Regisseur/in / Schauspieler/in

Christian Petzold

* 14.09.1960 - Hilden

Über Christian Petzold

Christian Petzold

Christian Petzold (* 14. September 1960 in Hilden) ist ein deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor, der der der Berliner Schule zugerechnet wird. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Leben

Aufgewachsen in Haan, machte er nach dem Abitur 1979 seinen Zivildienst („Keine Flucht nach Berlin!“)[1] im kleinen Filmclub des örtlichen CVJM („Doppelprogramme, bestehend aus einem Appetizer und einem Filmkunstwerk, alles für schwer erziehbare Jugendliche.“)[2]. Seit 1981 lebt er in Berlin, wo er zunächst ein Studium der Theaterwissenschaften und der Germanistik an der Freien Universität begann und dann 1988 bis 1994 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) studierte.

Sein Debütfilm war 1995 sein Abschlussfilm an der Filmhochschule mit dem Titel Pilotinnen. Mit seinem Film Gespenster nahm er am Wettbewerb der Berlinale 2005 teil und an der von 2007 mit seinem Film Yella. Die Drehbücher für seine Filme schreibt er selbst, in vielen Fällen zusammen mit Harun Farocki. Als damaliger Lehrer an der dffb war Farocki ein wichtiger Einfluss für Petzold.

Während diese jedoch eher mit einer neuen Hinwendung zu Realismus und politischem Kino verbunden wird, zeichnen sich Petzolds Filme spätestens seit Die innere Sicherheit durch eine Beschäftigung mit dem Zwischenbereich zwischen Leben und Tod aus. In Gespenster führt die Hauptperson das Leben eines Phantoms,[3] in Yella ist die Hauptfigur möglicherweise schon zu Beginn des Films verstorben. Diese drei Filme bilden die ursprünglich von Petzold nicht geplante sogenannte „Gespenster-Trilogie“.[4]

2008 folgte nach Toter Mann, Wolfsburg und Yella die vierte Zusammenarbeit mit Nina Hoss an dem Spielfilm Jerichow. Das Drama handelt von einem aus Afghanistan ins nordostdeutsche Flachland zurückkehrenden Soldaten, der sich auf eine Affäre mit einer verheirateten Frau einlässt. Der Film erhielt eine Einladung in den Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig 2008. Zudem wurde Petzold 2009 für den Deutschen Filmpreis als bester Regisseur nominiert.[5]

Obwohl Petzold ausschließlich als Filmregisseur bekannt wurde, ließ er es sich nicht nehmen, auf Einladung des Interimsintendanten Oliver Reese am Deutschen Theater Berlin Arthur Schnitzlers Der einsame Weg, wiederum mit Nina Hoss, zu inszenieren, das am 14. März 2009 Premiere hatte.[6]

Im August 2010 starteten die Dreharbeiten zu dem Filmprojekt Dreileben, zu dem neben Petzold auch die Regisseure Dominik Graf und Christoph Hochhäusler jeweils einen Film beisteuerten. Alle drei Filme kreisen aus unterschiedlichen Perspektiven um ein Verbrechen, das sich in einem thüringischen Ort namens Dreileben ereignete. Petzolds Beitrag Etwas Besseres als den Tod hatte mit denen der anderen Regisseure auf der Berlinale 2011 in der Sektion „Forum“ Premiere[7] und fand ein geteiltes Medienecho.[8]

2012 erhielt Petzold für seinen Spielfilm Barbara, erneut mit Nina Hoss in der Titelrolle, seine dritte Einladung für den Wettbewerb der Berlinale. Der Film spielt in der DDR im Jahr 1980 und handelt von einer Ärztin, die an ein Provinzkrankenhaus versetzt wird, nachdem sie erfolglos einen Ausreiseantrag gestellt hat.[9] Petzold wurde mit dem Silbernen Bären für die beste Regie geehrt und erhielt im selben Jahr Nominierungen für den Deutschen Filmpreis in den Kategorien Regie und Drehbuch. 2013 erhält er für „seine intellektuelle Brillanz und seinen Sinn für zupackende Geschichten“, die „ihn zum Erben Käutners machten“, den Helmut-Käutner-Preis.[10]

