Forrest Gump

Forrest Gump

Regisseur: Robert Zemeckis, Schauspieler/in:
Tom Hanks
,
Robin Wright
,
Gary Sinise
,
Sally Field
,
Mykelti Williamson
. Drehbuch: Eric Roth

Forrest Gump Handlung

"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: man weiß nie, was drinsteckt."

Und wie diese Schachtel Pralinen, so steckt auch der Film "Forrest Gump" voller Überraschungen. Denn das, was der naive aber herzensgute Forrest Gump (Tom Hanks) in seinem Leben scheinbar zufällig erreicht, ist erstaunlich: Als Football-Star, Kriegsheld und Tischtennistalent wird Forrest Gump bei zahlreichen Präsidenten eingeladen und gelangt nebenbei zu großem Wohlstand. Trotz Handicaps und einem IQ von nur 75 lebt Forrest Gump den 'American Dream', der sich ihm jedoch eher unfreiwillig erfüllt. Denn sein größter Traum besteht in der Erfüllung seiner Liebe zu Jenny, seiner großen Jugendliebe. Anders als Forrest erleidet Jenny (Robin Wright) viele Schicksalsschläge, sexueller Missbrauch und Drogenabhängigkeit zeichnen ihr Leben. Doch trotz trauriger Geschichten warten auf den Zuschauer auch Pralinés der humorigen Sorte. Und so erweist sich das Pralinen-Zitat auch als gültig für den Film, der mit mal lustigen mal traurigen Leckerbissen für dramatische Vielfalt sorgt. Wenn auch die Lebensgeschichte von Forrest Gump in vielen Teilen unrealistisch und kitschig anmuten mag, so rührt der Film durch seine feinfühligen Bilder und Dialoge dennoch an. Auf jeden Fall Taschentücher bereit legen!

Linn-Berit Nagel am Freitag 23. August 2013 12:42 Uhr

Forrest Gump Filmkritik

Forrest Gump Kritik der neue Film von Robert Zemeckis mit Tom Hanks und Robin Wright

Filmkritik von

Da sitzt er wieder mit seiner Pralinenpackung auf der wohl berühmtesten Bank der Filmgeschichte. "Life is like a box of chocolates" hat seine Mama immer gesagt. Aber das wissen wir ja alle bereits, oder? Denn "Forrest Gump" hat es geschafft, sich mit ikonischen Szenen und Zitaten in das kollektive Gedächtnis der Filmwelt einzubrennen. Als Mega-Produktion mit enormen Werbemitteln ausgestattet und zu Hochzeiten des Videoverleihs in die Haushalte der ganzen Welt gespült. Da sind die Unkenrufe natürlich nicht weit, die das mehrfach Oscar-prämierte Werk auf ein kühl kalkuliertes Produkt der monströsen Marketing-Maschine Hollywoods herunterbrechen wollen. Dabei scheint es aber, als hätte der Film auch heute nichts an Wirkung eingebüßt. Noch immer klingen Dialogfetzen in den Ohren, tauchen Bilder vor dem inneren Auge auf. Und gelegentlich stößt man beim Zappen an einem Samstag Abend wieder auf diesen treudoof dreinschauenden Tom Hanks (Forrest Gump), legt die Fernbedienung beiseite, lehnt sich zurück und genießt seine märchenhafte Odyssee durch die amerikanische Geschichte.

Forrest Gump wirkt wie ein gutmütiger, aber etwas einfältiger Geselle, so wie er da mit anderen Fahrgästen auf der Bank einer Bushaltestelle sitzt und über sein Leben schwadroniert. Als kleiner Junge hatte er es nicht leicht im Alabama der fünziger Jahre. Sein Arzt verschrieb ihm sperrige Gehhilfen, die seinen krummen Rücken begradigen sollten und vor seiner Einschulung wird sein weit unterdurchschnittlicher IQ von 75 festgestellt. Zum Glück hat der hilfsbedürftige Forrest eine Mutter, die sich aufopferungsvoll um ihren Sohn kümmert und ihm immer wieder einredet, so zu sein wie alle anderen. Das ist Forrest jedoch keineswegs. Er ist ein langsamer Denker, dem selbst das Offensichtlichste entgeht. Doch hat er einige andere, besondere Begabungen und eine davon soll sich dank seiner besten und einzigen Freundin schon bald offenbaren: Mit steinewerfenden Rowdies konfrontiert, die sich über ihn lustig machen, appelliert Jenny an den eingeschüchterten Jungen: "Run Forrest, Run!".

Und laufen kann er. Seine Beinschienen lösen sich und seine Widersacher bleiben staunend zurück. Die Jahre gehen ins Land und sein Talent wird Forrests Markenzeichen. Sogar aufs College schafft er es als Football-Spieler. Aus der Freundschaft zu Jenny (Robin Wright) wird Liebe. Doch Jenny fühlt sich von seiner Einfältigkeit und dem ständigen Fürsorgebedürfnis erdrückt, will ihren eigenen Weg gehen und plant eine Karriere als Bühnenstar. So trennen sich also ihre Wege. Forrest muss zur Armee und findet sich bald in Vietnam wieder, während Jennys Träume, ihren Rockidolen nachzueifern, an der harten Realität des Showbusiness zerschellen und sie sich in Selbstzweifel und alternative Lebensstile flüchtet.

