Regisseur/in

John Boorman

* 18.01.1933 - Shepperton, Surrey, England, Vereinigtes Königreich

Über John Boorman

John Boorman

John Boorman, CBE (* 18. Januar 1933 in Shepperton, Surrey, England) ist ein britischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben

Nach dem Besuch einer katholischen Schule betätigte Boorman sich unter anderem als Inhaber einer Wäschetrocknerei und Autor für den Manchester Guardian. 1955 begann er als Cutter bei Internet Television News, führte Regie bei Southern Television und arbeitete sich zum Leiter der Sparte Dokumentarfilm von BBC Bristol hoch.[1][2]

Boormans erste Regiearbeit war die Komödie Fangt uns, wenn ihr könnt! (Catch Us If You Can) aus dem Jahr 1965 mit Dave Clark von der Popgruppe The Dave Clark Five als Hauptdarsteller. Hollywood wurde auf ihn aufmerksam, und 1967 konnte Boorman für die Produktionsfirma MGM den Thriller Point Blank mit Lee Marvin in der Hauptrolle drehen, der von Publikum und Kritik positiv aufgenommen wurde. Nach Erscheinen des Films erhielt Boorman ein Schreiben von Regisseur David Lean, in dem ihm dieser zu seinem Film gratulierte.[3]

1968 folgte ein weiterer Film für MGM, das Kriegsdrama Die Hölle sind wir, um zwei während des Zweiten Weltkrieges auf einer Pazifikinsel gestrandete feindliche Soldaten. Erneut arbeitete Boorman mit Lee Marvin und Drehbuchautor Alexander Jacobs, einem ehemaligen BBC-Kollegen, zusammen. Trotz des Erfolgs von Point Blank verfügte der Regisseur bei diesem Film über weniger künstlerische Freiheit und musste Änderungen seitens der Firmenleitung hinnehmen. Die Hölle sind wir entpuppte sich als der erste finanzielle Reinfall Boormans seiner Karriere.[4]

Zurück in England drehte Boorman die Komödie Leo der Letzte (1969) mit Marcello Mastroianni. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1970 wurde er mit dem Regiepreis ausgezeichnet, doch kommerziell enttäuschte der Film. Im Anschluss bereitete Boorman eine Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Epos Der Herr der Ringe vor, die aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Produktionsstudios United Artists, das auch Leo der Letzte produziert hatte, nicht realisiert wurde.[5] Immerhin konnte er die während der Vorbereitungen gemachten Erfahrungen später einsetzen: „Alles was ich lernte, die technischen Probleme, die ich bei der Planung zu Herr der Ringe bewältigen musste, habe ich bei Excalibur angewandt. Das war meine Entschädigung.“[6]

John Calley von Warner Brothers bot Boorman das nächste Projekt an, eine Verfilmung des Romans Deliverance (Deutsch: Flußfahrt) von James Dickey. Boorman erklärte sich bereit, als Regisseur und Produzent zu fungieren. Der Abenteuerfilm Beim Sterben ist jeder der Erste um eine von Burt Reynolds geführte Gruppe von Kanufahrern, die mit Hinterwäldlern in Konflikt kommen, wurde zu einem großen Erfolg. Trotz mehrfacher Nominierungen unter anderem für den Oscar und den British Academy Film Award ging der Film bei den Preisverleihungen aber leer aus.[7]

Calley versuchte Boorman für die Verfilmung von William Peter Blattys Roman Der Exorzist zu gewinnen, doch der Regisseur gab seinem Wunschprojekt Zardoz den Vorzug. Der Fantasyfilm Zardoz mit Sean Connery wurde 1973 mit dem vergleichsweise geringen Budget von 1 Million US-Dollar in Irland gedreht. Wie später Excalibur profitierte auch Zardoz von Boormans technischen Erfahrungen aus dem gescheiterten Herr der Ringe-Projekt.[8][9] Die Dystopie über eine sterile zukünftige Gesellschaftsform scheiterte an der Kinokasse und war bei der Kritik umstritten.

Nach dem Erfolg von Der Exorzist, William Friedkins Verfilmung von Blattys Roman, gab Warner Brothers eine Fortsetzung in Auftrag. Diesmal akzeptierte Boorman das Angebot, Regie zu führen, aber weder das mehrfach umgeschriebene Drehbuch noch die Besetzung (statt Richard Burton hatte Boorman Jon Voight für die Hauptrolle gewinnen wollen) entsprach seinen Wünschen.[10] Exorzist II – Der Ketzer fiel bei Publikum und Kritik durch.