Filmografie

  • 1995: Pilotinnen (Fernsehfilm)
  • 1996: Cuba Libre (Fernsehfilm)
  • 1998: Die Beischlafdiebin (Fernsehfilm)
  • 2000: Die innere Sicherheit
  • 2002: Toter Mann (Fernsehfilm)
  • 2003: Wolfsburg
  • 2005: Gespenster
  • 2007: Yella
  • 2008: Jerichow
  • 2011: Dreileben – Etwas Besseres als den Tod (Fernsehfilm)
  • 2012: Barbara

Auszeichnungen

  • 1996: Filmfestival Max Ophüls Preis: Förderpreis Langfilm für Cuba Libre
  • 2001: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Die innere Sicherheit
  • 2001: Deutscher Filmpreis als bester Spielfilm für Die innere Sicherheit
  • 2002: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für Toter Mann
  • 2002: Deutscher Fernsehpreis für Toter Mann
  • 2003: Adolf-Grimme-Preis, Wettbewerb „Fiktion & Unterhaltung“ für Toter Mann
  • 2003: FIPRESCI-Preis im Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Wolfsburg
  • 2005: Adolf-Grimme-Preis mit Gold, Wettbewerb „Fiktion & Unterhaltung“ für Wolfsburg[11]
  • 2005: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Gespenster
  • 2007: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Yella
  • 2008: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Jerichow
  • 2009: Filmpreis der Stadt Hof bei den Internationalen Hofer Filmtagen
  • 2011: Deutscher Fernsehpreis zusammen mit Dominik Graf und Christoph Hochhäusler in der Kategorie „Besondere Leistung Fiktion“ für die Trilogie Dreileben
  • 2012: Silberner Bär, Preis für die beste Regie der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Barbara
  • 2012: Grimme-Preis „Spezial“ für Dreileben zusammen mit Dominik Graf und Christoph Hochhäusler
  • 2012: Deutscher Filmpreis in Silber als bester programmfüllender Spielfilm für Barbara
  • 2012: Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm für Barbara
  • 2013: Helmut-Käutner-Preis

Literatur

  • 2012: Fred Breinersdorfer, Dorothee Schön (Herausgeber) für die Deutsche Filmakademie: Barbara: Ein Drehbuch von Christian Petzold. Pro Business 2012, ISBN 978-3-86386-232-9

Einzelnachweise

  1. Interview auf der DVD Die innere Sicherheit
  2. Petzold im Interview auf der Internetpräsenz des Films Gespenster
  3. Filmzentrale.com: „Im Zwischenreich“
  4. „Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick“, Die Welt vom 13. März 2009
  5. Frankfurter Rundschau, S-Ausgabe vom 16. März 2009, Seite 21, und Der einsame Weg auf der Internetseite des Deutschen Theaters Berlin, zuletzt abgerufen am 22. März 2011
  6. Etwas Besseres als den Tod der Internetseite der Berlinale, zuletzt abgerufen am 22. März 2011
  7. Vgl. Hanna Pilarczyk: „ARD-Krimi-Mehrteiler ‚Dreileben‘. Zu viele Köche ergeben Brei“, Spiegel Online vom 15. Februar 2011, zuletzt abgerufen am 22. März 2011, oder den Pressespiegel auf Film-Zeit.de, zuletzt abgerufen am 22. März 2011
  8. „Drehstart für ‚Barbara‘ mit Nina Hoss. Neue Zusammenarbeit des ZDF mit Christian Petzold“ bei Pesseportal.de vom 16. August 2011, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2012
  9. „Christian Petzold erhält Helmut-Käutner-Preis“, Focus vom 25. November 2012, zuletzt abgerufen am 28. November 2012
  10. Adolf-Grimme-Preis: Preisträger 2005

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 12. April 2013, 18:04 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Erstsendung, Teilzeit, EddieGP, KoljaHub, Dresi, Thomas Schulte im Walde, Alice d25, Minotauros, Zarbi, Kurt Jansson, Bietl, Sebbot, Si! SWamP, Deutsches Filminstitut, SozialerDenker, Sitacuisses, APPER, Jeune, Priwo, Euphoriceyes, 3268zauber, Lumu, Spargeldieb, Shikeishu, Louis Wu, César, Nolispanmo, PDD, Justus Nussbaum, Abe Lincoln, Tobi B., Pygmalion, Musicsciencer, Gledhill, Ronald M. F., Leopold, Nerd, Gpvos, Bonzo*, Ttog, Pierre gronau, Martin Hampl, Skriptor, ArtMechanic, Nightwish62, Svencb, Rybak. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen Christian Petzold Regie geführt hat.

