Regisseur/in

David Hamilton

* 15.04.1933 - London

Über David Hamilton

David Hamilton

David Hamilton, 2011. David Hamilton (* 15. April 1933 in London) ist ein britischer Kunstfotograf und Filmemacher.

Hamilton arbeitete zunächst in einem Architekturbüro in London, wo auch sein künstlerisches Schaffen begann. Mit 20 Jahren zog er nach Paris und arbeitete dort als Grafik-Designer. Nach kurzer Rückkehr nach Großbritannien ließ er sich dauerhaft in Frankreich nieder. Mitte der 1960er-Jahre begann Hamilton, sich nebenberuflich eine Existenz als Kunstfotograf aufzubauen. Gegen Ende der 1960er-Jahre hatte er seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt, den viele Kritiker als kitschig, pornografisch oder gar latent pädophil bezeichnen. Sein Schaffen umfasst bislang 16 Foto-Bände, fünf Filme, diverse Beiträge in Foto-Zeitschriften sowie eine Vielzahl von Ausstellungen. Im Gegensatz zu anderen Fotografen lehnte er es ab, seine Motive naturgetreu abzulichten.

Leben und Karriere

Kindheit und Jugend

David Hamilton wurde als Sohn von Louise Leat geboren. Der Vater, über den nichts weiter bekannt ist, verließ die Familie kurz nach Davids Geburt. Hamilton gibt als erste Erinnerung an, 1939 die Kriegserklärung an Deutschland am Radio gehört zu haben.[1] Schon kurz darauf nahm der Krieg Einfluss auf das Leben des zu dieser Zeit Sechsjährigen. Er wurde, wie viele Tausende andere Kinder aus britischen Großstädten, aufs Land evakuiert. Man brachte ihn im Wirtschaftshaus eines Schlosses bei dem Örtchen Fifehead Magdalen in der Grafschaft Dorset unter. Fünf Jahre später kehrte er nach London zurück, wo er noch kurz vor Kriegsende Angriffe deutscher V1-Raketen erlebte. Mit seiner Mutter lebte er fortan in Kennington.

Kurz nach Davids Rückkehr heiratete seine Mutter erneut. Hamilton schildert seinen Stiefvater als netten Mann, mit dem er jedoch nur wenig zu tun hatte.[2] Vielmehr versuchte der Teenager, seine auf dem Land gelebte Freiheit aufrechtzuerhalten, was sich in seiner Liebe zum Radsport äußerte. Sein ganzer Stolz wurde ein Rennrad, das er in einem Geschäft erworben hatte und mit dem zuvor Apo Lazarides einmal die Tour de France gefahren war. Zusammen mit Freunden trat er in den Delaune Racing Club ein und konnte so mit dem Rad immer wieder London verlassen. Häufig besuchten sie Radrennen, was Hamilton ermöglichte, seine Idole wie Fausto Coppi oder Reg Harris live zu sehen. Zu dieser Zeit lernte er seinen Freund Terry kennen, mit dem ihn eine fast lebenslange Freundschaft verband. Beide spielten in der Schule Karten, setzten das gewonnene Geld bei Buchmachern und beim Hunderennen und waren dabei recht erfolgreich. Hamilton konnte so nicht nur das teure Rad abbezahlen, sondern sich auch mit preiswerter, aber hochklassiger Kleidung ausstaffieren. Den Hang zum Luxus, den er in dieser Zeit entwickelte, schrieb er seinem Onkel William Leat, einem Juwelier, zu.

Mit 15 Jahren verließ Hamilton die Schule. Er begann eine Lehre bei dem Kaufhausausstatter Barrats, wo er zum Schreiner ausgebildet wurde. Nebenher besuchte er Kurse an der Abendschule. Er war seinen Kollegen intellektuell überlegen, trug zudem auch bei der Arbeit seine feine Kleidung und machte so offenbar Eindruck. Schnell wurde er von der Schreinerei ins Planungsbüro versetzt. Hier kam er erstmals mit Fotografie in Kontakt. Er bat einen Freund, die Fassaden von Londoner Kaufhäusern zu fotografieren. Die Fotos nutzte er als Inspirationsquelle für den Entwurf eigener Fassaden. Das festigte seine Stellung im Unternehmen weiter, und schon mit 18 Jahren verdiente Hamilton nach eigenem Bekunden recht gut.[3] Zu dieser Zeit machte er mit seinem Freund Terry auch die erste Reise per Anhalter nach Paris. Mit 20 Jahren zog er aus der elterlichen Wohnung in eine eigene Mansardenwohnung.

