Da muss Mann durch - eine komödiantische Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern des frühen 21. Jahrhunderts
Einleitung
Mit dem Kinostart am 29.01.2015 betritt Da muss Mann durch das Feld der deutsch-spanischen Komödienproduktion als ein Film, der auf den ersten Blick das vertraute Terrain von Beziehungs- und Alltagskomödie beackert, zugleich aber Fragen nach Geschlechterrollen und Identität in die Mitte seiner Gags rückt. In einer Zeit, in der das Genre zunehmend reflexiv die eigenen Konventionen thematisiert, positioniert sich der Film als ein Beispiel dafür, wie populäres Kino gesellschaftliche Spannungen spiegeln kann, ohne Anspruch auf radikale Formexperimente zu erheben.
Die Relevanz des Films liegt weniger in filmhistorischer Innovation als in seiner Spiegelung eines spezifischen Zeitgeists: das Ringen um neue Männerbilder in urbanen Milieus, die Balance zwischen beruflichem Druck und privaten Erwartungen sowie die ökonomie der romantischen Komödie, die sich in den 2010er Jahren verstärkt mit Rollenklischees auseinandersetzt. In dieser Hinsicht ist der Film als Dokument einer ästhetischen und sozialen Debatte lesbar.
Obwohl die Regieperson nicht prominent als Avantgardistin oder Provokateur ausgewiesen wird, zeigt der Film eine handwerklich sichere Inszenierung, die auf Ensemblearbeit, situationelle Komik und ein wohl temperiertes Tempo setzt. Damit reiht er sich in eine Tradition des zeitgenössischen deutschsprachigen Boulevardkinos ein, das Popularität und thematische Resonanz miteinander zu verbinden sucht.
Kurzüberblick zur Produktion
Da muss Mann durch entstand als deutsch-spanische Koproduktion und nutzt die Produktionsbedingungen des europäischen Kommerzkinos der Mitte der 2010er Jahre: solide Finanzierung, Zielgruppenorientierung und eine Besetzung, die nationale Bekanntheit mit kommerzieller Zugkraft verbindet. Die Auswahl von Drehorten in Spanien, die im Film als Gegenwelt zum Alltag fungieren, verweist auf einen pragmatischen Umgang mit äußeren Produktionsfaktoren - Sonne, Tourismusästhetik und die vermeintliche Möglichkeit des Neubeginns werden hier filmisch als Kulisse genutzt.
Regisseurische Handschrift zeigt sich weniger in experimentalem Stil, als in einer präzisen, dramaturgisch stringenten Führung des Ensembles. Die Kameraarbeit bleibt funktional, das Editing betont comic relief und Timing, der Schnitt artikuliert Rhythmus und Pointe. Solche Merkmale sind charakteristisch für Filme, die auf breite Publikumsansprache und wiedererkennbare Figuren setzen, und geben dem Film eine klare Einordnung in das Genre des kommerziellen deutschen Lustspiels.
Innerhalb des Gesamtwerks der beteiligten Filmemacher steht Da muss Mann durch beispielhaft für eine Phase, in der das deutsche Kino vermehrt Genreschnittmengen aus Romantik, Komödie und Sozialkommentar sucht. Für Produzenten und Sender ist der Film ein Produkt, das Unterhaltung mit gesellschaftlich anschlussfähigen Themen verbindet.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Die Besetzung des Films kombiniert etablierte Namen mit jüngeren Gesichtern und bildet so ein Ensemble, das sowohl Seriosität als auch Leichtigkeit transportiert. Wotan Wilke Möhring bringt die raue Glaubwürdigkeit eines Darstellers mit, der in deutschen Kino- und Fernsehproduktionen seit Jahren Rollen mit physischer Präsenz und ambivalenter Männlichkeit verkörpert. Seine Präsenz verleiht dem Protagonistendimensionen von Verlässlichkeit und innerer Zerrissenheit.
Julia Jentsch, international beachtet seit ihrem Durchbruch als Titelheldin in Sophie Scholl - Die letzten Tage, fungiert hier als intellektuelle Komplizin und emotionaler Gegenpol. Ihre Fähigkeit, innere Komplexität in einer zugänglichen Spielweise zu bündeln, schafft für die Figur eine glaubhafte Mischung aus Ernsthaftigkeit und Komik.
Daniela Ziegler und Jan Josef Liefers repräsentieren erfahrene Kräfte, die auch in Nebenrollen tiefere Nuancen anbieten und dem Ensemble Stabilität verleihen. Stephan Luca und Oliver Korittke bringen komödiantische Präzision, während Sophia Thomalla mit ihrer Medienpräsenz bewusst mit Erwartungshaltungen spielt. Edita Malovcic, Fahri Ogün Yard?m und Michaela Wiebusch vervollständigen das Bild einer heterogenen Schauspielfamilie, die dem Film erlaubt, verschiedene gesellschaftliche Perspektiven zu verankern.
Handlung (spoilerfrei!)
Da muss Mann durch folgt den Verwicklungen eines männlichen Protagonisten in ihrem sozialen Nahfeld - Partnerschaft, Freundeskreis und Beruf rücken in Konflikt mit persönlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Erwartungen. Die Erzählstruktur fußt auf typischen Komödienelementen: Missverständnisse, Rollentausch und pointierte Konfrontationen, die eine Entwicklung in Gang setzen.
