In den Gängen

In den Gängen

Regisseur: Thomas Stuber, Schauspieler/in:
Franz Rogowski
,
Sandra Hüller
,
Peter Kurth
,
Andreas Leupold
,
Michael Specht
. Drehbuch: Thomas Stuber, Clemens Meyer

In den Gängen ist ein deutscher Spielfilm von Thomas Stuber aus dem Jahr 2018. Das Melodram basiert auf einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer und zeigt die Lebenswelt eines einfachen Angestellten (dargestellt von Franz Rogowski) in der ostdeutschen Provinz.

Der Film wurde am 23. Februar 2018 im Rahmen der 68. Berlinale uraufgeführt und soll am 24. Mai 2018 in die deutschen Kinos kommen.

Handlung

Der Film ist lose in drei Kapitel unterteilt, die nach den Hauptfiguren benannt sind:

Christian

Ostdeutschland, in der Gegenwart: Christian beginnt seine Probezeit in einem abgelegenen Großmarkt. Der ältere Bruno aus der Getränkeabteilung, ein ehemaliger Fernfahrer, nimmt den schweigsamen jungen Mann unter seine Fittiche. Er bringt ihm allerlei Tricks und Kniffe bei und wird zum väterlichen Freund. Gleichzeitig verguckt sich Christian in die gleichaltrige Marion, die bei den Süßwaren im Gang nebenan arbeitet. Er findet ein Haarband von ihr, das er mit nach Hause nimmt, in eine karg eingerichtete Plattenbauwohnung, in der er allein lebt.

Marion

Marion beginnt mit dem schüchternen Christian am Kaffeeautomaten zu flirten, nennt ihn „Frischling“ und bewundert seine unter der Arbeitskleidung verborgenen Armtattoos. Von Bruno wird Christian ins Gabelstaplerfahren eingeführt. Er besucht einen berufsbegleitenden Kurs und erlangt, von den Kollegen unterstützt, den Staplerschein. Christians Zuneigung zu Marion bleibt von Bruno nicht unbemerkt. Er überrascht sie zu ihrem Geburtstag mit einem Yes-Torty. Von einer Kollegin erfährt er aber, dass Marion verheiratet ist, wenn auch angeblich nicht sehr glücklich. Aufgrund der unterschiedlichen Schichtarbeit sieht Christian Marion erst auf der Firmen-Weihnachtsfeier wieder. Er erzählt ihr auf Nachfrage, dass er früher auf dem Bau gearbeitet habe, aber nach einem Streit mit seinem Chef entlassen worden sei. Beide tauschen gemeinsam Zärtlichkeiten aus. In der Folgezeit meidet Marion plötzlich Christian. Als er sie eines Tages darauf anspricht, fängt sie fast an zu weinen und verneint, dass er der Grund sei.

Als Marion plötzlich für längere Zeit krankgeschrieben ist, fällt Christian in ein tiefes Loch und betrinkt sich mit früheren Freunden. Er kommt daraufhin eine Stunde zu spät zur Arbeit und erhält eine Verwarnung. Bruno erzählt Christian, dass Marions Ehemann ein „Arschloch“ sei und nicht bei ihr nachhaken solle, wenn er sie gernhabe. Christian will Marion daraufhin mit einem Blumenstrauß besuchen. Er findet das Einfamilienhaus in einer Neubausiedlung scheinbar verlassen vor und verschafft sich Zutritt durch die offene Terrassentür. Er beobachtet Marion heimlich, wie sie ein Bad nimmt, flüchtet aber, als sie ihn bemerkt. Später betrinkt er sich in einer Bar.

Bruno

Bruno nimmt Christian eines Tages nach Feierabend mit zu sich nach Hause. Er bewohnt in der Nähe einen Hof mit seiner Frau. Bruno konfrontiert Christian mit seinem Verdacht, er habe im Gefängnis gesessen. Christian bejaht und erklärt ihm, dass er als Jugendlicher mit Freunden Einbrüche begangen habe, der Eintrag aber durch das Jugendstrafrecht mittlerweile gestrichen sei. Bruno lobt Christian als „guter Mann“ und erzählt ihm, dass er seine frühere Arbeit als Fernfahrer vermisse.

