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Exodus: Götter und Könige

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kritiken.de Redaktion 25.12.2014
Exodus: Götter und Könige© Fox Deutschland
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Exodus: Götter und Könige - Ridley Scotts Monumentalfilm als Reflexion von Macht, Glauben und Bildgewalt

Einleitung

Exodus: Götter und Könige tritt in eine lange Tradition filmischer Bibelbearbeitungen ein und meldet Ansprüche an, die weit über reine Unterhaltung hinausgehen. Der Film ist relevant, weil er nicht nur eine bekannte Erzählung neu inszeniert, sondern zugleich die Mechanismen großer Kinoästhetik im 21. Jahrhundert befragt - vom digitalen Monumentalsatz bis zur Intimität persönlicher Konflikte. In einer Zeit, in der Blockbuster sich zwischen Franchise-Logik und historischen Großformen bewegen, stellt dieser Film die Frage nach dem Verhältnis von Mythos und Gegenwart.

Für Ridley Scott, dessen Karriere von visueller Präzision und einem beständigen Interesse an Geschichte und Machtstrukturen geprägt ist, markiert Exodus eine konsequente Fortsetzung seiner Spuren in epochenübergreifenden Stoffen. Scott nähert sich hier einem Stoff, der gleichermaßen religiös, politisch und psychologisch aufgeladen ist, und verbindet seine Handschrift - Materialität, klares Kompositionsbewusstsein und ein Gespür für die Balance zwischen Nähe und monumentaler Distanz - mit dem Erfordernis moderner Effekte und großskaliger Inszenierung.

Der Film wurde 2014 veröffentlicht, in einer Phase, in der Fragen der kulturellen Repräsentation und die Politik des Erzählens im Kino eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Diese Rahmenbedingungen verleihen der Produktion zusätzliche Brisanz, denn es geht nicht mehr nur um die Darstellung eines alten Erzählkorpus, sondern auch um die Art und Weise, wie nationale und religiöse Narrative heute filmisch verhandelt werden. In diesem Spannungsfeld positioniert sich Exodus als Versuch, eine antike Erzählung auf die Bildsprache der Gegenwart zu übersetzen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Ridley Scott, dessen Handschrift sich in der Kombination aus atmosphärischer Dichte und einer Vorliebe für physische Sets und Textur wiederfindet. Die Produktion, getragen von Scott Free in Kooperation mit großen Studiopartnern, operierte mit einem hohen Budget und setzte massiv auf visuelle Effekte zur Konstruktion einer historischen Welt - Wüstenlandschaften, antike Städte und spektakuläre Naturphänomene bilden den Rahmen für das dramatische Geschehen.

Gedreht wurde an wechselnden Schauplätzen, wobei pragmatische Entscheidungen zu einer Mischung aus realen Locations und digital erweiterten Umgebungen führten. Die Arbeit des Films steht in der Schnittmenge von altem Hollywood-Monumental-Kino und gegenwärtiger Blockbustertechnik - eine Produktion, die traditionelle Mittel wie Konstruktionsaufwand und Kostümbild mit der digitalen Kraft heutiger Effekte verbindet. Im Gesamtwerk Scotts nimmt Exodus die Rolle eines späten Eintauchens in antike Stoffe ein - neben Filmen wie Gladiator und Kingdom of Heaven bildet er einen Strang, in dem Herrschaft, Ritual und Glaubensfragen wiederkehrende Motive sind.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung führt Christian Bale als zentrale Figur an. Bale, bekannt für seine Wandlungsfähigkeit und sein intensives Spiel in Rollen, die oft innere Zerrissenheit und moralische Komplexität erfordern, verkörpert hier den Protagonisten, dessen Verhältnis zu Führung und Transzendenz den Film trägt. Joel Edgerton tritt als machtvolle Gegenfigur auf, ein Herrscher, dessen Autorität und verletzliche Ambivalenz die politischen Dimensionen der Erzählung spiegeln.

Aaron Paul, verankert in der Erinnerung an seine Arbeit in Serien- und Independent-Kontexten, übernimmt eine wichtige Nebenrolle als Gefolgsmann und Gefährte - eine Figur, die Loyalität und pragmatische Handlungsfähigkeit ins Spiel bringt. Sigourney Weaver bringt ihre Präsenz in der Rolle einer matriarchalen Figur ein, während Ben Kingsley als weiser Vertrauter eine symbolische Stimme des Gewissens und der Tradition liefert. John Turturro, Emun Elliott, Indira Varma, María Valverde und Golshifteh Farahani runden das Ensemble ab und repräsentieren politische, familiäre und intime Verflechtungen, die die große Erzählung personalisieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne Details vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass Exodus eine uralte Konfrontation zwischen einem religiösen Anspruch und weltlicher Macht ins Zentrum stellt. Der dramatische Konflikt ergibt sich aus der Begegnung zweier Figuren, die auf unterschiedlichen Achsen von Legitimität operieren - der eine als Verkörperung einer prophetischen Berufung, der andere als Inhaber weltlicher Herrschaft. Diese Konfrontation wird auf politischer, persönlicher und symbolischer Ebene ausgetragen und bestimmt Ton und Rhythmus des Films.

