis „The West Wing“. Der Film wandelt auf historisch heiligem Boden, der ebenso oft verfilmt wie in den Schulen behandelt wurde. Regisseur Lee Daniels versuchte das Problem zu umgehen, indem er sich abwendete und abseits von zu ikonifizierten Szenen seine Geschichte weitererzählte. Aber nur mit bedingtem Erfolg. Mit jedem weiteren Schlüsselerlebnis, jedem weiteren historischen Stelldichein schleppt sich der Film mühevoll von Szene zu Szene. In solchen Momenten wünscht man sich, „Der Butler“ wäre ein Bühnenstück ohne die Möglichkeiten des modernen Films. Mit Butler Cecil Gaines gefangen innerhalb des Bühnenbildes des Weißen Hauses während die Zeitgeschichte als abstrakte, dunkle Silhouette im Hintergrund vorbeizieht. Auf diese Weise wäre man als Zuschauer näher bei Gaines und seinen Sorgen um seine Familie und hätte nicht das Gefühl, Zaungast einer US-amerikanischen Parade zu sein. Ohne den Willen und ohne jegliche Ambition, aus den Genrekonventionen eines Gesellschaftsdramas, Filmbiografie und Historienfilms ausbrechen zu wollen, bleibt dem Butler nur seine zeitlose Botschaft, verpackt in eine erzkonservative Machart, die dem Publikum langsam aus den Ohren quillt.
„Der Butler“ entwickelt dann eine eigene Stimme, wenn der Vater-Sohn-Konflikt in den Mittelpunkt rückt. Dieser wird genährt von dem Generationenkonflikt zwischen einem ungebildeten Baumwollpflückers, der die höchsten Butlerehren erklomm und seinem aufgeklärten und inmitten einer gesellschaftlichen Revolution aufwachsenden Sohn. Daniels nutzt komplementäre Montagetechniken, um beide Charaktere gegenüberzustellen und somit auf die Familiengeschichte hinter der Zeitgeschichte aufmerksam zu machen. Mit Erfolg; auf diese Weise präsentiert sich dem Zuschauer das eine Element, das es eigentlich wert wäre, erzählt zu werden - aber das von der Geschichtsvorlesung im Zeitraffer gnadenlos verdrängt wird. Auch die Aufarbeitung der Rassenfragen entbehrt nicht einer universellen Kraft, wenn sie nicht im historischen Kontext ihrer Relevanz beraubt wäre, weil sie nicht den kleinsten frischen Funken beizusteuern hat. Keine Perspektive, keine Anekdote, keine Darstellung, die nicht bereits im Dutzend von anderen Filmen auf die gleiche Weise erzählt worden wäre.
Die im Trailer prominent beworbenen Nebendarsteller dürften dem Film den nötigen Bekanntheitsgrad garantieren, tragen aber gleichzeitig dazu bei, dass „Der Butler“ öfters an eine unfreiwillig komische Muppet Show erinnert. Mariah Carey, Lenny Kravitz, Oprah Winfrey, Robin Williams, Liev Schreiber, John Cusack, Jane Fonda, Cuba Gooding Jr. und wie sie alle heißen. Vereint unter kiloschweren Latexmasken und ihrem Hang zum Overacting. Mit überzeugenden Leistungen warten die wenigsten auf, lediglich Forest Whitaker und Alan Rickman bleiben in positiver Erinnerung.
Lee Daniels' „Precious“ war ein ergreifendes Sozialdrama mit einer Inszenierung wie ein roher, erdiger Diamant. Aber bereits damals nutzte der Regisseur sämtliche Armutsklischees, die ihm zur Verfügung standen. Bei seinem Butler hat er nun bewusst die ungekünstelte Fassade durch eine abgerundete, fast opulente Bildsprache ersetzt, aber griff ebenso tief in die triefende Klischeekiste. Baumwollplantagen, Ku-Klux-Klan, Vietnam als Tötungsmaschine amerikanischer Söhne, Ermordung von JFK und Martin Luther King, die Black Panther, nichts wurde ausgelassen. Diese Konzentration schlägt auf Dauer auf den Zuschauermagen, wenn ihm keine neuen Impulse mit Nährwert verabreicht werden. Erst als sich der Kreis des Films schließt und der Mann, der 30 Jahre lang die gute Seele des Weißen Hauses war, der Einladung von Barack Obama folgt, wird der Zuschauer daran erinnert, dass hinter der dicken Schicht aus verbrauchten Filmklischees, ewiglich rezitierten Momentaufnahmen amerikanischer Geschichte und unfreiwillig komischen Gesichtsprothesen ein originärer Kern steckt, der es wert wäre, erzählt zu werden.
