Starship Troopers

Starship Troopers

Regisseur: Paul Verhoeven, Schauspieler/in:
Casper Van Dien
,
Denise Richards
,
Dina Meyer
,
Michael Ironside
,
Patrick Muldoon
. Drehbuch: Edward Neumeier

Starship Troopers Handlung

Die Zukunft der Menschheit ist in Gefahr: Killer-Insekten einer anderen Galaxie haben der Erde den Krieg erklärt und drohen mit ihrer Zerstörung. In einem letzten Verzweiflungsakt wird ein Trupp Soldaten auf den Heimatplaneten der Kreaturen geschickt, um sich den Alien-Käfern im Kampf zu stellen. Unter ihnen ist Johnny Rico. Noch vor einem Jahr besuchte er die High-School. Jetzt gehört er zu den Besten, die die Infanterie zu bieten hat und macht sich bereit für den Kampf. Ein Kampf, den keiner der Beteiligten jemals vergessen wird, denn die Starship Troopers haben ihren Feind schrecklich unterschätzt... (Text: Verleihprogramm)

Starship Troopers Filmkritik

Starship Troopers Kritik der neue Film von Paul Verhoeven mit Casper Van Dien und Denise Richards

Filmkritik von

Satire ist eine delikate Angelegenheit und vielleicht eine der kompliziertesten Kunstformen. Will sich der Autor nicht in stumpfste Niederungen à la ″Scary Movie″ begeben, muss er sich differenziert mit seinem Sujet auseinandersetzen: Was ist der Teilaspekt, der überhöht und veralbert werden soll? Worin besteht gleichzeitig der Reiz des Themas? ″Starship Troopers″ von Paul Verhoeven ist eine gelungene Satire, aus dem einfachen Grunde, dass sie sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Tatsächlich schien Verhoevens zynische Attacke auf Militarismus und Faschismus derart schwer verständlich zu sein, dass die deutsche Bundesprüfstelle für Jugendgefährdene Medien sie kurz nach erscheinen auf den Index setzte – wegen Verherrlichung von Militarismus. Dabei ist Verhoeven eindeutig von großen Vorbildern inspiriert: ″Starship Troopers″ wirkt stellenweise wie ″Im Westen Nichts Neues″ mit riesigen Käfern.

Schon die Grundlage des Plots, der auf einem Roman des Science-Fiction-Kultautors Robert Heinlein beruht, sorgte in Deutschland offensichtlich für Unbehagen. ″Starship Troopers″ spielt in einer Zukunft, in der die Menschheit die Demokratie ″überwunden″ hat: Am politischen System darf nur teilhaben, wer als Soldat der ″Föderation″ im Kampf gegen die außerirdischen Käfer gedient hat. In einer drastischen Form von absichtlicher Fehlübersetzung, überspielte die deutsche Synchronisation diese pikanten Details und verwandelte ″Starship Troopers″ de facto in einen gänzlich anderen (schlechteren) Film – und damit bis heute in eines der meist zitierten Beispiele (zusammen mit Hitchcocks ″Notorious″) im immerwährenden Kampf der Synchro- gegen die Originalton-Fraktion.

Das Perfide an Verhoevens Film ist der perfekte Hollywood-Stil, mit dem er uns in die totalitäre Filmwelt einführt: Nach Art einschlägiger US-College-Filme folgen wir einer Gruppe von Highschool-Absolventen in ihre jeweiligen neuen Berufe im Militärkomplex. Da ist Johnny Rico (Casper Van Dien), die stumpfe aber gutherzige Sportskanone, der eigentlich nur wegen seiner attraktiven Freundin Carmen der Armee beitritt. Carmen (Denise Richards) hat nämlich große Ambitionen die beste Raumschiffpilotin aller Zeiten zu werden, und ist, mit exzellenten Noten, auf dem besten Weg dahin. Außerdem dabei und vielleicht die mysteriöseste Figur des Films: Soziologie-Nerd Carl Jenkins (später Barney Stinson in ″How I Met Your Mother″: Neil Patrick Harris), der der streng geheimen ″Forschungs- und Spiel-Abteilung″ beitritt, schwarze Nazi-Mäntel trägt und nah am Kern der Macht des an einen geschäftigen Ameisenhaufen erinnernden Systems sitzt.

Hier wird natürlich der, nicht besonders subtile, aber extrem effektive Knackpunkt von ″Starship Troopers″ deutlich: Verhoeven zeigt uns eine zukünftige Gesellschaft, die in ihrer pragmatischen Wehrhaftigkeit reichlich insektenhaft wirkt, und gleichzeitig mit frenetischer Verbissenheit riesenhafte Insekten aus dem All bekämpft. Zwei der witzigsten Momente des Films weisen direkt auf diese ziellose Auto-Aggression hin: Als die Teenager in einer Biologie-Stunde einen der ekligen Käfer sezieren müssen, werden sie von einer an Kubricks Dr. Strangelove erinnernde Professorin angeleitet, die die Käfer glatt den Menschen vorzuziehen scheint. In einer anderen Szene deutet ein TV-Reporter unglaublicherweise an, dass ein friedliches Zusammenleben der beiden Rassen möglich sei, was im empörten Kampfgeschrei von Johnny und seinen Infanterie-Kameraden untergeht.

Die Welt von ″Starship Troopers″ ist großartig designt, als eine Mischung aus Vergnügungspark, 70er Jahre Sci-Fi-Exploitation und billiger Spielhölle. Hier folgen wir den albernen Romanzen, erotischen Abenteuern und Rivalitäten der Hauptfiguren, die wie aus einer schlechten Soap entsprungen scheinen. Oft hat man das Gefühl, dass Verhoeven in einem absoluten Geniestreich seinen jungen, makellosen Schauspielern nicht mitgeteilt hat, dass sie sich in einer Parodie befinden, mit solcher Ernsthaftigkeit schlüpfen die Akteure in ihre eindimensionalen Rollen. Kontrastiert wird diese bunte, jugendliche Welt mit dem öden, wüsten Schlachtfeld auf dem die jungen, hübschen Körper aufs Blutigste dem totalitären System geopfert werden: Die grandios animierten und modellierten Käfer reißen Gliedmaßen ab, bohren mit ihren Tentakeln Löcher in Schädeldecken, fliegen, stechen, spucken Feuer.

Zwischen die Ausbildungs- und Kampfszenen fügt Verhoeven außerdem immer wieder kurze Propaganda-Beiträge ein, die das ohnehin schon kafkaeske Setting perfektionieren. In einem großartigen, ultra-kurzen Clip wird etwa eine Gruppe kleiner Kinder an der irdischen ″Heimatfront″ gezeigt, die frenetisch, und ganz im Sinne der Kriegstreiber, Küchenschaben zertreten, zur überschwänglichen Freude der daheim gebliebenen Mütter. So wird die aggressive Kriegsrhetorik, die sich gegen den perfekten, insektoiden Feind richtet, als vollkommen hohl entlarvt: Zum einen handelt es sich, Größe und Gemeinheit hin oder her, eben doch nur um Käfer; zweitens wird, als am Ende schließlich entlarvt wird, dass die Insekten sich durch das Verzehren menschlicher Gehirne humane Intelligenz aneignen wollen, der Zerrspiegel-Effekt nur umso deutlicher: Wir sind Käfer, Käfer sind wie wir. Eindeutiger kann man die martialisch-romantische Assoziation von Krieg mit Ehre und Selbstverwirklichung vielleicht nicht bloßstellen.

Kritik: Tim Lindemann



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