303

303

Regisseur: Hans Weingartner, Schauspieler/in:
Mala Emde
,
Anton Spieker
,
Arndt Schwering-Sohnrey
,
Thomas Schmuckert
,
Jörg Bundschuh
. Drehbuch: Silke Eggert, Hans Weingartner

303 Handlung

Als Jule herausfindet, dass sie schwanger ist, macht sie sich auf den Weg nach Portugal, wo ihr Freund lebt. Unterwegs in einem alten Mercedes 303 Camper nimmt sie an einer Tankstelle den Tramper Jan mit, der in Südspanien seinen leiblichen Vater kennen lernen will. Auf der langen Fahrt diskutieren die beiden über Kapitalismus, die Natur des Menschen und den Sinn des Lebens. Und verlieben sich dabei. (Quelle: Verleih)

303 Filmkritik

303 Kritik der neue Film von Hans Weingartner mit Mala Emde und Anton Spieker

Filmkritik von

Nur reden oder auch küssen?

Zu den schönsten Kinotraditionen im Jahreskreislauf gehört der Sommerfilm. In der Regel handelt es sich um ein Roadmovie, dessen Charaktere zu einer Fahrt ins Blaue aufbrechen, angelockt von der Lust auf Wind, Wasser, Sonne und der Welt da draußen, die entdeckt werden will. Der Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“) schickt die beiden 24-jährigen Studenten Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde) auf einen Trip im Wohnmobil von Berlin nach Südeuropa. Die beiden kennen sich anfangs nicht, kommen sich aber mit Gesprächen über Evolution, Kapitalismus und die Chemie der Liebe allmählich näher. Es beginnt vernehmlich zu knistern, aber das Publikum sei gewarnt: Europa mit einem Oldtimer-Bus, auf den sich der Titel bezieht, zu durchmessen, das kann dauern!

Filmfoto: 303©Alamode FilmEigentlich ist die Idee, die Weingartner hier umsetzt, nicht nur löblich, sondern auch reizvoll. Er will dem Zeitgeist mit der schnellen, aber auch sehr sprunghaften Kommunikation entgegenwirken und dem jungen Pärchen für die Entfaltung der Romantik Langsamkeit gönnen. Der Politikstudent Jan ist enttäuscht, weil seine Bewerbung um ein Stipendium erfolglos blieb. Er will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater zu besuchen, den er nicht kennt. Auf einem Rastplatz spricht er Jule an, ob sie ihn bis nach Köln mitnimmt. Auch Jule hat einen Misserfolg im Studium zu verkraften und möchte dringend ihren Freund Alex in Portugal besuchen. Dass sie schwanger ist, bleibt Jan im Gegensatz zum Publikum jedoch lange verborgen. Das verschafft der Geschichte einen schönen Suspense.

Jan und Jule fangen an zu diskutieren, streiten sich, beenden ihren gemeinsamen Weg abrupt, setzen ihn aber bei der nächsten Begegnung auf einem Rastplatz wieder fort, weit über Köln hinaus. Stets sind die beiden konträrer Meinung, was die Natur des Menschen anbelangt. Was liegt ihm mehr, Konkurrenzdenken oder Kooperation? Passen die Leute, die sich sexuell attraktiv finden, auch wirklich zusammen? Es macht Spaß, Jan und Jule zuzuhören beim Picknick an der Loire, der Rast in den Bergen, in kleinen verträumten Städtchen. Dabei wird einem bewusst, wie selten Filme geworden sind, in denen sich gerade junge Leute ausgiebig und ernsthaft über Gott und die Welt unterhalten.

Filmfoto: 303©Alamode FilmAnton Spieker stattet seinen Charakter Jan mit einer liebenswert fröhlichen Unbeschwertheit aus. Sein meistens leicht belustigter Blick verfügt von Anfang an über einen deutlichen Flirtfaktor. Und Mala Emde spielt Jule als natürliche Frau und ideale Reisegefährtin, unaufdringlich, mit einem Ziel im Auge, aber auch offen für spontane Planänderungen. Die Schönheiten der gemeinsam erlebten Landschaft und der sanfte Folkrock, der oft nur aus Gesang und Gitarrenbegleitung besteht, bereiten der Stimme des Herzens den Weg.

Filmfoto: 303©Alamode FilmAber leider läuft die Dramaturgie aus dem Ruder. Weingartner will viel zu lange nicht, dass Jan und Jules Beziehung körperlich wird. Und während die beiden verbal herumeiern, gewinnt ihr Austausch nicht mehr an Substanz. Die Charaktere fangen sogar an, ihre Glaubwürdigkeit und Authentizität einzubüßen. Man beginnt sich nach guten alten Liebesfilmen zu sehnen, in denen die Funken sprühten. Oder zu glauben, dass es spannender sein könnte, sich gleich selbst ins Auto zu setzen und loszufahren. Schade, dass Weingartner die emotionale Verdichtung und das nötige Timing nicht hinbekommt. Denn was nützen 90 Minuten gelungene Unterhaltung, wenn man danach bald die Lust verliert, den langen Film auch bis zum Ende anzuschauen?

Kritik: Bianka Piringer

Filmbilder 303

Filmfoto: 303


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