Wie der Wind sich hebt

Wie der Wind sich hebt

Regisseur: Hayao Miyazaki, Schauspieler/in:
Joseph Gordon-Levitt
,
John Krasinski
,
Emily Blunt
,
Martin Short
,
Stanley Tucci
. Drehbuch: Hayao Miyazaki

Wie der Wind sich hebt Handlung

Jiro Horikoshi begeistert alles, was mit dem Fliegen zu tun hat. Deswegen beschließt er eines Tages Flugzeuge zu bauen und beginnt ein Studium in Ingenieurswissenschaften an der Universität von Tokio. Einst läuft er bei einer Zugfahrt der hübschen Naoko über den Weg. Doch erst viele Jahre später, bei einem zufälligen Wiedersehen, sollen sich die Liebenden verloben. Allerdings ist die Zeit, in der sie leben nicht leicht und von weltweiten Krisen geprägt war. Somit arbeitet Horikoshi nach seinem Studium als Flugzeugkonstrukteur und entwirft während des zweiten Weltkriegs Kriegsflugzeuge wie Mitsubishi A5M oder Mitsubishi A6M Zero.

Hayao Miyazaki ist sowohl der (Drehbuch-)Autor als auch der Regisseur von Wie der Wind sich hebt. Der Filmemacher und Mangaka ist vor allem für Das Schloss im Himmel (1986), Prinzessin Monoke (1997), Chihiros Reise ins Zauberland (2001) und Das wandelnde Schloss (2004) bekannt. In seinem neuen Film werden das Leben und der Aufstieg von Jiro Horikoshi fiktiv dargestellt.

Regina Singer am Mittwoch 28. Mai 2014 14:03 Uhr

Wie der Wind sich hebt Filmkritik

Wie der Wind sich hebt Kritik der neue Film von Hayao Miyazaki mit Joseph Gordon-Levitt und John Krasinski

Filmkritik von

Mit Wie der Wind sich hebt verabschiedet sich Hayao Miyazaki vom Publikum

Die Wehmut ist eingebaut, denn schon im Vorfeld gab Hayao Miyazaki, der große japanische Altmeister des Zeichentricks, bekannt, dass Wie der Wind sich hebt sein letzter Film sein würde. Er hat sich dafür einen Stoff ausgesucht, der abseits der phantastischen Welten vieler seiner anderen Filme funktioniert, aber nichtsdestotrotz von der Kraft der Träume zeugt.

Filmfoto: Wie der Wind sich hebt©Buena VistaJiro Horikoshi ist schon als kleiner Junge von Flugzeugen fasziniert. Doch er will sie nicht fliegen, er will sie bauen. Wie sein großes Vorbild, der italienische Ingenieur Caproni, möchte auch er wunderschöne Flugzeuge entwickeln und damit seinen Beitrag leisten, Japan aus der Rückständigkeit, in der es gefangen ist, zu befreien. Wofür die Flugzeuge, die er entwirft, genutzt werden, ist ihm dabei weniger wichtig, als die Tatsache, dass sie entstehen.

Miyazaki hat auch das Drehbuch dieses Films, der auf einem Manga und natürlich auf der wahren Geschichte des Mitsubishi-Ingenieurs Jiro Horikoshi basiert, geschrieben. Er entgeht aber den Fallstricken, die mit einer ganz normalen Film-Biographie einhergehen, sondern befasst sich mit dem, was sein Werk schon immer ausgezeichnet hat: der Fähigkeit zu träumen. So beginnt Wie der Wind sich hebt auch folgerichtig mit einem Traum und endet auch mit einem solchen. Dazwischen begibt sich Jiro immer wieder auf diese Bewusstseinsebene, die so viel mehr verheißt, als es die Realität wirklich vermag.

