Drachenzähmen leicht gemacht 2 als Reifeprüfung der populären Fantasie zwischen Identität und Gemeinschaft
Einleitung
Mit Drachenzähmen leicht gemacht 2 tritt ein Animationsblockbuster an, der mehr sein will als bloße Fortsetzung: Er präsentiert sich als erzählerische Erweiterung eines Kinderfilms, der zur Marke gereift ist und zugleich die Ambitionen seines Schöpfers sichtbar macht. Die Relevanz des Films liegt weniger in spektakulärer Neuheit als in der Konsequenz, mit der er thematische Fragen einer populären Fantasyreihe vertieft - Fragen nach Führung, Zugehörigkeit und dem Preis von Sicherheit.
Im Kontext der frühen 2010er Jahre, einer Zeit, in der große Animationsstudios ihre Franchises professionalisierten und genretypische Stoffe mit ernsthafteren Tönen versahen, steht Drachenzähmen leicht gemacht 2 für einen kulturellen Trend: die Verschiebung von reiner Unterhaltung hin zu narrativen Ebenen, die auch Erwachsene adressieren, ohne die kindliche Perspektive preiszugeben. Der Film agiert daher als Produkt einer Industrie, die kommerziellen Anspruch und erzählerische Tiefe zunehmend miteinander verknüpft.
In ästhetischer Hinsicht übernimmt die Fortsetzung die Bildästhetik und die emotionale Wärme des Vorgängers, erweitert diese jedoch in ihrer räumlichen Weite und in der Inszenierung von Konflikt. Als weiterer Teil des gleichnamigen Universums fordert der Film das Publikum heraus, Erwartungen an Animationskinematographien neu zu justieren - nicht durch radikale Stilbrüche, sondern durch eine beharrliche Arbeit an Figurenkonflikten und Weltmodellen.
Kurzüberblick zur Produktion
Drachenzähmen leicht gemacht 2 entstand bei DreamWorks Animation und wurde am 24. Juli 2014 veröffentlicht. Regie führte Dean DeBlois, der in der Produktion der Reihe eine prägende Rolle einnimmt. Das Projekt wurde mit einem hohen Produktionsaufwand realisiert - das Budget wird auf etwa 145 Millionen US-Dollar geschätzt - und profitierte von modernen CGI- und 3D-Techniken, die die Bildräume spürbar erweitern.
Die Handschrift des Regisseurs zeigt sich in der Balance zwischen epischer Anlage und intimer Figurenarbeit. DeBlois, der bereits am ersten Film beteiligt war und hier größtenteils die Regieführung übernahm, verschiebt den Fokus weg vom rein komischen Abenteuer hin zu einer inhaltlich dichteren, durchdachten Fortsetzung. Die Produktionsumstände - ein großes Studio mit dem Druck kommerziellen Erfolgs, zugleich aber mit den Mitteln zu aufwändiger visueller Ausführung - prägen den Film in Form und Ambition: er ist gleichermaßen Imagepflege für eine Marke und künstlerisches Statement innerhalb eines populären Genres.
Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert der Film eine Etappe der Professionalisierung einer erzählerischen Stimme, die sich für das Medium Animation stark macht und Grenzen zwischen Kinder- und Erwachsenenerzählung auslotet. DeBlois nutzt die Fortsetzung nicht nur zur Ausweitung der Welt, sondern auch zur Vertiefung moralischer und existenzieller Dilemmata, was den Film in eine jüngere Tradition ernsthafterer Animationsfilme einordnet.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Die Stimme von Jay Baruchel prägt die zentrale Figur des Hiccup und bleibt der emotionale Anker der Erzählung. Baruchels zurückhaltender, leicht neurotischer Tonfall ermöglicht eine Identifikation, die weniger auf Heldentum als auf innerer Unsicherheit basiert. Gerard Butler, als Stoick, liefert die resonante Stimme der Autorität - eine Figur, die in ihrer physischen Präsenz durch eine sonore, archaische Energie funktioniert.
America Ferrera, als Astrid, verkörpert die pragmatische, entschlossene Gegenkraft zu Hiccups Zweifeln; ihre stimmliche Präsenz liefert der Beziehungsebene Gewicht und Komplexität. Jonah Hill, Kristen Wiig, Christopher Mintz-Plasse, T.J. Miller und Craig Ferguson bilden ein Ensemble, das die komische Textur und die Gemeinschaftsatmosphäre des Films trägt. Kit Harington stößt als neuer, rauer Charakter hinzu und bringt mit seiner Stimme eine andere Tonalität in die Konstellation - eine Ergänzung, die der Dramaturgie neue Spannungen verschafft.
