Schauspieler/in

Rudolf Blümner

* 19.08.1873 - Breslau
† 03.09.1945 Berlin

Über Rudolf Blümner

Rudolf Blümner

Rudolf Blümner (* 19. August 1873 in Breslau; † 3. September 1945 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Rezitator, Lyriker und Essayist.

Leben

Blümner wuchs in Zürich auf, wo sein Vater Professor für Klassische Philologie war, und studierte von 1892 bis 1896 Jura. Aus dem juristischen Staatsdienst ließ er sich 1899 entlassen und widmete sich fortan der Schauspielerei. Von 1906 bis 1912 gehörte er dem Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin an, für das er zuvor als Sprachlehrer tätig gewesen war.

Als Filmschauspieler agierte er u.a. in den Stummfilmen „Die Rache des Blutes“ (1914), „Der Golem“ (1915) und „Sylvester“ (1924). Zu den Tonfilmen, an denen er mitwirkte, zählen Klassiker wie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) und „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931).

Bereits seit 1903 war Blümner mit Herwarth Walden befreundet. In den 1910er Jahren trat er im expressionistischen „Sturm“-Kreis häufig als Rezitator auf. Für Waldens Literaturzeitschrift „Der Sturm“ verfasste er von 1920 bis 1932 über 60 Glossen, Rezensionen, polemische Essays und theoretische Schriften.

Für lyrische Texte, wie er sie auch selbst schrieb, forderte Blümner, dass Sprachmelodie und -rhythmus den Inhalt dominieren sollten. Andererseits sah er die Lyrik – analog zur abstrakten Malerei – als formstrenge und geschlossene Kunst an, was ihn von der verspielten und sinnoffenen Klangkunst des Dada unterscheidet.

Am 28. März 1934 eröffnete er in den Ausstellungsräumen der ehemaligen Galerie Flechtheim am Lützowufer 13 in Berlin gemeinsam mit den prominenten Futuristen Filippo Tommaso Marinetti und Ruggero Vasari (1898-1968) als kulturelle Vertreter des faschistischen Italiens die Ausstellung „Italienische futuristische Luft- und Flugmalerei“, die im Zuge des sogenannten Expressionismusstreits Gegenstand heftiger Flügelkämpfe innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparates war. Zu ihren Schirmherren zählte Joseph Goebbels als Präsident der Reichskulturkammer. In einem Aufsatz schrieb Blümner, der auch den Katalog zur Ausstellung herausgegeben hatte: „Die Idee des Futurismus und also der gesamten ihm so nah verwandten radikalen Kunst Europas war in völliger Übereinstimmung mit der Idee des Faschismus“.

Wenig später erhielt Blümner wegen der jüdischen Abstammung seiner Ehefrau Schreib- und Aufführungsverbot. Um die materielle Not des Ehepaares zu lindern, stellte sein Mitstreiter aus Zeiten des Sturm William Wauer seine Frau als Sekretärin ein. Ab 1938 hatte er wieder einige Nebenrollen in Historien- und Heimatfilmen, wie z.B. „Die Entlassung“ von Wolfgang Liebeneiner oder „Der Erbförster“ von Alois Johannes Lippl. 1944 erblindete er. Seinen Tod im folgenden Jahr soll Entkräftung infolge des Hungers herbeigeführt haben.

Werke

  • Ango Laina und andere Texte. Hg. von Karl Riha und Marcel Beyer. edition text + kritik, München 1993, ISBN 3-88377-444-8.

Literatur

  • Frank Raepke: Artikel „Blümner, Rudolf“. in: Walther Killy: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 2. Gütersloh (Bertelsmann) 1989, S. 25.

Einzelnachweise

  1. [Demetz (Literaturwissenschaftler): Worte der Freiheit. Der italienische Futurismus und die deutsche literarische Avantgarde (1912 - 1934), mit einer ausführlichen Dokumentation. Piper, München/Zürich 1990, 3-492-11186-6
  2. Joachim Dyck: Gottfried Benn. Einführung in Leben und Werk, . Walter de Gruyter, Berlin 2009, 978-3-11-019639-9
  3. Rudolf Blümner: Italienische futuristische Luft- und Flugmalerei, vom 28. März bis 27. April 1934, Berlin W 35, Lützowufer 13. Bajanz und Studer, Berlin 1934,
  4. Thomas Anz: Gespenster. Wie der Futurismus vom Faschismus verstoßen wurde: Peter Demetz' Dokumentation, . , 1991,
  5. Thomas Anz: Benns Bekenntnis zur expressionistischen Moderne und zum Nationalsozialismus, . Wallstein, Göttingen 2007, 978-3-8353-0151-1
  6. : Ango Laïna und andere Texte, . , ,

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Rudolf Blümner hat mitgespielt in

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FSK 16
Regie: Max W. Kimmich
Germanin - Die Geschichte einer kolonialen Tat Userwertung:

Produktionsjahr: 1943
Schauspieler/innen: Luis Trenker, Lotte Koch, Peter Petersen, Albert Lippert, Valy Arnheim, Hans Bergmann, Rudolf Blümner, Louis Brody, Walter Brückner, Carl Günther, Hellmuth Helsig, Erich Kestin, Joe Münch-Harris, Gerda von der Osten, Ernst Stimmel, Henry Stuart, Herbert Weißbach
FSK 12
Regie: G. W. Pabst
Paracelsus Userwertung:

Produktionsjahr: 1943
Schauspieler/innen: Werner Krauß, Mathias Wieman, Harald Kreutzberg, Annelies Reinhold, Martin Urtel, Fritz Rasp, Herbert Hübner, Harry Langewisch, Karl Skraup, Rudolf Blümner, Franz Schafheitlin, Josef Sieber, Franz Stein, Arthur Wiesner, Viktor Janson, Erich Dunskus, Hilde Sessak
Die Entlassung

Regie: Wolfgang Liebeneiner
Die Entlassung Userwertung:

Produktionsjahr: 1942
Schauspieler/innen: Emil Jannings, Margarete Schön, Christian Kayßler, Theodor Loos, Karl Ludwig Diehl, Werner Hinz, Werner Krauß, Otto Graf, Paul Hoffmann, Paul Bildt, Walther Süssenguth, Franz Schafheitlin, Herbert Hübner, Rudolf Blümner, Fritz Kampers, Werner Pledath, Heinrich Schroth
FSK 12
Regie: Fritz Lang
M Userwertung:

Produktionsjahr: 1931
Schauspieler/innen: Peter Lorre, Inge Landgut, Ellen Widmann, Gustaf Gründgens, Friedrich Gnaß, Fritz Odemar, Paul Kemp, Theo Lingen, Ernst Stahl-Nachbaur, Franz Stein, Otto Wernicke, Theodor Loos, Georg John, Rudolf Blümner, Karl Platen, Gerhard Bienert, Rosa Valetti

Regie: Heinrich Galeen, Paul Wegener
Der Golem Userwertung:

Produktionsjahr: 1915
Schauspieler/innen: Lyda Salmonova, Carl Ebert, Rudolf Blümner, Jakob Tiedtke

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