Unsane - Ausgeliefert Filmkritik

Unsane - Ausgeliefert Kritik der neue Film von Steven Soderbergh mit Claire Foy und Joshua Leonard

Filmkritik von

In der Psychiatrie gestalkt, na und?

Was kann es Schlimmeres geben, als unfreiwillig in der Psychiatrie zu landen? Regisseur Steven Soderbergh („Logan Lucky“) kennt eine Steigerung: Er lässt in seinem Ausflug ins Horrorgenre eine Anstaltspatientin ihrem Stalker in Gestalt eines Pflegers begegnen. Leider aber erweist sich diese aufregend klingende Konstellation als erstaunlich wenig spannend.

Filmfoto: Unsane - Ausgeliefert© Twentieth Century Fox of Germany GmbHDie Bankangestellte Sawyer Valentini (Claire Foy) wollte nur mit einem Psychologen sprechen, weil sie die Erinnerung an einen Stalker, vor dem sie in eine neue Stadt geflohen ist, verfolgt. Aber ohne es zu bemerken, hat sie auf einem Formular des „Highland Creek Behavioral Center“ eine Einweisung zur 24-stündigen Beobachtung unterschrieben. Völlig aufgebracht, dass man sie nicht wieder gehen lässt, verliert sie die Kontrolle. Weil sie eine Gefahr für sich und andere sei, verlängert die Klinik ihren Aufenthalt um ein paar Tage. Nate (Jay Pharoah), ein freundlicher Mitpatient, klärt sie auf, warum das alles geschieht: Die Klinik muss ihre Betten belegen und die Krankenkasse bezahlt!

Natürlich glaubt Sawyer dann niemand, als sie behauptet, dass der Pfleger George ihr Stalker David Strine (Joshua Leonard) ist. Und wer weiß, vielleicht ist die labile Frau wirklich schon völlig ihren Angstfantasien ausgeliefert… Aber der Suspense klappt nicht und die Frage, was der Künstler sagen will, bleibt allzu sehr der eigenen Spekulation überlassen. Gut, da ist die Kritik an einer kalten, auf den finanziellen Vorteil ausgerichteten Gesellschaft, die durch die psychiatrische Klinik repräsentiert wird. Auch Sawyer beherrscht das kühle Kalkül, als Bankanalystin kennt sie kein Mitleid mit in Not geratenen Kunden. Macht einen dieses Einzelkämpfertum, dieses fehlende Vertrauen in andere nicht krank?

Filmfoto: Unsane - Ausgeliefert© Twentieth Century Fox of Germany GmbHSawyers Stalker hat schon ein paar Ähnlichkeiten mit ihr, die womöglich auch Rückschlüsse auf ihn selbst erlauben. Auch er ist einsam und berechnend, und beide können den Verlust des Vaters nicht verwinden. M. Night Shyamalan baute seinen Psychothriller „Split“ von 2016 auf einer psychischen Ähnlichkeit einer entführten jungen Frau mit dem Täter auf, sodass sie sich in seine Gedankenwelt hineinversetzen konnte. Aber hier entsteht keine vergleichbare Emotionalität oder Beklemmung. Soderbergh und die Drehbuchautoren James Greer und Jonathan Bernstein geben sich keine Mühe, die Beziehung Sawyers zum Stalker mit Substanz zu füttern oder ein Vexierspiel aufzubauen.

Der für Thriller so unvergleichlich geeignete Schauplatz einer Irrenanstalt wird einfach verhunzt. Das Personal ist kaum zu sehen und beschränkt sich auf Zwangsmedikation. Dass hier Menschen routinemäßig ausgetrickst werden, um Betten zu belegen, klingt an den Haaren herbeigezogen. Soderbergh beherzigt leider auch die Regel nicht, dass ein Film nur so gut sein kann wie sein Bösewicht. Des Stalkers Markenzeichen ist nämlich sein Vollbart, und hinter diesem bleibt seine Mimik praktisch unsichtbar.

Filmfoto: Unsane - Ausgeliefert© Twentieth Century Fox of Germany GmbHVielleicht spiegelt sich in dieser Schludrigkeit, die den Film in die Nähe des Laientheaters bringt, auch die Entscheidung Soderberghs, selbst zu drehen, und zwar mit dem iPhone. Anstatt eines kunstvollen Arrangements, einer lebendigen Atmosphäre gibt es häufig eine Optik wie aus dem Guckloch mit klaustrophobischen Nahaufnahmen, als würde sich eine derangierte Sawyer selbst filmen. Die Linien wirken manchmal verzerrend gekrümmt. Aber der Film behauptet nicht, dass es sich um Amateuraufnahmen handelt. Wollte Soderbergh einfach nur Geld und technischen Aufwand sparen? Das wäre eine Parallele zum filmischen Vorwurf an das Klinikpersonal, die Arbeit nach falschen Kriterien auszurichten.

Kritik: Bianka Piringer

Ihr Kommentar: Unsane - Ausgeliefert

Hinweis: Verwenden Sie selbst geschrieben Texte und kopieren Sie keinen Text von fremden Quellen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars versichern Sie uns, dass der von Ihnen übermittelte Text nicht von anderen Webseiten oder Büchern kopiert ist und keine fremden Rechte verletzt. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre E-Mailadresse (wird nicht veröffentlicht) an. Beziehen Sie sich bei Ihrem Kommentar auf die gezeigten Inhalte. Wir behalten uns vor, Kommentare nicht freizuschalten bzw. zu löschen wenn diese gegen geltendes Recht verstossen, beleidigend, Persönlich verletzend oder unsachlich sind. Kritiken.de haftet nicht für den Inhalt von Nutzerbeiträgen und verweist auf die Eigenverantwortung der Nutzer für ihre Beiträge.

Bitte aktivieren Sie Javascript um die Kommentarfunktion nutzen zu können

Einloggen
Herzlich willkommen! Um die Community nutzern zu können, melden sie sich bitte hier mit ihren Zugangsdaten an:

Facebook Login
Noch einfacher, loggen sie sich einfach mit ihrem Facebook Account ein:


Mit einem Klick auf diese Schaltfläche "Mit Facebook einloggen" akzeptieren sie die Nutzungsbedingungen und die Diskussionsrichtlinien der Ideenkraftwerk GmbH. Sie garantieren das sie diese gelesen und gespeichert oder ausgedruckt haben.


Passwort vergessen
Wenn Sie ihr Passwort vergessen haben können sie hier ein neues anfordern, geben sie dazu ihre E-Mail adresse hier ein:

Neu registrieren
Sie haben noch keinen Account bei Kritiken.de? Dann registrieren sie sich jetzt kostenlos, um die Community zu nutzen!