Erste Schritte im Modebereich

Mit seiner ersten Freundin, mit der er auch zeitweise zusammenlebte, machte er seine zweite Reise nach Paris. Die beiden Parisreisen machten einen so großen Eindruck auf den jungen Briten, dass er kurz danach in die französische Hauptstadt zog. Dort lebte er das erste Jahr sehr bescheiden. Er fand eine Anstellung, nachdem er sich mit alten Einrichtungsentwürfen bei der Firma „Siegel“ vorgestellt hatte. In der Folgezeit wechselte er häufig die Stellung; überall war er für die Zeichnungen von Geschäftseinrichtungen zuständig. Der junge Amerikaner Bill Perry, der zusammen mit einem Franzosen ein Architekturbüro betrieb, in dem Hamilton arbeitete, wurde dessen erster Mentor.

Nebenher begann Hamilton mit der Malerei. Eines seiner Bilder durfte er in einer Nachwuchsausstellung auf der Biennale ausstellen. Doch schnell merkte er, dass er für eine Karriere als Maler nicht geeignet war. So blieb er im Architekturbüro, wo er an einem Projekt für den Schah von Persien beteiligt war. Dies brachte ihm erstmals Fragen der Typografie und des Layouts nahe. Auf einer Vernissage traf er Peter Knapp, den künstlerischen Leiter der Zeitschrift „Elle“, der ihm kurz darauf (1957 oder 1958) eine Stelle als Layouter der Zeitschrift gab. Anfang 1960 fiel den Verantwortlichen vom britischen Magazin „Queen“ die Arbeit Hamiltons auf und sie warben ihn als künstlerischen Leiter für ihre Zeitschrift ab. Somit kehrte er nach London zurück. Das Magazin wurde unter seiner künstlerischen Leitung eine der Triebfedern der Swinging Sixties. Auch junge Künstler bekamen hier ihre erste Chance; so veröffentlichte Hamilton in der Zeitschrift eines der ersten Bilder des jungen David Hockney.

Da Hamilton nun wieder sehr gut verdiente, konnte er seinen luxuriösen Neigungen nachgeben. Zwar lebte er nur in einem kleinen Appartement, doch stattete er dieses zum Teil mit Designermöbeln von Mies van der Rohe („The Barcelona Chair“), Herman Miller („Barber Chair“) und anderen aus. In dieser Zeit hatte er auch Pläne, das Fotomodell Paula Noble zu heiraten. Doch dann überwarf sich Hamilton mit dem Herausgeber von Queen, Sir Jocelyn Stevens, wegen der Platzierung eines bestimmten Fotos in der Zeitschrift und verließ diese kurzentschlossen. Er ging wieder zurück nach Paris und arbeitete dort zunächst kurz bei der Werbeagentur „Havas“, bevor er künstlerischer Leiter des Kaufhauses „Printemps“ wurde. Hier war er für die Außenwerbung zuständig. Mit anderen künstlerischen Leitern von Modehäusern und Modezeitschriften prägte Hamilton den visuellen Stil der Zeit. Fotografen wie Gene Laurent und Irving Penn wurden in diesem Umfeld unter anderem auch von Hamilton gefördert, und er begann nun selbst mit der Fotografie.

