Jäger des verlorenen Schatzes

Jäger des verlorenen Schatzes

Regisseur: Steven Spielberg, Schauspieler/in:
Harrison Ford
,
Karen Allen
,
Paul Freeman
,
Ronald Lacey
,
John Rhys-Davies
. Drehbuch: George Lucas, Philip Kaufman, Lawrence Kasdan

Jäger des verlorenen Schatzes Filmkritik

Jäger des verlorenen Schatzes Kritik der neue Film von Steven Spielberg mit Harrison Ford und Karen Allen

Filmkritik von

Indy ist das Original. Der Schatzjäger/Professor mit charakteristischem Hut und Peitsche prägt den Abenteuerfilm bis heute. Eigentlich muss sich ein ganzes Genre an ihm messen lassen. Seine Geschichten bringen auch nach über 30 Jahren noch das Blut aller Fan-Generationen in Wallung und der Held selbst die Frauen zum Schmelzen. Mit dem ersten Teil der Reihe hat man damals den Grundstock gelegt, auf dem ein Kult-Franchise fußt, das auch jüngst einen – vorsichtig gesagt – etwas lieblosen vierten Teil fast schadlos überleben konnte. Natürlich erfindet auch der erste Film das Rad nicht neu, aber man kann sagen, dass er es charmanter und schlicht besser als ein Großteil der Konkurrenz präsentiert.

USA, 1936. Indiana Jones (Harrison Ford) ist Archäologieprofessor, erfahrener Schatzjäger und Experte des Okkulten. Er hat allerdings auch Gegenspieler, namentlich in diesem Falle den Franzosen Belloq (Paul Freeman), an den er gleich zu Beginn des Films ein wertvolles Relikt verliert. Doch schnell wird Indy ein neuer Auftrag angeboten – aus Regierungskreisen. Er soll die sagenumwobene Bundeslade vor den Nationalsozialisten finden, die unter Mithilfe von Belloq schon fieberhaft nach ihr suchen. Ihr wird nachgesagt, dass sie den Besitzer und auch dessen Armee unbesiegbar mache. Doch zunächst ein kurzer Zwischenstopp in Nepal: Indy rettet nicht nur ein für die Suche notwendiges Amulett vor dem Feind, sondern passenderweise auch seine alte Liebe Marion (Karen Allen), der das Fundstück gehört. Gemeinsam reisen sie nun nach Kairo, wo auch die Nazis schon nach der Lade suchen. Aber auch als nach etlichen Verwicklungen und Ereignissen dort das Objekt der Begierde gefunden ist, nimmt das Abenteuer kein Ende.

George Lucas als Ideengeber und Produzent, Steven Spielberg als Regisseur, das klingt auf dem Papier nach einer Erfolgskombination und um das Ergebnis mal vorwegzunehmen: Vier Oscars und Sonderoscar in technischen Kategorien, vier weitere Nominierungen, vornehmlich in den wichtigen Kategorien (Beste[r] Film, Regie, Kamera, Musik) und ein enormer Zuschauerzuspruch, gleichbedeutend mit finanziellen Riesengewinnen. Das zeugt davon, dass wir es hier mit den Anfangstagen des Blockbuster-Kinos und dessen Pionieren zu tun haben. Jäger des verlorenen Schatzes erfüllt nicht nur Konventionen des modernen Kinos, sondern prägt sie noch selbst mit. Lucas (Star Wars-Saga) und Spielberg (Der weiße Hai) hatten zuvor bereits solo großen Erfolg. Und nun ein gemeinsamer Film? 'Das kann ja nur erfolgreich werden' müssen sich da auch die beiden gedacht haben und inszenieren ihr Werk dementsprechend selbstbewusst.

