Thelma

Thelma

Regisseur: Joachim Trier, Schauspieler/in:
Eili Harboe
,
Kaya Wilkins
,
Henrik Rafaelsen
,
Ellen Dorrit Petersen
,
Grethe Eltervåg
. Drehbuch: Eskil Vogt, Joachim Trier

Thelma Handlung

Thelma (Eili Harboe), eine schüchterne, junge Frau, hat gerade ihrer religiösen Familie den Rücken gekehrt und ist von einem kleinen Städtchen in den norwegischen Wäldern nach Oslo gezogen, um an der dortigen Universität zu studieren. Hier erlebt Thelma erstmals ein freies, zwangloses Leben voller Partys und bald darauf fühlt sie sich zu ihrer attraktiven Kommilitonin Anja (Okay Kaya) hingezogen, die ihre Zuneigung auch erwidert. Doch als sie eines Tages in der Bücherei schmökert, befällt sie unerwartet ein heftiger Krampf und als das Semester weiter voranschreitet, ist Thelma immer mehr von ihren eigenen Gefühlen überwältigt – Gefühle, die sie sich nicht einmal gegenüber sich selbst einzugestehen traut. Zugleich nehmen aber auch ihre Krämpfe zu, die sich schließlich als Symptom übernatürlicher, gleichwohl nicht ungefährlicher Fähigkeiten entpuppen. 
am Sonntag 14. Januar 2018 16:21 Uhr

Thelma Filmkritik

Thelma Kritik der neue Film von Joachim Trier mit Eili Harboe und Kaya Wilkins

Filmkritik von

Die Kraft sündhafter Gedanken

Hinaus ins Leben zu treten ist ein schicksalsträchtiger Moment, an dem so vieles glücken, aber auch schrecklich schiefgehen kann. Wenn die Kamera die junge Thelma (Eili Harboe) unter vielen anderen Studenten auf dem Gelände der Uni Oslo ins Visier nimmt, von weit oben, weiß man schon, dass diese Frau eine innere Belastung mit sich führt. Die ersten Szenen zeigten sie nämlich als Kind in Begleitung ihres Vaters Trond (Henrik Rafaelsen) bei der winterlichen Jagd. Der Vater wollte im Wald ein Reh schießen, aber hinter Thelmas Rücken richtete er plötzlich, für ein paar Augenblicke, das Gewehr auf sie.

Filmfoto: Thelma©Koch FilmsDieser Vater und auch die im Rollstuhl sitzende Mutter Unni (Ellen Dorrit Petersen) sind immer noch sehr präsent in Thelmas Leben. Sie rufen täglich an und Thelma erweist sich ganz geschickt im Lügen, um sie abzuwimmeln. Aber dann kommen die Eltern zu Besuch und als sie der Vater wegen einer Bemerkung rügt, treten Thelma sofort Tränen der Reue in die Augen.

Die religiöse Erziehung verbietet es Thelma, zu trinken, zu rauchen, schließt sie tendenziell aus der Gemeinschaft der Studenten aus. Nach einem epileptischen Anfall, den sie in der Bibliothek erleidet, wird die einsame Thelma von der Studentin Anja (Kaya Wilkins) angesprochen. Dies ist der Beginn einer zaghaften Romanze, die Thelma mit Macht aus der Reserve lockt, ihr aber auch schreckliche Schuldgefühle verursacht.

Filmfoto: Thelma©Koch FilmsEiniges an diesem bedächtig, langsam, aber garantiert nicht langweilig erzählten Coming-of-Age-Drama des norwegischen Regisseurs Joachim Trier („Louder than Bombs“) erinnert an den Exorzismus-Film „Requiem“ von Hans-Christian Schmid aus dem Jahr 2006. Thelma steuert mit ihren sich häufenden Anfällen und ihrer nervlichen Anspannung auf den seelischen Zusammenbruch zu und erlebt sich dabei selbst als besessen. Eine Schlange kriecht ihr in den Mund, die Lichter flackern, wenn sich bei ihr ein Anfall ankündigt, Krähen fliegen gegen die Fenster. Das Böse, das Animalische, die Lust auf Anja, all das ist übermächtig und wird sie der Hölle zuführen, vor der sie der Vater als Kind warnte.

Filmfoto: Thelma©Koch FilmsAuch der weitere Verlauf dieses Films, der sich zum Thriller mit übernatürlichen Elementen entwickelt, spielt mit dem Thema Exorzismus. Ist Thelma tatsächlich vom Satan besessen, hat ihr Vater recht, wenn er sie so sehr kontrolliert, als würde in ihr schon immer das Böse schlummern? Die Geschichte entwickelt eine hervorragende Dramaturgie, die die Fantasien der Zuschauer geschickt in alle möglichen Richtungen treibt und ihre Neugier mit kleinen Puzzlestücken schürt. Je mehr Details aus Thelmas Vergangenheit bekannt werden, desto weniger erscheint es noch plausibel, dass diese so unschuldig wirkende, so verletzliche Frau tatsächlich die Gute ist. Aber dann müsste ja der kontrollierende Vater der Gute sein, der so unsympathisch wirkt. Thelma und der Vater sind wie eine aus Gegensätzen bestehende Einheit, deren Material die Schuld ist. Die Diktatur des Guten gebiert die Sünde, die sie ständig warnend an die Wand malt.

Der Mensch besitzt einen wilden Anteil, und wer hinaus ins Leben tritt, sollte ihn kraulen wie eine schnurrende Katze. Thelma besitzt ein bisschen mehr unheimliche Kraft als andere und wird dadurch zu einer schillernden, provozierenden Filmheldin.

Kritik: Bianka Piringer

Filmbilder Thelma

Filmfoto: Thelma
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