Regisseur/in

Hou Hsiao-Hsien

* 08.04.1947 - Meixian, China

Über Hou Hsiao-Hsien

Hou Hsiao-Hsien

Hou Hsiao-Hsien (; * 8. April 1947 in Meixian, China) ist ein taiwanischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmschauspieler und Filmproduzent. Weitere Namen, unter denen er bekannt ist, sind Xiao Xian Hou, Xiao-Xian Hou und Hou Hao Yin.

Er war sechsmal für die Goldene Palme nominiert. Neben einem Goldenen Löwen und zwei FIPRESCI-Preisen durfte er 2005 den Akira Kurosawa Award[1] in Empfang nehmen. Hou Hsiao-Hsien erhielt 2007 den Ehrenleoparden des Filmfestival von Locarno für sein Lebenswerk.

Leben und Werk

Gemeinsam mit Edward Yang gehört er zu den führenden Vertretern der so genannten taiwanischen Nouvelle Vague.

Er wurde in der chinesischen Provinz Guangdong geboren. 1948 wanderte seine Familie mit ihm nach Taiwan aus. Er gehört der Volksgruppe der Hakka an. Hou studierte an der National Taiwan Academy of the Arts.

Er wuchs mit Filmen aus Hollywood und Hongkong auf und lernte erst später Ozus Werk kennen.[2]

Seine ersten Filme entstammten populären Genres und entstanden noch innerhalb der kommerziellen taiwanischen Filmindustrie. Mit seinem Beitrag zu dem Episodenfilm Erzi de Dawanou wandte er sich persönlicheren Stoffen zu. Damit ging eine Suche nach einem dezidiert taiwanischen Stil einher.[2] Die folgenden Filme behandelten hauptsächlich das Landleben und waren bereits auf zahlreichen kleineren Festivals auf der ganzen Welt zu sehen. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Die Stadt der Traurigkeit, der auf dem Filmfestival Venedig im Jahr 1989 den Goldenen Löwen gewann. Dieses Werk war der erste Teil einer Trilogie, die sich mit der taiwanischen Geschichte beschäftigt (die weiteren Filme dieser Reihe sind Meister des Puppenspiels und Haonan haonu). Im weiteren Verlauf seiner Karriere setzte sich Hou vermehrt mit der urbanen Gegenwart Taiwans auseinander, in Filmen wie Nanguo Zaijan, Nanguo oder Qianxi manbo. Außerdem produzierte er in den letzten Jahren erstmals zwei Filme außerhalb Taiwans. Kōhi Jikō entstand 2003 in Japan als Tribut an den Regisseur Yasujiro Ozu. 2007 folgte die französische Produktion Le Voyage du ballon rouge'' mit Juliette Binoche in der Hauptrolle.

Häufige Kooperationspartner sind Mark Lee Ping-Bin an der Kamera, Chu Tien-Wen als Autorin und Li Tianlu als Darsteller. Als Fürsprecher hervorgetan haben sich vor allem Village Voice und die Film Society of Lincoln Center mit einer Retrospektive 1999[3]. Das Babylon in Berlin-Mitte brachte seine handlungsarmen, dabei doch elliptisch schwierigen Werke und ihn persönlich nach Deutschland, von wo er wegen der Trauerfeier für Edward Yang vorzeitig abreiste[4]. Die Cahiers du cinéma kennen ihn auch einprägsam als „HHH“.[5] Dennoch sind viele Filme im deutschsprachigen Raum derzeit nicht erhältlich, geschweige denn im Fernsehen zu sehen[6]. Eine Stadt der Traurigkeit rührte an einem Tabuthema, dem Zwischenfall vom 28. Februar, aus einem Land, wo „nationale Identität ein permanentes Fragezeichen ist“ (Kent Jones[6]).

Neben der Abkehr von der Hollywooddramaturgie oder überhaupt jeder Dramaturgie[7] werden seine Stärken insbesondere in der Mise-en-scène und der Cadrage[8] bei langen Takes erkannt. Die späten Filme buhlen nicht um das Verständnis des Zuschauers und liefern kaum Orientierung, dafür Stoff fürs Denken.[8][9][10][11]. Bei einem nach keiner Dimension eingegrenzten Objektraum, einer offenen Form[12][13] der Welt zwischen Auftritten und Abgängen und filmsprachlich leeren Zeichen wirken seine Szenen oft wie aus der Realität herausgeschnitten[14]. Mit dem durchgängig in Gelbtöne getauchten, labyrinthischen Flowers of Shanghai ohne Schnitte und Eine Stadt der Traurigkeit ohne Nahaufnahmen neigt er in seinem Œuvre selbstbeschränkend dem Minimalismus zu. Three Times fällt durch auch werkübergreifende motivische Konstruktion auf. In intimen Innenräumen und oft zu Klavierbegleitung ist in den jüngeren Filmen mehr Farbigkeit[15] auszumachen. Das Lexikon des internationalen Films spricht vom „strengen Stil“, Kent Jones vom Ästhetizismus[16], J. Hoberman von einer „Neugeburt des Kinos selbst“[17].