In der stimmlichen Leistung liegt die Kunst der Figurenzeichnung: Die Schauspieler arbeiten weniger mit physischer Mimik als mit Nuancen von Timbre, Pausen und Betonung, um Identitäten zu skizzieren. In der Summe entsteht so ein vokales Ensemble, das die Animationen psychologisch plausibel macht und die größeren Themen des Films unmittelbar vermittelt.
Handlung (spoilerfrei!)
Der Film setzt die Geschichte um einen jungen Anführer an einem Punkt fort, an dem Entscheidungen über Gemeinschaft, Verantwortung und Freiheit anstehen. Im Zentrum steht ein coming-of-age-Konflikt: der Protagonist ringt mit den Erwartungen seiner Umgebung und mit den Folgen seiner eigenen Entscheidungen. Parallel dazu eskaliert eine äußere Bedrohung, die die fragile Koexistenz zwischen Menschen und Drachen auf die Probe stellt und neue Bündnisse notwendig macht.
Die Narration bewegt sich auf zwei Ebenen: auf der persönlichen, intimen Ebene der Beziehungen und Selbstfindung, sowie auf einer kollektiven Ebene, die Fragen nach Macht und Sicherheit behandelt. Die Tonalität bleibt meist hoffnungsvoll, trägt aber dunklere Untertöne, wenn es um das Thema Kontrolle über die Natur und die Legitimität von Gewalt geht. Atmosphärisch vermittelt der Film Weite - nicht nur räumlich im Bild, sondern auch ideell, indem er die Grenzen des bisherigen Lebensraums thematisiert und Erweiterungen erprobt.
Zentrale Themen und Motive
Drachenzähmen leicht gemacht 2 fragt vor allem nach dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Wer übernimmt Führung, und auf welcher Grundlage wird Vertrauen gewährt? Die Figur des jungen Anführers steht für die Schwierigkeit, sowohl für sich selbst als auch für andere Verantwortung zu übernehmen. Daneben wird die Spannung zwischen Kontrolle und Freiheit als zentrales Motiv variiert: Drachen stehen hier in einem doppelten Sinn für das Ungezähmte - als natürliche Kraft und als Bild für unerwartete Bindungen.
Philosophisch eröffnet der Film die Frage nach dem richtigen Umgang mit Andersheit: Lässt sich Harmonie durch Herrschaft herstellen, oder entsteht sie nur durch Anerkennung und Kooperation? Gesellschaftspolitisch liest sich der Plot als Parabel auf Militarisierung und Expansion versus Inklusion und Pflege von Lebensräumen. Psychologisch ist die Auseinandersetzung mit Identität und Loyalität bedeutsam - Figuren müssen Prioritäten setzen, die persönliches Glück und kollektive Sicherheit in Spannung bringen.
Motivisch arbeitet der Film mit Bildern von Flug und Blick. Fliegen wird zum Symbol der Freiheit und der Verantwortung zugleich - es ist der Akt, der Individuen verbindet, aber auch Distanz schafft und Risiko bedeutet. Visuell und narrativ verbindet sich so das konkrete Kunststück der Animationsinszenierung mit einer Metapher für menschliche Entwicklung: Fortschritt, so deutet der Film an, ist stets ambivalent und verlangt bewusste ethische Entscheidungen.
Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger
Frieden statt Feindschaft – das ist das Ende von „Drachenzähmen leicht gemacht“ und auch der Anfang des zweiten Teils. Nachdem Hicks sein Wikingervolk von der freundlichen und liebenswerten Natur der geflügelten Feuerspucker überzeugt hat, leben Menschen und Drachen nun in Gemeinschaft. Sogar eine neue Sportart, die ein wenig an Harry Potters Quidditch erinnert, haben die Wikinger mit Hilfe ihrer Gefährten entwickelt. Und während sein Dorf, Berk, einen der beliebten Wettkämpfe austrägt, fliegt Hicks mit Ohnezahn durch die Lüfte und entdeckt die Welt.
Die ersten Minuten von „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ sind von positiver Energie, Freude und Leichtigkeit durchdrungen. Erst erlebt der Zuschauer das rasante Sportereignis und die Euphorie der Zuschauer, dann beflügelt ihn Hicks Freiheitsgefühl auf dem Rücken Ohnezahns zu inneren Höhenflügen. Ganz ohne drohendes Unheil wird das Publikum somit auf positivem Wege mitten in den Film hineingesogen. Neben der detailverliebten Gestaltung des Wikingerdorfes ist es vor allem die Mannigfaltigkeit der Drachen, die hier begeistert: Keiner scheint dem anderen zu gleichen und man kann sich gar nicht satt sehen an Farben, Formen und Verhaltensweisen. Denn die geflügelten Wesen sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie besitzen auch einzigartige Charaktermerkmale, die manchmal menschliche, manchmal tierische Züge annehmen. Ohnezahn beispielsweise erinnert mit seinen grünen, schmalen Augen schon rein optisch an eine Katze, während seine Neigung, Hicks das Gesicht abzuschlecken, uns eher an einen Hund denken lässt. Auch die Interaktion der Drachen untereinander spiegelt Verhaltenszüge aus dem uns bekannten Tierreich wider. Dabei findet das Team von DreamWorks ein erstaunlich wirkungsvolles Gleichgewicht zwischen realistisch bekannten und dem fiktiven Elementen. Man könnte auch sagen, den Witz, den Ohnezahn und die anderen Fantasiewesen versprühen, haben sich die Macher aus aus den beliebtesten Tiervideos bei YouTube abgeguckt.
