Komponist/in / Schauspieler/in

Hans Posegga

* 31.01.1917 - Berlin
† 19.05.2002 Wien

Über Hans Posegga

Hans Posegga

Hans Posegga (* 31. Januar 1917 in Berlin; † 19. Mai 2002 in Wien) war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Hans Posegga wurde vornehmlich als Filmkomponist bekannt. Sein breitgefächertes kompositorisches Schaffen umfasst darüber hinaus Kammermusik, Oper, geistliche Musik, symphonische Werke und Jazz. Ein Werkeverzeichnis mit derzeit 986 Einträgen findet sich auf der offiziellen Internetpräsenz (siehe Weblinks). Das Archiv ist bis heute noch nicht vollständig erfasst. Darüber hinaus hinterließ er hunderte von Tonbändern mit Filmmusiken - von ganzen Musikstücken über fragmentarische Musikelemente bis hin zu Effekten, die inzwischen alle digitalisiert wurden. Einige seiner bekanntesten Kompositionen sind die Titelmelodie für „Die Sendung mit der Maus“ und die Filmmusiken für die Fernseh-Vierteiler "Der Seewolf", 1971 und "Zwei Jahre Ferien", 1974.

Leben

Hans Posegga wurde in Berlin am 31. Januar 1917 als viertes Kind einer Beamtenfamilie geboren. Sein Vater war der 13. Sohn eines ostpreußischen Bauern. Zuhause wurde viel musiziert und schon früh begann er mit dem Klavier- und Geigenunterricht, lernte bei seinen älteren Schwestern Gretel und Marie, sowie bei verschiedenen ortsansässigen Musiklehrern. Aufgrund seines Fleißes und seiner Begabung ging er schon mit 17 Jahren nach Dortmund und erhielt dort Unterricht als Pianist bei Heinz Schüngeler und wurde auch am dortigen Theater als Jungdirigent eingesetzt.

Der Zweite Weltkrieg bereitete seiner Ausbildung ein jähes Ende. Bis zuletzt hat er diese Jugendjahre, die er als Soldat verbringen musste, in seiner Laufbahn als Musiker sehr vermisst. Sensibel und einfühlsam, wie es ihm später als Komponist für dramaturgisch gestaltete Werke zugutekam, litt er unermesslich unter den Anforderungen, die das Soldatenleben an ihn stellte. Nie konnte er sich mit der Ideologie des nationalsozialistischen Regimes identifizieren und gehörte auch nie zur Partei.

Als er in Paris mit einem Luftwaffencorps stationiert war, gelang es ihm und seinem Freund Eduard Drolc (später Berliner Philharmoniker und Gründer des gleichnamigen Quartetts „Drolc Quartett“) Unterricht bei den damaligen Größen des Musiklebens Jacques Thibaud und Alfred Cortot zu nehmen. Diese beiden genialen Musiker besaßen die menschliche Größe, in den jungen deutschen Soldaten keine Feinde zu sehen. Ungeachtet aller Fronten und selbst der Tatsache, dass Jacques Thibaud zwei Söhne im Krieg verloren hatte, durfte Hans Posegga bei ihm in Paris studieren und die Impressionisten der französischen Musik kennenlernen, die damals in Deutschland verpönt waren.

Als Lehrer am Trapp-Konservatorium in München konnte er nach dem Krieg in der Musikwelt wieder Fuß fassen und traf auch bald auf die Gruppe des „jungen deutschen Films“ - die Brüder Peter und Ulrich Schamoni, Boris Marangosoff, Wolfgang Urchs (Zeichentrickfilme), Ferdinand Khittl, Raimond Ruehl und viele andere. Seine Unterrichtstätigkeit gab er später zugunsten einer Existenz als freier Komponist auf.

Im Schwabing der 1950er und 1960er Jahre traf man sich im Lokal „Meine Schwester und ich“ und auf der Leopoldstraße im Hahnhof, betrachtete die Bilder des Filmstreifens gegen das Tageslicht und vereinbarte die dazugehörige Musik. Es - Regisseur Ulrich Schamoni - war der erste große Spielfilm, dann folgte „Schonzeit für Füchse“ - Regisseur Peter Schamoni - für den Hans Posegga 1966 das „Filmband in Gold“ bei der Berlinale erhielt. In Ulrich Schamonis Film Alle Jahre wieder ist er 1967 auch als Schauspieler zu sehen und schrieb auch für diesen Film die Musik.

In den 1960er-Jahren gab es kaum ein Dokumentar- oder Kurzfilmfestival, bei dem der dominierende Komponist nicht Hans Posegga hieß. Viele dieser Filme erhielten Auszeichnungen. Als Gründungsmitglied von DOC 59 war er Mitunterzeichner des Oberhausener Manifestes.