Der dramatische Konflikt liegt in der Kollision zwischen tradierten Männlichkeitsvorstellungen und den Anforderungen eines modernen Lebensentwurfs. Die Figuren tasten sich an neue Verhaltensweisen heran, scheitern und finden überraschende Wege der Verständigung. Als Kulisse dient abwechselnd der heimische Alltag und eine sonnigere, distanzierende Umgebung, die das Motiv von Flucht und Rückkehr thematisiert.
Ton und Atmosphäre pendeln zwischen heiteren Sequenzen und Momenten leichter Melancholie. Die Komödie bleibt zugänglich, ohne in oberflächliche Klischees zu verfallen, und erzeugt durch musikalische Einsätze und ein der Situation angepasstes Tempo eine leichte, oft ironische Distanz zur dargestellten Lebenswelt.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum von Da muss Mann durch steht die Frage nach dem, was es heute bedeutet, ein Mann zu sein. Der Film stellt normative Vorstellungen von Stärke, Fürsorge und Autonomie neben die Realität von Unsicherheiten, Selbstzweifeln und dem Bedürfnis nach Nähe. Auf gesellschaftlicher Ebene adressiert er die neuverhandelte Arbeitsteilung, die Rolle der Vaterschaft und die ökonomischen Zwänge, die private Beziehungen formen.
Philosophisch gelesen, verhandelt der Film Identität als performatives Konstrukt: Die Figuren probieren soziale Masken an und legen sie wieder ab, dabei offenbaren sich sowohl Fixierungen als auch Potenziale zur Veränderung. Psychologisch geht es um Lernprozesse - wie Fehler und Komik als Mechanismen des Selbstverständnisses fungieren und wie Empathie als Brücke dient.
Das Motiv der Reise nach Spanien fungiert dabei nicht nur als klassischer Kulissentausch, sondern als symbolische Distanzierung vom Alltag. Hier zeigen sich im Kontrast von Ort und Erwartung die Möglichkeiten eines Neuanfangs, gleichwohl bleibt der Film bewusst pragmatisch: Wandel wird nicht als radikale Metamorphose inszeniert, sondern als sukzessive, oft komisch vermittelte Arbeit an sich selbst.
Filmkritik von Peter Osteried
Paul ist wieder da und total verliebt – das muss ein Mann eben durch
Dass man einem Erfolg ein Sequel folgen lässt, gehört zum guten Ton, und das nicht nur beim Film, sondern auch beim geschriebenen Wort. So hat Hans Rath nach Mann tut, was Mann kann also Da muss Mann durch nachgeschoben. Das Drehbuch ist auch gleich von ihm. Herausgekommen ist eine sommerliche Romcom nach striktem Regelwerk. Das hat man alles halt schon dutzendfach gesehen, nun eben vor der Kulisse Mallorcas.
Paul (Wotan Wilke Möhring) lernt Lena (Julia Jentsch), die Tochter seines Bosses kennen und lieben. Acht Wochen später sind beide ein Paar und Lena bringt ihn mit zur Familie nach Mallorca. Die Mutter ist wenig begeistert, war Lena zuvor doch mit dem englischen Aristokraten Patrick zusammen. Aber sie bietet Paul dennoch die Möglichkeit, zum Vorstand des Verlags aufzusteigen, wobei dieser die Gelegenheit nutzt, für seinen Kumpel Guido (Jan Josef LIefers) zu trommeln – denn eine Doppelspitze macht ja mehr Sinn. Aber egal, schon bald hat Paul ganz andere Probleme, denn Lena ist schwanger, aber Patrick ist der Vater. Der sieht seine Chance gekommen, die Verflossene zurückzuerobern.
Wie das vonstattengeht, kann sich jeder ausrechnen, der die immer gleichen Romcoms der letzten Jahrzehnte gesehen hat. Natürlich gibt es Irrungen, natürlich glaubt Paul, dass seine Geliebte sich doch mehr für Patrick interessiert, und natürlich sieht Lena ihn mit einer anderen Frau, als sie doch nach ihm sucht. All das gehört zu den Standards des Genres, darüber kann man die Nase rümpfen, aber letzten Endes ist es natürlich schon so: Die Klischees funktionieren, so dass man diesem Film im Grunde nur eines vorwerfen kann: Dass er an absoluter Einfallslosigkeit leidet, diese aber routiniert umsetzt.
Was Da muss Mann durch dann doch halbwegs unterhaltsam macht, ist weniger die altbekannte Geschichte. Vielmehr sind es die kleineren Momente, die hier vergnüglich sind. Besonders gilt dies für Jan Josef Liefers, der als Frauenaufreißer Guido ein paar der amüsantesten Szenen abbekommen hat. Generell gilt, dass das Wotan Wilke Möhring umgebende Ensemble gut ist. Der Film gewinnt, weil die Freundschaft der vier Männer – dazu gehören auch Fahri Yardim und Oliver Korritke – nicht nur glaubhaft dargestellt, sondern auch spürbar ist.
Dass das Happyend nie in Gefahr steht, versteht sich von selbst. Allem Ärger und allen Intrigen des schleimigen Patrick, der nicht mal den Hauch eines englischen Akzents hat, zum Trotz gewinnt natürlich die große Liebe. Das ist alles sehr einfach gestrickt, ohne Haken und Ösen, ein Feel-Good-Movie für kalte Wintertage, an denen man sich zumindest an der sonnigen Pracht Mallorcas erfreuen darf. Man wird aber durchwegs das Gefühl nicht los, dass alle Beteiligten an diesem Film mehr Spaß am Wetter – und den drehfreien Tagen – als an dem Film selbst hatten...