Und so kommt es tatsächlich vor, dass die verspielte Interaktion der Drachen im Hintergrund von der Haupthandlung im Vordergrund ablenkt. Sie sind schlicht und ergreifend die interessanteren Wesen in dieser Inszenierung! Doch „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ erzählt (leider) nicht Ohnezahns Geschichte, sondern die von Hicks. Der nämlich soll bald die Führungsrolle seines Vaters übernehmen, fühlt sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Als der bösartige Drachenbändiger Drago zum Krieg gegen Berk aufrüstet, beschließt der friedliebende Hicks dem Bösewicht ins Gewissen zu reden. Doch mit seinem Aufbruch zum Feindeslager löst er eine Kette unheilvoller Ereignisse aus, die schließlich all jene gefährden, die er liebt.
Mit fortschreitender Handlung macht die verspielte, lebensbejahende Atmosphäre des Anfangs einem actionlastigen Konzept Platz, das sich ganz wie die Vorbilder aus zeitgenössischen Spielfilmen nicht auf ein einziges Gefecht beschränken möchte. Dabei sind die Actionsequenzen nicht halb so interessant wie die friedliche Interaktion von Mensch und Drache und wirken trotz gelungener Animationen letztlich ermüdend. Zudem entsteht ein Widerspruch, da Hicks und sein Volk für Frieden stehen, während nicht nur Bösewicht Drago, sondern im Grunde auch der Film selbst auf Aggression setzen. „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ bedient sich der „Gut gegen Böse“-Dramaturgie und hinsichtlich des Spannungsaufbaus auch durchaus mit Erfolg. Nichtdestotrotz vernachlässigt der Film im martialischen dritten Akt eben jene Elemente, die zuvor als seine Stärken hervortraten.
Neben der Haupthandlung, die Bedrohung Berks durch Drago, erzählt „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ auch eine Familiengeschichte. Hicks steckt inmitten einer postpubertären Identitätskrise, die er auf den Verlust seiner Mutter Valka zurückführt und umso größer ist die Freude, als er eben jene auf dem Weg zu Drago wiedertrifft. Es ist erstaunlich, wie emotional diese Familienzusammenführung geraten ist, bedenkt man, dass hier keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern computergenerierte Figuren die Gefühle auf die Leinwand bannen. Es ist diese Emotionalität, diese Zärtlichkeit, die „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ von anderen Animationsfilmen abhebt. Leider fällt diese Beziehungsebene der Figuren im dritten Akt einem Actionspektakel zum Opfer, so dass sogar höchstdramatische Ereignisse schließlich kaum mehr berühren können. Der Film beraubt sich seines eigenen Potentials. Darüber hinaus vernachlässigt er die beeindruckende Figur der Valka schändlichst. Während die Männer im Krieg gegen Drago zur Höchstform auflaufen, verschwindet die taffe Drachenflüsterin vollkommen von der Bildfläche.
Aber auch wenn die insgesamt eher einfallslosen Actionsequenzen am Ende den Charme des Films ein wenig beschneiden, besitzt er doch die Fähigkeit, große und kleine Zuschauer zu verzaubern. Ein klassischer Kinderfilm wie aus dem Hause Disney ist „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ jedoch nicht. Die Wikinger sind ein durchaus derbes Volk und der hierin wurzelnde Humor dürfte sich vor allem einem erwachsenen Publikum erschließen. Drago und seine mordlüsternen Drachen wiederum könnten den Jüngsten unter den Zuschauern nachhaltig Angst einjagen. Immerhin sind die Gefechtsszenen durchaus rasant und - auch wenn nicht ein Tropfen Blut spritzt – ziemlich brutal. Die leicht verständliche, linear strukturierte Handlung wiederum ist eindeutig auf ein Kinderpublikum ausgerichtet.
„Drachenzähmen leicht gemacht 2“ ist zwar kein heile Welt Film, der sein Publikum in Watte packt, aber doch so voller herzerfrischender Kreativität und Fröhlichkeit, dass er seine Zuschauer nicht nur unterhalten kann, sondern ihnen auch einen ordentlichen Schwung Lebensfreude mit auf den Weg gibt.

