Papillon Filmkritik

Papillon Kritik der neue Film von Michael Noer mit Charlie Hunnam und Rami Malek

Filmkritik von

Unbändiger Freiheitswillen

Einen Filmklassiker neu aufzulegen, ihn dann aber fast eins zu eins zu imitieren, macht das Remake angreifbar und kann seine Aussagekraft komplett untergraben. Exemplarisch ist in diesem Zusammenhang Gus Van Sants Hitchcock-Verbeugung „Psycho“ von 1998, die wegen ihrer eklatanten Nähe zum Original auf breite Ablehnung stieß. Fragen lassen muss sich auch der dänische Regisseur Michael Noer („Nordvest – Der Nordwesten“), ob es seine nun ins Kino kommende Modernisierung der Romanverfilmung „Papillon“ wirklich gebraucht hat. Unter dem Strich fehlt es der Auffrischung des angeblich von realen Geschehnissen geprägten Stoffes an spannenden neuen Perspektiven und Akzentverschiebungen.

Filmfoto: PapillonIm Paris der dreißiger Jahre verdingt sich Henri Charrière (Charlie Hunnam), der aufgrund eines Schmetterling-Tattoos nur „Papillon“ genannt wird, als Tresorknacker, möchte mit seiner Freundin aber so bald wie möglich ein ruhiges Leben auf dem Land beginnen. Eines Tages hängt man dem jungen Mann jedoch einen Mord an, für den man ihn schließlich in die berüchtigte Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verbannt. Auf der Überfahrt nach Südamerika macht er Bekanntschaft mit dem schwächlichen, allerdings wohlhabenden Fälscher Louis Dega (Rami Malek), dessen persönlichen Schutz Papillon fortan übernimmt. Im Gegenzug will er mit Degas Geld in der Umgebung des Gefangenenlagers ein Boot erwerben und dem unmenschlichen Haftsystem entkommen.

Hauptdarsteller Charlie Hunnam kann einem schon ein wenig leidtun. Obwohl er seinen durchtrainierten Körper voll zur Geltung bringen darf und sichtlich bemüht ist, die Qualen des Protagonisten eindringlich zu vermitteln, fehlt ihm das Charisma eines Steve McQueen, der in Franklin J. Schaffners Version den Titelhelden spielte. Wer den Ursprungsfilm gesehen und dessen obercoolen Kinostar vor Augen hat, wird zwangsläufig Vergleiche anstellen und nur zu einem Schluss kommen können: Dem neuen Film fehlt das gewisse Etwas.

Filmfoto: PapillonSchuld daran ist nicht zuletzt das gerade in der zweiten Hälfte unsauber wirkende Drehbuch von „Prisoners“-Autor Aaron Guzikowski, das weder sonderlich tiefschürfend in das Innenleben des gepeinigten Titelhelden blickt noch die Nebenfiguren komplexer ausgestaltet. Während bei Rami Maleks Louis Dega zumindest kleine Ecken und Kanten aufscheinen, wird der von Roland Møller verkörperte Celier allzu offensichtlich und plump als verschlagener Finsterling beschrieben, was sein Verhalten jederzeit ausrechenbar macht. Eine noch undankbarere Rolle fällt dem Mithäftling Maturette (Joel Basman) zu, der über den Status einen blassen Funktionsträgers nicht hinauskommt. Schaut man auf Schaffners epische, das Martyrium noch stärker ins Visier nehmende Erzählung zurück, lässt sich außerdem nicht verhehlen, dass das Ende des Remakes deutlich gehetzter erscheint.

Filmfoto: PapillonAls Charakterdrama überzeugt Noers Neuinterpretation höchstens in Ansätzen. Freunde grimmig-atmosphärischer Abenteuerkost kommen dafür jedoch etwas mehr auf ihre Kosten. Ohne große Längen schildert „Papillon“ den harten, mit brutalen Rückschlägen gespickten Überlebenskampf des unschuldig Verurteilten, scheut dabei nicht vor drastischen Gewaltbildern zurück und bietet einige höchst stimmungsvolle Passagen auf, die eine beklemmende Intensität entfalten. Für gesteigerte Unruhe sorgt etwa die Überfahrt zur Strafkolonie, bei der das Publikum tief in den düsteren Bauch des aus allen Nähten platzenden Gefangenenschiffes eintaucht. Haften bleiben auch einige versiert choreografierte, aus nächster Nähe gefilmte Kampfszenen, in denen sich das Aufeinanderprallen der Körper direkt auf den Zuschauer überträgt. All das ist letzten Endes aber zu wenig, um sich ernsthaft mit der Originalverfilmung messen zu können, die 1973, vier Jahre nach Veröffentlichung des zwischen autobiografischen Elementen, historischen Fakten und Erfindungen pendelnden Charrière-Romans, in die Kinos kam.

Kritik: Christopher Diekhaus

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