Hamilton als freischaffender Künstler

Mit einer neu erworbenen einfachen Kamera machte Hamilton seine ersten Versuche. Zunächst fotografierte er Stillleben und Straßenansichten. Im Zuge seiner Arbeit bei „Printemps“ machte er dann erste Aufnahmen von Menschen. Es waren Bilder von schwedischen weiblichen Fotomodellen, die für Kaufhaus-Werbung posierten. In Montparnasse mietete er ein 40 Quadratmeter großes Studio, das zuvor Petula Clark genutzt hatte. Häufig hatte er dort prominente Gäste, darunter Omar Sharif, Charles Matton, Matti Klawine, Saul Steinberg, Sean Flynn und Celemen Hawkins. Montags veranstaltete er Tage der offenen Tür und gab „Schwarze Partys“ – das Studio war dann schwarz ausgestattet, die Gäste kamen in schwarzer Kleidung und es gab schwarzes Essen. Diese Idee hatte er dem Roman „Gegen den Strich“ von Joris-Karl Huysmans entliehen.

Zu dieser Zeit, 1962, begann er, die Umgebung von Saint-Tropez zu erkunden. Das ungezwungene Verhältnis zum eigenen Körper, etwa an Stränden, wo sich Menschen nackt sonnten, war für den Briten eine ganz neue Erfahrung, die seine Einstellung veränderte. Seine Begeisterung für die Natur und die Strände der Gegend veranlassten ihn, sich in Ramatuelle ein Haus aus dem 12. Jahrhundert zu kaufen. Hier machte er mit drei schwedischen Fotomodellen die ersten professionellen Modefotos seiner Karriere. Sein Haus wurde zu einer Art Studio, und langsam bildete sich der typische „Hamilton-Stil“ heraus.

Ruth La Ferla beschrieb Hamiltons Modefotografie und deren langfristige Wirkung Jahrzehnte später in einem Artikel der New York Times wie folgt:

: David Hamilton, the British photographer, made a name in the 1970’s with his misty depictions of young women drifting through traffic dressed in nothing but their skivvies. Those pictures sent a message, both lurid and demure, of decadence decorously drenched in lace. A similar mood has reemerged this spring, expressed through lacy lingerie flaunting itself as streetworthy style.[4]

: David Hamilton, der britische Fotograf, machte sich in den 1970ern einen Namen mit seinen nebelhaften Abbildungen junger Frauen, die sich mit nichts als ihrer Unterwäsche bekleidet durch den Verkehr schlängeln. Diese Bilder hatten eine Botschaft, sowohl gespenstisch als auch spröde, vom Niedergang, der sittsam in Spitze gehüllt ist. Eine ähnliche Stimmung ist dieses Frühjahr wieder aufgetaucht und fand ihren Ausdruck in Spitzenunterwäsche, die sich selbst als straßentauglich präsentiert.

1965 wurde er im Kaufhaus entlassen, da er sich immer weniger für die Arbeit dort interessierte und seine künstlerischen Vorstellungen immer öfter den Erfordernissen der Werbebranche entgegenliefen. Zudem galt Hamilton bei seinen Vorgesetzten und Kollegen als arrogant, ein Eindruck, den seine maßgeschneiderten Anzüge und sein um diese Zeit erworbener Aston Martin DB2 noch verstärkten.[5] Hamilton umgab sich auch gern mit Berühmtheiten und mit Personen der „Upper Class“. Es gibt Bilder, die ihn mit Esther Williams, Susannah York, Gunter Sachs, Ernst Fuchs, Rachel Hunter, Charlotte Rampling, Leni Riefenstahl, Sam Spiegel, Douglas Fairbanks, Eddie Barclay, Silvana Mangano und Pier Paolo Pasolini oder in der Umgebung der Prinzen Dado Ruspoli und Charles-Antoine de Ligne, von Mariano de Tour de Montèse und Corazón Aquino, der Gräfin Boza sowie des Sultans von Brunei und der königlichen Familie von Dänemark zeigen.

