Regisseur/in

Andrei Tarkowski

* 04.04.1932 - Sawraschje, Oblast Iwanowo, Sowjetunion
† 29.12.1986 Paris, Frankreich

Über Andrei Tarkowski

Andrei Tarkowski

Andrei Arsenjewitsch Tarkowski (, wiss. Transliteration ''''; * 4. April 1932 in Sawraschje (), Sowjetunion; † 29. Dezember 1986 in Paris, Frankreich) war ein sowjetischer Filmregisseur.

Leben

Andrei Tarkowski war der Sohn des Lyrikers Arseni Tarkowski. Schon früh machte sich seine künstlerische Begabung bemerkbar, wobei diese durch seine Mutter gefördert wurde. Er studierte in den 1950er Jahren zunächst Musik, Malerei, Bildhauerei, Orientalistik und Geologie, bevor er 1954 an der Filmhochschule in Moskau zu studieren begann. Sein Lehrer war der Regisseur Michail Romm; sein Abschlussfilm war Die Straßenwalze und die Geige, der zwar schon seine Eigenwilligkeit zeigte, den er selbst aber nie zu seinem Werk zählte.

Seine Filme Andrej Rubljow, Solaris, Der Spiegel und Stalker konnten nur gegen starken Widerstand der Behörden veröffentlicht werden. Die meisten erhielten, auch gegen den Protest der offiziellen sowjetischen Vertreter, bei den Filmfestivals internationale Preise. Die Filmmusik vieler seiner Filme wurde von Eduard Artemjew komponiert und mit dem ersten sowjetischen Synthesizer vertont. Klassische, meist geistliche Werke insbesondere von Johann Sebastian Bach nehmen eine zentrale Stellung ein. In einigen seiner Filme werden Gedichte seines Vaters rezitiert.

Tarkowski war zwar im Ausland berühmt, doch in seiner Heimat blieb ihm die offizielle Anerkennung versagt. Zudem hatte er schon mehrere Herzinfarkte erlitten, als er 1983 die Sowjetunion verließ, um in Italien Nostalghia zu drehen und um der erzwungenen Untätigkeit in der Sowjetunion zu entgehen, und nicht wieder zurückkehrte, woran seine Familie zerbrach. Bei den Filmfestspielen von Cannes 1983 wurde Nostalghia mit dem Preis der ökumenischen Jury und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Tarkowski teilte sich den Regiepreis mit Robert Bresson. [1]

1985 entstand in Schweden sein letzter Film Opfer. Als zu dieser Zeit auch noch die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl passierte, war das für ihn die Verwirklichung seiner schlimmsten Albträume. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits schwer erkrankt, seine Behandlung in Paris kam zu spät. Seinen Plan, den Film Hoffmanniana über die letzten Tage im Leben von E. T. A. Hoffmann in Berlin zu drehen, konnte er nicht mehr umsetzen.

Andrei Arsenjewitsch Tarkowski starb am 29. Dezember 1986 im Alter von 54 Jahren in Paris an Krebs. Er ruht auf dem Russischen Friedhof in Sainte-Geneviève-des-Bois im Département Essonne (Île-de-France) bei Paris neben seiner langjährigen Assistentin und Lebensgefährtin Larissa Tarkowskaja. Seine Freunde ließen den russischen Bildhauer Ernst Neiswestny einen Grabstein für ihn anfertigen.

Larissa Tarkowski erhielt erst nach Andreis Tod einen französischen Pass. Sie widmete sich fortan der Erhaltung von Tarkowskis Erbe, beteiligte sich aktiv an der Gründung des Institut international Andreï-Tarkovski in Paris und der Publikation seiner Schriften. Kurz nachdem sie die unter dem Titel „Andreï Tarkowski“ bei Calmann-Lévy erschienene Biographie vollendet hatte, starb Larissa Tarkowski am 19. Januar 1998 im Alter von 60 Jahren in Neuilly-sur-Seine bei Paris.

Im Jahr 2002 ehrte das Centre Pompidou den Filmregisseur, der in jenem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hätte, durch eine große Retrospektive. Am zwanzigsten Jahrestag seines Todes ließen 2006 die Stadt Paris und das „Institut Andreï-Tarkovski“ eine Gedenktafel an jenem Haus in der rue Puvis-de-Chavannes (N° 10) anbringen, in dem Tarkowski zuletzt wohnte.