In diesen Jahren begann auch eine bis an sein Lebensende dauernde künstlerische Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk. In diesen Anfangsjahren des Fernsehens wurden die Filme - meist Kinderprogramme unter der Leitung des Redakteurs Gert Müntefering - im Studio gedreht und die Musik während der Aufnahmen direkt auf die Tonspur bei den Dreharbeiten aufgenommen. So entstanden die Sendereihen „Ratereisen auf dem Dachboden“ und „Kaspar und René“ mit Peter René Körner, der viele der von Hans Posegga komponierten Kinderlieder interpretierte und die Titelmelodie zu der „Sendung mit der Maus“, die seit 1971 diese Sendung eröffnet. In den Fernsehstudiojahren kam es Hans Posegga sehr zugute, dass er eine erfolgreiche Pianistenlaufbahn nach dem Krieg in den deutschen Rundfunkanstalten hinter sich hatte. In den 1970er-Jahren wurde Posegga vom Produzenten Walter Ulbrich zur Vertonung verschiedener Abenteuervierteiler verpflichtet, die vom Sender ZDF in internationaler Koproduktion hergestellt wurden. Es entstanden dabei eindrucksvolle Musiken zu „Der Seewolf“, „Cagliostro“, „Zwei Jahre Ferien“, „Lockruf des Goldes“ und „Tödliches Geheimnis - Die Abenteuer des Caleb Williams“.

Die vielen von Zeit zu Zeit immer wieder gesendeten Aufnahmen belegen sein großes pianistisches Können. Auch nach Paris zum Radio diffusion française wurde er wieder zu Aufnahmen gerufen.

1958 erteilte ihm der Bayerische Rundfunk einen Auftrag für ein „Klavierkonzert mit großem Orchester“, das unter der Leitung des Dirigenten Rudolf Alberth uraufgeführt, 1986 neubearbeitet und mit dem Solisten Kurt Wolf im April 1987 in Berchtesgaden erneut aufgeführt wurde.

In den letzten 20 Jahren seines Lebens kam er wieder zurück auf seine ursprüngliche Berufung als Komponist autonomer Musik und schrieb zahlreiche Instrumentalwerke, zwei große Oratorien („Des Lebens Wagen“ und „Christ und Antichrist“) mehrere Bühnenstücke. Bei seinem Tod am 19. Mai 2002 lagen auf seinem Klavier noch die Konzepte für ein „Konzert für Bandoneon und großes Orchester“ von dem noch der dritte Satz fehlt, eine Klavierschule mit zahlreichen fertigen Piecen. Auch das Cellokonzert wartete auf die Instrumentierung.

Hans Posegga starb am 19. Mai 2002 nach kurzer Krankheit in Wien.

Filmmusik

  • 1957: Kepler und sein Werk (Regie: Rudolf Stölting)
  • 1961: Brutalität in Stein (Regie: Alexander Kluge, Peter Schamoni)
  • 1961: Die Kreuzspinne (Regie: Eugen Schumacher)
  • 1961: Pamphylos, der Mann mit dem Autotick (Regie: Christian W. Rischert, Friedrich Streich)
  • 1962: Die Parallelstraße (Regie: Ferdinand Khittl)
  • 1963: Magnet Großstadt (Regie: Eberhard Hauff)
  • 1965: Auf die Einstellung kommt es an (Regie: Eberhard Hauff)
  • 1965: Es (Regie: Ulrich Schamoni)
  • 1965: Schonzeit für Füchse (Regie: Peter Schamoni)
  • 1966: Die widerrechtliche Ausübung der Astronomie (Regie: Peter Schamoni)
  • 1971: Der Seewolf (TV-Serie)
  • 1974: Zwei Jahre Ferien - ZDF Fernsehserie (Regie: Serge Nicola, Gilles Grangier)
  • 1977: Hitler – Eine Karriere
  • 1978: Caribia (Regie: Arthur Maria Rabenalt)
  • 1980: Tödliches Geheimnis (TV-Vierteiler)
  • 1986: Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit (Regie: Peter Schamoni)
  • 1987: Jokehnen - Oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?
  • 1988: Nosferatu, Eine Symphonie des Grauens., neue Musikfassung für den Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922

Weblinks

  • Offizielle Webpräsenz mit Werkverzeichnis
  • Tonträger mit Hans Poseggas Filmmusik

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Filmmusik von Hans Posegga

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Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit
FSK 6
Regie: Peter Schamoni
Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit Userwertung:

Produktionsjahr: 1986
Schauspieler/innen: Helmut Griem, Sabine Sinjen, Hans Peter Hallwachs, Walter Schmidinger, Hans Quest, Lothar Blumhagen, Otto Sander, Friedrich Schoenfelder, Manfred Günther, Eric Vaessen, Udo Samel, Herbert Weissbach, Wolfgang Greese, Gerd Staiger, Joachim Tomaschewsky, Eleonore Weisgerber, Jochen Bott
FSK 12
Regie: Herbert Wise
Tödliches Geheimnis - Die Abenteuer des Caleb Williams Userwertung:

Produktionsjahr: 1980
Schauspieler/innen: Mick Ford, Günther Maria Halmer, Chrissie Cotterill, Jacques Maury, Stephen Rea, Arthur Brauss, Paul Kember, Colin Jeavons, Franz Rudnick, Polly Hemingway, Isabelle Spade, Duccio Dugoni, Jacques Frantz, Dave Atkins, Diane Stolojan, June Watson, Bill Stewart
Hitler – Eine Karriere