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Phoenix
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Phoenix Userwertung:

Produktionsjahr: 2014
Schauspieler/innen: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Uwe Preuss, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge, Valerie Koch, Daniela Holtz, Nikola Kastner, Eva Bay, Sofia Exss
Barbara
Drama FSK 6
Regie: Christian Petzold
Barbara Userwertung:

Produktionsjahr: 2012
Schauspieler/innen: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Rainer Bock, Christina Hecke, Claudia Geisler, Peter Weiss, Carolin Haupt, Deniz Petzold, Rosa Enskat, Jasna Fritzi Bauer, Mark Waschke, Peter Benedict, Jannik Schümann, Susanne Bormann, Alicia von Rittberg, Kirsten Block
FSK 12
Regie: Christian Petzold
Dreileben – Etwas Besseres als den Tod Userwertung:

Produktionsjahr: 2011
Schauspieler/innen: Jacob Matschenz, Luna Mijović, Vijessna Ferkic, Rainer Bock, Kirsten Block, Stefan Kurt, Konstantin Frolov, Florian Bartholomäi, Jeanette Hain
Jerichow
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Jerichow Userwertung:

Produktionsjahr: 2008
Schauspieler/innen: Benno Fürmann, Nina Hoss, Hilmi Sözer, André Hennicke, Claudia Geisler, Marie Gruber
Yella
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Yella Userwertung:

Produktionsjahr: 2007
Schauspieler/innen: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Barbara Auer, Christian Redl, Selin Barbara Petzold, Wanja Mues, Michael Wittenborn, Martin Brambach, Joachim Nimtz, Peter Benedict, Ian Norval, Peter Knaack, Thomas Giese
Gespenster
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Gespenster Userwertung:

Produktionsjahr: 2005
Schauspieler/innen: Julia Hummer, Sabine Timoteo, Marianne Basler, Aurélien Recoing, Benno Fürmann, Anna Schudt
Wolfsburg
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Wolfsburg Userwertung:

Produktionsjahr: 2003
Schauspieler/innen: Benno Fürmann, Nina Hoss, Astrid Meyerfeldt, Antje Westermann, Stephan Kampwirth, Matthias Matschke, Soraya Gomaa, Martin Müseler, Anna Priese, Florian Panzner, André Szymanski, Luc Feit, Simone von Zglinicki, Margarita Broich, Sven Pippig, Claudia Geisler, Andreas Petri

Regie: Christian Petzold
Toter Mann Userwertung:

Produktionsjahr: 2001
Schauspieler/innen: Nina Hoss, André Hennicke, Sven Pippig, Heinrich Schmieder, Kathrin Angerer
Die innere Sicherheit
Drama FSK 12
Regie: Christian Petzold
Die innere Sicherheit Userwertung:

Produktionsjahr: 2000
Schauspieler/innen: Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Bilge Bingül, Katharina Schüttler, Bernd Tauber, Rogério Jacques, Maria João Luís, Vasco Machado, Noberto Paula, Günther Maria Halmer, Inka Loewendorf, Manfred Möck
Drama
Regie: Christian Petzold
Die Beischlafdiebin Userwertung:

Produktionsjahr: 1998
Schauspieler/innen: Constanze Engelbrecht, Nele Mueller-Stöfen, Wolfram Berger, Richy Müller, Nadeshda Brennicke, Andrea Brose, Jörg Friedrich, Tilo Nest, Karl Knaup
Liebesfilm FSK 12
Regie: Christian Petzold
Cuba Libre Userwertung:

Produktionsjahr: 1996
Schauspieler/innen: Richy Müller, Catherine Flemming, Wolfram Berger, Raoul Schneider, Anette Guther, Gilles Papelian, Christoph Krix, Mark Schlichter, Matthias Viehoff

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