Schauspieler/in

Jill Clayburgh

* 30.04.1944 - New York City, New York, Vereinigte Staaten
† 05.11.2010 Lakeville, Connecticut, Vereinigte Staaten

Über Jill Clayburgh

Jill Clayburgh

Jill Clayburgh (* 30. April 1944 in New York City, New York; † 5. November 2010 in Lakeville, Connecticut) war eine US-amerikanische Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin.

Leben

Jill Clayburgh wurde 1944 als Tochter von Albert Henry Clayburgh und dessen Frau Julia (Geburtsname: Door) geboren. Beide Elternteile waren assimilierte Juden. Ihr Vater war ein reicher Industrieller und Sohn der Opernsängerin Alma Clayburgh. Ihre Mutter hatte als Sekretärin für den Theaterproduzenten David Merrick gearbeitet.[1]

Clayburgh wuchs mit einem jüngeren Bruder und einem älteren Stiefbruder in Manhattan auf, wo sie die Town School und die renommierte Privatschule Brearly School besuchte. Anschließend studierte sie am Sarah Lawrence College Philosophie, Religion und Literatur. Auf Anregung einer Mitschülerin besuchte Clayburgh in dieser Zeit das Williamstown Theater Festival in Massachusetts, wo sie einen kleinen Part in einer Inszenierung von George Bernard Shaws Man and Superman erhielt. Sie schloss das College 1966 mit dem Bachelor of Arts ab.

Nachdem Clayburgh auf dem College mit dem jungen Robert De Niro in Brian De Palmas Independent-Produktion The Wedding Party (1969 veröffentlicht) auch erste Filmerfahrungen gemacht hatte, nahm sie Schauspielunterricht bei Uta Hagen und wurde Mitglied des Charles Playhouse in Boston. Dort arbeitete sie mit dem damals noch unbekannten Al Pacino zusammen, dessen Lebensgefährtin sie wurde,[2] und kehrte mit ihm nach New York zurück.[1] Clayburgh debütierte dort 1968 am Broadway in dem wenig erfolgreichen Stück The Sudden & Accidental Re-Education of Horse Johnson an der Seite von Jack Klugman. Erfolgreicher waren ihre Hauptrollen in dem Musical The Rothschilds (1970) und Bob Fosses Komödie Pippin (1972), die zusammen fast 2.500 Mal am Broadway aufgeführt wurden.

Parallel zu ihrer Theaterkarriere nahm Clayburgh mit Beginn der 70er Jahre regelmäßig Engagements im amerikanischen Fernsehen und Film wahr. Größere Bekanntheit erlangte sie durch die Hauptrolle einer tapferen, misshandelten Prostituierten in Joseph Sargents Fernsehfilm Unterm Strich (1975), wofür sie eine Emmy-Nominierung erhielt. Ein Jahr später war sie als Carole Lombard in Sidney J. Furies Filmbiografie Sag ja zur Liebe (1976) zu sehen, in dem James Brolin Clark Gable verkörperte. In der Folge porträtierte Clayburgh im Zeitalter der Emanzipation ähnlich erfolgreich wie Ellen Burstyn, Carrie Snodgress oder Marsha Mason[3] wiederholt die moderne Frau im Kampf um Anerkennung ihrer Werte in der Männerwelt.[4] „Eines der Dinge, das ich an Filmen mag, ist das Abenteuer. Ich mag es, an verschiedene Orte zu gehen und ich mag es jeden Tag verschiedene Szenen zu drehen.“'', so Clayburgh.[2]

Den internationalen Durchbruch als Filmschauspielerin feierte Clayburgh 1978 mit Paul Mazurskys Eine entheiratete Frau. In dem Drama war sie als begüterte New Yorker Ehefrau und Mutter zu sehen, die durch eine plötzliche Scheidung ihre gesamte Existenz in Frage stellt. Der Part der Erica brachte Clayburgh großes Lob seitens der Kritik sowie den Darstellerpreis der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und Nominierungen für den Oscar und Golden Globe Award ein. Ähnlich erfolgreich war die hochgewachsene blonde Schauspielerin mit Alan J. Pakulas Komödie Auf ein Neues (1979), in der sie in die Rolle einer Kindergärtnerin schlüpfte, die nach schlechten Erfahrungen mit Männern nur zögerlich eine Beziehung mit Burt Reynolds eingeht. Diese Leistung brachte ihr erneut Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe ein.