Daraufhin begann Hamilton, freiberuflich zusammen mit seinem alten Weggefährten Michel Paquet, mit dem Hamilton bereits in seiner Zeit bei Elle und in London gearbeitet hatte, als künstlerischer Direktor und Fotograf zu arbeiten. Eine bekannte Arbeit dieser Zeit war beispielsweise eine Serie von Bademodenaufnahmen in Agadir mit dem zu der Zeit sehr bekannten Modell Kira. Erste Aktfotos veröffentlichte das deutsche Magazin Twen. Es folgten Veröffentlichungen im französischen Realities und im Magazin Photo. Schnell hatte Hamilton Material für einen ersten Bildband zusammen. 1971 wurde „Dreams Of A Young Girl“ beim englischen Verlag Collins veröffentlicht. Der Band war vom Lied „Suzanne“ von Leonard Cohen inspiriert, dessen Textzeilen auch als Bildunterschriften dienten, und mit einem Text von Alain Robbe-Grillet versehen.[6] In rascher Folge folgten die Bücher „Les Demoiselles d’Hamilton“ („Hamiltons Mädchen“, 1972), „La Danse“ („Der Tanz“, 1972), „Private Collection“ (1976) und „Erinnerungen an Bilitis“ (1977). Alle Bände wurden rasch in ihren ersten Auflagen verkauft und immer wieder neu aufgelegt, wobei die Druckqualität späterer Auflagen oftmals schwächer war. Es wird geschätzt, dass die ersten zehn Bücher Hamiltons jeweils etwa 100.000 Mal verkauft wurden, was sich insgesamt auf weit über eine Million Bücher summiert.[6] Vor allem in Japan gab es große Ausstellungen. Hier wurden auch viele seiner Bilder gekauft.

Mit dem Erfolg kamen weitere Angebote. So sollte Hamilton Regisseur des Films Emmanuelle werden, was er jedoch wie viele Angebote für Werbeaufträge ablehnte. Ausnahme war die Werbearbeit für das Parfüm „Nina“ von Robert Ricci.[7] Hierfür drehte er sogar mehrere Werbespots.[8] 1976 ließ er sich schließlich doch überzeugen, einen Film zu machen, der die Stimmung seiner Bilder einfangen sollte. „Bilitis“ wurde auch dank der Arbeit von Kameramann Bernard Daillencourt und Cutter Henri Colpi, die den Jungregisseur tatkräftig unterstützten, ein Erfolg. Ende der 1980er Jahre traf er an einem Strand am Mittelmeer eine junge Frau namens Gertrude, die nicht nur sein Modell, sondern auch für einige Jahre seine Ehefrau wurde.[9] Sie arbeitete am Design einiger seiner Bildbände mit und beschrieb die Verbindung zwischen Hamilton und seinen Modellen sowie seine Arbeitsweise und äußerte sich zu der ihrer Meinung nach unberechtigten Kritik an den Arbeiten ihres Mannes. Bis Anfang der 1990er Jahre produzierte Hamilton weitere Filme und vor allem Bildbände, hatte Ausstellungen in vielen Ländern der Welt und veröffentlichte seine Bilder in Zeitschriften. Seitdem wurde es jedoch immer stiller um den Briten. Er zog sich auf sein Anwesen in Ramatuelle zurück und trat nur noch selten in die Öffentlichkeit. Seit den 1990er Jahren wurden seine Aktbilder von Kritikern immer wieder hinterfragt, was Hamilton kränkte. Doch nur selten versuchte er, sich daraufhin zu rechtfertigen, wie im Jubiläumsband „Seine besten Bilder“ (1992), zu dem er ein biografisches Essay, Betrachtungen seiner Arbeit und eine Darstellung der Motive für seine Arbeit beisteuerte.[7][10][11]

Hamilton als Künstler

Fotografie

Kennzeichnend für Hamiltons Fotografie ist die Nutzung des Weichzeichners. Für Hamilton ist seine Art des Fotografierens „gemalte Fotografie“.[12] Hamiltons Motivwahl ist breit gefächert. Er fotografiert Landschaften, vor allem Strände sowie tropische und mediterrane Ansichten, aber auch die Alpen oder Neuseeland, Stillleben, Blumen und andere Pflanzen, Stadtansichten wie die Venedigs oder von St. Tropez, Kunstwerke und auch Personen, hier vor allem Portraits. Eine besondere Vorliebe hat er für das Ballet. Viele seiner Bilder spielen in diesem Milieu. Außerdem fotografierte er aus diesem Bereich auch bekannte Künstler wie Rudolf Chametowitsch Nurejew oder Robert Denver. Oftmals stellte er in seinen Fotografien bekannte Kunstwerke der Weltgeschichte nach. So gab es von ihm Hommagen an Kunstwerke von Charles Matton, Giorgio Morandi, Edgar Degas, Caravaggio, Jean Siméon Chardin, Paul Gauguin, Balthus oder Raffael („Die drei Grazien“). Doch am bekanntesten ist Hamilton für seine Bilder von jungen, pubertierenden Mädchen, oftmals in Form von Akten, aber auch in leichter Bekleidung oder als Portraits.

