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Home - Ein smektakulärer Trip

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kritiken.de Redaktion 26.03.2015
Home - Ein smektakulärer Trip© Fox Deutschland
A ca. 1380 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Home - Ein smektakulärer Trip: Popästhetik, Entfremdung und die Sehnsucht nach Anschluss

Einleitung

Home - Ein smektakulärer Trip tritt als ein kommerziell ambitionierter Animationsfilm an, der mehr sein will als bloße Familienunterhaltung. Sein zeitlicher Einsatz im Jahr 2015 macht ihn zu einem Produkt einer Ära, in der Mainstream-Animationen zunehmend auf popkulturelle Verweise, crossmediale Vermarktung und Themen von Migration und Zugehörigkeit reagieren. Die Popularität der beteiligten Stimmen und Musikerinnen sowie die Adaption eines literarischen Kinderstoffs verleihen dem Projekt ein doppeltes Gewicht: Es ist sowohl Blockbuster-ware als auch ein Versuch, gesellschaftliche Fragen in einem zugänglichen Gewand zu thematisieren.

Für das Genre ist Home relevant, weil es die Konventionen der DreamWorks-Ästhetik mit einem modernen, farblich und musikalisch aufgeladenen Erzählton vermischt. Der Film positioniert sich zwischen Slapstick und sentimentaler Roadmovie-Struktur und sucht konsequent nach einer Sprache, mit der sich junge und erwachsene Zuschauerinnen zugleich angesprochen fühlen. Damit reiht er sich in die Debatte über die Rolle animierter Filme als Spiegel gesellschaftlicher Unsicherheiten - von kultureller Anpassung bis zur Angst vor Fremdem.

In seiner Einordnung ist Home kein Bruch, aber eine Nuancierung im Werk seines Regisseurs Tim Johnson. Bekannt geworden durch animierte Komödien, die familienkompatible Moral mit pointiertem Timing verbinden, bleibt Johnson der handwerklichen Tradition verpflichtet, die Charakterzeichnung durch Stimme und Animation eng zusammenführt. Zugleich versucht der Film, den Zeitgeist einzufangen: Ein Kaleidoskop aus Pop, digitalen Bildstrukturen und einer Erzählung über fremde Mächte, die vermeintlich die Ordnung restaurieren, aber dabei Menschlichkeit und Kontakt verlernen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Tim Johnson, ein Name, der im amerikanischen Animationskino für solides Handwerk und komödiantische Sensibilität steht. Johnsons Handschrift zeigt sich in klaren Figurenkonstellationen, einem Gespür für komödiantische Set Pieces und einer zugänglichen, oft moralisch aufgeladenen Erzählstruktur. Home entstand unter dem Dach von DreamWorks Animation und wurde am 26.03.2015 veröffentlicht - ein Produkt also der Studiosystematik, die auf hohe Produktionswerte, ausgefeilte CGI und starke Markenbildung setzt.

Der Film basiert auf dem Kinderbuch The True Meaning of Smekday von Adam Rex, was die Adaptation als bewussten Transfer literarischer Ironie in ein visuelles und musikalisches Format kennzeichnet. Auffällig in der Produktion ist die Integration einer zeitgenössischen Popästhetik - sowohl im Soundtrack als auch in der Besetzung mit internationalen Stars - die den animierten Kosmos als eine Plattform für mediale Synergien nutzt. Diese Produktionsstrategie positioniert Home zwischen künstlerischem Anspruch und Entertainment-Ökonomie.

Im Gesamtwerk Johnsons markiert Home eine Fortführung seiner Neigung zu bunten, gut getimten Familienkomödien, ohne radikal neue formale Wege zu beschreiten. Vielmehr liegt die Herausforderung darin, wie die filmische Oberfläche - Farbe, Tempo, Musik - semantisch aufgeladen wird, um Themen wie Zugehörigkeit und Missverständnis zu transportieren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Stimmen der Hauptfiguren sind programmatisch: Jim Parsons leiht dem außerirdischen Protagonisten Oh seine Stimme und bringt damit das neurotische, präzise Timing mit, das er in der Fernsehserie Big Bang Theory popularisiert hat. Parsons’ Performance arbeitet weniger mit physischer Mimik als mit vocalem Nuancenspiel, wodurch Oh als liebenswerter Chaot gezeichnet wird.

Rihanna übernimmt die zentrale menschliche Rolle der Tip und bringt eine Popstar-Authentizität in die Figur, die sich nicht nur durch Stimme, sondern durch musikalische Präsenz und Attitüde definiert. Ihre Beteiligung verschiebt die Tonlage des Films in Richtung Jugendkultur und verankert die emotionale Achse in einer gegenwartsnahen Sprache.

Steve Martin als Captain Smek offeriert eine komödiantische Autorität - eine Führungspersönlichkeit, die zugleich lächerlich und bedrohlich wirkt. Martin kanalisiert seine lange Karriere als Komiker in eine Stimme, die Hierarchie und absurde Selbstüberschätzung verbindet. Jennifer Lopez tritt in einer unterstützenden Rolle als Lucys Stimme auf und moduliert damit das Bild der mütterlichen Verankerung, während Matt Jones als Nebenstimme für komische Binnentöne sorgt. Insgesamt nutzt die Besetzung starre Prominenz als semantisches Material, das Charaktere über Assoziationen und Stimmfarben auflädt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt vom Aufeinandertreffen zweier Welten: einer außerirdischen Zivilisation, die die Erde neu ordnen will, und einer menschlichen Protagonistin, die inmitten dieser Umwälzung ihre persönliche Suche beginnt. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen einem unbeholfenen Außerirdischen und einem menschlichen Mädchen - eine unerwartete Allianz, die zur Triebfeder eines roadmoviehaften Vorhabens wird. Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus dem Gegensatz zwischen einer technologisch überlegenen, aber empathielosen Ordnung und der menschlichen Fähigkeit zur Anpassung, zum Trotz und zur Fürsorge.