Doch gibt es hier ausgesprochen artifizielle [[Kamerafahrt

Fergus Daly schlug 2001 vier prosaische Formeln vor, die seine [Ästhetik] umreißen könnten:[18][19]

  1. Das historische Gedächtnis ist unpersönlich.
  2. Meine Erfahrungen gehören nicht mir.
  3. Der Kern der Aufnahme treibt immerfort aus dem Bereich.
  4. Wir sind Anhäufungen von Zeichen und Affekten, die Form vom Licht bekommen.

Kohi Jikou war … ein Bilderbogen von ausgesuchter Genauigkeit: statische Einstellungen, von extremer Nüchternheit. Das Leben, nichts anderes steht im Zentrum von Hous beiläufigem Erzählen. … ‚Im Kino schlafen, heißt, dem Film vertrauen.‘ hat mal einer treffend gesagt.

Hou Hsiao-Hsien ist ein gutes Beispiel für jemanden, der sich quasi seine eigene [Filmsprache] erfunden hat. … Im Wesentlichen hat er aufgehört, manipulativ zu sein. Er ist beobachtend geworden. Er gibt dem Publikum alle Informationen, die es benötigt, aber sehr minimal. Er hat weggenommen und weggenommen und wieder weggenommen, bis zu dem Punkt, dass gerade noch genug daran ist, die wesentlichen Punkte zu kommunizieren.

Filmografie

als Regisseur

  • 1980 – Jiushi liuliu de ta
  • 1981 – Feng er ti ta cai
  • 1983 – Zai na hepan qingcao qing
  • 1983 – [fernen Tage meiner Kindheit] (Fengkuei-lai-te jen)
  • 1983 – Erzi de Dawan'ou
  • 1984 – [Ferien] (Dongdong de jiaqi)
  • 1985 – [einer fernen Kindheit] (Tong nien wang shi)
  • 1986 – [wie Staub im Wind] (Lianlian fengchen)
  • 1987 – Niluohe nuer
  • 1989 – [Stadt der Traurigkeit] (Beiqing chengshi)
  • 1993 – [des Puppenspiels] (Ximen renshen)
  • 1995 – Haonan haonu
  • 1996 – [Zaijan, Nanguo]
  • 1998 – [of Shanghai|Hai shang hua] (Flowers of Shanghai)
  • 2001 – [manbo]
  • 2003 – Kōhi Jikō (Café Lumière)
  • 2005 – [Times] (Zui hao de shi guang)
  • 2007 – [Voyage du ballon rouge]

als Drehbuchautor

  • 1976 – Cui hu han
  • 1979 – Zao an tai bei
  • 1982 – Qiao ru cai die fei fei fei
  • 1983 – Zai na hepan qingcao qing
  • 1983 – You ma tsai zai
  • 1983 – Hsiao pi te ku shih
  • 1984 – Xiao ba ba de tian kong
  • 1984 – Große Ferien (Dongdong de jiaqi)
  • 1985 – Zhui xiang nian de ji jie
  • 1985 – Geschichten einer fernen Kindheit (Tong nien wang shi)
  • 1985 – Taipei Story (Qingmei Zhuma)
  • 1995 – Qunian dongtian
  • 2003 – Kōhi Jikō (Café Lumière)
  • 2005 – Three Times (Zui hao de shi guang)
  • 2007 – Le Voyage du ballon rouge

als Produzent

  • 1983 – Hsiao pi te ku shih
  • 1999 – Borderline

als Schauspieler

  • 1985 – Taipei Story (Qingmei Zhuma)
  • 1986 – Lao niang gou sao

Filmdokumentation

  • 1997 – HHH - Un Portrait de Hou Hsiao-Hsien (Regie: [Assayas])

Literatur

  • Rainer Rother: Lexikon des internationalen Films. Kino, Fernsehen, Video, DVD, . Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002, 3-86150-455-3
  • [Bordwell]: Figures Traced in Light, . University of California Press, Berkeley 2005, 0520241975
  • : Hou Hsiao-Hsien, . Cahiers du Cinema Livres, Paris 1999, 286642249X
  • James Udden: No Man an Island: The Cinema of Hou Hsiao-Hsien, Hongkong University Press 2009, ISBN 9622090745