Hamilton hat selbst mehrfach dargelegt, welche Mädchen er am liebsten fotografiert und welche Merkmale seine Modelle aufweisen sollten. Sie sollten groß und schlank sein, eine ebenmäßige Gesichtsform besitzen, hohe Wangenknochen, hohe Augenbrauen und möglichst eine Stupsnase haben. Außerdem sollten sie einen langen Hals, einen weiten Mund, eine hohe Stirn, weite, möglichst blaue Augen und lange Beine haben. Er bevorzugt blonde und rothaarige Mädchen, da diese seiner Meinung nach einen besonders zarten Hauttyp haben und ihre Haut und Augen durchscheinend seien.[5][6][13] Solche Typen kommen nach Hamiltons Meinung bei seiner Art der Pastellfotografie am besten zur Geltung, weshalb er fast nie dunkelhaarige Mädchen fotografierte. Diese hätten sich von der pastellfarbenen Umgebung abgehoben. Vor allem bei blonden Mädchen würde man die Behaarung, vor allem die der Augenbrauen, weniger intensiv wahrnehmen als bei anderen Haartypen. Hamilton wollte nach eigenem Bekunden die Schönheit und die Faszination der „jungen Nymphen“ in seinen Bildern einfangen, ihre Verwirrung beim „plötzlichen Einbruch der Sinnlichkeit“ in der Pubertät.[10] Zudem wählte Hamilton eher stillere, nachdenklichere Mädchen als Modelle aus, die ebenso verträumt sind, wie Hamilton es gern in seinen Bildern darstellt. Schönheit wird seiner Meinung nach nicht anhand von Charakter oder Accessoires wie Schminke bestimmt, sondern einzig durch das natürliche Aussehen.[13]

Fototouren führten ihn und seine Modelle an viele exotische Orte. Die Sommermonate verbrachte Hamilton lange Jahre in Europa, wo er vor allem in Frankreich, besonders in der Umgebung von St. Tropez und Ramatuelle, fotografierte, doch auch an der Nordsee (etwa auf Sylt), am Genfersee oder in Italien (unter anderem auf Capri) Aufnahmen machte. In den Wintermonaten reiste er mit seinen Modellen häufig in die Südsee, etwa nach Tahiti, Guam und Hawaii oder auf die Bahamas, die Malediven, nach Florida und Neuseeland. Auf Tahiti stellte er, anders als bei ihm sonst üblich, Bilder von Gauguin mit einheimischen Mädchen nach, die dunklere Haut und schwarze Haare hatten. Die meisten seiner Modelle blieben namenlos oder waren mit ihrem Vornamen in Hamiltons Büchern verzeichnet. Ein paar seiner Mädchen wurden jedoch auch individuell greifbar und bekannt. Seine erste bedeutende Muse wurde Mona Kristensen. Mit ihr lebte Hamilton einige Jahre zusammen. Sie spielte auch in Hamiltons erstem Film „Bilitis“ eine Hauptrolle. Überhaupt wurden speziell einige der Darstellerinnen aus seinen Filmen bekannt, die er zumeist aus seinen Fotomodellen rekrutierte. So machten etwa Anja Schüte oder Emmanuelle Béart erste Schritte im Filmbereich bei Hamilton, Patti D'Arbanville und Schüte auch zuvor als Fotomodelle. Weitere bekannte Mädchen Hamiltons waren Dawn Dunlap und Monica Broeke.