Die zentralen Figuren sind klar konturiert: der optimistische, fehlbare Außenseiter und die resolute, verletzliche Protagonistin, deren Ziel sie antreibt. Ton und Atmosphäre des Films schwanken zwischen heiterer Komik und melancholischer Nostalgie; helle, digitale Farbpaletten stehen neben intimen Momenten, in denen Stille und Mimik den emotionalen Kern markieren. Die Dramaturgie setzt auf episodische Begegnungen, die die Beziehung der Figuren vertiefen und zugleich größere Fragen über Gemeinschaft und Zugehörigkeit stellen, ohne dabei in eine reine Morallehre zu verfallen.

Zentrale Themen und Motive

Home beschäftigt sich mit Fragen der Zugehörigkeit, des Andersseins und der Übersetzung zwischen Kulturen. Der Film fragt, wie Gemeinschaft entsteht - nicht zuletzt durch Missverständnisse, Korrekturen und die Bereitschaft, die Perspektive zu wechseln. Fremdheit erscheint weniger als Bedrohung denn als Herausforderung, die Reflexion über Machtmechanismen und Anpassungsdruck erzwingt.

Auf einer philosophischen Ebene geht es um Empathie als Praxis: Wie wird aus dem Fremden ein Vertrauter, und welche Rolle spielt Kommunikation dabei? Psychologisch interessiert der Film an Abwehrmechanismen, an Scham und an dem Bedürfnis, sich zu verorten. Gesellschaftlich ist Home ein Spiegel moderner Diskurse über Migration, Integration und die Schwierigkeit, technologische Effizienz mit menschlicher Wärme zu verbinden. Motive wie Reise, Heim und Musik fungieren als verbindende Elemente - Popmusik als lingua franca, Reise als Prüfstein für Identität und Heim als ambivalenter Begriff zwischen Ort und Beziehung.

Filmkritik von Peter Osteried

Diesmal kommen die Außerirdischen nach Hause – unser Zuhause!

Alles fing mit dem Kurzfilm Almost Home an, der als Werbeclip für Home – Ein smektakulärer Trip konzipiert wurde und zeigt, wie die Boov nach einer neuen Welt suchen, was mit allerhand Gefahren einhergeht. Das war repetitiv, aber höchst amüsant. Der Langfilm setzt dies nun praktisch fort.

Die Boov sind kleine, höchst ängstliche Wesen, die seit ewigen Zeiten vor ihren Erzfeinden auf der Flucht sind. Sie suchen ständig neue Planeten, auf denen sie sich verstecken können – und nun haben sie die Erde gefunden! In Nullkommanichts werden die Menschen eingesammelt und in ein Reservat gesteckt, während die Boov sich auf dem Planeten ausbreiten. Oh ist ein etwas anderer Boov als die meisten. Er möchte auch unnütze Dinge tun, zum Beispiel Partys feiern. Als er seine Einladung rausschickt, geht etwas schief. Sie wird ins All hinausgeschleudert, so dass die Feinde der Boov auch von ihr erfahren können. Während die Boov versuchen, dies zu verhindern, freundet sich Oh mit dem Menschenmädchen Tip an, die nicht eingesammelt wurde und nun ihre Mutter sucht.

Die Geschichte ist einfach gestrickt. Der Außenseiter, der sich mit dem Menschenmädchen anfreundet – das ist alles andere als originell. Ebenso kann man doch sehr schnell erahnen, in welche Richtung die Geschichte geht. Es sind allesamt bekannte Komponenten, die hier eingesetzt werden. Warum es dennoch funktioniert? Weil der Film recht sympathisch gemacht ist und weil die Boov zumindest ungewöhnliche Außerirdische sind. Nicht nur ihrer Optik wegen, sondern auch wegen ihrer Farbe, die sich ständig ändert, je nach Gefühlslage.

Die Synchronisation ist sehr schön geworden. Bastian Pastewka, der jüngst auch einen Geist im deutschen Gespensterjäger gesprochen hat, leiht Oh seine Stimme und macht das mit einer Spielfreude, die schlichtweg ansteckend ist. Es ist amüsant, ihm zuzuhören, und das umso mehr, da die Dialoge schön verdreht sind. Denn die Boov sprechen kein normales Deutsch. Man muss sich das als Mischung aus Yoda und Jar Jar Binks, abgeschmeckt mit einer Brise Charlie Chan vorstellen. Hin und wieder wird das etwas übertrieben, es trägt aber letzten Endes auch dazu bei, den Boov eine eigene, wirklich außerirdische Qualität zu verleihen.

Neben Pastewka ist auch Uwe Ochsenknecht zu hören, der den wackeren Captain Smeck, Anführer der Boov, spielt, und herrlich aufschneidet, während eigentlich nichts dahinter ist. Das ist die stimmliche Starbesetzung, beim Rest setzt man auf gute Synchronsprecher. Der Film selbst setzt weniger auf seine Geschichte als vielmehr auf die Details. Es sind die Kleinigkeiten, die hier zum Erfolg führen. Seien es die schrägen Brain-Boovs, eine Katze namens Schwein oder auch die Bemühungen der Boovs, aus den Dingen um sie herum schlau zu werden.

Home – Ein smektakulärer Trip ist vergnügliche Unterhaltung für die ganze Familie, auch und besonders aber für jene, die ein Faible für Science Fiction haben. Vorhersehbar oder nicht, unterm Strich bleibt ein amüsanter Invasionsfilm der etwas anderen Art.

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