Nach Bernardo Bertoluccis Drama La Luna (1979), in dem sie eine mit ihrem rauschgiftsüchtigen Sohn in inzestuöser Liebe verbundene Opernsängerin spielte, und Ronald Neames Komödie Ein Montag im Oktober (1981) mit Walter Matthau gelang es Clayburgh nicht mehr, an den früheren Filmerfolg anzuknüpfen. Auf Kritik stieß 1983 Costa-Gavras’ Politdrama Hanna K, in dem sie die Titelrolle spielte – eine amerikanisch-israelische Anwältin, die sich für einen Palästinenser einsetzt. Nachdem pro-israelische Gruppen den Film als „anti-israelisch“ bezeichnet hatten, zog sich Clayburgh vorübergehend ins Privatleben zurück.[2] Erst drei Jahre später kehrte sie mit dem Melodram Grenzenloses Leid einer Mutter (1986) auf die Kinoleinwand zurück. Ab den 90er Jahren trat sie öfter im US-amerikanischen Fernsehen in Erscheinung, darunter als Mutter von Serienheldin Ally McBeal (1999-2001) sowie als unglückliche Patientin in der Serie Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis (2005), wofür sie eine Emmy-Nominierung erhielt.

Jill Clayburgh war seit 1979 mit dem Theater- und Filmautor David Rabe verheiratet, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter sowie einen Stiefsohn hatte. Ihre Tochter Lily Rabe (* 1982) wurde ebenfalls Schauspielerin. Clayburgh starb am 5. November 2010 im Alter von 66 Jahren an einer chronischen Form von Leukämie, mit der sie 21 Jahre lang gelebt hatte.[3]

Theaterstücke (Auswahl)

  • 1968: The Sudden & Accidental Re-Education of Horse Johnson (Belasco Theatre, New York; Rolle: Dolly)
  • 1969: Calling in Crazy (Fortune Theatre, New York)
  • 1970: The Nest (Mercury Theatre, New York; Rolle: Aimee)
  • 1970: The Rothschilds (Lunt-Fontanne Theatre, New York; Rolle: Hannah Cohen)
  • 1971: Othello (Mark Taper Forum, Los Angeles; Rolle: Desdemona)
  • 1972: Pippin (Imperial Theatre, New York; Rolle: Catherine)
  • 1974: Jumpers (Billy Rose Theatre, New York; Rolle: Dotty)
  • 1984: Design For Living (Circle in the Square Theatre, New York; Rolle: Gilda)
  • 2002: The Exonerated (Theatres at 45 Bleecker/Bleecker Steet Theatre, New York; Rolle: Sunny Jacobs)
  • 2005: A Naked Girl on the Appian Way (American Airlines Theatre, New York; Rolle: Bess Lapin)
  • 2006: Barefoot in the Park (Cort Theatre, New York; Rolle: Mrs. Banks)
  • 2006: The Busy World is Hushed (Playwrights Horizons, New York; Rolle: Hannah)
  • 2006: The Clean House (Mitzi E. Newhouse Theater, New York; Rolle: Virginia)

Filmografie (Auswahl)