Ingmar Bergman sagte über ihn: „Tarkowski ist für mich der bedeutendste, weil er eine Sprache gefunden hat, die dem Wesen des Films entspricht: Das Leben als Traum.“

Iwans Kindheit

→ Hauptartikel: Iwans Kindheit

Durch seine Experimentierfreude und die eindringliche Art seiner Filme erwarb Tarkowski unter Cineasten große Anerkennung. Sein erster Film Iwans Kindheit wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1962 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Das Werk basiert auf der Erzählung Iwan von Wladimir Bogomolow, einem russisch-sowjetischen Prosa-Schriftsteller.

Filmografie

Kurz- und Dokumentarfilme

  • 1958: Ubiizy (Die Killer) nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, Schwarzweißfilm, als Student
  • 1959: Sewodnja uwolnenija ne budet (Heute wird es keinen Dienstschluss geben),'' Schwarzweißfilm, als Student
  • 1961: Katok i skripka (Die Straßenwalze und die Geige); Kurz-, Diplom- und Kinderfilm, Farbe
  • 1982: Tempo di Viaggio (Italienische Reise), Dokumentarfilm für das italienische Fernsehen über die Suche nach Drehorten für Nostalghia, zusammen mit Tonino Guerra

Spielfilme

  • 1962: Iwanowo detstwo (Iwans Kindheit), Schwarzweißfilm.
  • 1964–66: Andrej Rubljow, Farb- und Schwarzweißfilm.
  • 1972: Soljaris (Solaris), nach dem Roman Solaris von Stanisław Lem. Nach einer gekürzten französischen Fassung von Lems Roman und dem Film von Tarkowski schuf später Steven Soderbergh eine eigene Fassung.
  • 1974–75: Serkalo (Der Spiegel), Farb- und Schwarzweißfilm.
  • 1979: Stalker, Farb- und Schwarzweißfilm, frei nach einem Abschnitt aus Picknick am Wegesrand der Brüder Strugazki und nach ihrem von dem Roman abgeleiteten Drehbuch Die Wunschmaschine.
  • 1983: Nostalghia, Farb- und Schwarzweißfilm.
  • 1985–86: Offret (Opfer)
  • Daneben Mitarbeit an Filmen anderer Autoren und Regisseure.

Filme über Tarkowski

  • 1988: Ebbo Demant: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Andrej Tarkowskijs Exil und Tod. Dokumentarfilm, Deutschland, 130 Minuten[2]
  • 2000: Chris Marker: Cinéma, de notre temps. Une journée dAndrei Arsenevitch.'' Frankreich, 55 Minuten[3]

Hörspiele

  • 1964: Polny poworot krugom (Volle Kraft zurück!) nach der Erzählung Turnabout von William Faulkner, Musik: Vjatscheslav Ovtschinnikov, Produktion: Gostelradio Moskau, deutsche Fassung aus dem Russischen übersetzt von Hans-Joachim Schlegel, SWF 1990
  • 2004: Hoffmanniana. Nach einem Filmszenario von Andrej Tarkowskij (sic!) über die letzten Tage im Leben des E. T. A. Hoffmann, Regie: Kai Grehn, RBB/SWR

Literatur

Von Tarkowski

  • Die versiegelte Zeit. Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films. Aus dem Russischen übersetzt von Hans-Joachim Schlegel. Berlin , Frankfurt/Main: Ullstein, 1985, ISBN 3-550-06393-8, bearbeitete Neuausgabe Alexander Verlag Berlin, 2009 ISBN 978-3-89581-200-2
  • Die versiegelte Zeit – Iwans Kindheit als Opfergabe, Cahiers du cinéma, 1989
  • Das Opfer. Mit Filmbildern von Sven Nykvist. München: Schirmer und Mosel, 1987 (Tarkovskij-Edition, Band 1)
  • Hoffmanniana. Szenario für einen nicht realisierten Film. München: Schirmer und Mosel, 1987 (Tarkovskij-Edition, Band 2)
  • Martyrolog. Tagebücher 1970 – 1986. Berlin: Limes, 1989, und Cahiers du cinéma, 1993
  • Martyrolog II. Tagebücher 1981 – 1986. Berlin: Limes, 1991
  • Andrej Rubljow. Die Novelle. Berlin: Limes, 1992
  • Der Spiegel. Filmnovelle, Arbeitstagebücher und Materialien zur Entstehung des Films. Berlin: Limes, 1993
  • Lichtbilder. München: Schirmer und Mosel, 2004
  • Andrej Tarkovskij - Leben und Werk: Filme, Schriften, Stills & Polaroids Herausgegeben von Andrej A. Tarkovskij jun., Hans-Joachim Schlegel, Lothar Schirmer. München: Schirmer/Mosel 2012 ISBN 978-3-8296-0587-8

