Ein Leben

Ein Leben

Regisseur: Stéphane Brizé, Schauspieler/in:
Judith Chemla
,
Jean-Pierre Darroussin
,
Yolande Moreau
,
Swann Arlaud
,
Nina Meurisse
. Drehbuch: Stéphane Brizé, Florence Vignon, Guy de Maupassant

Ein Leben Handlung

Die junge Landadelige Jeanne muss erkennen, dass die Gesellschaft den Frauen des 19. Jahrhunderts wenig Freiräume lässt, um sich zu entfalten. Zunächst glücklich aus der Klosterschule in den Schoß der Familie zurückgekehrt, heiratet sie den verarmten Adeligen Vicomte Julien de Lamare, der ihren rebellischen Eigensinn zu brechen versucht. (vf)

Ein Leben Filmkritik

Ein Leben Kritik der neue Film von Stéphane Brizé mit Judith Chemla und Jean-Pierre Darroussin

Filmkritik von

Eine weltfremde Frau mit reiner Seele

Eigentlich müsste das Leben der jungen Jeanne (Judith Chemla) zu Füßen liegen. Als Tochter eines französischen Barons (Jean-Pierre Darroussin) ist sie in der Normandie des Jahres 1819 eine gute Partie. Mit Vater und Mutter (Yolande Moreau) wohnt sie auf einem schlossähnlichen Landgut, gärtnert zum Vergnügen mit dem Vater, leistet den Eltern beim Backgammonspiel Gesellschaft. Jeanne ist Genügsamkeit gewöhnt. Manchmal können die Tage, besonders im Winter, in dieser ländlichen Abgeschiedenheit lang werden. Dann fragt Jeanne die junge Dienstmagd Rosalie (Nina Meurisse), ob sie Zeit hat, sich ein wenig mit ihr zu unterhalten. Die Mutter liest gerne in alten Briefen und auch Jeanne liebt die poetische, gewählte Sprache, mit der sie in Voice-Over hin und wieder ihre Wünsche und Überlegungen ausdrückt.

Filmfoto: Ein Leben©Michaël Crotto / TS ProductionsDoch auch als dann die Liebe in Jeannes Leben tritt, verwandelt sich dieses Mauerblümchen nicht in eine strahlende Rose. Ihr Mann Julien (Swann Arlaud) wird fremdgehen. Sie wird entdecken, dass auch andere Menschen, die ihr nahestehen, lügen und betrügen. Der französische Regisseur Stéphane Brizé („Mademoiselle Chambon“) hat den gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant zu einem zeitlosen Drama adaptiert, in dem die Heldin zwar die langen Röcke und die Hüte ihrer Epoche trägt, aber mental auch in einer anderen, näher an der Gegenwart liegenden Ära beheimatet sein könnte. Sie wirkt naiv, glaubt an das Gute, die Liebe, kennt aber die Welt und das Leben nicht. Schritt für Schritt, unerbittlich, werden ihr die Augen geöffnet, bis sie beinahe den Verstand verliert.

Doch auch im Leid, sagt ihre Voice-Over-Stimme einmal, scheint noch ein wenig Hoffnung auf. Nie erlöschen die Hoffnung und das gelebte Glück, die Jeanne im Elternhaus geschenkt bekam, vollständig. Auf jeden der einsamen Winter an der Küste folgt ein neues Gartenjahr mit kleinen Setzlingen, die wachsen und gedeihen. Jeanne sucht Halt im Glauben, aber der Rat, den ihr die Priester erteilen, ist leider weder gut noch selbstlos.

Filmfoto: Ein Leben©Michaël Crotto / TS ProductionsIn vielen kurzen Rückblenden lässt sich der Film von Jeannes Erinnerungen an schöne Momente leiten, eine Wanderung mit Julien, ein Fangenspiel mit ihrer Freundin im Obstgarten. Aber wer könnte so genau sagen, welche dieser Bilder mehr sind als pure Einbildung? Der Originalton bleibt dabei ausgeblendet, Musik, auf einem Klavier der alten Zeit gespielt, erklingt. In Szenen mit Dialogen wiederum springt das Bild im engen, fast quadratischen Format gerne zu einem anderen Schauplatz, als würde Jeanne bereits über die Worte nachdenken.

Das ständige Pendeln zwischen den Zeiten wirkt auf Dauer redundant und auch manieriert. Der meist stummen Jeanne kommt man nicht wirklich nahe, denn die Gedankenbilder ersetzen stets ihren unmittelbaren, lebendigen Ausdruck. Nie wurde beispielsweise gezeigt, wie sie sich wirklich verliebte, und auch die Beziehung zu ihrem Sohn Paul (Finnegan Oldfield), auf dessen Rückkehr aus England sie später unermüdlich hofft, hatte man zu wenig gedeihen sehen. So wirkt diese Art der Inszenierung, die flatterhaft dem inneren Erleben Jeannes folgt, nicht ganz geglückt.

Filmfoto: Ein Leben©Michaël Crotto / TS ProductionsAber es steckt in dieser Geschichte dennoch auch viel Wahrheit, über die zyklische Natur des Lebens, die Brutalität des Scheiterns, die Saat der Zuneigung und der Liebe. Diese unscheinbare Person hat mit ihrem Vertrauen in andere nicht nur Schiffbruch erlitten, sondern auch einen Keim gelegt. Der Rest ist Warten in schöner Landschaft.

Kritik: Bianka Piringer

Filmbilder Ein Leben

Filmfoto: Ein Leben


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