Die zentralen Figuren sind geprägt von inneren Widersprüchen: Fragen von Verantwortung, Schuld und Befreiung sorgen für die dramaturgische Spannung. Der Film entfaltet seine Atmosphäre durch einen Wechsel von großem Maßstab und intimen Momenten - monumentale Landschaften und massenhafte Ereignisse stehen neben stillen, kontemplativen Einstellungen, in denen Entscheidungen und Zweifel sichtbar werden. Der Ton bleibt dabei schwerpunktmäßig ernst und feierlich, ohne ausschließlich in liturgische Verklärung zu verfallen.

Zentrale Themen und Motive

Exodus stellt grundlegende Fragen nach Autorität, Freiheit und der Rolle des Glaubens in politischen Prozessen. Der Film thematisiert, wie persönliche Berufung und staatliche Macht sich überschneiden und widersprechen können - ein Thema mit offensichtlichen politischen und ethischen Implikationen. Dabei rückt die Frage in den Vordergrund, inwieweit historische Narrative zur Legitimierung von Herrschaft dienen und wie Rituale und Zeichen zur Formung kollektiver Identitäten beitragen.

Auf der formalen Ebene interessiert der Film die Grenzen zwischen naturalistischer Darstellung und bildlicher Rekonstruktion des Wunderbaren. Motive wie Licht und Dunkelheit, Wüste und Stadt, Nahaufnahme und Totale strukturieren die Bildsprache und reflektieren die Gegensätze von innerer Einsicht und äußerer Macht. Darüber hinaus wirft die Produktion Fragen zur Repräsentation auf - wer erzählt Geschichte und in welcher Ästhetik wird sie vermittelt. Diese Reflexionen machen Exodus nicht nur zu einem historischen Spektakel, sondern zu einem Film, der über seine Bilder auch zeitgenössische Diskurse berührt.

Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Man kann über die Bibel denken, was man mag: Haarsträubende Sammlung von Fantastereien oder prophetisches Buch für alle Lebenslagen? Doch eines steht fest: Sie liefert eine Fülle an wirklich spannenden Geschichten. Und scheinbar kommen diese wieder in Mode, denn nach Darren Aronofsky hat sich nun auch Ridley Scott an dieser „Romanvorlagen“ bedient, um einer der bedeutendsten Figuren des christlichen und jüdischen Glaubens zu neuer Leinwandpräsenz zu verhelfen.

Für all die, die im Religionsunterricht nicht zugehört oder diesen nicht besucht haben, noch einmal eine kleine Einführung in die erstaunliche Lebensgeschichte des biblischen Propheten: Moses (Christian Bale) wird als Kleinkind in einem Weidenkörbchen im Nil ausgesetzt, um dem organisierten Kindsmord an hebräischen Neugeborenen zu entgehen. Unter falscher Identität wächst er ausgerechnet im Haus des Pharaos (John Turturro) auf, wird dessen Ziehsohn und engster Vertrauter des Thronfolgers Ramses (Joel Edgerton). Doch seine Bestimmung, das Volk der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien, holt Moses langsam aber sicher ein. Vom ägyptischen Prinzen wird er – über einige Zwischenschritte – zum Anführer eines unterdrückten Volkes im Kampf um Freiheit.

Bei der Drehbuchadaption des biblischen Textes haben sich die Autoren viele Freiheiten genommen. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen, schließlich musste hier auch eine Erzählung epischen Ausmaßes auf spielfilmtaugliche 150 Minuten eingedampft werden (und ja, in Anbetracht der komplexen Geschichte ist dies durchaus als „eindampfen“ zu bezeichnen). Allein die Auswahl der Elemente aus dem Originaltext gegenüber den offensichtlichen Ellipsen will nicht so ganz einleuchten. Vermutlich um ein zeitgenössisches Blockbusterpublikum am gewohnten Platz abzuholen, räumt Ridley Scott Schlachtsequenzen gegenüber biblischen Schlüsselmomenten Priorität ein. Auf göttliche Wunder wie die Rauchsäule oder das Manna in der Wüste verzichtet er vollständig, andere Meilensteine der biblischen Menschheitsgeschichte werden stiefmütterlich in wenigen Filmminuten abgehandelt, um dem x. Abschlachten der hebräischen Sklaven noch ein bisschen mehr Screentime einzuräumen.