Mit dem Fantasyfilm Excalibur konnte Boorman wieder einen künstlerischen und kommerziellen Erfolg landen. So erhielt er bei den Filmfestspielen von Cannes 1981 den Preis für den „Besten künstlerischen Beitrag“. Bei den Oscars und den British Academy Film Awards teilte Excalibur allerdings das Schicksal von Beim Sterben ist jeder der Erste – er wurde nominiert, konnte aber keinen Preis gewinnen.

Der Smaragdwald (1985) basierte auf einem Tatsachenbericht: 1972 wurde im brasilianischen Urwald der Sohn eines peruanischen Ingenieurs entführt und Jahre später von seinem Vater als vollwertiges Mitglied eines Amazonas-Stammes wiedergefunden. Boorman machte aus dem Stoff eine Abenteuergeschichte um den Konflikt zwischen der Zivilisation und unberührter Natur. Die Hauptrolle übernahm sein Sohn Charley Boorman. Auch seine Kinder Katrine, Charleys Zwillingsschwester Daisy sowie Telsche Boorman (letztere lebt nicht mehr[11]) übernahmen regelmäßig kleinere Rollen in seinen Filmen.

Sein nächster Film, Hope and Glory (1987), trug autobiografische Züge.[1] Erzählt wird die Geschichte eines neunjährigen Londoner Jungen, der im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges aufwächst und dem Schrecken des Krieges mit Abenteuerlust und Humor begegnet. Trotz zahlreicher Nominierungen ging Boorman wieder einmal leer aus. Nach der Komödie Die Zeit der bunten Vögel wandte sich Boorman mit I Dreamt I Woke Up und seinem Beitrag zu Lumiére et Compagnie dem Genre des Filmessays zu. 1995 kehrte er mit Rangoon – Im Herzen des Sturms zum Spielfilm zurück.

1998 gewann Boorman mit der Filmbiografie Der General, der authentischen Geschichte des irischen Gangsters Martin Cahill, den Preis für die beste Regie bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1998. Es folgten die John le Carré-Verfilmung Der Schneider von Panama mit Pierce Brosnan und das Apartheid-Drama In My Country. Letzterer feierte auf der Berlinale 2004 Premiere, auf der Boorman auch als Pate des Berlinale Talent Campus fungierte. Sein bislang letzter Film ist der in Deutschland nicht gestartete The Tiger’s Tail (2006).

Seit 1969 lebt Boorman in Irland.[12] 2003 veröffentlichte er eine Autobiografie mit dem Titel Adventures of a Suburban Boy (deutsch Abenteuer eines Vorstadtjungen).

Filmografie (Auswahl)

  • 1965: Fangt uns, wenn ihr könnt! (Catch Us If You Can)
  • 1967: Point Blank
  • 1968: Die Hölle sind wir (Hell in the Pacific)
  • 1970: Leo der Letzte (Leo the Last)
  • 1972: Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance)
  • 1973: Zardoz
  • 1977: Exorzist II – Der Ketzer (Exorcist II: The Heretic)
  • 1981: Excalibur
  • 1985: Der Smaragdwald (The Emerald Forest)
  • 1987: Hope and Glory
  • 1990: Die Zeit der bunten Vögel (Where the Heart Is)
  • 1995: Rangoon – Im Herzen des Sturms (Beyond Rangoon)
  • 1998: Der General (The General)
  • 2001: Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama)
  • 2004: In My Country
  • 2006: The Tiger’s Tail

Literatur

  • Rolf Giesen, John Boorman: John Boorman – Hope and Glory * Hoffnung und Ruhm. Das Portrait des Kino-Magiers. Goldmann, München 1987, ISBN 3-442-08984-0.
  • John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, (englisch).

Einzelnachweise

  1. How to turn matter into spirit, Artikel auf Telegraph.co.uk vom 25. August 2003, abgerufen am 23. Januar 2013.
  2. John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, S. 48, S. 83 ff.
  3. Brian Hoyle: The Cinema of John Boorman, Scarecrow Press, Plymouth 2012, ISBN 978-0810883956, S. 37.
  4. Brian Hoyle: The Cinema of John Boorman, Scarecrow Press, Plymouth 2012, ISBN 978-0810883956, S. 42 ff.
  5. John Boorman - A very English visionary is back , Artikel in The Independent vom 21. August 2009, abgerufen am 23. Januar 2013.
  6. „Everything I learned, the technical problems I had to resolve in planning for 'The Lord Of The Rings,' I applied to 'Excalibur.' That was my recompense.“ – Interview auf Salon.com vom 2. April 2001, abgerufen am 23. Januar 2013.
  7. John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, S. 181.
  8. Brian Hoyle: The Cinema of John Boorman. Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2012, S. 91.
  9. John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, S. 204–205 und S. 211.
  10. John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, S. 215–218.
  11. John Boorman: Adventures of a Suburban Boy. Faber & Faber, London 2003, ISBN 0-571-216951, S. 300.
  12. Eintrag zu John Boorman in „Irish Film & TV Research Online“ des Trinity College Dublin, abgerufen am 25. Januar 2013.

