Regisseur/in / Schauspieler/in

Hans Billian

* 15.04.1918 - Breslau
† 18.12.2007 Gräfelfing

Über Hans Billian

Hans Billian

Hans Billian (* 15. April 1918 in Breslau; † 18. Dezember 2007 in Gräfelfing; eigentlich Hans Joachim Hubert Backe[1]) war ein deutscher Schauspieler, Drehbuchautor, Filmregisseur und -produzent. Bekannt wurde er vor allem durch die pornografischen Filme, die er seit Beginn der 1970er-Jahre bis in die 1990er-Jahre drehte, darunter sein bekanntester Film Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war von 1976. Seine Pornofilme gelten als sorgfältig gemachte Höhepunkte der deutschen Pornofilmproduktion. Sein gesamtes Lebenswerk umfasst rund 35 Spielfilme, 60 verfilmte Drehbücher, 80 Kurzfilme und einige Romane.[2]

Leben

Als Jugendlicher wollte Billian Sänger werden. Im Breslauer Opernhaus sagte man ihm aber, seine Stimme sei noch nicht ganz ausgereift; er solle erst seinen Militärdienst absolvieren. Durch den ausbrechenden Zweiten Weltkrieg dauerte Billians Militärzeit neun Jahre. Nach Kriegsende wurde er zunächst Theaterschauspieler, da seine durch den Militärdienst geschädigte Stimme eine Gesangskarriere nicht mehr zuließ. Fünf Jahre arbeitete er als Schauspieler und Regie-Assistent u. a. am Hamburger Thalia Theater und in Wolfenbüttel. 1947 erhielt er eine Rolle in dem Kinofilm Arche Nora.[3]

Da die Zukunftsaussichten als Theaterschauspieler schlecht waren, bewarb sich Billian um 1950 bei verschiedenen Filmproduktionsunternehmen für die Pressestelle und ähnliche Aufgaben. Seine Bewerbung bei der Constantin Film in Frankfurt am Main war erfolgreich; von 1950 bis 1961 verantwortete er dort als Produktionschef die deutschen Produktionen. 1961 hatte er von dieser Tätigkeit, bei der er sich „vorkam wie ein Beamter“,[4] genug und beschloss, freier Autor und Regisseur zu werden.

Billian schrieb und drehte in den folgenden Jahren heitere Heimat- und Schlagerfilme wie So liebt und küßt man in Tirol (1961), Übermut im Salzkammergut (1963) oder Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut (1965). 1967/68 arbeitete er erneut für die Constantin Film, dieses Mal als Chefdramaturg, wurde aber entlassen, weil er eines seiner von Constantin abgelehnten Drehbücher dem größten Konkurrenzunternehmen Gloria angeboten hatte. In den späten 1960ern begann er, Sexfilme zu schreiben und/oder zu drehen, wie Pudelnackt in Oberbayern (1969), Die Jungfrauen von Bumshausen (1970) oder Das Mädchen mit der heißen Masche (1972, mit Sybil Danning).

Ebenfalls Ende der 1960er-Jahre machte Billians damalige Freundin ihn auf das schwedische Unternehmen Venus Film aufmerksam, das (in Schweden zu diesem Zeitpunkt bereits erlaubte) pornografische Kurzfilme herstellen wollte. Billian stellte sich in Stockholm bei den Schweden vor und drehte in der Folge elf Kurzfilme von bis zu 15 Minuten Länge für sie. Er wollte sich damit ein zweites Standbein schaffen, da seiner Ansicht nach der deutsche Filmmarkt „allmählich den Berg runter ging“[4] und immer mehr Filmunternehmen pleitegingen. In Deutschland war Pornografie noch verboten, da er aber nur in Stockholm drehte, blieb alles legal.

Nach Freigabe der Pornografie in Deutschland im Jahre 1975 begann Billian, auch in Deutschland Pornofilme zu drehen. Er drehte zunächst mehrere Kurzfilme von rund 20 bis 22 Minuten Länge, wie Sanitätsgefreiter Neumann, Venus in Seide und Die Wirtin von der Lahn. 1975 folgte der erste abendfüllende Porno-Spielfilm, der sowohl als Soft- als auch als Hardcore-Version gedreht wurde und in ersterer Im Gasthaus zum scharfen Hirschen, in letzterer Bienenstich im Liebesnest hieß. 1976 folgte der erste Teil von Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war, Billians erfolgreichster Porno, der allgemein auch als sein bester angesehen wird. Die Hauptrolle übernahm Billians damalige Freundin Patricia Rhomberg. Produzent des Films war Gunter Otto, der schon erfolgreich die Lederhosenfilme und die Filmreihe Laß jucken, Kumpel gemacht und mit dem Billian schon bei einem seiner Sexfilme zusammengearbeitet hatte. Es folgten fünf weitere Filme von Billian und Otto. Billian wollte auch eine Fortsetzung des Mutzenbacher-Films machen, die Otto aber nicht finanzieren konnte, worauf Billian die Fortsetzung Die Beichte der Josefine Mutzenbacher 1979 mit Geld der Bochumer Filmfirma Starlight selbst produzierte. Otto brachte 1980 seine eigene Fortsetzung heraus, den zweiten Teil von Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war. Beide ließen weitere Fortsetzungen folgen. Billian drehte außerdem in den Folgejahren noch weitere Pornofilme wie Kasimir der Kuckuckskleber (1977).