„Der Butler“ könnte als der politisch engagierte, afroamerikanische Cousin von „Forrest Gump“ betrachtet werden. Ebenso sprunghaft und komprimiert, sich von US-historischem Meilenstein zu Meilenstein hangelnd, darauf erpicht, Drama und Geschichtsstunde innerhalb eines bemerkenswerten Menschenlebens und vor allem innerhalb eines Überlängenzuschlags zu erzählen. Aber mit dem Fokus auf seinen Latex-überzogenen Gastauftritten und weniger auf der beeindruckenden Titelfigur wird der Film von der eigenen Zeitgeschichte und der Überlegenheit früherer Filmbeiträge zur lobenswerten, aber letztendlich nur mittelmäßigen Randbemerkung degradiert. Das diesjährige „Lincoln“-Äquivalent, das sich gewiss auf reichlich Nominierungen freuen darf, aber letztendlich verdient leer ausgehen wird.
Filmkritik von Mattes Teschabai
Lee Daniels machte sich erst als Produzent („Monster´s Ball“) einen Namen und trumpfte 2009 mit seiner Regie-Arbeit „Precious“ auf. Nach der Südstaaten-Acherbahnfahrt „The Paperboy“ zielt er jetzt mit seinem neuen Film auf die Herzen der ganzen Nation. Daniels bindet die brisante Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung an die ruhige Linie eines schwarzen Butlers im weißen Haus und gewinnt dem Chaos der Historie mit dieser Perspektive die harmonische Zielstrebigkeit eines Märchens ab. „Der Butler“ ist lehrreich, versöhnlich und heitert zu patriotischen Freudentränen auf. Oprah Winfrey verbreitet in ihrer ersten wirklichen Kino-Rolle seit 1998 zusammen mit Lenny Kravitz und Cuba Gooding Jr. historische „Yes, we can“-Stimmung. Forest Whitaker verkörpert als Butler fünf verschiedener Präsidenten und gleichzeitig Patriarch seiner eigenen Familie die komplizierte Gleichzeitigkeit von politischer Unterdrückung und privater Selbstverwirklichung. Inspiriert wurde Daniels natürlich von der Realität, einem Zeitungsartikel über Eugene Allen, den echten Butler, der für acht Präsidenten arbeitete.
Als Kind muss Cecil Gaines die beiläufige Ermordung seines Vaters (David Banner) ansehen, als dieser versucht seine Frau (Mariah Carey) mit leisen Worten des Protestes vor der regelmäßigen Vergewaltigung des Farmherrn Thomas Westfall (Alex Pettyfer) zu schützen. Der halb verwaiste Sohn des Plantagenarbeiters wird anschließend von Annabeth Westfall (Vanessa Redgrave) ins Herrenhaus geholt und zum „Housenigger“ erzogen. Alt genug die Farm zu verlassen, geht er in die Lehre des alten Hotel-Butlers Maynard (Clarence Williams III), der ihn für die große, weiße Welt bereit macht und ihm einen guten Job im Norden, in Washington D.C. verschafft, wo Cecil auch seine Frau Gloria (Oprah Winfrey) kennenlernt und mit ihr zwei Söhne Louis (David Oyelovo) und Charlie (Elijah Kelley) großzieht. Seine professionelle Integrität als Butler verschafft ihm eines Tages unverhofft das Angebot im Weißen Haus. Während er von nun an seine bezahlte Zeit mit Kennedy, Nixon und Co. verbringt, muss er gleichzeitig daheim für Harmonie sorgen, was nicht immer funktioniert, nicht zuletzt, weil sein Sohn zum politisierten Studenten und Bürgerrechtskämpfer heranwächst, der sich für die unterwürfige Tätigkeit seines Vaters schämt.
„Der Butler“ ist weit entfernt von der gleichzeitig beengenden und befreienden Ehrlichkeit von „Precious“ und allein der Cast erinnert an die grenzwertige Experimentierfreude des Ensemble-Krimis „The Paperboy“. Daniels inszeniert das Drehbuch von Danny Strong mehrheitsfähig, ruhig, in aufwendigen Sets, und in detaillierten Kostümen. Die Einstellungen fließen in weichen Bildern dahin und die vielen Dialogszenen sind so rhythmisch geschnitten, dass immer wieder das behagliche Gefühl aufkommt, das Leben des Butlers Cecil Gaines liefe wie am Schnürchen. Er kommt gut mit seinen Butler-Kollegen klar, die in einer fast überzogenen Leutseligkeit von Lenny Kravitz und Cuba Gooding Jr. dargestellt werden und für Stimmung sorgen. Die Hochs und Tiefs in der Familie, der Auszug der Söhne, die Alkoholprobleme von Gloria – die vielen fließend auftauchenden Probleme des Films münden meist in der weichen Stimme und dem geduldigen Blick des Forest Whitaker.