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 22. März 2013, 10:03 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: FA2010, Sebbot, Derschueler, Robert Kerber, Lómelinde, MAY, Hozro, Nobart, Werner Gladow, GhostBasta, Parzi, Zinnmann, Jivee Blau, Hotcha2, Winterkind, PDD, WerstenerJung, AN, Dorthonion, Roo1812, Kriddl, Ludibundus, Don Magnifico, Aktionsbot, Voyager, Louis Wu, Bärski, Bildungsbürger, Orlox, César, Sonlui, Albrecht 2, Carlo Cravallo, Robert Langdon, Ironix, J.-H. Janßen, Bagradian, Phrood, Ulysses, Aka, Harro von Wuff, Rybak, Achermann, MichaelDiederich, Sk-Bot, MFM, Tobe man, Zwobot, Kubrick. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen John Boorman Regie geführt hat.

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Der Schneider von Panama
Thriller FSK 12
Regie: John Boorman
Der Schneider von Panama Userwertung:

Produktionsjahr: 2001
Schauspieler/innen: Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Leonor Varela, Brendan Gleeson, Catherine McCormack, Mark Margolis, Martin Ferrero, Jon Polito, Dylan Baker, Jonathan Hyde, Ken Jenkins, Daniel Radcliffe
Krimi
Regie: John Boorman
Der General Userwertung:

Produktionsjahr: 1998
Schauspieler/innen: Brendan Gleeson, Adrian Dunbar, Sean McGinley, Maria Doyle Kennedy, Angeline Ball, Jon Voight
Rangoon – Im Herzen des Sturms
Polit-Thriller FSK 12
Regie: John Boorman
Rangoon – Im Herzen des Sturms Userwertung:

Produktionsjahr: 1995
Schauspieler/innen: Patricia Arquette, U Aung Ko, Frances McDormand, Spalding Gray
FSK 12
Regie: John Boorman
Die Zeit der bunten Vögel Userwertung:

Produktionsjahr: 1990
Schauspieler/innen: Dabney Coleman, Uma Thurman, Joanna Cassidy, Crispin Glover, Suzy Amis, Christopher Plummer, David Hewlett, Maury Chaykin, Dylan Walsh, Ken Pogue, Sheila Kelley
Der Smaragdwald
Actionfilm FSK 12
Regie: John Boorman
Der Smaragdwald Userwertung:

Produktionsjahr: 1985
Schauspieler/innen: Charley Boorman, Powers Boothe, Meg Foster, Estee Chandler, Dira Paes
Excalibur
Actionfilm FSK 12
Regie: John Boorman
Excalibur Userwertung:

Produktionsjahr: 1981
Schauspieler/innen: Nigel Terry, Helen Mirren, Nicholas Clay, Cherie Lunghi, Paul Geoffrey, Nicol Williamson, Robert Addie, Gabriel Byrne, Keith Buckley, Katrine Boorman, Liam Neeson, Corin Redgrave, Niall O’Brien, Patrick Stewart, Clive Swift, Ciarán Hinds, Liam O’Callaghan
FSK 16
Regie: John Boorman
Exorzist II – Der Ketzer Userwertung:

Produktionsjahr: 1977
Schauspieler/innen: Linda Blair, Richard Burton, Louise Fletcher, Max von Sydow, Kitty Winn, Paul Henreid, James Earl Jones, Ned Beatty, Belinda Beatty
Zardoz
FSK 16
Regie: John Boorman
Zardoz Userwertung:

Produktionsjahr: 1974
Schauspieler/innen: Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman, John Alderton, Niall Buggy
Abenteuer FSK 16
Regie: John Boorman
Beim Sterben ist jeder der Erste (Kino) Userwertung:

Produktionsjahr: 1972
Schauspieler/innen: Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox
Drama FSK 16
Regie: John Boorman
Die Hölle sind wir Userwertung:

Produktionsjahr: 1968
Schauspieler/innen: Lee Marvin, Toshirō Mifune
Point Blank
Thriller FSK 16
Regie: John Boorman
Point Blank Userwertung:

Produktionsjahr: 1967
Schauspieler/innen: Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O'Connor, Lloyd Bochner, Michael Strong, John Vernon, Sharon Acker, James Sikking

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