Über Tarkowski

  • Andrej Tarkovskij - Leben und Werk: Filme, Schriften, Stills & Polaroids. Hrsg. von Andrej Tarkovskij jun., Hans-Joachim Schlegel und Lothar Schirmer. München: Schirmer/Mosel 2012. ISBN 978-3-8296-0587-8
  • ''Tarkovsky - Films, Stills, Polaroids & Wirtings, edited by Andrey A. Tarkovsky, Hans-Joachim Schlegel and Lothar Schirmer. London: Thames & Hudson 2012 ISBN 978-0-500-51664-5
  • Larissa Tarkovski (unter Mitarbeit von Luba Jurgenson): Andreï Tarkowski. Calmann-Lévy, 1998
  • Andrej Tarkowskij. Mit Beiträgen von Wolfgang Jacobsen u. a., Reihe Film, Band 39, München: Hanser, 1987
  • Julia Selg: Andrej Tarkovskij und die Gegenwart der Alten Meister, Kunst und Kultus im Film Nostalghia. Ita Wegman Verlag, ISBN 978-3-9523425-9-6
  • Marina Tarkowskaja: Splitter des Spiegels. Die Familie des Andrej Tarkowski. Berlin: edition ebersbach 2003, ISBN 3-934703-59-3
  • Antoine de Baecque: Andrei Tarkowski. Cahiers du cinéma, 1989
  • Maja Turowskaja: Andrej Tarkowskij. Film als Poesie, Poesie als Film. Bonn: Keil Verlag, 1981
  • Hans-Dieter Jünger: Kunst der Zeit und des Erinnerns. Andrej Tarkowskijs Konzept des Films. Ostfildern: Ed. Tertium, 1995, ISBN 3-930717-12-3
  • Marius Schmatloch: Andrej Tarkowskijs Filme in philosophischer Betrachtung. St. Augustin: Gardez! Verlag, 2003, ISBN 3-89796-050-8
  • Hans-Joachim Schlegel: Klangwelten des Inneren. Zu Andrej Tarkowskijs Ton- und Musikkonzept. In: Hartmut Krones (Hg.): Bühne, Film, Raum und Zeit in der Musik des 20. Jahrhunderts. Wien,Köln, Weimar 2003 ISBN 3-205-77206-7
  • Dipl. theol. Dietrich Sagert: Der Spiegel als Kinematograph nach Andrej Tarkowskij. Dissertation, urn:nbn:de:kobv:11-10036006, ca. 0,9 MB, PDF, Philosophische Fakultät III, Humboldt-Univ., Berlin, 2004; Volltext bei der Deutschen Nationalbibliothek
  • Florian Sprenger: „1+1=1 – Bewegte Elemente im Werk Andreij Tarkowskijs“ in: Leitner, Birgit/Engell, Lorenz (Hrsg.) Philosophie des Films. Verlag der Bauhaus-Universität Weimar, Weimar, 2007, S. 128–141
  • Hans-Joachim Schlegel: Filmbild und Ikone. Folgen des byzantinischen Bildverständnisses im russischen und sowjetischen Film. In: P. Hasenberg, R. Zwick, G. Larcher (Hg.): Zeit BILD Theologie. Marburg 2011 ISBN 978-3-89427-674-4
  • Layla Alexander-Garrett: Andrei Tarkovsky: A Photographic Chronicle of the Making of The Sacrifice, Cygnnet, 2012 . ISBN 978-0-9570416-0-8

