Poltergeist

Poltergeist

Regisseur: Tobe Hooper, Schauspieler/in:
JoBeth Williams
,
Craig T. Nelson
,
Beatrice Straight
,
Dominique Dunne
,
Oliver Robins
. Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor

Poltergeist Filmkritik

Poltergeist Kritik der neue Film von Tobe Hooper mit JoBeth Williams und Craig T. Nelson

Filmkritik von

Für Filmenthusiasten sind alte Horrorfilme gerne mal Ausgangspunkt für wilde Diskussionen. Während sie für manche einen unwiderstehlichen Charme haben, sind sie für andere teilweise am Rande unfreiwilliger Komik oder gehen sogar darüber hinaus. Filme schauen ist bekanntermaßen eine subjektive Sache und alle Meinungen haben ihre Berechtigung. Poltergeist hat allerdings das Potential, beide Parteien gleichermaßen zufriedenzustellen. Am 4. Juni 1982 erschien der Film in Amerika, produziert und geschrieben vom großen Steven Spielberg, dessen kleiner Außerirdischer E.T. kurioserweise nur eine Woche später die Kinos der Vereinigten Staaten eroberte. Vielleicht auch deshalb führte bei Poltergeist ein anderer Hochkaräter Regie: Tobe Hooper, bekannt für das Texas Chainsaw Massacre, einen absoluten Genre-Klassiker, dessen Einfluss immens ist. Mit Poltergeist verbindet „Blutgericht in Texas“ (wie der Film im Deutschen heißt), außer dem gemeinsamen Genre allerdings nicht viel. Die Spielberg-Produktion ist zwar ab 16 Jahren freigegeben, wirkt aber dennoch zu großen Teilen recht familientauglich. Der Ausgangspunkt für die Geschichte, die trotz 110 Minuten Laufzeit sehr schnell Fahrt aufnimmt, ist folgender: Eine normale amerikanische Familie mit Vater Steven Freeling (Craig T. Nelson), Mutter Diane (JoBeth Williams), 3 Kindern und einem Hund in einer klassischen amerikanischen Vorstadt. Die Männer gucken Football, die ganze Nachbarschaft ist schablonenhaft angelegt und Steven ist passender- oder vielmehr amerikanischerweise auch noch Immobilienmakler. Vorstadt-Klischee binnen kürzester Zeit erfolgreich etabliert.

„They're here. […] The TV people.“ Zwei der prägendsten Sätze des Films, gesprochen von der 5-jährigen Carol Anne. Sie ist die einzige, die die Präsenz der ominösen Wesen, die sich nach der Nationalhymne im Rauschen des Fernsehers bemerkbar machen, spüren kann. Sie kann mit ihnen kommunizieren und sieht sie eines Nachts im Haus ankommen. Am darauffolgenden Tag kommt es erstmals zu seltsamen Phänomenen. Die Möbel verrücken sich von allein und nun bekommt auch der Rest der Familie mit, dass im Haus etwas falsch läuft. Film und Familie nehmen diese Entwicklungen zunächst nicht besonders ernst. Dann versucht jedoch der uralte Baum draußen im Garten in einer packenden Sequenz den 8-jährigen Robbie durch das Kinderzimmerfenster zu holen und zu verspeisen. Während die Familie darauf fixiert ist, den kleinen Jungen zu retten, wird Tochter Carol Anne in die andere Dimension entführt, mit der sie schon länger in Kontakt stand. Der Spaß ist vorbei. Parapsychologische Experten werden kontaktiert und das Zittern um das Küken der Familie beginnt.

Stück für Stück wird eine Hintergrundgeschichte für das Phänomen entworfen, die nüchtern betrachtet völliger Humbug ist. Das Poltergeist-Phänomen, welches das Haus der Familie Freeling heimsucht, wird durch angebliche Fakten, Geschichten und Gerätschaften in der filmischen Realität verankert. Trotzdem funktioniert diese Hintergrundgeschichte vergleichsweise gut und füllt zusammen mit der Sorge um die Tochter die Handlung zwischen den Höhepunkten. Im Vergleich mit Genre-Verwandten punktet der Film hier sogar, denn die Geschichte ist auch in ruhigen Momenten interessant genug erzählt und der obligatorische Blick auf die Uhr bleibt aus. Während der Film zu Beginn den extrem amerikanisierten Vorstadt-Traum propagiert, wird dieser in der Folge nach und nach dekonstruiert. Im Laufe der Geschichte muss sich Familie Freeling nicht nur von ihren Habseligkeiten, sondern auch von ihrer Form des Glaubens verabschieden, der mit den Geschehnissen nicht konform geht. Ihr Haus wurde von einem respektlosen Unternehmer ohne moralischen Kompass gebaut und das rächt sich nun für sie. Der Spannungsbogen des Films bietet gelegentliche Überraschungen. An manchen Stellen lässt er beispielsweise die Spannung zugunsten einer unerwarteten, lustigen Einlage abflauen oder treibt sie in seltsam langgezogene Höhen. Außerdem sind nicht wenige aufregende Momente auf die auditive Ebene ausgelagert: Wenn Familie Freeling versucht Carol Anne in der anderen Welt anzusprechen, ist der Zuschauer lediglich dazu in der Lage, sie bei diesem Vorhaben zu beobachten. Einen Einblick in die andere Welt gibt es nicht. Faszinierend daran ist, dass dies eher eine Stärke, als eine Schwäche des Filmes darstellt. Diese Besonderheiten vermögen es, den Zuschauer über die gesamte Laufzeit bei der Stange zu halten.

Ab und zu hätte dem Werk noch der eine oder andere Schockmoment mehr gut getan, denn diese sind etwas sehr rar gesät. Dafür bietet der Film einige äußerst beeindruckende und einprägsame Bilder, weil diese an den richtigen Stellen mit der richtigen Wucht eingebracht werden. Das Ende bildet dann ganz klassisch der Höhepunkt des Films und stellt den Punkt dar, an dem man die Kinder doch ins Bett geschickt haben sollte. Die Reise aus der amerikanischen Vorstadt-Idylle vom Beginn über kleine und mit der Zeit größer werdende Etappen des Mysteriösen und Gruseligen mündet im Horror-würdigen Finale, das den Herzschlag durchaus anzuheben vermag. Auf dem Weg unterstützen die schöne Filmmusik von Jerry Goldsmith und die für damalige Verhältnisse tollen Spezialeffekte die jeweilige Atmosphäre der Sequenzen. Beide Abteilungen waren Oscar-nominiet, verloren jedoch gegen E.T..

Womit wir wieder bei Spielberg angekommen wären. Es wurde und wird gerätselt, wie groß Tobe Hoopers Verdienst am Film tatsächlich ist. Solche Spekulationen sind durchaus interessant und wirken nach Sichtung des Filmes auch berechtigt, sollten aber eigentlich zweitrangig sein. Wichtig ist vielmehr, dass Poltergeist es schafft, durchweg als Horrorfilm rezipiert zu werden und trotzdem ein großes Publikum ansprechen zu können. Obwohl der Film nicht vor Innovationen übersprudelt, wirkt er auch heute noch so hochwertig, dass an ihm nicht nur Enthusiasten des Genres, sondern auch der einfache Film-Fan großen Gefallen finden können.

Kritik: Tim Gieselmann

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