Vollblüter Filmkritik

Vollblüter Kritik der neue Film von Cory Finley mit Olivia Cooke und Anya Taylor-Joy

Filmkritik von

Eine diabolische Freundschaft

Amanda (Olivia Cooke) besucht ihre Freundin aus Kindertagen, die Studentin Lily (Anya Taylor-Joy), nach Jahren der Funkstille. Angeblich will Lily ihr Nachhilfe beim Lernen geben, aber Amanda ahnt schnell, dass die ehemalige Freundin selbst etwas von ihr wollen könnte. Amanda hat einen schlechten Ruf, sie soll psychisch gestört sein. Freimütig erzählt sie Lily, wie sie ihr verletztes Reitpferd, in der Absicht, ihm Schmerzen zu ersparen, qualvoll tötete. Und sie fragt Lily auch, ob sie ihren verhassten Stiefvater Mark (Paul Sparks) nicht umbringen will. So nimmt ein unterkühlter Thriller seinen Lauf, in dem zwei junge Frauen, die materiell alles haben, was sie sich nur wünschen können, Böses aushecken.

Der amerikanische Theaterregisseur Cory Finley gibt mit dieser Geschichte über Wohlstandsverwahrlosung sein Debüt als Spielfilmregisseur. Anfangs wirkt nur Amanda gefühlskalt und gefährlich. Auf jugendlich provokante Art spielt sie Lily vor, wie sie mit einem physischen Trick in Tränen ausbrechen kann. Sie empfinde nie Freude oder Leid, meint Amanda. Sie spricht unverblümt aus, was ihr an Lily und ihrer Familie auffällt – und liegt damit ziemlich richtig. Amanda, die Abgebrühte, reden zu hören, ermutigt Lily, ihren Stiefvater umbringen zu wollen. Die Mädchen erpressen den Drogendealer Tim (der 2016 verstorbene Anton Yelchin), Mark zu erschießen, während sie beide außer Haus für ihr Alibi sorgen. Aber dieser Plan geht nicht auf…

Eigentlich könnte diese Freundschaft zweier unglücklicher junger Frauen ja auch einen positiven, heilenden Kurs einschlagen. Aber die Percussion-Klänge, die schräg und unheimlich einsetzen, wollen nicht zu den gemütlichen Bildern passen, in denen Amanda und Lily auf dem Sofa sitzen und alte Filme anschauen. Wiederholt lässt Finley die Kamera von der Decke herab auf die Gesichter der Mädchen blicken, als wolle er ihre Unschuld betonen und zugleich detektivisch infrage stellen.

Der schier unendliche Reichtum in Lilys Villa mit den marmorierten Wänden, den Säulen, den edlen Möbeln erschafft eine Atmosphäre, die staunen und zugleich frösteln lässt. Lily ist stets elegant angezogen und ihr glattes Gesicht drückt Selbstbeherrschung aus. Lily darf, so will es der Stiefvater, im Haus nicht schreien oder nach der Mutter rufen. Und sie soll, weil es an ihrem College nicht geklappt hat, in eine Lehranstalt für junge Menschen mit Problemen. Von ihrer Mutter kann Lily keine Hilfe erwarten, denn alles was sie hat, gehört ja diesem Mann. Die Kälte, der verachtende Umgangston, die Einsamkeit gehören auch zu diesem Museum der schönen Fassade.

Beide Freundinnen tragen eine riesige Wut mit sich herum, die sich zum Teil aus dem Überdruss speist, alles zu besitzen. Zum anderen Teil aber verweist sie darauf, wie verloren sie sich vorkommen. Die Dynamik ihrer Freundschaft, die manchmal weiche, beinahe zarte Züge hat, bietet noch einige Überraschungen. Aber es bleibt rätselhaft, worauf Finley eigentlich hinauswill. Es gelingt nicht so recht, Amanda und Lily als wirklich furchteinflößende Biester wahrzunehmen. Stets möchte man eine Lanze für sie brechen, und die hübsche, mädchenhafte Lily, mag sie noch so durchtrieben sein, schon aufgrund ihres Alters in Schutz nehmen. So bleibt am Schluss eines stilvoll fotografierten und lange vielversprechenden Films hauptsächlich der Eindruck übrig, einem Theaterstück zugeschaut zu haben, das zur großen Geste ausholt, aber nicht wirklich ins Herz trifft.

Kritik: Bianka Piringer

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