Regie: Christian Herrendoerfer, Joachim Fest
Hitler – Eine Karriere Userwertung:

Produktionsjahr: 1977
Lockruf des Goldes
FSK 12
Regie: Sergiu Nicolaescu, Wolfgang Staudte
Lockruf des Goldes Userwertung:

Produktionsjahr: 1975
Schauspieler/innen: Rüdiger Bahr, Ferdy Mayne, Arthur Brauss, Pierre Rousseau, Gilda Marinescu, Andrei Codarcea, Constantin Baltaretu, Ion Dorutiu, Françoise Arnoul, Emmerich Schäffer, Vasile Nitulescu, Sandu Popa, Constantin Rautchi, Vladimir Gaitan, Christine Kaufmann, Werner Berndt, Adrian Dobrescu
Die unfreiwilligen Reisen des Moritz August Benjowski

Regie: Fritz Umgelter
Die unfreiwilligen Reisen des Moritz August Benjowski Userwertung:

Produktionsjahr: 1974
Schauspieler/innen: Christian Quadflieg, Nicole Heesters, Wolfgang Schwarz, Matthias Habich, Kurt Pieritz, Eleonore Weisgerber, Georges Claisse, Herbert Stass, Michael Brennicke, Sky du Mont, Franz Rudnick, Henning Gissel, Thomas Piper, Alexander Golling, Georges Wilson, Günter Strack, Ingeborg Lapsien
FSK 12
Regie: Sergiu Nicolaescu, Gilles Grangier
Zwei Jahre Ferien Userwertung:

Produktionsjahr: 1974
Schauspieler/innen: Franz Seidenschwan, Marc di Napoli, Dominique Planchot, Didier Gaudron, Christian Sofron, Werner Pochath, Rainer Basedow, Constantin Nedelcu, Horia Pavel, Stefan Christea, Bogdan Untaru, Angela Chiuaru
FSK 12
Regie: André Hunebelle
Cagliostro Userwertung:

Produktionsjahr: 1973
Schauspieler/innen: Jean Marais, Doris Kunstmann, Udo Kier, Guy Trejean, Louise Marleau, Henri-Jacques Huet, Francis Claude, M.-F. Beaulieu, François Maistre, Henry Guisol, Michael Chevalier
Der Seewolf
Abenteuer FSK 12
Regie: Sergiu Nicolaescu, Wolfgang Staudte
Der Seewolf Userwertung:

Produktionsjahr: 1971
Schauspieler/innen: Raimund Harmstorf, Edward Meeks, Emmerich Schäffer, Dieter Schidor, Franz Seidenschwan, Beatrice Cardon, Peter Kock, Sandu Popa, Boris Ciornei, Omar Islau, Septimiu Sever, Sanda Toma, Colea Răutu, Willi Kowalj, Sergiu Nicolaescu, Lydia Tomescu, H. Pomarius
Alle Jahre wieder
FSK 16
Regie: Ulrich Schamoni
Alle Jahre wieder Userwertung:

Produktionsjahr: 1967
Schauspieler/innen: Ulla Jacobsson, Sabine Sinjen, Hans Dieter Schwarze, Johannes Schaaf, Hans Posegga, Hertha Burmeister, Rosemarie Fendel, Andreas Lentz, Marina Lappe, August Deuter
FSK 6
Regie: Peter Schamoni
Die widerrechtliche Ausübung der Astronomie Userwertung:

Produktionsjahr: 1967
FSK 16
Regie: Ulrich Schamoni
Es Userwertung:

Produktionsjahr: 1966
Schauspieler/innen: Sabine Sinjen, Bruno Dietrich, Bernhard Minetti, Tilla Durieux, Marcel Marceau, Werner Schwier, Harry Gillmann, Inge Herbrecht, Ulrike Ulrich, Rolf Zacher, Will Tremper, Ernst Neubauer, Wolfgang See
FSK 16
Regie: Peter Schamoni
Schonzeit für Füchse Userwertung:

Produktionsjahr: 1966
Schauspieler/innen: Helmut Förnbacher, Christian Doermer, Andrea Jonasson, Monika Peitsch, Edda Seippel, Helmuth Hinzelmann, Suse Graf, Alexander Golling, Willy Birgel, Nina Stepun, Erna Haffner
FSK 12
Regie: Thomas Fantl
Die Zeit der Schuldlosen Userwertung:

Produktionsjahr: 1964
Schauspieler/innen: Erik Schumann, Peter Pasetti, Wolfgang Kieling, Hans Reiser, Heinz Leo Fischer, Otto Brüggemann, Walter Wilz, Karl-Otto Alberty, Gustl Datz, Hans Drahn, Hans Cossy, Franz Mosthav, Nino Korda

Regie: Peter Schamoni, Alexander Kluge
Brutalität in Stein Userwertung:

Produktionsjahr: 1961

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