  • 1969: The Wedding Party
  • 1972: Portnoys Beschwerden (Portnoy’s Complaint)
  • 1973: Webster ist nicht zu fassen (The Thief Who Came to Dinner)
  • 1974: Der Killer im Kopf (The Terminal Man)
  • 1975: Unterm Strich (Hustling)
  • 1976: Sag ja zur Liebe (Gable and Lombard)
  • 1976: Liebe ohne Hoffnung (Griffin and Phoenix: A Love Story)
  • 1976: Trans-Amerika-Express (Silver Streak)
  • 1977: Zwei ausgebuffte Profis (Semi-Tough)
  • 1978: Eine entheiratete Frau (An Unmarried Woman)
  • 1979: Auf ein Neues (Starting Over)
  • 1979: La Luna
  • 1980: It’s My Turn - Ich nenn'es Liebe (It’s My Turn)
  • 1981: Ein Montag im Oktober (First Monday in October)
  • 1982: Die Jagd nach dem Leben (Im Dancing as Fast as I Can)''
  • 1983: Hanna K.
  • 1986: Duell mit dem Schicksal (Miles to Go...)
  • 1986: Grenzenloses Leid einer Mutter (Where Are the Children?)
  • 1987: Shy People – Bedrohliches Schweigen (Shy People)
  • 1989: Fearstalk – Der Todesstachel (Fearstalk)
  • 1990: Ausstieg ins Paradies (Oltre l’oceano)
  • 1990: Abgründe des Lebens (Unspeakable Acts)
  • 1991: Reason for Living: The Jill Ireland Story
  • 1992: Bitterer Triumph (The Price of Passion)
  • 1992: Stimmen im Dunkel (Whispers in the Dark)
  • 1992: Rich in Love
  • 1992: Das Gesetz der Mafia (Le grand pardon II)
  • 1993: Feuersturm über Kalifornien (Firestorm: 72 Hours in Oakland)
  • 1994: Du sollst Vater und Mutter ehren – Doppelmord in Beverly Hills (Honor Thy Father and Mother: The True Story of the Menendez Murders)
  • 1994: Magersüchtig – Schrei nach Liebe (For the Love of Nancy)
  • 1995: Entführt! – Die furchtbare Wahrheit (The Face on the Milk Carton)
  • 1997: Der lange Weg der Leidenschaft (Going All the Way)
  • 1997: Fools Rush In – Herz über Kopf (Fools Rush In)
  • 1997: Mutterliebe – Eine Frau kämpft um ihr Kind (When Innocence Is Lost)
  • 1997: Out of Control – Gefährliche Begierde (Out of Control)
  • 1997: Deine Schönheit ist dein Verderben (Crowned and Dangerous)
  • 1999–2001: Ally McBeal (Fernsehserie; vier Folgen)
  • 2003: Phenomenon II – Ein wunderbares Genie (Phenomenon II)
  • 2004: Practice – Die Anwälte (Fernsehserie; drei Folgen)
  • 2004: Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis (Fernsehserie; zwei Folgen)
  • 2006: Krass (Running with Scissors)
  • 2007: Dirty Sexy Money (Fernsehserie)
  • 2010: Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive (Love & Other Drugs)
  • 2011: Brautalarm (Bridesmaids)

Auszeichnungen

  • 1975: Emmy-Nominierung als beste Hauptdarstellerin in einem Spezialprogramm (Drama/Komödie) für Unterm Strich
  • 1978: Beste Darstellerin auf den 31. Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Eine entheiratete Frau
  • 1979: BAFTA-Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Eine entheiratete Frau
  • 1979: Golden Apple Award
  • 1979: Golden-Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin (Drama) für Eine entheiratete Frau
  • 1979: Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Eine entheiratete Frau
  • 1980: Golden-Globe-Nominierungen als beste Hauptdarstellerin (Drama) für La Luna und als beste Hauptdarstellerin (Komödie/Musical) für Auf ein Neues
  • 1980: Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Auf ein Neues
  • 1982: Golden-Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin (Komödie/Musical) für Ein Montag im Oktober
  • 2005: Emmy-Nominierung als beste Gastdarstellerin in einer Fernsehserie (Drama) für Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis

Einzelnachweise

  1. vgl. Jill Clayburgh. In: Polner, Murray: American Jewish biographies. New York : Lakeville Press, 1982 (aufgerufen via WBIS Online)
  2. vgl. Bergan, Ronald: Obituary: Jill Clayburgh. In: The Guardian, 8. November 2010, S. 34
  3. vgl. Fox, Margalit: Jill Clayburgh Dies at 66; Starred in Feminist Roles bei nytimes.com, 6. November 2010 (aufgerufen am 6. November 2010)
  4. vgl. Jill Clayburgh. In: Internationales Biographisches Archiv 08/2004 vom 9. Februar 2004 (hy), ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 03/2007 (aufgerufen via Munzinger Online)

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Jill Clayburgh hat mitgespielt in

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Brautalarm
Komödie FSK 12
Regie: Paul Feig
Brautalarm Userwertung:

