Regisseur/in

Tinto Brass

* 26.03.1933 - Mailand, Italien

Über Tinto Brass

Tinto Brass

Tinto Brass (bürgerlich Giovanni Brass, * 26. März 1933 in Mailand) ist ein italienischer Filmregisseur und Drehbuchautor.

Leben

Filmkarriere

Brass arbeitete und studierte Ende der 1950er-Jahre an der Cinémathèque française und wurde anschließend Regieassistent Roberto Rossellinis. Seine ersten eigenen Werke, die er auch selbst schneidet, sind deutlich von den neuen Formen des europäischen Kinos der damaligen Zeit geprägt; erkennbar der Wille zur Provokation. So feiert sein autobiografisch geprägter Erstling Chi lavora è perduto den Anarchismus, spielt Brass mit Formen und Konventionen im Italowestern Yankee und mit Mitteln des Surrealismus in L’urlo.

Brass' galt in den 1960er- und frühen 1970er Jahren als vielversprechender Experimental- und Avantgarde-Regisseur[1], und er wurde zum Teil als „Antonioni der 70er“ bezeichnet.[2]: 1968 bot ihm Paramount Pictures an, bei Uhrwerk Orange Regie zu führen, was jedoch aus terminlichen Gründen nicht zu Stande kam.[3] LUrlo lief 1970 auf der Berlinale[4], und La Vacanza'' gewann 1971 auf dem Venedig Film Festival den Preis der Filmkritiker als bester Italienischer Film.[5] 1972 war Tinto Brass Jury-Mitglied bei der Berlinale. [6]

Nach Salon Kitty (1976) und vor allem Caligula (1979) änderte sich sein Filmstil; die folgenden Filme kennzeichneten ihn mehr und mehr als Erotikfilmer[7]. Immer wiederkehrende Merkmale seiner Werke seit 1983 sind Darstellerinnen mit großen Oberweiten, ausladenden Gesäßen und üppiger Achsel- und Schambehaarung sowie Requisiten wie Spiegel. Für Brass’ Sicht der Dinge bezeichnend ist seine (nicht ganz ernst gemeinte[8]) Aussage [9], „Frauen betrügen und lügen, ihre Gesichter sind Masken. Ihre Hintern lügen jedoch nicht, am Hintern ist die Seele eines Menschen ersichtlich.“ Viele der späten Filme von Brass stehen oder standen auf Grund ihrer Nähe zur Pornografie in Deutschland auf dem Index.

Privates

Tinto Brass war von 1953-2006 mit Carla Cipriani (1930-2006) verheiratet.[10] Sie wirkte bei vielen seiner Filme hinter der Kamera mit[11], und er bezeichnete sie als seine "Muse"[12].

Filmografie (Auswahl)

  • 1964: Wer arbeitet, ist verloren (Chi lavora è perduto)
  • 1966: Yankee
  • 1967: Ich bin wie ich bin (Col cuore in gola)
  • 1968: Attraction (Nero su bianco)
  • 1970: Der Schrei (L’Urlo)
  • 1970: Dropout
  • 1971: La Vacanza
  • 1976: Salon Kitty
  • 1979: Caligula
  • 1980: Sodom 2000 (Action)
  • 1983: The Key – Der Schlüssel (La chiave); indiziert
  • 1985: Miranda; indiziert
  • 1987: Die italienische Affäre (Capriccio); indiziert
  • 1988: Snackbar Budapest (Snack Bar Budapest)
  • 1991: Paprika – Ein Leben für die Liebe (Paprika); indiziert
  • 1992: Eine unmoralische Frau – Cosi fan tutte (Così fan tutte); indiziert
  • 1994: Voyeur (L’uomo che guarda); indiziert
  • 1995: P.O. Box Tinto Brass (Fermo posta Tinto Brass); indiziert
  • 1998: Frivole Lola (Monella)
  • 2000: Playboys (Trasgredire)
  • 2002: Black Angel – Senso ’45 (Senso ’45)
  • 2003: Do It! (Fallo!)
  • 2005: Monamour

Einzelnachweise

  1. A definite new talent. Gene Moskowitz, “Few ‘Quality’ at Venice: Emphasis on Art via Austerity”. In: Variety, 11 September 1963, S. 5. Scan auf:
  2. Sally K. Brass (nicht verwandt): “Director’s Quest for Reality”. In: The Los Angeles Times, 2. September 1970, S. 13.
  3. Tinto Brass: Audiokommentar auf Cult Epics DVD von "Deadly Sweet" ("Col Cuore in Gola") DVD075
  4. Tinto Brass: Audiokommentar auf Cult Epics DVD von "The Howl" ("L'Urlo") DVD072
  5. Liste der Preise, die 1971 auf dem Festival vergeben wurden.
  6. Offizielle Website der Berlinale mit Liste der Jury-Mitglieder.
  7. Roberto Poppi: Dizionario del cinema italiano, i registi; Gremese 2003, S. 71
  8. Tinto Brass 2008 im Interview mit der Netzzeitschrift Evolver
  9. Tinto Brass im Interview auf der DVD-Ausgabe von „Miranda“, Arrow Films FCD097
  10. Kurze biographische Angaben auf IMDB
  11. Liste der Film-Credits von Carla Cipriani auf der IMDB.
  12. Nachruf auf Carla Cipriani, mit Zitaten von Tinto Brass über ihr Zusammenleben (Italienisch)

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 14. April 2013, 16:04 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Torrolone, Louis Wu, Sophia4justice, Rr2000, CoolJazz5, Wissling, ATuschinski, Osiris2000, Old Man, HS13, Si! SWamP, Xhienne, Xquenda, Uboot, Johnny Digitalis, Kazushi, Aktionsbot, Filoump, Marcorojnik, Pakeha, Stefan Kühn, RX-Guru, Fruchtcocktail, Steffen2, AN. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen Tinto Brass Regie geführt hat.

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Paprika – Ein Leben für die Liebe
FSK 18
Regie: Tinto Brass
Paprika – Ein Leben für die Liebe Userwertung:

Produktionsjahr: 1991
Schauspieler/innen: Debora Caprioglio, Stéphane Ferrara, Martine Brochard, Stéphane Bonnet, Rossana Gavinel, Renzo Rinaldi, Nina Soldano, Clara Algranti, Luciana Cirenei, John Steiner

Regie: Tinto Brass
Caligula – Aufstieg und Fall eines Tyrannen Userwertung:

Produktionsjahr: 1979
Schauspieler/innen: Malcolm McDowell, Teresa Ann Savoy, Guido Mannari, John Gielgud, Peter O’Toole, Giancarlo Badessi, Bruno Brive, Adriana Asti, Leopoldo Trieste, Paolo Bonacelli, John Steiner, Mirella D’Angelo, Helen Mirren, Richard Parets, Osiride Pevarello, Anneka di Lorenzo, Lori Wagner
FSK 16
Regie: Tinto Brass
Ich bin wie ich bin Userwertung:

Produktionsjahr: 1967
Schauspieler/innen: Jean-Louis Trintignant, Ewa Aulin, Roberto Bisacco, Charles Kohler, Monique Scoazec, Vira Silenti

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