Die Passion Christi

Die Passion Christi

Regisseur: Mel Gibson, Schauspieler/in:
James Caviezel
,
Maia Morgenstern
,
Christo Schiwkow
,
Francesco De Vito
,
Monica Bellucci
. Drehbuch: Benedict Fitzgerald, Mel Gibson

Die Passion Christi Handlung

Im Jahre 30 n. Chr. verkündet ein jüdischer Zimmermann namens Jesus von Nazareth, dass das Reich Gottes nahe sei. Er hat viele Anhänger, aber auch Feinde. Den Pharisäern ist er ein Dorn im Auge, deshalb sorgen sie dafür, dass er verhaftet wird. Nun beginnt sein Leidensweg. (aga)

Die Passion Christi Filmkritik

Die Passion Christi Kritik der neue Film von Mel Gibson mit James Caviezel und Maia Morgenstern

Filmkritik von

Als Historienfilmer hat man es nicht leicht. Ob man sich für geschichtliche Präzision verbürgt oder auf künstlerische Freiheit pocht: Es droht Schelte von Experten oder im schlimmsten Fall sogar der Vorwurf, irgendeine Form der Ideologie verbreiten zu wollen. Mel Gibson wird sich dieses Dilemmas sicher bewusst gewesen sein, als er Anfang des letzten Jahrzehnts mit den Dreharbeiten zu "Passion of the Christ" anfing. Einem Film über Jesus von Nazaret. Als Wanderprediger eine historische Figur, aber gleichzeitig und vor allem eine enorme Rolle in der Glaubensgeschichte verschiedenster religiöser Richtungen spielend. Stoff also, der zwangsläufig für Sprengstoff sorgt. Es sprach in Anbetracht des drohenden Medienechos somit einiges dafür, sich in selbstreflexiver Zurückhaltung zu üben. Doch Gibson sah das wohl anders. Als Enfant Terrible Hollywoods ging er das Projekt im Vorfeld offensiver an und machte von Anfang an keinen Hehl daraus, die einzig "wahre" Geschichte erzählen zu wollen. Darüber hinaus adressierte er sein Werk dann auch primär an Nicht-Gläubige und begab sich somit als Missionar in die Medienschlacht. Soviel sei schonmal gesagt: Mel Gibson erreichte zumindest ein Teilziel. Maximale Aufmerksamkeit schon vor Kinostart, maximale Kontroverse danach. Und volle Kassen als angenehmer Nebeneffekt. Doch hält das Produkt dieser schon fast viralen Marketing-Kampagne überhaupt, was es "verspricht"?

Die erste Sequenz gibt die Richtung vor: Gethsemani liegt im Nebel und das Licht des Vollmonds bricht durch die Wolken: der Garten ist ein mystischer Ort, die Stimmung bedrohlich. Jesus (Jim Caviezel) betet, dann erscheint ihm Satan (Rosalinda Celentano): eine androgyn aussehende, furchteinflößend zischende Kreatur, in deren Nasenlöcher Maden zu hausen scheinen. Die Schlange, das Symbol der Versuchung, kriecht auf Jesus zu. Dieser betet, kämpft mit Selbstzweifeln. Dann ein plötzlicher Schnitt: Jesus zertritt das Reptil und lässt den Zuschauer kurz aufschrecken. Schockeffekte wie diesen wird es im Verlauf noch weitere geben, vor allem, wenn Judas später von den Dämonen der Reue in den Selbstmord getrieben werden wird. Es ist ein Filmanfang, der sich wohl eher einem Fantasy-Spektakel zuordnen ließe. Doch tatsächlich handelt es sich hier um den Beginn der letzten zehn Stunden im Leben des Jesus von Nazaret. Judas (Luca Lionello) hat ihn an die Pharisäer verraten, und nur wenig später trifft die jüdische Tempelgarde im Garten ein. Der Verhaftung folgt ein kurzer Kampf, welcher uns durch das extreme Ausreizen des filmischen Mittels der Zeitlupe ebenfalls seltsam stilisiert präsentiert wird und lässt uns darüber hinaus noch an einer Wunderheilung teilhaben. Spätestens jetzt besteht kein Zweifel mehr: Was wir sehen ist nicht nur Fiktion, sondern sogar Fantasie. In Anbetracht der Tatsache, dass es das Vorhaben des Regisseurs war, das Leiden Jesu und sein Opfer für die Menschen auf möglichst plausible und eindrückliche Weise darzustellen, wirkt diese künstlerische Entscheidung etwas befremdlich.