Produktionsjahr: 2011
Schauspieler/innen: Kristen Wiig, Maya Rudolph, Rose Byrne, Melissa McCarthy, Wendi McLendon-Covey, Ellie Kemper, Chris O’Dowd, Jill Clayburgh, Jon Hamm, Matt Lucas, Rebel Wilson, Michael Hitchcock, Andy Buckley, Terry Crews, Richard Riehle
Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive
Komödie FSK 12
Regie: Edward Zwick
Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive Userwertung:

Produktionsjahr: 2010
Schauspieler/innen: Jake Gyllenhaal, Anne Hathaway, Oliver Platt, Hank Azaria, Josh Gad, Gabriel Macht, Judy Greer, George Segal, Jill Clayburgh, Kate Jennings Grant
Krass
Drama FSK 12
Regie: Ryan Murphy
Krass Userwertung:

Produktionsjahr: 2006
Schauspieler/innen: Annette Bening, Brian Cox, Joseph Fiennes, Evan Rachel Wood, Alec Baldwin, Joseph Cross, Jill Clayburgh, Gwyneth Paltrow, Gabrielle Union, Patrick Wilson, Kristin Chenoweth, Dagmara Domińczyk, Colleen Camp

Regie: Ken Olin
Phenomenon II – Ein wunderbares Genie Userwertung:

Produktionsjahr: 2003
Schauspieler/innen: Christopher Shyer, Gina Tognoni, Claudette Mink, Jill Clayburgh, Peter Coyote, Alejandro Abellan, Carmen Aguirre, James Ashcroft
Fools Rush In – Herz über Kopf
Liebesfilm FSK 6
Regie: Andy Tennant
Fools Rush In – Herz über Kopf Userwertung:

Produktionsjahr: 1997
Schauspieler/innen: Matthew Perry, Salma Hayek, Jon Tenney, Carlos Gómez, Tomás Milián, Siobhan Fallon, John Bennett Perry, Stanley DeSantis, Suzanne Snyder, Anne Betancourt, Jill Clayburgh, Leslie Silva, Shelley Morrison
FSK 16
Regie: Andrei Kontschalowski
Shy People – Bedrohliches Schweigen Userwertung:

Produktionsjahr: 1987
Schauspieler/innen: Jill Clayburgh, Barbara Hershey, Martha Plimpton, Mare Winningham, Merritt Butrick, Don Swayze, Pruitt Taylor Vince, Edward Bunker, Jack McGee

Regie: Jack Hofsiss
Die Jagd nach dem Leben Userwertung:

Produktionsjahr: 1982
Schauspieler/innen: Jill Clayburgh, Nicol Williamson, Dianne Wiest, Joe Pesci, Geraldine Page, James Sutorius, Ellen Greene, Cordis Heard, Richard Masur, Joseph Maher, John Lithgow, Ebbe Roe Smith, Thomas Hill, Daniel Stern
Auf ein Neues
FSK 12
Regie: Alan J. Pakula
Auf ein Neues Userwertung:

Produktionsjahr: 1979
Schauspieler/innen: Burt Reynolds, Jill Clayburgh, Candice Bergen, Charles Durning, Frances Sternhagen, Austin Pendleton, Jay O. Sanders, Mary Kay Place
La Luna
FSK 16
Regie: Bernardo Bertolucci
La Luna Userwertung:

Produktionsjahr: 1979
Schauspieler/innen: Jill Clayburgh, Matthew Barry, Veronica Lazar, Tomás Milián, Alida Valli, Renato Salvatori, Fred Gwynne, Franco Citti, Roberto Benigni

Regie: Paul Mazursky
Eine entheiratete Frau Userwertung:

Produktionsjahr: 1978
Schauspieler/innen: Jill Clayburgh, Alan Bates, Michael Murphy, Cliff Gorman, Patricia Quinn, Kelly Bishop, Lisa Lucas, Linda Miller, Andrew Duncan, Daniel Seltzer
Trans-Amerika-Express
Actionfilm FSK 12
Regie: Arthur Hiller
Trans-Amerika-Express Userwertung:

Produktionsjahr: 1976
Schauspieler/innen: Gene Wilder, Jill Clayburgh, Richard Pryor, Lucille Benson, Patrick McGoohan, Ned Beatty, Richard Kiel, Ray Walston, Stefan Gierasch, Scatman Crothers, Clifton James, Fred Willard

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