Die Lebensgeschichte der Beiden stellt das Grundgerüst, doch was den Film vor allem ausmacht, ist wie und in welchem Dunstkreis sie erzählt wird. Robert Zemeckis schickt seine Protagonisten auf einen mitreißenden Trip durch die Sechziger und Siebziger und lässt dabei Skandale, Unglücke, aber auch gesellschaftliche Bewegungen und Trends wieder aufleben. Der Clou des Films ist dabei, dass der geschichtliche Rahmen nicht nur als reine Staffage dient, sondern die Figuren aktiv an den turbulenten Ereignissen mitwirken. Schlüsselmomente, wie die Ermordung Kennedys, werden aufgegriffen und der Regisseur, der vor allem durch seine SciFi-Kult-Trilogie "Back to the Future" bekannt wurde, bedient sich verschiedenster Tricktechniken und schneidet Tom Hanks etwa in authentische Fernsehaufnahmen hinein. Forrest trifft diverse Präsidenten und sitzt auf einer Talkshow-Couch neben John Lennon. Doch auch ohne diesen äußerst geschickten Einsatz von Effekten funktioniert die Einbettung: Jenny wird Teil der Hippie-Bewegung, Forrest meldet den Einbruch in das Watergate-Hotel. Es gibt Unmengen dieser kleinen episodischen Kniffe und sie sind es, die den äußerst unterhaltsamen Kern des Films bilden. Das Tempo ist durchweg hoch und das humoristische Timing passt. Kostüme und Sets wirken stimmig und gefühlt jede bekannte Band dieser Zeit darf einen oder mehrere Titel zur musikalischen Untermalung beisteuern.

Forrest ist zwar etwas naiv und ein wenig dümmlich, aber auch ein Mann der Tat, der nicht nachdenkt, sondern handelt. Gerne auch nur, weil er blind den Befehlen anderer folgt. Glückliche Umstände und außergewöhnliche Begabungen weisen ihm den Weg. Sein simpler Charakter lässt ihn zur Projektionsfläche für den Zuschauer werden und der Erfolg seiner Taten wirkt inspirierend. Kurz: Er lebt den amerikanischen Traum. Doch durch die tragischen Schicksale der anderen Figuren wird der US-Mythos von Freiheit und Selbstverwirklichung gleichzeitig wieder dekonstruiert. Diese Ambivalenz gibt dem Film eine ganz eigene, außergewöhnliche Klangfarbe und lässt ihn ständig zwischen innovativem Unterhaltungskino und kritischem Kommentar oszillieren.

Für die großen Emotionen sorgt ein ständiges Wiedersehen und "Auf Wiedersehen". Forrest muss sich wieder und wieder von Jenny verabschieden und sein in Vietnam zum Krüppel gewordener Freund und Lieutenant Dan (Gary Sinise) verschwindet oft plötzlich, um dann genauso überraschend wieder aufzutauchen. Diese dosiert eingesetzten Brüche in der Handlung halten einen Spannungsbogen aufrecht, der inmitten der vielen episodischen Verwicklungen gelegentlich zu reißen droht. Vor allem der Army- und Vietnam-Teil ist dabei deutlich zu lange und abwechslungsarm geraten. Mit Forrests Rückkehr nach Alabama und seiner zunehmenden Auseinandersetzung mit der bedrückenden Lebensrealität seiner Mitmenschen drosselt Zemeckis das Tempo und die Tragik nimmt zu. Das funktioniert dann lange Zeit hervorragend, doch leider wird die Geschichte Hollywood-typisch etwas zu konsequent zuende erzählt und der Abschluss fällt ein wenig zu kitschig aus.

Die Nebenrollen sind durch die Bank hervorragend besetzt, doch unweigerlich stellt sich natürlich die Frage nach der titelgebenden Hauptfigur und ihrem Darsteller, Tom Hanks. Und man kann sich tatsächlich streiten, ob dieser den Hauptdarsteller-Oscar wirklich verdient hatte. Bewegt er sich zu nahe am Klischee? Wirken seine Gefühlsausbrüche nicht ein wenig zu angestrengt? Doch Forrest Gump ist als Figur ein Unikat und tatsächlich wird uns das durch Hanks eigenwilliges Schauspiels immer wieder vor Augen geführt. Hanks ist Gump und Gump ist Hanks. Und das ist irgendwie auch gut so.

Es bleibt also festzustellen, dass Zemeckis irgendeinen Nerv getroffen haben muss, denn trotz kleinerer Schwächen weiß der Film auch heute noch zu begeistern. Und genauso wird er wohl auch kommende Generationen unterhalten, bewegen oder sogar inspirieren. Nur kann einem auch niemand den genervten Griff zur Fernbedienung übelnehmen, wenn Hanks bei der fünfzigsten Free-TV-Wiederholung ein weiteres "My name is Forrest. Forrest Gump" zum Besten gibt. Aber ja Forrest, das wissen wir doch. Wie wäre es stattdessen mit einem Shrimpcocktail?

Kritik: Sebastian Deufel



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