Fight Club

Fight Club

Regisseur: David Fincher, Schauspieler/in:
Edward Norton
,
Brad Pitt
,
Helena Bonham Carter
,
Meat Loaf
,
Zach Grenier
. Drehbuch: Jim Uhls

Fight Club Handlung

Der Ich-Erzähler des Films ist ein von der Gesellschaft und dem Leben frustrierter Mann, den das Streben nach Höherem anödet. Zusammen mit einem seiner diversen Freunde gründet er einen Club. Der "Fight Club" ist der härteste und brutalste Boxclub, den es gibt. Der skrupellose Organisator der Kämpfe, Tyler Durden (Brad Pitt), sieht zu, wie sich die Boxer, alles Yuppies, die das Ganze als Ventil für ihre Alltagsdepression nutzen, fast gegenseitig umbringen. (JP)

Fight Club Filmkritik

Fight Club Kritik der neue Film von David Fincher mit Edward Norton und Brad Pitt

Filmkritik von

Was ist ein Kultfilm? Nicht nur online in Blogs und Foren streiten sich Filmfans über diese vielleicht am schwersten greifbare Kategorie, auch in der Filmwissenschaft wird der Terminus debattiert. Einige Merkmale dessen, was uns im einundzwanzigsten Jahrhundert als Kultfilm gilt, lassen sich dennoch mit einiger Sicherheit festhalten: Stilisierte, oft extreme Gewalt, eine nicht im klassischen Sinne lineare Erzählstruktur, post-moderne Selbstreferenz, ein eingängiger Soundtrack oder Score, sowie Hauptfiguren, die nicht psychologisiert werden, sondern ″flach″ bleiben. Sicherlich gibt es ″Kultfilme″, die diesen Rahmen sprengen, David Finchers ″Fight Club″ aber trifft wohl alle diese Kriterien punktgenau wortwörtlich auf den Kopf.

In einem Interview zu der zum Erscheinungszeitpunkt des Films kontrovers diskutierten Gewaltdarstellung befragt, äußerte Fincher, er habe die Gewalt in ″Fight Club″ immer als Metapher für Drogenkonsum verstanden; ″Pulp Fiction″ (ein weiterer Vertreter der Kult-Schublade) halte er im Gegensatz persönlich für gewaltverherrlichend. Nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Regisseure oft die uninteressantesten Dinge über ihre durchaus interessanten Filme zu sagen haben. Denn auch wenn es denkbar ist, ″Fight Club″ als Allegorie für einen den Drogen verfallenen Protagonisten zu deuten, wird bald deutlich, dass man letztlich nur die Begriffe austauscht, dem Kern des Films aber nicht näher kommt: Edward Nortons namenloser Erzähler ist fraglos süchtig nach der körperlichen Gewalt und dem maskulinen Beisammensein, entwickelt (im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich herausstellt) eine Parallelexistenz zu seinem sterilen Bürojob und sucht den Kick, die Gefahr wie ein Drogensüchtiger. Was aber will er wirklich? Wonach sucht er? Die Antwort findet, wer einen Blick auf Finchers restliches Werk wirft.

Restlos alle von Finchers Filmen sind ″Paar-Filme″, will heißen, der Plot wird angetrieben von der komplizierten Beziehung zweier Hauptfiguren zueinander. Das begann mit Ripley und dem Alien in ″Alien 3″, entwickelte sich weiter mit den Polizisten Mills und Somerset in ″Se7en″ und manifestierte sich zuletzt in der seltsamen Liebesbeziehung zwischen der Hackerin Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in ″Verblendung″. Die grundsätzliche Frage, der Fincher folgt, hat schon Künstler wie beispielsweise Scott Fitzgerald beschäftigt: Was, wenn es einen, und nur einen Menschen auf dieser Welt gibt, der mein Schicksal bestimmen wird? In ″Fight Club″ gewinnt diese Frage, anders als in ″Benjamin Button″, Finchers Fitzgerald Verfilmung, jedoch nicht klassisch romantische Züge, sondern wirkt eher autoerotisch: Wie uns der berühmte Plottwist verrät (Spoiler-Alarm für die Nicht-Eingeweihten) handelt es sich bei Norton und Brad Pitts Tyler Durden schließlich um ein und die selbe Person, ihre Ehe-ähnliche Beziehung ist die vielleicht extremste Form von Selbstverliebtheit in der Filmgeschichte.

Die Erlösung in der letzten Szene des Films ist daher einerseits eine ökonomische, explodieren doch im Hintergrund Bankgebäude und vernichten damit alle existierenden Schulden, aber vor allem auch eine romantische, entkommt der Protagonist doch seiner Psychose und damit auch seiner gesellschaftlich nicht akzeptierten, tendenziell homoerotischen Selbstverliebtheit – wenn Helena Bonham Carters Marla Singer wohl auch nicht unbedingt einen Eintritt in die ″Normalität″ verheißt. Kenner der empfehlenswerten Buchvorlage von Chuck Palahniuk werfen Fincher dieses vom Buch abweichende Happy End jedoch bis heute vor. Aber mal ehrlich: Spätestens, wenn die ersten Akkorde von ″Where Is My Mind?″ von den Pixies erklingen, verwandelt sich jede Kritik immer wieder in pure Gänsehaut.

Tyler Durdens Romanze mit seinem eigenen, besseren Ich ist aber nur eine der zahlreichen Facetten, die ″Fight Club″ auch nach mittlerweile fast 15 Jahren immer noch als brutalen Psychothriller, schräge Konsum-Satire, sowie aggressiven Agitprop zugleich kennzeichnen. Der selbstreferenzielle Stil, mit dem Fincher Tyler Durdens krude anti-kapitalistische, anarchistische, aber zugleich auch stets leicht faschistisch anmutende Philosophie bebildert, wirkt in Zeiten von uniformierten Internet-Aktivisten mit Guy-Fawkes-Masken und unklarer Ideologie so treffend wie nie. Ist Durdens ″Projekt Chaos″ nur ein Auffangbecken für frustrierte Männer in der Midlife-Crisis, oder ein drastischer aber notwendiger Schritt aus der Konsum-Hysterie und Versklavung durch Großkonzerne? Glücklicherweise gibt Fincher darauf keine Antwort, sondern lässt offen, was jeder von uns am besten mit seinem eigenen Tyler Durden machen sollte.

Nicht zuletzt ist ″Fight Club″ natürlich auch ein Film über Filme, vielleicht sogar ein Kultfilm über Kultfilme. Schließlich nimmt Tyler Durden, in einer der bekanntesten Szenen des Films, die Rolle eines Regisseurs ein, in dem er pornographische Einzelbilder in Disney-Filme hereinschneidet. Fincher tut es ihm gleich, in dem er von Anfang an Tyler Durden bereits vor seinem ersten Auftritt als kurz aufflackerndes Bild auftauchen lässt. ″Sie wissen nicht, dass Sie es gesehen haben, aber Sie haben es gesehen,″ erklärt Durden diese Taktik. Dass ein Film mit einer solch drastischen Thematik, Struktur und Ideologie zu einem solchen Massenphänomen mit Kultstatus geworden ist, im Fernsehen läuft und allgemein als ″guter Film″ akzeptiert wird, kann man entweder als grotesken Widerspruch interpretieren, oder als die Macht von Kultfilmen, alternative Stile und Ideen in den Mainstream zu schmuggeln. In bester Tyler-Durden-Manier.

Kritik: Tim Lindemann



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