Sonstige Arbeiten zu Tarkowski

  • Various Artists: In Memoriam Tarkovsky. CD, Insofar Vapor Bulk, 2002, mit Kompositionen von Christian Renou, Roger Doyle, Michael Prime, Stanislav Kreitchi
  • Francois Couturier: Nostalghia. Song for Tarkovsky. CD, ECM, 2006

Einzelnachweise

  1. Der Film in der IMDb
  2. Der Film in der IMDb

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 27. März 2013, 12:03 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: Jesi, KoljaHub, Aka, Seewolf, Anka Friedrich, Paramecium, Dadawah, Zero Thrust, TK-lion, Florean Fortescue, Maddiin, Schlegelvanja, Nobart, NeverDoING, Memex, Roterraecher, Kirkurdu, Xenja, Armin P., Rubblesby, Kreisleriana, Boogie47, Dbluemel, Sersou, KaterBegemot, Zykure, Chef, Tobszn, Jbergner, Graphikus, Olag, Liberaler Humanist, Schekinov Alexey Victorovich, Tlustulimu, Cleverboy, Admiral, Hermannthomas, Cristof, César, CommonsDelinker, DeepBlueDanube, Kai-Hendrik, Anna-nura, Fachmann vom dienst, Cholo Aleman, Andrsvoss, Mravinszky, WerstenerJung, Kabulu, QEDquid, Muck31, Gleneagles, Baumfreund-FFM, Don Magnifico, Pechorin, Heinte, Hewa, Désirée2, Adiuntio, Jazzman, Manecke, Miastko, Noddy93, Dreadn, Ronald M. F., Delorian, Mabrabu, SibFreak, Dose One, Kolja21, TRS, Xquenda, Zyril, Ulmus, Layer, Hutschi, Miaow Miaow, Vinci, Kerbel, Head, Augsburg, Mschlindwein, Kurt Jansson, Hhielscher, Obersachse, Rybak, FlaBot, Zwobot, Peterlustig, Voevoda, Denkfabrikant, Tilman Berger, Anathema, Ranunculus, Holden, Botteler, Peter Marx, Mathias Schindler, Robert Huber, Stern, Anneke Wolf. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

Auflistung von Filmen bei denen Andrei Tarkowski Regie geführt hat.

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Drama FSK 12
Regie: Andrei Tarkowski
Opfer Userwertung:

Produktionsjahr: 1986
Schauspieler/innen: Erland Josephson, Susan Fleetwood, Allan Edwall, Tommy Kjellqvist, Gudrun Gisladotir, Sven Wollter, Valérie Mairesse, Pilippa Franzén
Drama FSK 12
Regie: Andrei Tarkowski
Nostalghia Userwertung:

Produktionsjahr: 1983
Schauspieler/innen: Oleg Jankowski, Erland Josephson, Domiziana Giordano, Patrizia Terreno, Laura De Marchi, Delia Boccardo, Milena Vukotic
Stalker
Drama FSK 12
Regie: Andrei Tarkowski
Stalker Userwertung:

Produktionsjahr: 1979
Schauspieler/innen: Alexander Kaidanowski, Alissa Brunowna Freindlich, Natasha Abramowa, Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko
Biographie FSK 12
Regie: Andrei Tarkowski
Der Spiegel Userwertung:

Produktionsjahr: 1975
Schauspieler/innen: Margarita Terechowa, Ignat Danilzew, Anatoli Solonizyn, Alla Demidowa, Nikolai Grinko, Oleg Jankowski, Filipp Jankowski, Juri Nasarow, Juri Swentikow, Larissa Tarkowskaja
Science-Fiction FSK 12
Regie: Andrei Tarkowski
Solaris Userwertung:

Produktionsjahr: 1972
Schauspieler/innen: Donatas Banionis, Natalja Bondartschuk, Jüri Järvet, Anatoli Solonizyn, Wladislaw Dworschezki, Sos Sarkissjan, Nikolai Grinko, Olga Barnet
Kriegsfilm FSK 16
Regie: Andrei Tarkowski
Iwans Kindheit Userwertung:

Produktionsjahr: 1962
Schauspieler/innen: Kolja Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Scharikow, Stepan Krylow, Nikolai Grinko, Walentina Maljawina, Andrej Kontschalowski

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