Djam

Djam

Regisseur: Tony Gatlif, Schauspieler/in:
Daphne Patakia
,
Simon Abkarian
,
Maryne Cayon
,
Kimon Kouris
,
Solon Lekkas
. Drehbuch: Tony Gatlif

Djam Filmkritik

Djam Kritik der neue Film von Tony Gatlif mit Daphne Patakia und Simon Abkarian

Filmkritik von

Wo man singt, da lass dich nieder

Heimat und Fremde sind in diesem Roadmovie des Regisseurs und Drehbuchautors Tony Gatlif keine echten Gegensätze mehr. Auf der griechischen Insel Lesbos, wo die junge Djam (Daphné Patakia) und ihr Stiefvater Kakourgos (Simon Abkarian) wohnen, verlieren die Menschen aufgrund der Schuldenkrise ihr Hab und Gut. Kakourgos könnte mit seinem Boot, wie einst der griechische Sagenheld Odysseus, in See stechen, aber er braucht eine neue Treibstange, die ihm Djam aus Istanbul besorgen soll. Djams Mutter starb in Paris, voller Sehnsucht nach der Heimat, und die Tochter verbirgt die Trauer über den Verlust tief in ihrem Inneren. Aber wenn sie auf ihrer Laute, der Baglama, den Rembetiko spielt, klingt die Schwermut immer mit.

Filmfoto: Djam©Princes Production 2017In der Türkei heftet sich die 19-jährige Französin Avril (Maryne Cayon) an Djams Fersen. Eigentlich wollte Avril mit ihrem Freund zur syrischen Grenze, um humanitäre Hilfe zu leisten, aber der Freund und ihr Geld sind weg und sie weiß nicht weiter. Nun wird Djam zu ihrer Helferin und die beiden jungen Frauen setzen ihre Reise gemeinsam fort. Gatlif lässt sie die gleiche Route nehmen wie die Flüchtlinge, die von Schleusern über einen Grenzfluss in das EU-Land gelotst werden. Sie begegnen anderen Reisenden, einem verzweifelten Griechen, der Haus und Familie verloren hat, nur den Flüchtlingen nicht, die dennoch Spuren hinterlassen, Graffitis, einen Berg von Rettungswesten. Djam, Avril, Kakourgos und der Grieche, der sterben wollte und dann doch beschließt, nach Norwegen zu gehen, sind die Migranten des europäischen Kontinents, auf dem die alten Sicherheiten versagen.

Die von Daphné Patakia sehr lebendig gespielte Djam hat die Musik im Herzen, die Flüchtlinge, Ausgestoßene einer früheren Epoche komponierten. Gatlif bezeichnet den Rembetiko als Mischung aus „Rebellion und Melancholie“. Überall begegnen die jungen Frauen Musikern und Djam spielt mit, singt und tanzt. Manchmal schnippt sie auch nur mit den Fingern und ordert aus dem Off Musik herbei. Solche magischen Momente geben dieser modernen Odyssee etwas Zeitloses und erinnern zugleich auch an die Szene aus „Alexis Sorbas“, in der Basil den von Anthony Quinn gespielten Titelcharakter bat, ihn das Tanzen zu lehren. Der Grieche Kakourgos wirkt im übrigen auch wie ein direkter Anverwandter von Alexis Sorbas, der weiß, dass man das Leben um seiner selbst willen feiern kann.

Filmfoto: Djam©Princes Production 2017Die Charaktere dieses Films begeben sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Wanderschaft. Das Leid, das Djam und Avril begegnet, lässt sie zugleich das Wesen der Menschlichkeit begreifen. Das Musizieren sorgt immer wieder für intensive, sinnliche Momente purer Gegenwart, ähnlich wie in Jonathan Demmes „Rachels Hochzeit“. Der ganze Film ist flatterhaft wie ein Schmetterling, der sich im Wind treiben lässt und sich mal hier, mal da niederlässt, um süßen Nektar zu nippen.

Filmfoto: Djam©Princes Production 2017Dass die beiden Hauptfiguren hübsche junge Frauen sind, macht die Geschichte natürlich nur noch attraktiver. Wenn Djam nackt auf dem Bett sitzt und auf der Baglama spielt, erinnert ihr Anblick an Edouard Manets Gemälde „Frühstück im Grünen“. Djam und Avril haben erkennbar die Aufgabe, dem männlichen Publikum zu gefallen, aber zugleich symbolisieren sie auch das weibliche Außenseitertum in der patriarchalen Kultur, das auf der Suche nach einer neuen Heimat ist.

Kritik: Bianka Piringer

Filmbilder Djam

Filmfoto: Djam


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