Einzelnachweise

  1. 18th Tokyo International Film Festivalhttp://www.tiff-jp.net, abgerufen am: 16.10.2008
  2. Rother, S. F 17.
  3. An Unfolding Horizon: the Films of Hou Hsiao-Hsienhttp://www.filmlinc.com, abgerufen am: 16.10.2008
  4. Zeit zu leben, Zeit zu sterben[Tagesspiegel], Silvia Hallensleben, abgerufen am: 16.10.2008
  5. Reading & Writing & ArithmeticCahiers du cinéma, Emmanuel Burdeau, abgerufen am: 23.08.2008
  6. vgl. Rother, S. F 17.
  7. vgl. Ng zu „Meister des Puppenspiels“, siehe Weblinks.
  8. vgl. Rother, S. F 18.
  9. vgl. Decoding Hou: Analyzing Structural Coincidences in The PuppetmasterSenses of Cinema, Gabe Klinger, abgerufen am: 16.10.2008
  10. vgl. The Complexity of Minimalism: Hou Hsiao-hsien’s Three TimesSenses of Cinema, Dag Sødtholt, abgerufen am: 24.08.2008
  11. Kent, siehe Weblinks: „Hou may require a bit of brainwork from the viewer“.
  12. zur offenen Form vgl. James Monaco: Film verstehen, S. 188 f.
  13. vgl. City of SadnessFilm Reference, Robin Wood, abgerufen am: 18.10.2008
  14. vgl. Flight of the Red Balloon (2008)Combustible Celluloid, Jeffrey M. Anderson, abgerufen am: 18.10.2008
  15. Rother, S. F 18.
  16. siehe Weblinks.
  17. Ng, siehe Weblinks.
  18. vgl. Lee, siehe Weblinks.
  19. On Four Prosaic Formulas Which Might Summarize Hou's PoeticsSenses of Cinema, Fergus Daly, abgerufen am: 18.10.2008
  20. Wenigstens im Kino triumphiert die Moral: Erinnerungen, Eros und was vom Kino übrig bliebArtechock, Rüdiger Suchsland, abgerufen am: 18.10.2008
  21. Archibald, s. Weblinks: „Hou Hsiao-Hsien is a very good example of someone who kind of invented his own film language … Basically he stopped being manipulative. He became observational. He provided the audience with everything they needed, all the information they needed, but very minimally. He would cut back, cut back, cut back, until he thought he had the minimum necessary to communicate the essential points“.

[[Kategorie:Schauspieler]] [[Kategorie:Filmregisseur]] [Künstler] [[Kategorie:Taiwaner]] [1947] [[Kategorie:Mann]]

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 02. April 2013, 09:04 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Rii Subaru, Letdemsay, Drahreg01, Filzstift, Graphikus, Thomas Dürr, Roterraecher, Kam Solusar, Abc2005, Cepheiden, Frank C. Müller, Knoerz, Minderbinder, Sargoth, Tilla, Dreadn, USt, Spy vs. Spy, Rubinblomma, Aka, Tönjes, Asthma, Fu-Lank, Rybak, -jha-, César, Chrislb, Shikeishu, Joergens.mi, Vintagesound. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen Hou Hsiao-Hsien Regie geführt hat.

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Märchenfilm
Regie: Hou Hsiao-Hsien
Le Voyage du ballon rouge Userwertung:

Produktionsjahr: 2007
Schauspieler/innen: Juliette Binoche, Simon Iteanu, Fang Song, Hippolyte Girardot, Louise Margolin, Anna Sigalevitch, Charles-Edouard Renault
Liebesfilm FSK 12
Regie: Hou Hsiao-Hsien
Three Times Userwertung:

Produktionsjahr: 2005
Schauspieler/innen: Shu Qi
Liebesfilm FSK 12
Regie: Hou Hsiao-Hsien
Qianxi manbo Userwertung:

Produktionsjahr: 2001
Schauspieler/innen: Shu Qi, Jack Kao, Tuan Chun-hao, Chen Yi-hsuan, Jun Takeuchi, Doze Niu

Regie: Hou Hsiao-Hsien
Hai shang hua Userwertung:

Produktionsjahr: 1998
Schauspieler/innen: Tony Leung Chiu Wai

Regie: Hou Hsiao-Hsien
Eine Stadt der Traurigkeit Userwertung:

Produktionsjahr: 1989
Schauspieler/innen: Chen Sung-young, Fang Wou-yi, Nakamura Ikuyo, Jack Kao, Tony Leung Chiu Wai, Li Tianlu, Ikuyo Nakamura, Xin Shufen

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