Seine Bilder sind frei von allem Weltschmerz, von Leid und Hässlichkeit. Sie symbolisieren Reinheit, Natürlichkeit und Harmonie. Sein Stil prägte viele andere Künstler wie den umstrittenen Fotografen Glenn Holland. Hamilton gilt heute als der Inbegriff des Weichzeichners in der Fotografie.[12]

Keines seiner Bilder hat Hamilton nach eigenen Angaben mit künstlichem Licht gemacht, das seiner Meinung nach auch in südlichen Ländern nicht benötigt wird. Außerdem verzichtete er auf Reflektoren und Filter. Seine ganze Karriere hindurch benutzte er auch nur eine einzige Filmmarke, Ektachrome 200 ASA, einen nur wenig verbreiteten Rollfilm. Er betreibt keinerlei technischen Aufwand und beschreibt sich selbst als fotografischen Amateur.[14]

Film

Hamiltons erster Film „Bilitis“ wurde in der unmittelbaren Umgebung seiner Heimat Ramatuelle gedreht. Am Drehbuch war Catherine Breillat beteiligt. Er legte mehr Wert auf die Ausstattung der Filme als auf eine ausgeklügelte Handlung. So war Ausstatter Eric Simon von besonderer Bedeutung, der den Sets ein leichtes und luxuriöses Aussehen verlieh. Von besonderer Bedeutung war für seine Filme auch die Musik. Hier war der Soundtrack seines ersten Filmes „Bilitis“, den Francis Lai komponierte, besonders erfolgreich. Die sentimentale Musik verkaufte sich 700.000 Mal.[8] Weniger zufrieden war Hamilton selbst mit seinem zweiten Film Die Geschichte der Laura M, den er zwar als ästhetisch gelungen ansah, jedoch inhaltlich für misslungen hielt.[15] Der Film wurde ein Misserfolg. Anders „Zärtliche Cousinen“ aus dem folgenden Jahr. Der Film begann Hamilton schon während der Herstellung zu langweilen, zumal hier, anders als bei Hamilton sonst üblich, der männliche Protagonist die Hauptrolle innehatte. Obwohl Hamilton den Film selbst nicht mochte, wurde er wiederum ein Erfolg.[15] Vertragliche Bindungen verlangten im Jahr 1983 einen weiteren Film. Da jedoch zu Drehbeginn nicht einmal ein Drehbuch vorlag, floppte auch „Erste Sehnsucht“ aufgrund einer schlechten Produktion. Hamiltons letzte Filmproduktion, „Ein Sommer in St. Tropez“ aus dem Jahr 1984, war ein direkt für den Videomarkt produzierter Film ohne echte Handlung. Er war den Fotografien Hamiltons am ähnlichsten.

Fotobände (Auswahl)

  • Souvenirs, Swan, Kehl 1977, ISBN 3-88230-004-3.
  • Erinnerungen an Bilitis. Fotoalbum über seinen ersten Film, Swan, Kehl 1977, ISBN 3-88230-005-1.
  • David Hamilton. Seine besten Bilder 1965–1990, Südwest, München 1992, ISBN 3-517-01353-6.
  • The Age of Innocence, Aurum Press, London 1995, ISBN 1-85410-304-0.
  • Ein Platz an der Sonne, Edition Olms, Hombrechtikon/Zürich 1996, ISBN 3-283-00360-2.
  • Holiday Snapshots, Edition Olms, Hombrechtikon/Zürich 1999, ISBN 3-283-00371-8.
  • Venezia, Edel Classics, Hamburg 2003, ISBN 3-937406-09-3.
  • Flowers, Edel Classics, Hamburg 2004 ISBN 3-937406-07-7.
  • La Danse, Edel Classics, Hamburg 2005, ISBN 3-937406-18-2.
  • David Hamilton´s private Collection, Swan, Kehl 1977, ISBN 3-88230-013-2.

Filmografie

  • „Hildegard Knef und ihre Lieder“ (1975)
  • „Bilitis“ (1977; auch Produzent)
  • „Die Geschichte der Laura M“ (Laura, les ombres de l’été; 1979; auch Autor)
  • „Zärtliche Cousinen“ (Tendres Cousines; 1980)
  • „Erste Sehnsucht“ (Premiers désirs; 1983)
  • „Ein Sommer in St. Tropez“ (Une été à Saint-Tropez; 1984; Videoproduktion; auch Autor)
  • „Bilitis II - My Love“ (1992)

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Literatur

  • Philippe Gautier, Marc Tagger: Interviews und Texte, in: David Hamilton. Seine besten Bilder, Marion von Schröder Verlag, München 1999, ISBN 3-547-73833-4.
  • Jörn Glasenapp: Die deutsche Nachkriegsfotografie: Eine Mentalitätsgeschichte in Bildern, Wilhelm Fink Verlag Paderborn 2008, S. 284–308, ISBN 978-3-7705-4617-6.