Filmfoto: Wie der Wind sich hebt©Buena VistaMiyazaki arbeitet sich nicht an den Kriegsbemühungen der Japaner ab, er lässt sie gar in den Hintergrund treten, setzt dabei aber auf die Kraft der Implikation und die Intelligenz seiner Zuschauer. Instinktiv erkennt man den Konflikt, in dem sich Jiro befindet, auch wenn er ihn selbst so bewusst gar nicht wahrnehmen kann oder will. Was er baut, sind Träume, die töten werden. Die Entwicklung der Luftfahrt war – wie so viele technologische Errungenschaften – in erster Linie auch durch die Förderung des Militärs möglich. Das macht den Erfinder zu einer tragischen Figur, da er eigentlich etwas Schönes, etwas Erhabenes, etwas Grandioses erschaffen will, das die Welt nicht nur zu einem kleineren Ort werden lässt, sondern die Menschen auch positiv beeinflussen kann. Aber unmittelbar ist das, was er ersinnt, nur ein Werkzeug des Todes, eine Erkenntnis, vor der Miyazaki nicht die Augen verschließt, sondern sie zum Ende des Films, kurz vor Jiros finalem Traum, mit schmerzhaften Bildern der Vernichtung deutlich werden lässt.

Ins Melodramatische schlittert der Film ein wenig mit der Geschichte um Jiro und seine große Liebe, die unheilbar kranke Nahoko, er findet aber die genau richtige Emotionalität, um den Zuschauer zu berühren. Darüber hinaus erzählt Miyazaki seine Geschichte mit imposanten Bildern. Das Erdbeben, das Tokio erschüttert, ist in seiner Wirkung beeindruckend umgesetzt.

Filmfoto: Wie der Wind sich hebt©Buena VistaMan hätte die Geschichte von Wie der Wind sich hebt auch anders erzählen können, aber Miyazaki entschloss sich zu einer Romantisierung, was Japan wie ein Märchenland erscheinen lässt. Mit dem wohlwollenden Blick es Alters sieht Miyazaki zurück, auf eine Zeit, in der die Unschuld erst noch verloren werden musste. Die düsteren Seiten von Japans Großmachtträumen verschweigt er nicht, er deutet sie stark genug an, damit sich der intelligente Zuschauer ein Bild machen kann. Aber ihm geht es weniger um die Aufarbeitung jener Ära als um das, was sie hätte sein können: Eine Zeit der Wunder, die jedoch zu Albträumen wurden.

Wie der Wind sich hebt ist vielleicht nicht Miyazakis bester, aber wohl sein reifster Film, der eine menschliche Geschichte erzählt, die so wohl nur in Japan entstehen konnte. Jedes andere Land und jedes andere Studio hätte daraus einen Realfilm gemacht, aber Miyazaki zeigt, wie immens die Möglichkeiten des Anime sind, der auch erwachsene Geschichten erzählen kann.

Kritik: Peter Osteried

Filmbilder Wie der Wind sich hebt

Filmfoto: Wie der Wind sich hebt


Ihre Kritik zu Wie der Wind sich hebt
Schreiben Sie jetzt Ihre Kritik zu Wie der Wind sich hebt
Sie müssen Angemeldet sein um Ihre Kritik zu
"Wie der Wind sich hebt" schreiben zu können.
Anmelden
Registrieren
Profilbild

Einloggen
Herzlich willkommen! Um die Community nutzern zu können, melden sie sich bitte hier mit ihren Zugangsdaten an:

Facebook Login
Noch einfacher, loggen sie sich einfach mit ihrem Facebook Account ein:


Mit einem Klick auf diese Schaltfläche "Mit Facebook einloggen" akzeptieren sie die Nutzungsbedingungen und die Diskussionsrichtlinien der Ideenkraftwerk GmbH. Sie garantieren das sie diese gelesen und gespeichert oder ausgedruckt haben.


Passwort vergessen
Wenn Sie ihr Passwort vergessen haben können sie hier ein neues anfordern, geben sie dazu ihre E-Mail adresse hier ein:

Neu registrieren
Sie haben noch keinen Account bei Kritiken.de? Dann registrieren sie sich jetzt kostenlos, um die Community zu nutzen!