Billian drehte noch bis in die zweite Hälfte der 1990er-Jahre Pornovideos für das Bochumer Unternehmen Starlight (Tabu), beklagte sich aber darüber, dass die Produzenten versuchten, mit immer geringeren Budgets auszukommen, was auch die Qualität der Filme sinken lasse. Er drehte auch ein Video für VTO, zerstritt sich aber rasch mit Teresa Orlowskis damaligem Ehemann und Produzenten Hans Moser (alias Sascha Alexander). Spät im Leben trat er als Fernsehschauspieler in zwei Folgen von Aktenzeichen XY … ungelöst auf (Nr. 262 und 283).[5]

Filmografie (Auswahl)

Regie

  • 1963: Übermut im Salzkammergut
  • 1965: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut
  • 1966: Das Spukschloß im Salzkammergut
  • 1969: Pudelnackt in Oberbayern
  • 1970: Die fleißigen Bienen vom fröhlichen Bock
  • 1972: Das Mädchen mit der heißen Masche
  • 1976: Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war
  • 1977: Kasimir der Kuckuckskleber

Drehbuch

  • 1961: So liebt und küßt man in Tirol
  • 1961: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn
  • 1962: Wilde Wasser
  • 1963: Übermut im Salzkammergut
  • 1964: Die Goldsucher von Arkansas
  • 1965: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut
  • 1965: Tausend Takte Übermut
  • 1966: Das Spukschloß im Salzkammergut
  • 1972: Das Mädchen mit der heißen Masche
  • 1976: Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war

Literatur

  • Georg Seeßlen: Gespräch mit Hans Billian, Regisseur und Drehbuchautor. In: Georg Seeßlen: Der pornographische Film. Ullstein, Frankfurt/Berlin 1990, ISBN 3-550-06438-1, S. 354–360
  • Kay Weniger: Hans Billian. In: Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Erster Band. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-340-3, S. 393
  • Frank Brauner: Boogie Nights in Gräfelfing. In: Abendzeitung. Pfingsten 30. Mai/1. Juni 1998. CinemAZ, S. VII
  • Hans Billian: Der Filmemacher. 2 Bände. Verlag Andreas Zettner KG, Würzburg 1994/1995, Verlagsnummer 090034 und 090035

Einzelnachweise

  1. Zu den Lebensdaten wurde eine E-Mail ans OTRS geschickt.
  2. Brauner, Boogie Nights in Gräfelfing, s. Literatur
  3. Weniger, s. Literatur
  4. Interview in Splatting Image 25/1996, s. Weblinks
  5. Index der Schauspieler von Aktenzeichen XY

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 05. April 2013, 16:04 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Gmhofmann, Ute Erb, Si! SWamP, Filoump, Louis Wu, Paulae, Sol1, Der Festivalbesucher, Ukko, Sa-se, Pelz, Gummischnauze, Ben Nevis, Andibrunt, Eule1950, Konrad Lackerbeck, Juliana, Rosenzweig. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen Hans Billian Regie geführt hat.

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FSK 18
Regie: Hans Billian
Josefine Mutzenbacher – Wie sie wirklich war Userwertung:

Produktionsjahr: 1976
Schauspieler/innen: Patricia Rhomberg, Siggi Buchner, Sepp Gneissl, Marie-France Morel, Birgit Zamulo

Regie: Hans Billian
Das Mädchen mit der heißen Masche Userwertung:

Produktionsjahr: 1972
Schauspieler/innen: Sybil Danning, Michael Cromer, Marlene Appelt, Nino Korda, Olga Bringmann, Katja Büchele, Fernando Gómez, Ulla Kopa, Felicitas Peters, Heinz Peter Schuck
FSK 6
Regie: Rolf Olsen, Hans Billian
Das Spukschloß im Salzkammergut Userwertung:

Produktionsjahr: 1966
Schauspieler/innen: Hannelore Auer, Manfred Schnelldorfer, Udo Jürgens, Gertraud Jesserer, Ruth Stephan, Mady Rahl, Ilse Peternell, Ernst Waldbrunn, Rolf Olsen, Kurt Großkurth, Raoul Retzer, Walter Müller, Rudolf Schündler, Oskar Sima
FSK 6
Regie: Hans Billian
Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut Userwertung:

Produktionsjahr: 1965
Schauspieler/innen: Hannelore Auer, Manfred Schnelldorfer, Gus Backus, Margitta Scherr, Hubert von Meyerinck, Christiane Rücker, Maria Brockerhoff, Kurt Liederer, Hugo Lindinger, Barbara Gallauner, Hedy Bader, Constanze Frank, Gaby Hennig, Anita Kiefer, Edith Molik, Hans Billian
FSK 6
Regie: Hans Billian
Übermut im Salzkammergut Userwertung:

Produktionsjahr: 1963
Schauspieler/innen: Claus Biederstaedt, Helga Sommerfeld, Margitta Scherr, Hannelore Auer, Walter Gross, Elma Karlowa, Kurt Großkurth, Franz Muxeneder, Alfred Pongratz, Christl Höck, Carl Ehrhardt-Hardt, Thomas Alder

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