Anmerkungen

  1. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 5
  2. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 7
  3. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 9
  4. Ruth La Ferla: Front Row, in New York Times 18. März 2003
  5. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 208
  6. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 230
  7. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 242
  8. David Hamilton Online – Biografie S. 2
  9. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 315
  10. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 256
  11. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 268 und 281
  12. photoscale – „David Hamilton – vom Eros getrieben“
  13. Stuttgarter Nachrichten – „Der Mann, der Park und die Frauen“
  14. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 294
  15. Gautier/Tagger: David Hamilton. Seine besten Bilder, S. 282
  16. eine Veröffentlichung konnte bislang nicht bestätigt werden

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 15. April 2013, 10:04 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Nolispanmo, Jwh, Mittgenstein, François Besch, Schelmentraum, Gary Dee, Gödeke, Knochen, Jean-Jacques Georges, Schwäbin, Bergfalke2, Superbass, Tobias1983, Hildegund, Wvk, Der Rabe Ralf, Reineke8, Sir James, Genealogist, Hydro, S!ska, Polarlys, Wiegels, X-Weinzar, Amberg, Mike.lifeguard, Pelz, Complex, Pinktide, CTHOE, JuergenSan, Delapres, Telrúnya, Holman, Uwe Gille, Trinityfolium, Aka, RoswithaC, T.a.k., Ole62, G-Man, Nemissimo, AFBorchert, UW, GrîleGarîle, Knopfkind, Andim, Doc fabian, Greenhouse-JPBerlin, 25, Zemenespuu, Pide, Strandräuber, Matt1971, Jpp, Marcus Cyron, Chrisfrenzel, Markus Schweiß, Nhauser, Habakuk, Redf0x, Stefan Kühn, Breeze, Ilja Lorek, Annika, Southpark, Ulif, MAK, Nino3, Hafenbar, Tim Pritlove, Weede. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen David Hamilton Regie geführt hat.

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Erste Sehnsucht
FSK 16
Regie: David Hamilton
Erste Sehnsucht Userwertung:

Produktionsjahr: 1984
Schauspieler/innen: Monica Broeke, Anja Schüte, Emmanuelle Béart, Inge Maria Granzow, Patrick Bauchau, Stéphane Freiss
Ein Sommer in St. Tropez

Regie: David Hamilton
Ein Sommer in St. Tropez Userwertung:

Produktionsjahr: 1984
Zärtliche Cousinen
FSK 16
Regie: David Hamilton
Zärtliche Cousinen Userwertung:

Produktionsjahr: 1980
Schauspieler/innen: Thierry Tevini, Anja Schüte, Elisa Servier, Pierre Chantepie, Jean-Yves Chatelais, Évelyne Dandry, Laure Dechasnel, Valérie Dumas, Anne Fontaine, Jean-Louis Fortuit, Gaëlle Legrand, Macha Méril, Jean-Pierre Rambal, Jean Rougerie, Catherine Rouvel
Die Geschichte der Laura M
FSK 16
Regie: David Hamilton
Die Geschichte der Laura M Userwertung:

Produktionsjahr: 1979
Schauspieler/innen: Dawn Dunlap, Maud Adams, James Mitchell, Pierre Londiche, Thierry Redler, Maureen Kerwin, Gunilla Astrom, Katia Kofet, Louise Vincent, Bill Millie, Anja Schüte
FSK 16
Regie: David Hamilton
Bilitis Userwertung:

Produktionsjahr: 1977
Schauspieler/innen: Patti D'Arbanville, Mona Kristensen, Bernard Giraudeau, Mathieu Carrière, Gilles Kohler, Irka Bochenko, Jacqueline Fontaine, Marie-Thérèse Caumont, Camille Larivière, Catherine Leprince

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