„Exodus – Götter und Könige“ hat ein veritables Problem mit seinem Ursprungstext. Als würde sich der Film für seine Vorlage schämen, nutzt er sie im Grunde nur als Füllstoff für ein Abenteuerkonzept epischen Ausmaßes, ohne sich ihrer Besonderheiten und Stärken zu bedienen. Statt wie Darren Aronofsky’s „Noah“ das Wunder der biblischen Geschichten für ein Fantasykonzept zu nutzen, erliegt Ridley Scott der Versuchung, das Unglaubliche durch pseudowissenschaftliche Erklärungen glaubhaft zu machen und beraubt es damit seiner Seele. Moses teilt nicht das Meer, das Meer teilt sich auf Grund eines Tsunamis ganz von allein und selbst für die zehn Landplagen werden Erklärungen gefunden, die die göttliche Instanz der Geschichte im Grunde obsolet machen. Zum einen fehlt hier die Konsequenz, denn es gelingt dem Film schließlich doch nicht, jeden göttlichen Racheakt mit menschlicher Logik zu erklären. Zum anderen bleibt unklar, weshalb in einem Bibelepos unbedingt auf das Element des Wunders verzichtet werden muss. Steckt hier etwa die Angst dahinter, ein säkulares Kinopublikum zu verschrecken? Ist „Exodus – Götter und Könige“ mit wirtschaftlichem Kalkül als Crowd-Pleaser konzipiert? Welche Gründe auch immer dahinter stecken mögen, sie rauben dem Film seine Durchschlagkraft. Auf der einen Seite begeistert Ridley Scott mit wahrhaft epischen Bildkompositionen, die nicht nur durch die 3D-Technik, sondern auch die gelungene und fließende Kombination aus Setbauten, Ausstattung und Computeranimation überzeugen. In dieser Hinsicht hat „Exodus – Götter und Könige“ den Titel „Epos“ mehr als verdient. Doch fehlt Scott der Mut, den Bibel-Epos auch als solchen zu inszenieren, dem Wunder ebenso Raum zu geben wie der Heiligung der Hauptfigur und der Präsenz einer übernatürlichen Instanz. Nicht Fisch, nicht Fleisch pendelt „Exodus – Götter und Könige“ somit zwischen den Stühlen, ist ein bisschen Abenteuer-, ein bisschen Action-, ein bisschen Sandalen – und ein bisschen Bibelfilm. Aber eben alles nur ein bisschen.

Vielleicht hätte ein besseres Skript dieses in Ambivalenz befangene Konzept retten können, beispielsweise durch das Ausarbeiten der auffällig marginalisierten Frauenfiguren. Durchgehend durch ihre Männer definiert, haben die weiblichen Charaktere zur Geschichte kaum etwas beigetragen. Selbst Sigourney Weaver als Ramses’ Mutter Tuya ist nicht mehr als eine größtenteils stumme Hintergrunddekoration. Wie auch Ben Kingsley als jüdischer Priester Nun funktioniert Weavers Darstellung dabei vornehmlich über die mit ihrer realen Person verknüpften Rollenklischees, nicht aber über eine Charakterzeichnung auf Seiten des Drehbuchs. Das nämlich beschränkt sich darauf, Christian Bale eine Bühne für Darstellungen von schmerzhafter Entbehrung und Verzweiflung zu geben, die jedoch an diesem Projekt seiner Karriere niemanden mehr wirklich vom Hocker reißen: Das haben wir ja alles schon gesehen.

Auch die Dramaturgie der Erzählung funktioniert nur begrenzt. „Exodus – Götter und Könige“ scheitert an der Herausforderung, dem Publikum eine altbekannte Geschichte neu zu erzählen. Die neugierige Erwartungshaltung, wie denn einzelne Plagen und Wunder wohl inszeniert sein mögen, kann glücklicher Weise über weite Strecken die dünne und einfallslose Handlung ausgleichen. So gestaltet sich Ridley Scotts Bibelepos trotz aller Schwächen erstaunlich kurzweilig. Die Stärken des Werks liegen dennoch eindeutig auf der visuellen Ebene, die insbesondere mit den eindrucksvollen 3D-Bilderwelten der ägyptischen Großstädte zu Beginn des Films die Faszination „großen Kinos“ erzeugen kann. Zu Klassikern wie „Die zehn Gebote“ kann „Exodus –Götter und Könige“ trotzdem bei Weitem nicht aufschließen.

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