Indiana Jones will keine Ikone werden, er ist im Film einfach von Anfang an eine. Eine etwaige Hintergrundgeschichte wird einfach durch Andeutungen ersetzt, die zeigen, dass Abenteuer erleben und Schätze jagen sein täglich Brot ist. Für mehr ist keine Zeit, das Spektakel regiert. Den Zuschauer umgarnt Indy mit lässiger Selbstverständlichkeit nebenher. Wenn der so menschliche Jones auf einem Pferd den per Auto entkommenden herzlosen Hitler-Schergen hinterhereilt und sich die unterdrückte ägyptische Bevölkerung erhebt und ihn anfeuert, ist das ein starkes Gleichnis für: Recht gegen Unrecht. Fühlendes Lebewesen gegen kühl kalkulierende Maschine, und das gleich im doppelten Sinne. Für solch mitreißende Sequenzen wie die anschließenden Kampf- und Verfolgungshandlungen besucht man das Kino, und mag Indiana Jones – Filme.

Mit Harrison Ford hat man außerdem den richtigen Mann für die Rolle gefunden. Er spielt einen draufgängerischen Professor und Schatzjäger mit guten körperlichen Fähigkeiten, starkem Durchhaltewillen und Intellekt. Dabei wirkt er aber nicht abgehoben, so dass sich der Zuschauer mit ihm verbunden fühlen kann. Bis zu einem gewissen Grad bietet sich auch ein Vergleich zu seiner Figur des Han Solo in Lucas' Star Wars an. Leicht verschmitzt und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, vereint Ford in seiner Figur teilweise den 80er-Action-Held-Typus und reichert diesen mit dem ihm eigenen Charme, ein wenig Verwundbarkeit und einer unterschwelligen emotionalen Komponente an. Diese findet Anwendung in der nicht zu tief ausgeloteten Liebesbeziehung zwischen Marion und Indy. Auch hier wird wieder eine längere Vorgeschichte angedeutet. Karen Allen harmoniert gut mit Ford und bietet seinem doch recht einnehmenden Charakter mit einem sturköpfigen Gegenpart Paroli. Die Bösewichte, Belloq vielleicht ein wenig ausgenommen, kommen ziemlich schablonenhaft daher. Das stört allerdings nicht wirklich, denn eine Psychologisierung des Feindes, während noch nicht einmal die Hauptperson wirklich tiefgreifend beleuchtet wird, wäre hier wohl fehl am Platz.

Oft kann eine solche Inszenierung der Personen von erzählerischer Schwäche zeugen, hier funktioniert sie jedoch dank zwar eindimensionaler, jedoch mitreißender Handlung und ähnelt in diesem Aspekt frühen James Bond – Filmen. Der Fokus liegt auf der Unterhaltung, der Action, dem Witz. Lässt man sich auf diese Art der Figurenzeichnung ein (und schwer fallen tut das nicht) entfaltet der Film sein Potential komplett. Er reiht spannende Action-/ und Abenteuersequenzen aneinander, die inhaltlich einfallsreich und unterschiedlich genug sind, um dauerhaft zu unterhalten. Auch der Rhythmus, mit dem die verschiedenen Versatzstücke filmisch aneinander montiert sind, ist passend und sorgt dafür, dass sich der Spannungseffekt und die Schauwerte des Spektakels nicht abnutzen. Jones' Heldenreise ist stimmig, fast immer unterhaltsam, gerne auch lustig und wirkt doch oft genug so ernstzunehmend gefährlich, dass das Mitfiebern vorprogrammiert ist. Dafür sorgt nicht zuletzt auch der herausragende und weltbekannte Score von John Williams.

Heute lässt sich sagen, dass Jäger des verlorenen Schatzes und mit ihm das ganze Franchise Popkultur geworden ist. Sein Einfluss bleibt nicht einmal auf den Film beschränkt, sondern findet sich in so ziemlich allen modernen Medien wieder, beispielsweise auch in Videospielen wie jüngst in den „Uncharted“ - Games. Diesbezüglich reiht sich Jäger des verlorenen Schatzes auf Augenhöhe neben Lucas' „Star Wars“ und Spielbergs „Der weiße Hai“ ein und altert in bester Manier. Mit Würde.

Kritik: Tim Gieselmann

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