Im Folgenden sieht sich Jesus einer nicht enden wollenden Tirade von Hass und Gewalt ausgesetzt. Für den jüdischen Rat ist der, der sich für den Sohn Gottes hält, ein Blasphemiker und hat den Tod verdient. Sie schlagen, bespucken und schmähen ihn. Für die Römer ist er eine politische Gefahr, weil er als Aufständischer die Ordnung unter der römischen Herrschaft bedroht. Sie geißeln ihn und überlassen ihn dann zur Kreuzigung wiederum den Pharisäern. Die Gewalt, die ihm angetan wird, ist drastisch und ihre Darstellung grafisch. Die Qual der Geißelung durch die betrunkenen und sadistischen Soldaten zieht sich ganze 15 Minuten. Offensichtlich soll auch der Zuschauer die volle Brutalität der Peiniger spüren und sich im Umkehrschluss mit dem Leidenden identifizieren. Statt also tatsächlich Überzeugungsarbeit zu leisten und uns Jesus Glauben und seine Geisteshaltung etwa durch tiefere Einblicke in sein Leben und die Interaktion mit Anhängern zu vermitteln, baut Gibson alleine darauf, dass seine durchaus mächtigen Bilder den Zuschauer mitreißen. Nur stellt sich sehr schnell eine gewisse dumpfe Betäubung ein, die distanziert, statt zu involvieren.

Jesus Feinde wirken dabei ebenfalls überzeichnet. Gibson wählt den Weg der vollständigen Diskreditierung aller Figuren, die Jesus nicht treu folgen, statt sich auf das Charisma seiner Hauptfigur zu verlassen. Flashbacks, die seinen Lebens- und Glaubensweg, sowie den Einfluss auf seine Jünger zeigen sollen, sind zu kurz und zu fragmentiert, um wirklich Eindruck zu hinterlassen. Zuschauer, die mit der Materie nicht vertraut sind, und an diese richtet sich der Film ja vor allem, dürften zudem nur die wenigsten der angedeuteten Stationen erkennen, wie etwa das letzte Abendmahl. Für plötzlich auftauchende Figuren, die genauso schnell wieder verschwinden, gilt dasselbe.

Jesus als Sympathieträger zu etablieren scheitert also vor allem daran, dass sich Mel Gibson zu sehr auf Feind und Leid konzentriert, anstatt dem Zuschauer zu zeigen, welchen Eindruck der gelernte Tischler auf seine Zeitgenossen gemacht haben muss. Jim Caviezel trifft hier demnach keine Schuld. Er gibt sich der Rolle mit vollem Körpereinsatz hin, was ihm beim Dreh des Films sogar diverse Verletzungen einbrachte. Seine Mutter Maria (Maia Morgenstern), Magdalena (Monica Bellucci) und einige seiner Jünger (u.a. Christo Jivkov als Johannes und Francesco De Vito als Petrus) begleiten den Leidensweg Jesu von seiner Festnahme bis zur Kreuzigung. Auch hier erleben wir keine schauspielerische Enttäuschung. Nur werden die betroffenen Gesichter immer wieder und stets nach dem gleichen Schema zwischen die Bilder des Leids geschnitten und die Darsteller haben kaum mal Möglichkeiten, die Figuren über ihre Schablonenhaftigkeit hinaus zu entwickeln. Die Idee, auf altertümliche Sprachen wie Hebräisch, Aramäisch oder Latein zurückzugreifen und lediglich eine untertitelte Fassung anzubieten, ist zwar löblich, doch wird dabei eine Geschichtstreue evoziert, die bereits der oberflächlichsten Untersuchung auf Korrektheit nicht standhalten kann.

Im Grunde ist eine Vergegenwärtigung des Leidenswegs Jesu nichts besonderes. Gibt es doch unzählige Passionsdarstellungen in der bildenden Kunst, der Musik und in diversen theatralen Formen, zu denen etwa die jährlichen Passionspiele gehören. Und auch im Medium Film sind Interpretationen, dokumentarischer oder spielfilmischer Art, nichts Neues. Mel Gibsons Version ist dabei zwar eine opulente, aber keine besonders gelungene. Seine Entscheidung, mit einer Fülle filmdramatischer Mittel und einer großen Portion Brutalität eine spirituelle Illusion des Leidens zu erwecken, die uns die religiöse Figur Jesus näher bringen soll, schlägt gründlich fehl. Was bleibt, sind die Kontroversen, die sich vor allem um das Thema Antisemitismus drehen. Tatsächlich legt es Gibson durch die durchweg vernichtende Darstellung der Pharisäer und des jüdischen Mobs nicht darauf an, diesen Vorwurf zu entkräften. Den römischen Statthalter Pontius Pilatus zeichnet er dagegen deutlich ambivalenter. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt also und an der Person Mel Gibson werden sich wohl auch in Zukunft die Geister scheiden. Dabei konnte er nur zwei Jahre später mit "Apocalypto" bereits beweisen, dass es auch besser geht. Und mit weniger Getöse.

Kritik: Sebastian Deufel



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