Als Marion wieder zur Arbeit erscheint, bedankt sie sich bei Christian für die im Haus versehentlich zurückgelassenen Blumen. Beide tauschen Zärtlichkeiten im Tiefkühlraum aus. Als die Belegschaft erfährt, dass der tatsächlich alleinlebende Bruno Suizid begangen hat, streift Christian noch einmal durch den verlassenen Hof und besucht mit den übrigen Kollegen die Beerdigung. Er absolviert erfolgreich die Probezeit und nimmt Brunos Platz in der Getränkeabteilung ein. Marion zeigt Christian eines Tages einen Trick, den sie von Bruno gelernt hat: Wenn man die leere Gabel des Gabelstaplers ganz nach oben fährt und langsam wieder hinablässt, wird ein an Meeresrauschen erinnerndes Geräusch erzeugt.

Produktion

Regie führte Thomas Stuber, der gemeinsam mit Clemens Meyer auch das Drehbuch zum Film schrieb. Es basiert auf Meyers gleichnamiger Kurzgeschichte, die er 2008 in seinem Erzählband Die Nacht, die Lichter veröffentlichte. Der Autor hatte selbst drei Jahre als Gabelstaplerfahrer in einem Großmarkt gearbeitet.[1] Für das Filmskript wurden Stuber und Meyer 2015 mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet. Nach dem Kurzfilm Von Hunden und Pferden und dem Filmdrama Herbert handelt es sich um die dritte Zusammenarbeit von Stuber und Meyer. Letzterer wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Silber 2016 in der Kategorie „Bester Spielfilm“ ausgezeichnet. Von Hunden und Pferden gewann 2011 den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold und wurde 2012 mit dem Studenten-Oscar in Silber ausgezeichnet.[2][3]

Der Film erhielt von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg eine Produktionsförderung in Höhe von 340.000 Euro, vom BKM neben einer Drehbuchförderung von 30.000 Euro eine Produktionsförderung in Höhe von 200.000[4], vom Medienboard Berlin-Brandenburg 100.000 Euro[5], von der Mitteldeutschen Medienförderung in Höhe von 450.000 Euro[6] und vom Deutschen Filmförderfonds eine Förderung von 378.206 Euro.

Die Dreharbeiten fanden in Leipzig, Wittenberg, Bitterfeld und Karlsruhe statt und wurden am 28. Februar 2017 bei Leipzig begonnen.[2] Nach weiteren Dreharbeiten in Wittenberg, wo die Szenen in der Süßwarenabteilung entstanden[7], folgten Aufnahmen im inneren des Hamberger Getränkegroßmarktes in Bitterfeld, wo der Film zum größten Teil gedreht wurde. Während dort tagsüber Kundenverkehr war, fanden die Dreharbeiten nachts statt.[7] In Karlsruhe drehte man Szenen, in denen Christian seinen Gabelstaplerschein macht, in einer Fahrschule und in einer Halle in Hagsfeld.[8] Am 12. April 2017 wurden die Dreharbeiten nach 30 Drehtagen beendet.

Der Film feierte am 23. Februar 2018 im Rahmen der 68. Berlinale seine Premiere.[9][10] Am 24. Mai 2018 soll der Film in die deutschen Kinos kommen.[11]

Auszeichnungen

Der Film befindet sich in der Vorauswahl der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2018.[19][20] Im Folgenden weitere Auszeichnungen und Nominierungen.

Deutscher Drehbuchpreis 2015

  • Auszeichnung für Thomas Stuber und Clemens Meyer[2][21][22]

Deutscher Filmpreis 2018

  • Nominierung als Bester Spielfilm (Jochen Laube und Fabian Maubach)
  • Nominierung für die Beste männliche Hauptrolle (Franz Rogowski)
  • Nominierung für die Beste weibliche Nebenrolle (Sandra Hüller)
  • Nominierung für die Beste Kamera / Bildgestaltung (Peter Matjasko)[23]

Internationale Filmfestspiele Berlin 2018

  • Teilnahme am Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären
  • Auszeichnung als Bester Film im Wettbewerb der Berlinale mit dem Gilde-Filmpreis (Thomas Stuber)[24]
  • Auszeichnung mit dem Preis der Ökumenischen Jury (Thomas Stuber)[25]

Literatur

  • Meyer, Clemens: In den Gängen. In: Die Nacht, die Lichter. Frankfurt, M. : Fischer-Taschenbuch-Verl., 2010. – ISBN 978-3-596-17487-4. S. 187–212.