Danny Strong etabliert Cecils Sohn Louis dramaturgisch und technisch als Motor für die Entwicklung des Films, als Gegenpart zum stoisch dahinplätschernden Ethos der Hauptfigur. Schon als Schüler hält er nicht viel vom Stolz der Familie und der Nachbarn auf den Job seines Vaters; er beginnt, sich zu schämen und mehr zu suchen, als den geduldeten Platz am Rande der Gesellschaft. Daniels macht ihn zu einer fast allegorischen Verkörperung der Bürgerrechtsbewegung und pflanzt ihn in zahlreiche historische Situation (Woolworth-Sit-In, Freedom Rider, Martin Luther King, Black Panther). Louis taucht überall auf, wo was los ist und wird zum Fabelwesen der Bürgerrechtsbewegung und somit zum alten Stachel unter Cecils dicker Haut. Der Vater-Sohn-Konflikt ist eine der intensiven Schnittstellen von Historie und Privatleben, die das Erzählkonzept des Drehbuchs aufgehen lassen.
Der passive Vater und sein heiler Status Quo stehen im krassen Widerspruch zu den Idealen des Sohnes, der als Bürgerrechtler auf der Seite der Geschichte steht. Louis entlarvt Cecils privaten Kosmos als Biedermeier, als Flucht vor der politischen Realität und der Möglichkeit sie zu verändern. Daniels macht einen Punkt, als er ein Staatsbankett mit dem berühmten Woolworth-Sit-In parallel schneidet. Cecil senkt den Blick, um sein materiellen Status zu wahren, während Louis keine Segregation mehr anerkennt und immer wieder bereit ist, dafür ins Gefängnis zu gehen. In der verhärtenden Angst um den Sohn lebt der traumatische Verlust des Vaters fort und die Notwendigkeit in zwei Gesichtern zu denken: eines für die große, weiße Welt und eines für das kleine, schwarze Zuhause.
Diese Dualität ist der stille Grundkonflikt des Films, der sich auch in der Kamera-Arbeit und am Set-Design widerspiegelt: die reich ausgestattete, schwarz-weiß sterile Weite des Weißen Hauses und die warme, farbige Enge des Eigenheims. Die wenigen Außenaufnahmen gegen Ende des Films wirken dementsprechend befreiend und werden von Winfrey und Whitaker sorgfältig ausgespielt. Zeit und der resolute Umgang damit ist eine Stärke des Films. Die Figuren reifen und wandeln, kommen auf und ab. Während die Präsidenten (Robin Williams als Dwight D. Eisenhower, James Marsden als John F. Kennedy, Liev Schreiber als Lyndon B. Johnson, John Cusack als Richard Nixon, Alan Rickman als Ronald Reagan) wie im Wachsfigurenkabinett ausgetauscht werden und reichlich kryptisch wirken, entwickeln die Familien-Figuren gerade in der Zeit ein Profil, das sie interessant und stark macht.
Daniels hat keine Lieblinge, sondern gibt seinen Hauptfiguren hehre Motive und tiefe Fehler und die nötigen Leinwand-Minuten, um damit umzugehen, sodass die einzige Lösung stets im Zusammenkommen liegt. Er gibt ihnen die Freiheit, sich zu ändern und im Kern gleich zu bleiben. Das Schauspiel wird dabei immer vom Dialog gepolstert. Jede Szene, wird in sanfte Gesprächsmelodien getaucht und das Ensemble – allen voran „Queen of Talk“ Oprah Winfrey – beweist eine gesellige Chemie, die jeder Szene eine natürliche Sound-Patina gibt. „Der Butler“ wirkt in seiner gemächlich-harmonischen Art, seinem tief angelegten Glauben an amerikanische Entwicklung und nicht zuletzt wegen des hanebüchen prominenten Casts (z.B. Jane Fonda als Nancy Reagan-Cameo) wie ein ausgefeiltes Obama-Vehikel – doch kann man dem Film seine neuartige Beleuchtung sozial-politischer Realität nicht absprechen.