Einzelnachweise

  1. Liebe und Tod im Großmarkt: Clemens Meyer im Gespräch mit Ute Welty. In: deutschlandfunkkultur.de, 23. Februar 2018.
  2. MDR-Kinokoproduktion In den Gängen' wird in Leipzig, Bitterfeld, Wittenberg und Karlsruhe gedreht'' In: mdr.de, 9. März 2017.
  3. In den Gängen In: moviepilot.de. Abgerufen am 19. Dezember 2017.
  4. Staatsministerin Grütters fördert Film- und Drehbuchprojekte mit rund 2 Mio. Euro In: bundesregierung.de, 16. Dezember 2014.
  5. Förderentscheidungen 1/2016 In: medienboard.de. Abgerufen am 19. Dezember 2017.
  6. Mitteldeutsche Medienförderung vergibt über 2,2 Mio. Euro Projektförderung In: mdm-online.de, 15. Oktober 2015. (PDF; 66 KB)
  7. Stefan Schröter: Dreharbeiten in Bitterfeld MDR-Kinokoproduktion in den Gängen eines Getränkemarktes In: mz-web.de, 19. März 2017.
  8. Felix Haberkorn: Film-Dreh in Karlsruhe: Ein Hauch von Hollywood weht durch die Fächerstadt In: ka-news.de, 25. März 2017.
  9. Pressemitteilungen Wettbewerb 68. Berlinale In: berlinale.de, 18. Dezember 2017.
  10. Die ersten Wettbewerbsfilme stehen fest In: Deutschlandfunk Online, 18. Dezember 2017.
  11. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 10. März 2018.
  12. Dalton, Ben: 'Isle Of Dogs tops Screen's final Berlin Jury Grid; Golden Bear winner 'Touch Me Not' scores low''. In: screendaily.com, 26. Februar 2018 (abgerufen am 8. März 2018).
  13. Hanns-Georg Rodek: Berlinale: Thomas Stubers Ost-Film In den Gängen''' In: welt.de, 24. Februar 2018.
  14. https://www.tagesspiegel.de/kultur/in-den-gaengen-im-berlinale-wettbewerb-der-frischling-und-die-suesswaren-fee/20999268.html
  15. https://www.berliner-zeitung.de/kultur/film/berlinale-wettbewerb-eine-liebesgeschichte-aus-dem-grossmarkt-29773518
  16. http://www.taz.de/!5484379/
  17. Jessica Kiang: Berlin Film Review: ‘In the Aisles’ In: Variety, 23. Februar 2018.
  18. Stephen Dalton: 'In the Aisles ('In den gangen'): Film Review | Berlin 2018'' In: The Hollywood Reporter, 23. Februar 2018.
  19. Die Vorauswahl 2018 In: deutscher-filmpreis.de. Abgerufen am 14. Januar 2018.
  20. http://www.filmstarts.de/nachrichten/18516457.html
  21. Thomas Stuber erhält Drehbuchpreis In: firststeps.de, 18. Februar 2015.
  22. Thomas Stuber und Clemens Meyer erhalten Deutschen Drehbuchpreis In: focus.de, 6. Februar 2015.
  23. Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2018 In: bundesregierung.de, 14. März 2018.
  24. http://www.mediabiz.de/film/news/gilde-filmpreis-fuer-in-den-gaengen/427219
  25. http://www.deutschlandfunkkultur.de/preis-der-oekumenischen-jury-geht-an-in-den-gaengen.265.de.html?drn:news_id=854585

Dieser Artikel (grau hinterlegt) steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). Die Vorliegende Version wurde am 14. März 2018, 13:03 UTC unter den o.g. Lizenzen veröffentlicht. Mit Beiträgen (Autor/en) von: . Aus Datenschutzrechtlichen Gründen werden Autoren von denen lediglich eine IP-Adresse hinterlegt wurde hier nicht aufgeführt.

In den Gängen Handlung

Christian (Franz Rogowski) ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno (Peter Kurth), der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion (Sandra Hüller) von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet - aber nicht sehr glücklich, wie es heißt. (Text: Verleih)

Filmbilder In den Gängen

Filmfoto: In den Gängen
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